TWENTYSOMETHING COLUMN: #NURWENNICHESWILL PART 2 – „UND…WAS JETZT?“

Ich war 19, als ich zum ersten Mal in die Situation geriet, die so ziemlich jeder Frau bereits passiert ist oder vielleicht noch bevorsteht. Ganz egal, ob sie Single oder verlobt, 15 oder 31, meistens sehr vorsichtig oder manchmal zu ausgelassen ist.
Manche geraten durch einen Moment des Leichtsinns oder der Vergesslichkeit in diese Situation, andere, so wie ich, haben in einer Samstagnacht zu viel getrunken und wieder andere haben einfach nur Pech.

Ich muss kurz durchatmen, bevor ich euch meine Geschichte erzähle. Ich hab sie noch nicht einmal mit den meisten Freundinnen geteilt. Jeder der dumme, leichtsinnige Fehler zugibt, macht sich angreifbar. Aber die Sache ist die: sie passieren trotzdem.
Und manchmal nur dann nicht wieder – wenn man über sie spricht.

APRIL 2008 | AUF SICH AUFPASSEN LERNEN

Ich hatte mich gerade von meinem ersten Freund getrennt. Zwei Jahre waren wir zusammen gewesen, mein Abi-Sweetheart und ich. Nach dem Abschluss kamen die neuen Wege, Möglichkeiten und vor allem persönliche Entscheidungen und damit auch zum ersten Mal die Frage, ob wir ohne die Rahmen und Grenzen der Kleinstadt noch zusammenpassten. Taten wir nicht und gingen ab dem zweiten Semester getrennte Weg.
Es war das erste Mal, dass ich mich als Frau und Single fühlte, dass ich ausging und unbefangen, ohne Erwartungsdruck oder unglücklich verliebt (so verbrachte ich die Lebensjahre 14-17 immerhin fast durchgängig), mit Männern flirtete und schließlich einen kennen lernte, der genau das war, was ich mit 19 Jahren suchte und brauchte: kein Boyfriend-Material, niemand, mit dem ich mir eine Zukunft ausmalen würde, aber heiß, aufregend und der erste konsequenzlose „Bad Boy“, dem ich je begegnete.
Es dauerte zwei Wochenenden und 3 Abende, bevor wir im April 2008 auf einer Semesteranfangsparty abstürzten, tanzten, knutschten und schließlich in seinem Bett landeten.

Vom heutigen Standpunkt aus, weiß ich nicht mehr genau, was ich mir gedacht hatte, was mit mir los gewesen war, aber vielleicht ist es besser nachzuvollziehen, wenn man nicht vergisst, dass er der zweite Mann war, mit dem ich je schlief und ich ihm komplett die Führung überließ. Ich war damals weder sonderlich selbstbewusst, noch wusste ich mit diesen Dingen, mit einer lockeren Affäre oder casual sex umzugehen, mit meinen Freundinnen konnte ich nicht darüber sprechen und wirklich ins Detail über tatsächlichen Ablauf und Handlung gingen damals weder Carrie Bradshaw, noch die Cosmopolitan. Und selbst in der Neon erzählte man 2008 noch von persönlichen Sehnsüchten und beruflichen Zukunftsängsten. Ich gab mich dem Gedanken hin, dass er wusste, wie es lief und schaltete mein Gehirn vollkommen aus. Einfach aus. Reagierte nur auf das, was er tat und hinterfragte nicht das, was er nicht tat.
Bis zum nächsten Morgen.

Allein in der Bahn, allein in meinem Schlafzimmer, allein mit mir selbst, ohne überfordert das Gehirn auszuschalten, damit es sich leicht und nicht kompliziert anfühlte, war ich wieder klar im Kopf: wir hatten kein Kondom benutzt. Und wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst war, hatte ich mit der Pille in diesem Monat zwei Mal geschlampt und sie wohl möglich viel zu spät nach genommen.

Binnen einer Sekunde, eines Gedanken, war es echt, alles was ich theoretisch über Verhütung gehört hatte, was ich gelesen oder man mir so stumpf und gebetsmühlenartig vorerzählt hatte, dass ich es wie Wissenskarten für eine mündliche Prüfung behandelt, aber offenbar nie so verinnerlicht hatte, wie es nötig gewesen wäre.
Auf einmal waren das nicht nur aufklärende Fakten, sondern passierte wirklich. In meinem Leben.

Gut eine Stunde später sah ich sie auf dem Fahrrad auf mich zukommen. Ich saß auf einer Parkbank und hatte mir meine Situation systematisch schön geredet. Von „wie groß muss denn bitte die Wahrscheinlichkeit sein, dass jetzt ausgerechnet in einer Nacht, in genau dieser Situation irgendwas passiert ist..“, zu „Das passiert halten anderen, aber mir am Ende ja nicht wirklich“, hatte es jeder dieser realitätsfernen, unsinnigen Sätze als Argument in mein Gehirn geschafft.

Ich sah in diesem Moment nicht, dass ich mich völlig irrational und wie ein Idiot benahm, der ich sonst nicht war.  Hätte ich neben mir gestanden, mich so erlebte, ich hätte mich gepackt und geschüttelt.
Gott sei Dank hatte ich eine Freundin, die es tat, als ich ihr von meiner Nacht erzählte und mit allerlei falschen und dummen Phrasen um mich warf, mit denen ich mich beruhigen wollte, aber die Situation eigentlich nur leugnete.
„Lina, bist du eigentlich vollkommen bescheuert? Du brauchst die Pille danach! Und zwar jetzt!“ „Es ist Samstag. Die krieg ich doch jetzt nirgends her…“, versuchte ich kraftlos und erkannte dann selbst, wie sehr ich mir im Weg stand. „Lass uns einfach schauen, wo die nächste Notfallpraxis ist und hinfahren…“

Ich bin ganz ehrlich, damals, mit 19 Jahren, viel Nervosität, Schamgefühl und Unsicherheit an meiner Seite: ich weiß nicht, ob ich wirklich noch am gleichen Tag in diese Praxis gefahren wäre, hätte ich nicht meine beste Freundin an meiner Seite gehabt.

Wenn man das Leben der Kleinstadt noch gewohnt ist, gehen dir viele Gedanken durch den Kopf: hätten wir die nicht auch einfach irgendwo online bekommen können? Gab es die denn nicht irgendwie diskreter? Ohne großen Aufwand? Was wenn mich jemand erkennt? Was wenn es jemand rumtratscht? Was wenn dann jeder darüber redet, urteilt, spottet? Was wenn meine Eltern davon erfahren und ausflippen? Nicht nur, weil ich so dumm und unvorsichtig war, sondern weil sie noch nicht einmal verdaut hatten, dass ich mich vor 2 Monaten überstürzt von meinem Freund getrennt hatte und außerdem auch noch im Studium nicht glücklich war. All dies ging mir durch den Kopf, als ich mit hängenden Schultern im Wartezimmer saß und kaum wagte mich im Raum umzusehen. Mit jedem neuen Patienten, der hinein kam, stieg meine Nervosität.

Es dauerte ewig, bis ich endlich mit einer Ärztin sprechen konnte. „Ich brauche die Pille danach..“, begann ich leise, aber mit springendem Puls und wartete auf einen urteilenden Vortrag oder bedrückende Stille. Ich hatte …Glück?

„Dass die Pille danach kein Verhütungsmittel ist, das weißt du?“, fragte sie nach und erklärte dann relativ neutral: „sie verhindert den Einsprung, nicht aber eine eventuell bereits entstandene Schwangerschaft.“
nach einer Pause sagte sie dann: „Und wenn du deinen Partner noch nicht lange kanntest, ihr nicht fest zusammen seid …dann solltest du außerdem noch einmal mit deiner eigentlichen Ärztin sprechen und einige Tests machen.“
Ich nickte nur stumm und zustimmend. Und dann hatte ich Glück, denn diese Frau mir gegenüber, nahm sich nicht nur einen Moment Zeit, sondern mir mit ihrem nächsten Satz auch die Beklommenheit. „Es ist gut, dass du hier bist und Verantwortung übernimmst, auch wenn es dir sehr unangenehm ist. Fehler passieren, manche davon macht man nur einmal – und selbst wenn sie wieder passieren, sind sie kein Grund sich zu schämen. Wichtig ist, sie nicht zu ignorieren und einfach wegzuschieben. Das gehört zum Erwachsenwerden dazu.“

Als ich eine viertel Stunde später mit dem Medikament und meiner Freundin die Praxis wieder verließ, ging es mir auf einen Schlag besser. Ich war noch nicht zu 100% sicher, aber ich fühlte mich unheimlich erleichtert. Ich war froh den Gang nicht hinausgezögert und mir eine schlaflose Nacht beschert zu haben, ich war froh, dass ich eine Freundin an meiner Seite hatte und vor allem dankbar, dass ich eine Option hatte wahrnehmen können.

Wäre mir diese Geschichte nicht 2009, sondern 2015 passiert, hätte ich den Weg in eine Arztpraxis gar nicht mehr gehen müssen. Was viele noch immer nicht wissen: seit mehr als 1 Jahr gibt es die Pille danach in Deutschland rezeptfrei.
Sie ist in jeder geöffneten Apotheke vorrätig und diskret zu bekommen. Eine Änderung unseres Gesetzes, die so wichtig war und uns Frauen noch mehr Sicherheit in einer akuten Notsituation bietet und Selbstbestimmung ermöglicht.

Noch ein paar Trivia zum Typen? Als ich ihm davon erzählte, reagierte er ablehnend, sogar wütend, meldete sich nie wieder und verbreitete schlussendlich sogar das Gerücht, ich habe mir eine Schwangerschaft ausdenken wollen, um ihn zu halten.
Vielleicht war er mein Wake-Up Call. Dafür, dass ich, wenn ich mit jemandem schlief, ich nicht nur tough oder mutig genug sein musste, um ihm in sein Schlafzimmer zu folgen, sondern vor allem stark und klug genug, um auf mich aufzupassen.

Übrigens ganz egal, ob es sich um ein Strohfeuer oder einen Mann handelte, den ich meinen Eltern vorstellen wollen würde .. denn tatsächlich kam ich den letzten 8 Jahren immer wieder, in die Situation, zu stoppen und aktiv nach einem Kondom fragen zu müssen, weil der jeweilige Mann es von sich aus unbesprochen ausgelassen hätte. Ja, auch einige von den Guten.

 

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JULI 2015 | WEIL FEHLER PASSIEREN

Ok scheiße“, sagte er ins Dunkel. „Was is los?“, antwortete ich und strich über seine Schulter. Ich gab ihm einen Kuss, der er steif hinnahm und nicht erwiderte, dann versuchte mich aufzurichten. In meinem Kopf pochte ein bisschen der Alkohol, meine Welt schwankte angenehm und in meinen Ohren fiepte noch immer die Lautstärke der vergangenen Stunden. „Das Gummi ist kaputt gegangen.“ Und mit einem Mal war ich wach.
„Das ist nicht dein Ernst.“ „Doch.“ Ich knipste das Licht an, zog mir ein Sweatshirt, das ich zu greifen bekam, über und verschwand wortlos im Badezimmer. Durchatmen, App öffnen, Herzrasen. Ich hatte mich richtig erinnert. Meine fruchtbaren Tage setzten in 48 Stunden ein. Ich hatte meine hormonelle Verhütung pausieren müssen, mich vollkommen auf die manuelle Geschichte verlassen. Und darauf, dass das „gerissene Kondom“ nur ein Mythos oder das Synonym für „eigentlich doch vergessen“ war. Aber wieder einmal stand ich hier. Vor der abrupten Realität. Und brauchte sofort eine Lösung.

Ich wusch mir das Gesicht, putzte meine Zähne und lief dann fast in ihn hinein, als ich ruckartig die Badezimmertür aufzog. „Kannst du bitte mit mir sprechen? Ich meine, wir haben da bis jetzt noch nicht drüber geredet, weile irgendwie nicht nötig war, aber….du verhütet doch trotzdem noch .. selbst.. oder?“ „Nein.“ Jetzt sah er genau so aus, wie ich mich fühlte: „Ok, scheiße.“
„Ja, richtig scheiße! Ich hab mich auf dich und diese verdammten Kondome verlassen ok?“, fuhr ich ihn schärfer an, als ich wollte und schob mich an ihm vorbei. „Wo willst du denn jetzt hin?“, fragte er überrascht, als ich Schuhe anzog und nach meinem Portemonnaie suchte. „Ich will zu einer Apotheke.“ „Würdest du bitte zwei Sekunden warten, damit ich mitkommen kann?“

Und irgendwie war das der Satz, den ich nicht erwartet hatte. Aber der mir in diesem Moment unheimlich gut tat. „Du – willst mitkommen?“ „Es ist 04:00 Uhr morgens und ich bin der, der es verkackt hat. Natürlich komme ich mit.“

Eine Stunde später hielt das Taxi vor meiner Haustür. Ich war müde, fühlte mich erschöpft, wieder unwohl und verkrampft, aber auch wieder: sicher.
Weil ich mir zu helfen gewusst hatte und auch, weil ich es nicht hatte allein machen müssen. Nicht, dass ich ansonsten zögerlich gewesen wäre, aber es tat gut, jemanden neben mir zu haben, der die Verantwortung mit mir teilte – soweit er konnte.

Er bleibt übrigens ein Mann, den ich bis heute, mittlerweile sind wir Freunde, als absoluten Gentleman bezeichne. Nicht nur, dass er darauf bestanden hatte Taxi und Rezept zu bezahlen, er bot außerdem von sich aus an, sich nochmals testen zu lassen, um mir auch schriftlich noch einmal die Garantie zu geben, dass ich mir um STD’s in seinem Fall keine Sorgen machen musste.

 

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DIE PILLE DANACH – WARUM SIND WIR SO UNAUFGEKLÄRT?

Als ich vor ein paar Wochen unter dem Video von Luise, die auch Teil der #nurwennicheswill Kampagne ist und ebenso über die Pille danach sprach, die vielen falschen Informationen oder absurden Mythen in den Kommentaren las, die Mädels offenbar noch immer mit sich tragen und unwissend wie Fakten verbreiten, war ich schlicht schockiert.

Trotz all der Optionen und auch der Information, die wir durch nur wenige Klicks leicht erlangen können, ranken sich um die Pille danach noch  Gerüchte, mit denen wir einfach aufräumen müssen.
Es kann doch nicht sein, dass wir auf unsere Freiheit pochen, alles wollen, alles mitnehmen, jede Entscheidung ohne Grenzen treffen möchten, aber dann nicht wissen, wie wir auf uns selbst aufpassen der wie wir uns helfen, wenn wir es müssen?

Hier kommen noch 5 wichtige Fakten, die viele zum Thema „Pille danach“ oftmals durcheinander bringen oder gar nicht genau wissen:

 

Wie funktioniert die Pille danach?

Die „Pille danach“ ist keine Abtreibungspille, wie manchmal vermutet wird.
Sie kann eine bereits bestehende Schwangerschaft nicht beenden.
Die Wirkstoffe der „Pille danach“ unterdrücken den Eisprung, indem sie den Anstieg eines Eisprung-auslösenden Hormons, dem luteinisierenden Hormon, verhindern. Auf diese Weise wird der Eisprung verzögert und erfolgt im Schnitt erst fünf Tage später. Hat man zum Beispiel 2 Tage vor seinem Eisprung ungeschützten Sex, ist eine Schwangerschaft möglich. Die „Pille danach“ verschiebt den Eisprung um 5 Tage und schließt damit das fruchtbare Zeitfenster. Verbleibende Spermien sind zu diesem Zeitpunkt abgestorben, sodass eine Befruchtung verhindert werden kann. Wichtig: Ist der Eisprung bereits erfolgt, verhindert die „Pille danach“ die Befruchtung nicht. Ebenso wenig verhindert sie die Einnistung der befruchteten Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut.

Wie lange wirkt die Pille danach?

Die Pille danach ist kein Freifahrtsschein für ungeschützten Sex. Der Eisprung wird nicht für den gesamten Zyklus verhindert, er wird nur verschoben. Nach Einnahme der „Pille danach“ wäre also ca. 5 Tage später wieder ein Eisprung möglich und eine Schwangerschaft könnte entstehen..

Nach Anwendung der „Pille danach“ sollte bis zum nächsten Zyklus in jedem Fall mit dem Kondom verhütet werden. Das gilt auch, wenn ihr die „Pille danach“ wegen einem Einnahmefehler der Anti-Baby-Pille genommen habt. Der Schutz der Anti-Baby-Pille ist für den betreffenden Zyklus nicht mehr gegeben.

Wann muss die Pille danach genommen werden?

Die „Pille danach“ sollte nach einer Verhütungspanne zeitnah und am besten innerhalb der ersten 24 Stunden eingenommen werden. Je früher man die „Pille danach“ einnimmt, desto sicherer kann der Eisprung unterdrückt und eine mögliche Schwangerschaft verhindert werden. Der Wirkstoff „Levonorgestrel (LNG)“ kann theoretisch bis zu 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr genommen werden, der Wirkstoff „Ulipristalacetat (UPA)“ ist bis zu 120 Stunden nach dem ungeschützten Sex wirksam. Dennoch: bitte wartet nicht unnötig mit der Einnahme der Pille danach. Der Grund ist einfach erklärt: je länger man mit der Einnahme wartet, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit eines Eisprungs. Ein Eisprung kann immer nur in einem Mittelwert, nie aber exakt berechnet werden. Je größer die ungeschützte Zeitspanne, desto höher die Wahrscheinlichkeit eines Eisprungs und dann auch einer Befruchtung. Innerhalb von 24 Stunden kann das Schwangerschaftsrisiko durch UPA auf 0,9 % und mit LNG auf 2,3 % gesenkt werden.

Gibt es Nebenwirkungen?

Die „Pille danach“ greift für einen Moment in unseren Hormonhaushalt ein, sodass Nebenwirkungen möglich sind. Dazu zählen Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Unterleibsschmerzen oder allgemeines Unwohlsein. Wichtig: durch die Verschiebung des Eisprungs setzt die Periode manchmal etwas später ein. Also: keine Panik bei einem verspäteten Zyklus.

Was kostet die Pille danach?

Die Pille Danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel kostet ca. 16-18 Euro, die Pille Danach mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat kostet ca. 30 Euro


 

Dieser Beitrag ist der erste meiner 4-teiligen Reihe von Kolumnen, die im Rahmen der#Nurwennicheswill Kampagne und in freundlicher Unterstützung mit Cohn&Wolfe entstanden sind, die sich mit sexueller und körperlicher Entscheidungsfreiheit junger Frauen beschäftigt, dazu ermutigen und vor allem aufklären will. Eine starke Frau zu sein – oder zu einer zu werden – hat viele Facetten und nicht wenige Momente, in denen wir uns klar entscheiden und mutig positionieren müssen. Ich erzähle in dieser Reihe von verschiedenen Situationen, in denen ich mich sowohl falsch, als auch für mich richtig entschieden, an mir gezweifelt oder meine Perspektiven gewechselt habe, davon, wo ich einmal stand und wo ich mich heute als Frau sehe. 

anything to say?

Comments

  • Danke Dir, liebe Lina, fürs Highlighten dieses mega-wichtigen Themas! Wichtig ist vor allem die De-stigmatisierung, es kann absolut jeder von uns passieren. So auch mir – zum Glück wohnte ich damals nochmal in England und hatte das Glück, einfach in die nächste Boots-Filiale zu spazieren und mir rezeptfrei das Präparat zu holen. Happy Sunday <3

    • Danke fürs Teilen und deinen Beitrag! Ich finde es auch absolut wichtig, dass wir uns a) noch mehr mit dem Thema auseinandersetzen, wirklich informieren und aufklären, statt berieseln zu lassen und b) diese Stigmata abgeschafft werden, die leider tatsächlich dazu führen, dass Mädels aus Angst lieber hoffen und einfrieren, statt zu handeln!

  • WOW! Vielen Dank für diesen ehrlichen Artikel, in dem sich glaube ich jede Frau auf irgendeine Art wiederfindet. Auch ich kenne dieses Schamgefühl gut, dass man in so einer Situation empfindet und die Ungewissheit bis zur nächsten Periode ist echt nicht toll. Aber schön, dass du so offen darüber schreibst!

  • Vielen Dank, Lina. Dieser Beitrag hat hoffentlich einige Gerüchte zu Nichte gemacht und einige Mädels aufgeklärt. Ich selbst habe auch nicht alle Fakten zu der Pille danach gekannt und bin froh, dass ich nun wieder etwas Neues erfahren habe.

  • Liebe Lina,

    Ich möchte diesen und deinen Beitrag über Sextoys als Beispiel herausgreifen, warum ich deinen Blog so super finde und richtig Spaß daran habe. Du sprichst Themen an, die ich auf den wenigsten Blogs lese, die aber so wichtig sind! Ich les dich echt gern.

    Viele Grüße

    Analena

  • Liebe Lina,
    Vielen Dank für diese super wichtige und mutige Kolumne. Leider ist das Thema immernoch derart tabuisiert, dass wir denke ich alle wissen wie sich die Situation anfühlt, die du schilderst.
    Auch ich habe des Öfteren die Erfahrung gemacht, dass ich mein Gegenüber explizit auffordern musste ein Kondom zu benutzen und frage mich dann immer wieder: Jungs und Männer wo ist euer Verantwortungsbewusstsein geblieben. Schließlich reden wir hier nicht nur von der vermeidbaren Schwangerschaft sondern im gleichen Zug von schlimmen Krankheiten.
    Ich hoffe, dass sich ganz viele Leute inspiriert fühlen und (zumindestens für sich selber) Verantwortung übernehmen.
    Thanks for your honesty
    Anna

  • Ich habe Luises Video auch gesehen und muss gestehen, dass ich die viele Kritik verstehen konnte. Sie hat das Thema eher so seicht daher erzählt, statt sich wirklich damit zu beschäftigen.
    Das machst du ganz anders und das merkt man. Man kann Themen eben so oder so angehen! Starker Text!

  • Liebe Lina,

    ich finde es wie meine Vorredner großartig, dass du das Thema ansprichst, einfach weil es kein Tabuthema sein sollte. Mal abgesehen von diesen kleinen „Dummheiten“ (ich spiele hier auf das, was dir 2008 passiert ist, an), die ein jeder von uns wohl irgendwann einmal erlebt, gibt es auch einfach Unfälle, in denen man die Pille danach braucht – sei es nun, weil das Kondom gerissen ist oder ein ganz klassischer Fall: Man nimmt die Pille, hat Sex und muss sich unerwartet übergeben, weil man auf einmal krank wird, eine Magenverstimmung hat oder sonstiges.
    So ist es mir passiert und ich finde, gerade bei solchen Situationen sollte man sich nicht schämen müssen, auf die Pille danach zurückzugreifen. Es ist eher sehr verantwortungsvoll, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, dass etwas schief gelaufen sein könnte, statt den Kopf in den Sand zu stecken und auf gut Glück zu hoffen, dass nichts passiert ist. Und ich denke, dass solche Beiträge wie dieser hier dem ein oder anderen einfach die Augen öffnen und zeigen, dass es eben nicht tabu ist, über so etwas zu reden, nachzudenken oder im Zweifelsfall die Pille danach selbst anzuwenden.

    Liebste Grüße,

    Jess

  • Liebe Lina,

    Aufklärung ist so wichtig! Und das vor allen Dingen in jungen Medien! Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich so viel Ehrlichkeit mit den eigenen Fehlern und Ausrutschern wohl nie getraut hätte. Und das, obwohl ich selbst gern ueber ernstere und tiefere Themen schreibe. Meine Bewunderung und meinen größten Respekt vor dir und deinem Blog Konzept. Ich finde, du leistest tolle, wertvolle und bleibende Arbeit.

    Franzi

  • Jede Frau wird sich leider auf die eine oder die andere Weise in deinem Text wiederfinden, fürchte ich. Aus der Kategorie „Dummheit“ ist bei mir nichts dabei, dafür umso mehr bei der Kategorie „Unfall“. Zwei absolut demütigende Horrorerlebnisse (Stichworte: Sonntag, streng katholisch geprägtes Ausland), die ich wirklich niemandem wünsche. Unglaublich, dass es erst im Jahr 2016 soweit ist, dass eine Frau sich in der Apotheke die Pille danach ohne Rezept und ohne die beschämende Tortur drumherum besorgen kann. Und noch trauriger, dass ein Text über dieses Medikament im Internet als mutig gefeiert werden muss!

    Was mich aber am allermeisten ärgert, ist die Einstellung mancher Männer zu der Thematik. Nur weil man als Frau das „biologische Pech“ hat, im Zweifel ein Leben lang mit ungewolltem Kind dar zu stehen bzw. die medizinischen Prozeduren dagegen durchstehen zu müssen (von Geschlechtskrankheiten mal ganz abgesehen), sind es anscheinend nicht wenige, die sich als unbeteiligte Dritte bei dem Ganzen sehen. Mir ist es nun schon zwei mal passiert, dass der Mann nicht von sich aus ein Kondom verwenden wollte. Einmal davon sogar -bei einem Treffen, bei dem von vorne herein klar war, dass es nicht um das Tauschen von Stickern gehen sollte, wohlgemerkt- auch einfach keins dabei hatte, weil „er die Dinger nicht ausstehen kann“. Was muss eigentlich passieren, damit endlich alle respektvoll mit dem Körper von sich und Anderen umgehen und sich der Verantwortung stellen, die ihr Handeln mit sich bringt?

    • Diese Einstellung von Männern ist einfach besch… eiden. Wirklich. Ich glaube, viele von ihnen würden es erst kapieren, wenn sie mit dieser „Last“ selber konfrontiert werden. Es ist ja nicht so, dass wir Mädels alle die Pille oder andere Verhütungsmittel so super leiden können oder die gar keine Nebenwirkungen haben, ach was, nein..
      Ich könnte mich da so aufregen und finde es einfach nur dreist, wie sich manche Männer aufführen.

  • Danke Lina, dass du eine der wenigen Bloggerin in der ganzen Blogosphäre zwischen Gucci-Taschen und -Loafern bist, die die wirklich wichtigen Dinge anspricht und einfach richtig gute Texte veröffentlicht, die es jedes Mal auf den Punkt bringen, und man sich zum Teil in ihnen wiederfinden kann.
    Bisher habe ich mich persönlich erst einmal in einer ähnlichen Lage wiedergefunden, allerdings war das alles nur halb so dramatisch. Denn ich konnte einfach in die Apotheke gehen, wo mir sehr freundlich und ausführlich erklärt wurde, wieso ich keine Pille danach brauche. Und hätte ich sie gebraucht, hätte ich sie dort einfach kaufen können. Das finde ich so unfassbar wichtig, denn Unfälle und Missgeschicke können echt jedem passieren. Und, dass Typen heute immer noch denken „joah die Frau wird die Pille schon nehmen“, finde ich echt zum Kotzen. Sollte ich jemals in so eine Lage kommen, der wird sich aber was anhören müssen…
    Grüße, Malina
    http://malinaflorentine.de

  • Beide Daumen hoch für diesen Post.
    Schade, dass -auch ich- man sich damals noch nicht so getraut hat, offen mit Freundinnen zu reden aus Angst vor Stigmatisierung. Ich hatte damals meine Schwester mit beim Arzt.
    Ich bin heilfroh, dass es die Pille danach inzwischen leichter zu erhalten gibt. Die politische Diskussion darum fand ich eine Frechheit. Als ob Frauen die Dinger freiwillig wie Smarties futtern! Wenn es die Pille danach für den Mann gäbe, wäre sie seit den 50ern im Set mit nem Entspannungsbier und ner Wärmflasche kostenlos im Kiosk zu haben… (ich übertreibe, aber Hey!)
    Wie schön Offenheit und Unterstützung doch ist!

  • Sehr guter Beitrag. Ich selber war noch nie in so einer Situation, fand die Vorstellung aber schrecklich was man im Notfall alles auf sich nehmen muss, bevor die Pille danach rezeptfrei wurde. Danke für das Teilen deiner Geschichten, eine meiner liebsten Kolumnen von dir.

  • Finde es gut und richtig dass dieses Thema angesprochen wird. Ich denke auch dass es wichtig ist Jugendlichen (und natürlich auch Erwachsenen) beizubringen dass es nicht nur in Ordnung, sondern notwendig ist über Verhütung zu sprechen. Vor dem Sex.
    Es ist völlig ok zu fragen wie die Verhütung und das Schützen vor Krankheiten ablaufen soll. Es ist sogar nötig das zu tun!
    Nur hat sich für mich beim Lesen die Frage ergeben warum denn der Mann daran Schuld war, dass das Kondom gerissen ist? Also wenn ein Kondom kaputt geht können doch beide Parteien reichlich wenig dafür (es sei denn natürlich es ist mit Absicht passiert, oder man wusste vor dem Sex davon, hat es aber erst danach erwähnt). Warum ist er daran Schuld, wenn was schief geht?

    • Genau das Gleiche wie Kaya habe ich mir auch gedacht. Insgesamt fand ich den Text gut, ehrlich und aufschlussreich, aber bei der Stelle mit dem gerissenen Kondom stutzte ich mehrmals. Weder konnte ich die erst patzige Reaktion nachvollziehen, noch das freudige Erstaunen darüber, dass der Sexpartner zur Apotheke mitkommen wollte. Meiner Meinung nach ist eine solche Situation ein Problem, für das niemand was kann, das aber gemeinsam gelöst werden sollte. Deshalb finde ich es nicht gerechtfertigt, den Mann dafür anzuherrschen, würde es aber auch erwarten, dass er sich nun gemeinsam mit mir um die Beschaffung der PD kümmert, sofern nötig.
      Würde mich über eine Antwort freuen, Lina. Ich lese seit ca. einem Jahr still mit und finde immer wieder spannende Gedanken und schöne Formulierungen bei dir!

    • Habe mich genau das gleiche gefragt – Wieso hat er es „verkackt“? Und wieso hat er das Gefühl das wiedergutmachen zu müssen, indem er die Pille bezahlt? Es gibt doch so viele Gründe, warum Kondome reißen (Frau nicht feucht genug, falsche Größe) Natürlich kann es auch seine Schuld gewesen sein (falsche Lagerung, zu alt), aber ihn so als den Bösen darzustellen (weil für Kondome immer nur die Männer verantwortlich sind?) finde ich merkwürdig.

    • Hallo Alena,
      Ich frage mich gerade wo du liest, dass der Mann das Gefühl hatte etwas gutmachen zu müssen oder dass er in dem Text als der Blöde hingestellt werden würde? Komische Perspektive, die ich wiederum merkwürdig finde, aber so ist das mit Texten, man hat natürlich immer den Raum etwas von sich selbsthineininterpretieren, was gar nicht da steht ..

      Es war eher so, dass er offensichtlich das Gefühl hatte, dass er genau so verantwortlich ist, wie ich und stellte das nicht eine Sekunde in Frage, so wie es ein anderer Typ in ähnlicher Situation in meinen Erfahrungen bereits getan hatte. Und das fand ich sehr schön.

      Einmal zur Erklärung an euch gemeinsam: ich habe die Situation so beschrieben, wie ich sie in dem Moment gefühlt habe, nicht wie sie theoretisch zu erörtern wäre. Wenn man in einer solchen Situation ist, halte ich es für völlig normal erschrocken, vielleicht überfordert, geschockt oder eben mit einem: „Nicht dein Ernst?“ und eben emotional, zu reagieren, weil einem in dem Moment nicht viel mehr durch den Kopf geht. Das ist doch menschlich 🙂

      Es ist natürlich schön, wenn ihr bisher keine negativen Erfahrungen gemacht habt, ich hingegen schon, darum habe ich das Bedürfnis gehabt noch einmal herauszustellen, dass es sich für mich unheimlich gut angefühlt hat, dass ich mich zwar völlig um mich selbst hätte kümmern können, es aber nicht musste, weil er ebenso Verantwortung übernommen hat, wie ich. Das hatte ich nach meinem voherigen Erlebnis nicht vorausgesetzt und als völlig sicher erachtet, umso besser eine so positiv Erfahrung gemacht zu haben.

  • Sehr guter Post Lina,
    Ich finde es schade wie negativ immer noch das Image der Pille danach behaftet ist.
    Ich selber hatte mit 17 die Situation das ich erst einen Magen-Darm Virus hatte, wodurch die Anti Baby Pille wirkungslos war und 1 Woche später das Kondom beim sex mit meinem damaligen Freund riss.
    Ich habe damals in einem 3000 Seelen-Dorf gewohnt und bin in die Apotheke um mir die Pille danach zu holen. Das war schon etwas unangenehm aber hey, ich hätte ja eigentlich nichts falsch gemacht.
    Bis ich dann ein paar Tage später Gerüchte hörte ich wäre meinem damaligen Freund fremdgegangen.
    Verbreitet durch die Apothekerin die die Mutter eines Bekannten war und brühwarm am Abendbrottisch von meinem Kauf erzählte und direkt den Rückschluss zog ich müsse ja meinen Freund betrogen haben.
    Das hat mich sehr schockiert und auch wirklich wütend gemacht denn eigentlich übernimmt man nur Verantwortung und in die Situation kann JEDER kommen. Auch wenn man sehr verantwortungsvoll mit sich und seinem Partner umgeht.
    Umso wichtiger dass das häufiger offen gemacht wird. Lieben Dank

  • Ich finde es klasse, dass du dich an dieser so wichtigen Kampagne beteiligst. Man kann bei diesem Thema einfach nicht genug aufklären und zwar nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern genau auf diese Art & Weise: von Menschen wie dir, die wie eine Freundin ihre Erfahrungen mit einem teilen und dennoch die Reichweite haben, um „Fremde“ zu erreichen und hoffentlich etwas in den Gedanken zu bewegen.
    Danke für deinen tollen Beitrag!

  • Liebe Lina,
    eigentlich bin ich eher eine begeisterte, stille Leserin deiner Beiträge.
    Doch jetzt muss ich mich echt mal zu Wort melden!
    Meiner Meinung nach bist du wirklich eine der besten Blogerinnen, die ich kenne.
    In deiner einfühlsamen Art sprichst du auch „Tabuthemen“ an, nimmst dabei kein Blatt vor den Mund und hast auch keine Angst, deine persönlichen Erfahrungen zu teilen.
    Für diese Offenheit und deinen Mut liebe ich dich einfach!
    Mach‘ bitte genau so weiter! <3

    Liebste Grüße,
    Amelie | https://amelieruna.wordpress.com/

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