#TWENTYSOMETHING COLUMN – GLEICHBERECHTIGER SEX? #NURWENNICHESWILL

Gleichberechtiger Sex, das ist nicht einfach nur ein Stellungswechsel. Ich oben. du unten. Da gehört noch so viel mehr dazu. So viel mehr, das weiterhin ein Thema bleibt .. 

Dieser Beitrag wird im Rahmen der Aufklärungskampagne für die Pille Danach  werblich unterstützt 

Er zieht mich zu sich, durch die Menge durch an sich, fasst nach meinem Kinn, ich nach seinem Nacken – er schmeckt nach kaltem Jägermeister, riecht nach warmen Hölzern, nach Zimt und Sonnencreme. Er ist der Richtige – für dieses Wochenende, für diesen Urlaub, meine Stimmung. „Kommst du mit zu mir?“, fragt er mich leise. Und ich nicke. Erst dann überlege ich. „Ich kann mit zu dir kommen, aber .. „ „Aber“?“ „Ich kann nicht mit dir schlafen .. „ „Warum nicht? Willst du nicht?“, fragt er und küsst meinen Nacken. „Ich will schon...“, sage ich. „Aber ich hab eben noch meine Tage..“

 


Es ist nicht so, als würde es mich stören. Es ist der 5 Tag meiner Periode. Ich kenne meinen Körper gut, ich weiß, dass es kein Problem wäre. Aber für die meisten Männer trotzdem ist. Weil wir uns noch nicht gut genug kennen, noch nicht lange genug daten, um es jetzt in dieser Bar zu besprechen, schließe ich Sex erst einmal aus. Erwartungsmanagement. Im Grunde genommen ist es damit meine, nicht seine Entscheidung. Nur wenn ich es will – das gilt für jede Art von Sex. Und immerhin ist es nicht unser einziger Weg die Nacht miteinander zu verbringen...

„Okay“, sagt er, sieht mich lange an, küsst mich wieder und ruft ein Taxi. Wir stolpern zusammen in seine Einfahrt, landen auf dem Treppensims und schließlich in seinem Bett, als er zu vergessen scheint, was ich ihm noch eine halbe Stunde vorher gesagt habe. Ich halte seine Hand fest.
„Hey warte..“, flüstere ich und setze mich auf seinen Schoß. „Ich will dich aber..“, sagt er. „Ich will dich wirklich ...“

"...mit welcher Doppelmoral wir miteinander ins Bett gehen.."

Ich wache auf, als er den Arm unter mir wegzieht, bin vielleicht für ein paar Minuten eingenickt. 02:00 Uhr zeigt der Wecker in roten Buchstaben an, als er aus dem Bad wieder zu mir kommt. „Okay also ... du hattest wirklich noch deine Periode ja?“ „Ja...?“, sage ich und setze mich auf. „Okaaay..“, ich kann ihm ansehen, dass er sich unwohl fühlt. Und mit einem Schlag werde ich wütend. „Ist das jetzt doch ein Problem?“ Er antwortet nicht, legt sich aber trotzdem wieder zu mir und nimmt mich in den Arm. Ich warte sicher noch Minutenlang auf seine Antwort. Ich bekomme keine.
 
Obwohl er mich die nächsten 6 Stunden liebevoll festhält, löst sich mein Unmut nicht einfach auf. Tatsächlich bleibe ich wach liegen. Und denke darüber nach, wie sehr mich dieses ewige Drama um unsere Periode eigentlich aufregt. Ganz generell. Nicht einmal so sehr auf diese Situation bezogen, die es in abgewandelter Form ja doch irgendwie immer wieder gibt. 

Übrigens – das muss ich vorweg schicken – in beide Richtungen. Ich gehöre nicht zu den Frauen, die sie für eine monatliche Niederkunft der Magie des eigenen Körpers halten, ich feiere sie nicht, ich muss sie weder loben, noch preisen, noch muss ich sie zum Thema machen. Sie gehört zu mir, ist ein natürlicher Teil von mir und meinem Körper. So einfach so unaufregend.
Gleichzeitig ist sie aber auch nichts, was ich dringend verstecken, wofür ich mich schämen oder was ich als unangenehm einstufen sollte. Schon gar nicht grundsätzlich.

Gerade wenn Männer überfordert oder sogar ablehnend reagieren, werde ich wütend. Früher habe ich es ignoriert, heute fällt mir auf, wie falsch es war, so stillschweigend die ganze Zeit hinzunehmen, mit welcher Doppelmoral wir miteinander ist Bett gehen.

Du musst es nicht mögen, es gehört zur Selbstverständlichkeit, dass ich dich vorher informieren, wenn ich meine Periode habe und mit dir schlafen oder intim werden will, du darfst Nein sagen, wenn es dir nicht gefällt, dafür ist Sex eben eine selbstbestimmte Sache, die schlicht freiwillig passieren muss . Aber dich davor ekeln? Oder auf Abstand gehen? Entschuldigung?

Ich komme doch auch mit deinem Stuff klar, lasse mich auf deinen Körper ein und ihn zu.

 

Sperma ist beim Sex eine völlig normale Sache, die dazugehört. Konsome sind genau so eine Selbstverständlichkeit wie das, was sie auffangen. Sperma gehört zum Kommen dazu. Wenn ich es  nicht in meiner Nähe will, spreche ich darüber, wenn doch, dann gehe ich ins Badezimmer, nachdem der Sex vorbei ist, alles entspannt. Es ist nichts, was mich in die Nervosität treiben müsste. Und es würde mir im Leben nicht einfallen wiederzukommen und zu einem Typen zu sagen: „Wouh, das war jetzt aber doch irgendwie mehr, als ich erwartet habe? Und überhaupt, was ist das für eine Konsistenz?“

Nur um das klarzustellen: ich habe in diesem Bett nicht die letzten Momente von Lyanna Stark reinacted. Es gibt keine schockierenden Szenen, es gibt nichts, was ihn hätte überfordern müssen. Und trotzdem ist er es. Und was ist das eigentlich für ein dämlicher Umgang miteinander?

Sex macht Spaß wenn er gleichberechtigt ist, wenn er selbstbestimmt passiert und trotzdem mit Rücksicht auf den anderen, wenn er leidenschaftlich und intim ist, ohne Hierarchien, ohne dass man sich danach bewertet oder abgelehnt fühlen sollte. In keiner Situation.

#NURWENNICHESWILL

Dieser Beitrag entstand im Rahmen der Aufklärungskampagne zur Pille Danach, die sich mit sexueller und körperlicher Entscheidungsfreiheit junger Frauen beschäftigt, dazu ermutigen und vor allem aufklären will. Ich habe schon öfter für diese Kampagne geschrieben. Eine der meistgeklickten Kolumnen der Reihe bleibt die, in der ich von meinen Erfahrungen mit der Pille Danach schreibe, aufkläre und mit euch teile, warum ich sie nahm, was sie bewirkt und warum auch sie sehr, sehr viel weniger Vorurteile, Halbwahrheiten und viel mehr Transparenz benötigt.

Eine starke Frau zu sein – oder zu einer zu werden – hat viele Facetten und nicht wenige Momente, in denen wir uns klar entscheiden und mutig positionieren müssen. Ich erzähle in dieser Kampagnen-Reihe außerdem noch von verschiedenen Situationen, in denen ich mich sowohl falsch, als auch für mich richtig entschieden, an mir gezweifelt oder meine Perspektiven gewechselt habe, davon, wo ich einmal stand und wo ich mich heute als Frau sehe.

Weitere Beiträge sind hier, hier, hier und hier zu finden!

anything to say?

Comments

  • Yay, ich liebe deine Beiträge zu dieser Reihe.

    Mir wurde von anfang an eingetrichtert, dass man sich für seine Periode schämen muss und ja niemand mitkriegen darf, dass es sie gibt. Es hat lange gedauert bis ich aufhörte mich bei Männern dafür zu entschuldigen („Tut mir wirklich leid, dass es heute nicht geht“) . Aber inzwischen sehe ich es wie du. Ich feiere mich nicht als magisches Einhorn deswegen, aber ich erwarte dass ich kein „iiiihhh“ höre, wenn ich meine Bettgefährten darauf hinweise

  • Ich hatte es schon so oft bei Beiträgen von dir (und auch wieder bei diesem), dass sie genau ein Gefühl, eine Meinung beschreiben, die ich schon lange habe und auch lebe, aber erst dank deiner Beiträge konkret verbalisieren kann und sie mehr als nur ein Gefühl sind, sondern eben eine laute Meinung.
    Vielen Dank für die Inspiration, Meike

  • Ich hasse das, wenn Menschen die Periode als peinlich und unangenehm behandeln. Ich kenne Frauen, die sich schämen mit einer Tampon-Packung durch den Laden zu laufen und ich denke nur WTF, das gehört doch einfach zu uns dazu. Es sind nicht meine Lieblingstage im Monat, aber ich bin eine Frau und ich habe meine Tage. PUNKT! Ich wünsche mir, dass Mädchen und Jungen heute ohne Scham diesbezüglich aufwachsen und es einfach als etwas ganz Normales und vor allem Gesundes wahrnehmen.
    Danke dir für deine Beiträge und deine Offenheit 🙂
    Liebe Grüße an dich nach Südafrika
    Alexandra

    • Gleiches gilt auch für die Packung Kondome im Drogeriemarkt oder einfach die Tatsache, mal ganz in Ruhe vor diesem Regal stehen zu bleiben und sich das Angebot anzugucken.

  • Sperma ist jedes Mal beim sex mit dir Thema? Schon mal an Kondome gedacht? Gerade wenn man wie du oft wechselnde „Partner“ hat, wäre nicht nur die Verhütung durch die Pille danach angebracht, sondern auch als Schutz vor Krankheiten. Ich hätte hier einen Hinweis zum Thema safer sex ganz sinnvoll gefunden.

    • Andrea, ist der Kommentar dein Ernst? Slutshaming, verpackt in vermeintlicher Sorge um die Sicherheit?

      Der Beitrag, der über die Pille danach aufklärt, über ihre Wirkweise, Verwendung und warum ihre rezeptfreie Erreichbarkeit so wichtig für die sexuelle Selbstbestimmung ist, habe ich verlinkt, aber vielleicht ging er dir unter: http://www.linamallon.de/2016/10/twentysomething-column-nurwennicheswill-part-2-und-was-jetzt/

      In diesem Beitrag geht es um ein völlig anderes Thema. Aber das scheint dir irgendwie egal. Du möchtest draufhauen und haten. Und das aufgerechnet gegen eine andere Frau, am Weltfrauentag und bei einem Thema, das dich zumindest grundlegend loyal stimmen sollte, auch wenn du mich als Person ja offenbar eher ablehnst.

      Zu deinem Grundproblem: ich weiß nicht, was für Kondome du verwendest, aber die, mit denen ich zu tun habe, fangen Sperma nur auf und lassen es nicht magisch verschwinden.
      Der Schutz beim Sex hat unweigerlich mit Sperma zu tun, also bleibt es Thema. Immer. Ob es nun direkt oder indirekt. Sperma ist ein völlig normaler Teil des Sex. (Genau diese Awareness ist übrigens der Beginn von safer sex.

      Anbei 2 ausgesuchte Artikel, in denen ich mich mit Kondomen beschäftige, vielleicht sind die ja was für dich.

      http://www.linamallon.de/2017/01/twentysomething-column-warum-wir-noch-immer-dringend-ueber-kondome-sprechen-muessen/
      http://www.linamallon.de/2017/02/mythen-verhuetung-kondome-2017/

    • „Vermeintliche Sorge um die Sicherheit“

      Ja Girl, ich hab mich tatsächlich geworried wenn das deine sexual hungry Followers readen und thinken, dass die Pille danach als Verhütungsmittel enough ist.
      Bei solchen comments von dir, direkt beleidigt und offended (wie immer halt), wundert mich auch nichts mehr.
      Learn mal wie man wie ein adult auf sachlich geweiteten Kommentare reacted, würde dein life easier machen.

    • Würdest du deine Kommentare und die Art wie du sie abgibst jetzt grundsätzlich als sinnvoll oder sachlich beschreiben? Als beitragend oder konstruktiv?

      Um aber einen wichtigen Punkt aufzugreifen, der bei dir sehr falsch verankert ist: die Pille danach ist KEIN Verhütungsmittel. Sie verhindert weder eine bereits bestehende Schwangerschaft, noch könnte sie sie abbrechen. Ich finde es gefährlich in einem öffentlichen Kommentarfeld derartig falsche Details zu verbreiten. Infos, die nicht von mir stammen und damit vielleicht eine neutralere Chance bei dir haben: http://www.pille-danach.de

    • Du findest das gefährlich in den Kommentaren? Ich finde es gefährlicher einen kompletten blogbeitrag ohne Hinweis auf safer sex zu verfasssn. Aber leider hat kein Kondomhersteller den Beitrag mitfinanziert. Du musst immer von der Dummheit der Menschen ausgehen. Es gibt genug Menschen die denken, dass die Pille (auch die normale) vor allem schützt.

    • Und genau darum gibt es Beiträge, die aufklären Andrea. Beiträge, denen du es hier gerade absichtlich schwer machen willst.
      Du wirst niemals einen Beitrag schreiben, den man nicht absurd zerpflücken könnte, um sich dann zu beschweren, dass er Löcher hat, das beweist du ja gerade sehr beispielhaft.

      In diesem Beitrag geht es nicht um safer Sex, sondern um das Thema Periode, das ist fokussiert und herausgearbeitet.

      Ich traue meinen Followern grundsätzlich mehr zu, als das was du ihnen zugestehen möchtest, wenn ich über Dating und Sex schreibe, versteht sich Schutz und Respekt von selbst.
      Wenn ich über einen Roadtrip schreibe, erwähne ich ja auch nicht extra, dass ich nüchtern war, weil sonst jemanden das Gegenteil vermuten könnte. Wenn ich über eine Auslandsreise schreibe, ist auch nirgends ein Hinweis vermerkt, dass ich meinen Pass dabei und die Haustür abgeschlossen habe.

  • Hallo Lina, dass was du da schreibst, ist leider die traurige Wahrheit.
    Umso dankbarer bin ich, nun einen Mann zu treffen, der auf „ich habe meine Tage“ mit „na und?“ geantwortet hat. Wir lassen uns davon nicht stören. Und er ist in den 12 Jahren in denen ich Sex habe, der erste. Es ist unglaublich befreiend, aber doch auch irgendwie traurig.

  • Ich liebe deine Stärke und deine Ehrlichkeit! Danke dafür. Du bist für mich eine echt Inspiration, auch wenn ich nicht immer einer Meinung bin, find ich’s super, dass du deine so kräftig teilst.

  • Hallo Lina,

    grundsätzlich gebe ich dir absolut Recht. Ich finde die Doppelmoral im Bett auch tierisch nervig und verstehe den „Hype“ um die Periode nicht (egal ob positiv oder negativ) , ohne welche wir alle nicht auf der Welt wären.

    Was mich allerdings irritiert und was ggf. auch die Diskussion mit Andrea ausgelöst haben könnte ist, dass am Schluss steht, dass dieser Beitrag im Zuge der Aufklärungskampagne zur Pille danach entstanden ist oder geschrieben wurde.
    Dadurch dass diese Sätze den post beenden, wird beim Leser die „kondomfrage“ möglicherweise in eine andere Ecke des Gehirns geschoben und schon verändert sich die Wirkung des Textes. Denn es impliziert ja, dass der Text damit zumindest in einem gewissen Zusammenhang steht. Somit wahrscheinlich der Hinweis auf safer Sex.

    Nur so als Anregung. Und nein, kein Hate und kein Sonstwas 😉

    • Hi Nina,

      Ich danke dir für deinen Gedanken, tatsächlich steht dort aber auch, dass der Beitrag im Zuge für sexuelle Gleichberechtigung geschrieben wurde, vermutlich hätte ich die Kampagne noch einmal genauer erklären sollen, aber es war nicht mein erster Beitrag zu diesem Projekt und ich bin vielleicht zu sicher von einem Grundverständnis ausgegangen, ich arbeite seit 2 Jahren mit diesem Kunden und habe schon einige Postings zum Thema verfasst, die teilweise völlig losgelöst vom Thema Verhütungspanne waren, sondern eher grundsätzlich den Gedanken von Entscheidungsfreiheit, Selbstbestimmung und weiblicher Stärke auffassten. Ich habe ja auch extra diese Artikel verlinkt.

      Auch nur als Anregung meinerseits: eine „Kondomfrage“, gibt es ja gar nicht oder sagen wir: sollte es nicht geben. Sie ist geklärt. Kondome gehören dazu. Punkt. Das heißt aber leider trotzdem noch nicht, dass der Sex zu 100% safe ist. Auch wenn man ein Kondom benutzt hat, kann man ineine Verhütungsfrage geraren und ich finde es wichtig genau zu wissen, welche Optionen man danach hat..

    • Hallo Lina,

      gebe dir Recht. Kondomfrage gibt es nicht. Zumindest nicht für dich und nicht für mich. Leider sind wir aber vermutlich nicht signifikant.
      Allerdings hast du auch Recht, wenn du von deinen Lesern eine gewisse Vorkenntnis erwartest. Bzw dass diese dich einzuschätzen wissen.

      Ich arbeite als Psychologin mit Jugendlichen und da muss ich immer von ganz anderen Maßstäben ausgehen. Daher mein möglicherweise etwas eingefärbter Beitrag 😉

      Was ich aber grundsätzlich super finde ist, dass du dich mit diesen Themen befasst in einer Art, die ich bereichernd finde. Ich selber bin Anfang 30 und immer wieder geschockt, wie viele in meinem Alter über solche Themen wie Periode denken. Denn leider wird dies ja auch an die nächste Generation weiter gegeben. Daher Danke, dass du dies durch offene Texte durchbrechen willst..

      Liebe Grüße nach Kapstadt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Name