XXL JAHRESRÜCKBLICK 2018 – WARUM DAS NEUE JAHR UNHEIMLICH AUFREGEND WIRD..

Ich mache das jedes Jahr, setze mich am 30.12. hin, schenke mir ein Glas Wein oder – heute zum Beispiel, weil es etwas zu feiern gibt – Champagner ein, nehme ein Buch mit leeren Seiten und einen Stift in die Hand, zünde ein paar Kerzen an, sitze mit dickem Pullover am Schreibtisch, mal im Schneidersitz, mal gerade, je nach dem, was das Thema verlangt. Und dann schreibe ich, schreibe auf, was mich im letzten Jahr bewegt hat, teile es, eigentlich vor allem mit mir selbst, aber dann auch mit den Lesern. 
Am Ende entsteht ein persönlicher Jahresrückblick, jedes Jahr ein bisschen anders, gerahmt von allem, was in den letzten 12 Monaten passiert ist, verändert oder angestoßen hat, ausgemalt von den Momenten, die ich vergessen würde, wenn ich mir nicht gerade die Zeit nehmen würde, noch mal an sie zu denken..

Es ist ja so ein verbreitetes, fast schon erwartetes Konfuzius-Prinzip, dass wir am Ende des Jahres finden, dass alles einen Sinn gemacht hat, dass wir voller Dankbarkeit noch einmal leuchtend bunt unterstreichen, was uns ausgemacht hat und ohne großes Zucken akzeptieren, was wir nicht ändern konnten. Wir glauben fest daran, dass wir im Dezember schlauer sind als im Januar, damit die Fehler, die falschen Entscheidungen oder enttäuschten Erwartungen sich wenigstens noch wie eine Lehre anfühlen, die wir jetzt doch noch zufrieden hinter uns lassen.

Wenn ich mir alte Jahresrückblicke noch einmal ansehe oder Notizen lese, klinge ich am Ende des Jahres immer so aufgeräumt, so sicher, so reflektiert mit so vielen Themen – nur um schon Wochen später meinen Beobachtungsposten längst wieder fürs Mittendrin verlassen zu haben. Sind Jahresrückblicke also nur ein großes, verspätetes Sortieren, damit wir uns besser fühlen? So als würden wir auf diese Weise nachträglich und auf den letzten Metern noch Ballast und Baustellen zu beendeten Projekten machen können? Oder ist es vielleicht genau so richtig? Ist diese Ambivalenz vielleicht ein ganz natürlicher Prozess? Brauchen wir die Nähe zum Moment und die Distanz zum Ende, um die Balance zwischen lebendig und belehrt zu halten? Und ist Zufriedenheit dann vielleicht der Zustand in das Konfuse und Konfuzius einander nah genug kommen, um sich auf Augenhöhe zu begegnen?

Also Lina, was hast du dieses Jahr gelernt? –  "Dass, was ich jedes Jahr lerne, wenn es wieder Dezember ist, wenn nur noch ein oder zwei Tage übrig sind. Dass du nie fertig bist, dass es nie nur geradlinig von Level zu Level geht, dass sich alles immer bewegt, weil und wenn du dich bewegst."

 

 

Unser Leben besteht aus wiederkehrenden Kreisläufen, die wir entscheidend beeinflussen – oder wiederholen müssen. 
Vorsätze, die wir zuletzt 2014 hatten, werden vielleicht wieder aktuell, während man einige der Ziele von 2016 längst nicht mehr als wichtig erachtet, weil man sie gerade erreicht und abgehakt hat – oder sie sich schlicht verändert haben. (Lina, 2017) 

JANUAR – WAS HAST DU IN 2018 ZURÜCKGELASSEN?

Schmerz. Vor allem Schmerz. Alles das was ich greifen und abstreifen konnte, ließ ich los, zählte rückwärts, kam bei Null an und flüchtete noch tausende Kilomter und einen Kontinent weiter, um wieder anzufangen. 

Als ich Anfang des Jahres in Kapstadt ankam, hatte ich eigentlich nur ein wortlose Ende und ein gebroches Herz im Gepäck. Ein paar Wochen später kam mit meinem zweite Koffer noch ein leiser Verrat dazu, der immer größer wurde, je weiter ich den Reißverschluss aufzog, je weiter ich den Deckel aufklappte, der dann breit und schwer und lähmend vor mir lag, den ich mit der Hilfe von vier weiteren Händen und einer Flasche Wein zusammenrollte, unter mein Bett schob und so lange ignorierte, bis es mir generell ein bisschen besser ging. 

Ich lief am Ozean spazieren, ich ruhte mich aus, lenkte mich ab, schrieb auf, zog weiter, ließ in den Wellen und im Sand verschwinden, was mich noch immer schwer machen konnte und sammelte, was mir endlich wieder Farbe und Mut und Stärke gab, was das Kraftlose, das Blasse, das Müde auflöste und mich wieder lebendig machte. 

"So gut hab ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Ich glaub Monate lang nicht.", sage ich irgendwann im März, fast ein bisschen achtlos, einfach in den Moment hinein, als wir an einem der sonnigsten Tage über die Weinländer fahren, mit Käse und Weintrauben picknicken. Als sie nicht antwortet, mache ich die Augen auf, hebe den Kopf – und sehe noch wie sie sich die Tränen wegwischt, greife ihre Hand und drücke sie.
"Was ist denn..?", frage ich und begreife in dem Moment erst, was ihr so nah geht. "Ich bin so froh .. und ich hab mir solche Sorgen um dich gemacht." 

Und vielleicht begreife ich in diesem Moment erst, wie schlecht es mir wirklich gegangen war, wie aufgerieben, wie müde, wie kraftlos, wie unendlich erschöpft ich gewesen war, wie ernst die Sorgen der Freunde gewesen waren, die hingeschaut und nicht nur geurteilt hatten. Und dass Kapstadt mich tatsächlich gerettet hatte. Mich liebevoll zurück zu mir selbst geschubst hatte. 

Eine Woche später zog ich den letzten, den hässlichen, hinterhergeschickten Ballast unter meinem Bett hervor, riss ihn in Fetzen, bis er leicht genug war um einfach aus dem Fenster zu fliegen und sich in alle Himmelsrichtungen wie buntes Konfetti zu verteilen – die schönste, wichtigste Katharsis 2018. 

Der Einzige, den ich verschonte, den ich aufhob – bist du. Nicht als Schmerz, sondern als Erinnerung. 

FEBRUAR – WELCHE HÜRDEN HAST DU 2018 GENOMMEN?

Als der Februar anfing, war meine eigentliche Arbeit, der Teil mit dem ich Geld verdiente, so ziemlich zum Erliegen gekommen. Die Aufträge schienen auszubleiben, unsere Konzepte und Ideen schienen ins Leere zu laufen, die gegenseitige Unterstützung, die ich mir in einem Team gewünscht und die ich als so wertvoll empfunden hatte, löste sich auf. Das lag auch daran, dass ich in Südafrika sehr mit mir beschäftigt war und das Back-Office in Hamburg eher laufen ließ, als ein Teil davon zu sein, es zu leiten, wie es meine Aufgabe gewesen wäre und sicher war auch meine naive Planung ein Teil des Problems, das ich jetzt ganz anders angehen würde, aber damals noch nicht besser wusste –  wenn du dann zusätzlich die Zügel blind an jemanden übergibst, der dich und das ganze Konzept zu diesem Zeitpunkt schon längst für sich aufgegeben hat, löst das einfach eine Kettenreaktion aus. Ich bin ehrlich, als ich schließlich im April nach Hause kam und so viele unbeantwortete Mails und Anfragen, unzufriedene Klienten, ungeöffnete Nachfragen und überfällige Reminder im Posteingang, dafür aber zig privat weitergeleitete Kontakte und Ansprechpartner im Ausgang fand, habe ich die Welt nicht mehr verstanden.

Es gab dieses Jahr weitaus weniger Postings als je zuvor, was vor allem daran lag, dass ich im Hintergrund vielen von Grund auf verändern oder ganz neu beginnen musste, einfach auch hart mit mir ins Gericht gehen musste. 

Was will ich beruflich eigentlich? Warum erreiche ich es nicht? Welche Ziele liegen mir wirklich am Herzen und welche verfolge ich vielleicht auch aus Desinteresse nicht stark genug, trage sie aber trotzdem noch mit mir herum? Was will ich hinter mir lassen und was muss ich dafür tun? Welche Abstriche muss ich machen? Was hab ich falsch gemacht? Was muss ich verbessern? 

Was ich nie wollte und nie wurde, war eine Werbeplattform zu sein. Das ist ehrlich gesagt einer der Teile, auf den ich wirklich stolz bin. Die Balance zwischen echten, bezahlten Partnerschaften und schlichten Platzierungen zu finden und durchzuziehen ist schwierig, ein ständiger Interessenkonflikt und der wird nicht leichter.
Als ich im April aber mit einem fetten Loch in der Jahresplanung dasaß, war ich kurz davor mich vielleicht doch bei "Buzzfeed" anzumelden, um generisch mit 20 anderen für das gleiche Produkt zu werben. "Die kriegen dafür ja auch wenig Kritik. Und scheinen okay damit zu sein..", dachte ich kurz. 

Am Ende entschied ich mich dagegen. Ich habe dieses Blog hier fast 10 Jahr lang mit Artikeln, Kolumnen, Reiseberichten und vielen, vielen Bildern gefüttert. Ihn und alles, wofür er steht an Instagram zu verkaufen und von jetzt an mit einem Kaffee-Selfie für die Hanse Merkur Versicherung zu werben, an das sich amEnde niemand erinnert, außer der Überweisungsträger, fühlte sich wie Verrat an meiner eigenen Arbeit an, selbst dann noch, wenn meine Follower und Leser damit total ok gewesen wären. Viele aus meinem Umfeld fanden, dass ich dann schlicht zu idealistisch, für meinen Job in einer Unterhaltungsbranche bin. Vielleicht stimmt das, vielleicht war das aber auch mein Motor, um mich freizustrampeln und neu anzufangen.

Ich wollte dass es anders geht, auch weil meine Leser anders sind. Bei vielen anderen Influencern geht ein Waschmittelposting mit lauer Bildunterschrift durch, da kommt keine Kritik, nur Lob an der Frisur. Bei mir wäre das anders. Und das ist gut so. Es ist gut so, dass ich eine aufmerksame Community habe, die mitdenkt. Ich hatte mir bewahrt hier zu 100% Lina zu bleiben – aber ich war mit meinem zum Teil sturen Idealismus trotzdem an eine Wand geraten. 

Ich fragte schließlich nach Hilfe – und bekam sie. In einem neuen Team, mit neuer Struktur und neuen Aufgabenverteilungen, haben wir in den letzten 8 Monaten den Blog, mein Portfolio, unsere Kunden und Projekte neu aufgestellt, haben eine neue Strategie ausgearbeitet, das Design angepasst und umgeworfen, haben uns dafür entschieden hier mehr Text und mehr haltbare Geschichten zu zeigen, langfristige Kooperationen und Produktionen anzustreben. Und das ist uns echt gelungen. Ich habe mit so großartigen Kunden wirklich tolle Konzepte umgesetzt, ich habe ein Magazin herausgebracht, einen Shop ertabliert, ein Produkt designt, ich habe den Podcast im Hintergrund weiterentwickelt und mir einen starken Partner für das kommende 2019 geholt. Danke an alle, die dabei geholfen haben, vor allem an Ines, Chris, Artur und Leo!  

MÄRZ – WAS HAT DICH 2018 GLÜCKLICH GEMACHT? 

Ich habe dieses Jahr etwas gelernt, das sehr wichtig für mich war. 
Wenn Menschen sich glücklich fühlen wollen, dann reden sie über all das, was sie schon haben, sie benutzen viele, liebevolle oder sogar große Worte um zu beschreiben, wofür sie dankbar sind. Generell zirkeln sie um Dankbarkeit, üben sie und hoffen, dass das Innerste damit genau das endlich auch fühlen wird, was der Kopf gerade sagt und aufschreibt und mit aller Liebe und all den Details erzählt. 
Ich glaube, wenn Menschen glücklich sind - dann sind sie es.
Ab und zu erzählen sie einander mal davon. Aber die meiste Zeit, sind sie es einfach nur. 

Glück ist nicht das, was du in eine Bildunterschrift tippst, Glück sind nicht all die kleinen Dinge, die du akribisch aufzählst, um dir vorzuhalten, wie viel du eigentlich hast. 
Ich glaube für mich ist Glück, dass ich innere Zufriedenheit empfinde. Nicht ständig, sondern immer wieder. 
Ich war dieses Jahr ganz oft zufrieden, ganz egal ob ich an einem Strand saß, jemanden auf dem Parkplatz meines Hauses küsste, Mahnungen im Briefkasten fand, an einem Flughafen vor Abschiedsschmerz und Unsicherheit heulte oder im Regen auf einen Bus ohne geladenen Akku wartete. Es ging nicht um die einzelne Situation, sondern ums Gefühl. Und ich schrieb im November, als mir das klar wurde, dass ich wirklich zufrieden bin, in mir drin sicher, obwohl ich noch nicht angekommen bin, diese Zeilen: 

"Vielleicht ist Zufriedenheit nicht die Abwesenheit von weiteren Träumen, vielleicht ist Zufriedenheit ja gar keine Destination, sondern viel mehr die Abwesenheit von Neid, vielleicht ist es diese pure, gefundene, innere Sicherheit, die immer da ist, auch wenn alles unsicher ist."

 

APRIL – WAS HAT DICH 2018 HERAUSGEFORDERT?

Ich habe mein Herz an die Welt verloren, an das Reisen, an Kapstadt, an einen zweiten Kontinent – und ich habe einen Job, den ich zwar für eine Weile von überall aus führen könnte, für den ich aber immer wieder zurückkehren muss, werde. 
Wenn ich das Rückflugticket für Hamburg buche, dann geht es nicht nur um den Job, dann geht es auch um Freunde, um meine Familie, um das Zuhause und die Wurzeln, die ich in dieser Stadt und überhaupt in Deutschland habe. 

2018 war es für mich schwer meine Zeit in Afrika, das Reisen, den beruflichen Umbruch, meine eigenen Ziele und natürlich auch die Gefühle und Bedürfnisse anderer, die auch zählen, unter einen Hut zu bringen. Losziehen, wiederkommen, wieder packen.
So aufregend, so erfüllend das war, ich habe das Gefühl das Jahr ist an mir vorbeigeflogen und auch wenn ich noch so oft angehalten habe, noch so sehr auf quality time auf jeder Reise, jedem Festival und auch an jedem noch so normalen Dienstag geachtet habe (das war ein Vorsatz für 2018, den ich wirklich zu 100% einhielt), ich habe viele Menschen, die mir wichtig sind, kaum gesehen. Wenn ich nicht reiste, war ich in Hamburg, vor allem um dann abzuarbeiten, was auf den Trips liegen geblieben war, was ich nicht geschafft hatte oder wozu ich mein Büro brauchte, ich nutze die Pausen in meiner Stadt ganz bewusst um Stress runterzufahren, statt wie früher zu verdoppeln, viel mit dem Hund spazieren zu gehen, um abends mal eine Weinschorle im Biergarten zu trinken, zum Sport zu gehen, früh ins Bett zu gehen, wieder zu einer Routine zu finden, von der ich wusste, dass sie mit jedem Trip aufbrach, das war mein Stück Balance, auf das ich aufpasste. Zeit für zusätzliche Wochenendtrips blieb da irgendwie kaum, darunter litten vor allem die Freundschaften, die zwar innerhalb Deutschlands, aber nicht in der gleichen Stadt liegen.

Richtig bewusst wurde mir das erst ein paar Monate später, als meine innigste, längste Freundschaft im späten Herbst an einem Tiefpunkt angekommen war, irgendwie aufzubrechen drohte, an all den Dingen, die du mit keinem Gespräch einfach ausräumen kannst, für die du genau das brauchst, was du zu wenig gehabt hast: Zeit, einfach mal wieder ein guter Abend. 
Ich bin froh, dass wir uns den im Dezember nahmen, dass es so einfach war dich zu vermissen, dass wir immer wieder zurückfinden, dass wir wissen, was wir aneinander haben, dass wir einander immer haben. <3 

MAI – WAS HAT DICH 2018 VERÄNDERT?

Am 08. Mai zog Karsten bei mir ein. Seine Ohren so lang, dass sie immer mit Wassernapf hingen, sein Gang tapsig, sein Körper eine Wurst. 
Karsten hat hier unheimlich viel auf den Kopf gestellt, hat ganz viel verändert und Menschen in mein Leben gebracht, die eigentlich schon immer nur eine Ecke weiter wohnten <3 

Seit er da ist, lasse ich den Pizzakarton nicht mehr auf dem Fußboden stehen, bekomme jeden Morgen um 08:00 Uhr eine Stunde frische Luft, ich schlafe besser, ich habe keine kalten Füße mehr, dafür aber auch ein Paar Schuhe weniger. Ich muss mir mehr Gedanken machen, ich muss mehr planen und gleichzeitig noch spontaner entscheiden, umdenken, umplanen können. Ich gehe samstags nicht mehr brunchen, sondern erst mal zur Hundeschule, ich habe in meinem Küchenschrank getrocknete Straußensehnen zu liegen, ich habe immer Hundehaare auf meinem Sofa und ich lernte laut und deutlich "NEIN!" zu sagen, mindestens 5 Mal am Tag.

Karsten bei mir einziehen zu lassen, war mit Abstand die beste, die schönste Entscheidung überhaupt. 

JUNI –  WAS WAR WICHTIG ZU ERKENNEN?

Es ist glaube ich so eine Vorstellung, dass wir, je mehr wir lernen, je mehr wir vor allem  dazulernen, je mehr wir dann dadurch besser machen – es nur leichter haben werden. 
Als würden wir Level nach Level abhaken und damit immer nur noch einen Schritt weiter Richtung Ziel oder Belohnung rücken. Jedes Jahr ist sozusagen ein Zwischenzeugnis bis zum Abschluss, Ich glaube genau diese Vorstellung war es, die mich 2017 unglücklich gemacht hat – oder mich einfach zweifeln ließ.
Bis dahin hatte ich jedes Jahr genau die Schritte gemacht, die zu erwarten gewesen wären. 2014 löste ich mich aus einer komplett toxischen Beziehung und begann zu heilen, 2015 lernte ich mich wieder frei zu fühlen, machte babysteps bessere, echtere, unabhängigere Entscheidungen zu treffen, 2016 war ein Jahr für die nächsten Schritte, für erste Erfolge, fürs Weitermachen – und ich glaube ich erwartete 2017 einfach, dass ich ein Stück weiter Ankommen und ein Stück mehr Belohnungen für all die gezogenen Lehren erhalten würde, einfach weil das der natürliche, lineare Weg gewesen wäre. Als ich 2017 dann mit Problemen und Situationen konfrontiert wurde, die ich glaubte 2014 längst ausgemerzt, doch eigentlich for good zurückgelassen zu haben, als da Dinge auftauchten, die doch eigentlich gar nicht mehr hätten passieren dürfen, weil ich die Lektionen dazu doch längst 2015 verstanden und auch umgesetzt hatte – hat mich das irgendwie umgeworfen. 

"Wie kann mir das noch mal passieren? Wie kann sich das wiederholen? Wie kann ich mich denn ernsthaft noch mal so täuschen? Wie kann den etwas noch einmal so exkalisieren? Warum? Ich versteh das nicht, ich hab doch so viel verändert, so viel dazugelernt, so viel ganz, ganz anders entschieden..." – das war im Juni 2017 eine Fragekette, die ich immer wieder stellte. 

Und es dauerte bis Juni 2018, um zu erkennen, dass das Leben einfach ein Kreislauf ist. Dass es eigentlich keinen Platz für saubere Steiegerungsformen und konstruierte Superlativen hat. Du bist nie fertig dich zu entwickeln, nie fertig dich zu verändern, du bist nie gut in einem Teil deines Lebens oder deiner Persönlichkeit und kannst ihn damit abhaken und zur Seite legen, wie ein Projekt. Und überhaupt: wer sagt denn, dass deine jetzigen Erkenntnisse, die du quasi aus der Zukunft heraus für deine Vergangenheit vom erschlossen hast,wirklich die richtigen sind? Wirklich die Lektion, die du brauchtest? Was du jetzt entschieden hast, jetzt als Wachstum bezeichnest, kann sich in 2 Jahren als absolute Barrikade herausstellen – das weißt du nur jetzt noch nicht. 

Du wirst Geduld brauchen, du wirst Dinge wiederholen müssen, auch wenn es das Letzte ist, was du tun willst, weil du gerade so unbedingt weiterkommen willst und dich fühlst, als würdet du dich selbst überrunden.. ich glaube das war meine wichtigste Erkenntnis. 

JULI –  WAS HAST DU NEUES GELERNT?

Im Juli lernte ich Jasmin kennen. Ich ließ mir von ihr die Karten legen, ließ mich ganz bewusst und noch tiefer auf meine eigene Spiritualität ein und fand mit ihr jemanden, der in mir sah, was ich die ganze Zeit irgendwie gefühlt hatte: eine Gabe fürs Tarot, Gabe dafür Dinge zu fühlen und in Worte zu fassen, die andere nicht greifen können. (Ich habe dazu auch eine IG Story gemacht, schaut euch die gerne an, wenn ihr Interesse habt..) 
Meine Urgroßmutter legte schon Karten, leider lernte ich sie nie kennen, aber in Jasmin fand ich eine Freundin und Mentorin, die mir unheimlich viel beibrachte.
Tarot ist seit dem ein Teil meines Lebens geworden, der mich begleitet, der mich neugierig macht und mich vieles sehr viel besser, tiefer verstehen lässt. 

AUGUST – EIN PAAR MAL DREI..

// drei gute momente

1. in die St. James Road Unit 16 einzuziehen
2. dich um 02:00 Uhr zu heiraten
3. Casper, dritte Reihe mit dir 

 

// drei wichtige songs

// drei echte bilder
// drei erste male

1. ein Kopfsprung vom Boot in die Ägäis 
2. ein Tattoo auf dem Handgelenk – und eins am Knöchel
3. einem Fremden ein Abendessen ausgeben und mit ihm um die Häuser von Barcelona ziehen

 

// drei wiederholungstasten

1. UNO spielen, dazu Spätzle und Rotkraut, bis das Wirtshaus zumacht
2. Lions Head mit dir
3. Dackelwalks, jede Woche aufs Neue <3


(4.  der eine Kuss, der sich nie wiederholt hat..)

8 // 3 treue prinzipen

1. Ich muss mich nicht zu einem ständig neuen Projekt machen, um ein Ziel zu haben.
2. Ich liebe aus mir selbst heraus, so viel, wie sich gut anfühlt –  nicht um zurückzubekommen, was sich gut anfühlen würde
3. Ich entscheide nicht, nur um anderen zuvorzukommen 

SEPTEMBER – WAS HAST DU 2018 VERMISST?

Sport! Ich habe 2018 so viel weniger Sport gemacht als ich wollte,als ich mir vorgenommen hatte, ich habe viel zu selten geboxt, viel zu oft waren andere Dinge wichtiger, ich bin völlig aus meiner Routine geflogen. Und die fehlt mir einfach .. 

OKTOBER –  WELCHE FRAGE HAST DU DIR 2018 GESTELLT?

Ich verwendete 3 Jahre darauf mich zu fragen, wie ich den falschen Mann glücklich machen könnte, dann fragte ich 2014 mich endlich, wie ich mich selbst glücklich machen könnte, ich fragte mich, wie ich bessere Entscheidungen treffen, echtere Freundschaften auswählen und führen könnte.
Ich habe mich am Ende der letzten Trennung und des damit verbundenen Umzugs und Umbruchs gut 4 intensive Jahre damit beschäftigt, welche Menschen in meinem Leben einen Platz haben sollten, wie ich sie behandeln, was für ein Freund oder Partner ich für sie sein wollte, was ich von mir erwartete oder erwarten durfte. Und das war wichtig. Das waren genau die richtigen Schritte, die ich gebraucht hatte, die ich nehmen musste.

Aber 2018? 2018 habe ich mich zum ersten Mal überhaupt gefragt, wie ICH eigentlich behandelt werden möchte – was MIR an anderen wichtig ist, welchen Wert Menschen für mich kreieren, statt zu schauen, welchen ich für sie kreieren kann. Und das hat alles noch einmal in eine ganz neue Persektive gerückt. 

NOVEMBER – WELCHE BEGEGNUNG HAT DICH GEPRÄGT

Passend zur Frage, die ich mir im Oktober stellte, traf ich Anfang November jemanden, der mich auf so viele Arten überraschte. Mit seiner Freundlichkeit, mit seiner Höflichkeit, damit, dass er mich zu Fuß nach Hause brachte und dann in sein Auto stieg, dass er einfach nicht aufhörte mit mir auszugehen, statt mich einfach zu treffen, überhaupt mit allem, was er unter Dating verstand und was ich irgendwie vergessen oder losgelassen hatte, um meine Erwartungen anzupassen, vielleicht auch um jemanden zu rechtfertigen, der sich mir gegenüber verschloss und den ich einfach nicht loslassen wollte. 
Als ich wieder ins Flugzeug stieg wusste ich, dass ich unser Ende akzeptieren musste – und ein anderes Ende endlich nicht nur zulassen, sondern entscheiden konnte. 

Die zweite Begegnung, hatte ich mit einer jungen Frau, die ich in Kapstadt fast zufällig kennenlernte, mit der ich Bier an der Bar trank, bis alle Läden schlossen, mit der ich eines der schönsten Dinner erlebte und die mich mit ihren schlauen, wirklich scharfsinnigen und aufrütteönden Sätzen nachhaltig beeindruckt hat. Isa, aus unseren Gesprächen werden noch einige Kolumnen folgen. Und es ist ganz großartig dich kennengelernt zu haben! 

DEZEMBER – WAS NIMMST DU MIT INS NÄCHSTE JAHR?

Ich nehme einen Vertrag mit ins neue Jahr. Eigentlich sogar zwei. 
Der Relaunch meines Podcasts steht kurz bevor.

Und dann ist da noch was. Was ich euch noch nicht einmal angeteasert oder gesagt, bisher verschwiegen habe, weils zu groß war, ich zu viel Angst davor hatte es laut auszusprechen, zu viel Angst, dass doch noch einmal etwas schief geht.

Ich bringe mein Buch beim raus, habe vor Jahresabschluss die Unterschrift unter den Vertrag mit dem Verlag gesetzt. 2019 wird es in den Geschäften liegen. Das, was ich immer schreiben wollte. Weil sich kämpfen und glauben manchmal doch lohnt...

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Comments

  • Dieser Jahresrückblick war so schön zu lesen, ich mag es auch am Ende des Jahres nochmal zur Ruhe zu kommen und das Geschehene wirken zu lassen.
    Auf dein Buch freue ich mich seit ich dich verfolge! Herzlichen Glückwunsch ❤️

  • So ein toller Jahresrückblick! Ich habe deinen wirklich genossen (besonders den auf dem Blog, aber auch den in den insta Stories), obwohl ich eigentlich schon genervt von den ganzen Rückblicken bin!
    Dankeschön Lina, für deine Arbeit, Beiträge und Inspiration das ganze Jahr über!
    Und ich freue mich so, dass du endlich dein Buch veröffentlichen kannst!

  • Ein sehr schöner und interessanter Jahresrückblick. Ich mag die Fragen die du stellst und die Antworten die du gibst. Ich bin super gespannt was bei dir kommen wird, was wir von dir lesen und sehen werden. Ich wünsche dir alles gute für das neue Jahr.

  • Danke für deine Worte & alles in 2018, was mich so häufig zum Nachdenken angeregt hat. Dass nach der CapeTown-Veröffentlichung in 2019 noch ein Buch folgt, freut mich sehr. Freue mich auf alles was kommt. Wünsche dir ein spanendes, erfolgreiches neues Jahr <3

  • Ach, Lina… deine Worte markieren gerade für mich den perfekten Start ins neue Jahr. Ich sauge sie auf wie ein Schwamm und versuche so viel wie möglich von deiner Weisheit verinnerlichen und umsetzen zu können.
    Und ich freue mich riesigstens auf dein Buch. ENDLICH!
    Ich würde mich unheimlich auf eine Lesung mit meet&greet freuen, einfach weil ich dich gerne kennenlernen würde.
    Allerliebste Grüße

  • Liebe Lina,

    ein ganz ganz toller Jahresrückblick, vielen Dank, dass du uns an deinen Gedanken und Momenten teilhaben lässt!
    An deinem Beispiel habe ich mein Jahr 2018 noch einmal anders Revue passieren lassen und konnte einige Dinge endlich abschließen und dafür etwas anderes zulassen, das mich sehr glücklich macht und ich das „eigentlich“ und „aber“ in diesem Zusammenhang gestrichen habe. Weil genau wie du sagst – wenn man die Antwort auf die Frage wie man selbst behandelt werden möchte gefunden hat, ist einiges leichter.

    Ich wünsche dir für das neue Jahr alles Liebe und ein tolles, spannendes Jahr!

  • So ein schöner Jahresrückblick! Ich liebe es, wie du schreibst und fühle jedes Wort mit dir mit.
    Ich freue mich wahnsinnig auf das Buch und auf eine hoffentlich anschließende Lesereise, um dich endlich mal wieder zu sehen! <3

  • Ich lese sonst häufig still bei dir mit, möchte mich jetzt aber für diesen sehr persönlichen und zum Nachdenken anregenden Jahresrückblick bedanken. Ich hab mich richtig drauf gefreut, ihn heute Abend in Ruhe zu lesen, denn er ist wirklich ganz anders als die meisten anderen, vor Möchtegern-Weisheiten und Kalendersinnsprüchen strotzenden Rückblicke, die man dieser Tage so liest.

    Besonders gut hat mir der Satz zum Thema Zufriedenheit im März-Part des Rückblicks gefallen. Der hat für mich wirklich den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich hatte vor ein paar Wochen eine Diskussion, in mir jemand sagte, dass man nie zufrieden sein solle, weil man dann Tür und Tor für Mittelmäßigkeit und Bräsigkeit öffnet. Eine Einstellung, die ich instinktiv stark abgelehnt habe, die für mein Gefühl einfach nicht stimmte – aber ich konnte es nicht so gut formulieren, wie es dir in diesem einen Satz gelungen ist.

    Ich wünsche dir ein schönes und erfolgreiches Jahr 2019 und alles Gute für dein Buch-Projekt!

  • So ein toller Jahresrückblick. Inspirierende, berührende Wort wunderschöne Bilder und ein wundervolles Layout.
    Ich freue mich schon jetzt auf dein Buch und freue mich auch, dass du einmal mehr zeigst das es sich lohnt um etwas zu kämpfen, wenn man es wirklich will, auch wenn es manchmal Rückschläge gibt.

  • Okay.. ich bin ehrlich..ich habe einige Jahresrückblicke gelesen und hatte genug davon. Irgendwie doch Einheitsbrei mit den Standart Weisheiten, die einen nicht wirklich erreichen. Dann habe ich deine Stories gesehen und wurde auf diesen Rückblick aufmerksam.

    Und jetzt hab ich Gänsehaut bekommen und ein paar wichtige Screenshots machen müssen. Es ging gar nicht anders. Ich möchte mir das immer wieder vor Augen halten und ich möchte das auch teilen..

    Ich bin so froh mir die Zeit genommen zu haben..Du schreibst großartig Lina! Und ich freue mich sehr auf dein Buch.

    Danke an dich! Was für ein Glück, dass es dich und deinen Blog gibt und du dir die Mühe machst, die Zeit nimmst und so offen bist und deine Gedanken mit uns teilst..

    • Ich wollte ungefähr genau den gleichen Kommentar schreiben haha, habe sogar überlegt, dass es echt mal ne gute Idee wäre Linas Texte auszudrucken, einfach weil es sich wirklich lohnt, sie öfter zu lesen

  • Wundervoller Artikel, Lina! Hab mir ein paar Zitate in mein Journal übertragen. Und ich musste mehrfach meine Tränen zurückhalten, fühle das alles so mit. Ich sortiere noch, es ist viel aber es wird besser.

    Dir einen wunderbaren Start in 2019 und herzlichen Glückwunsch zum Buch, da freue ich mich jetzt schon sehr drauf!

  • Liebe Lina,

    ich bin einfach nur baff von deinem Jahresrückblick. Seitdem du es das erste Mal erwähnt hast, erwarte ich sehnlichst dein Buch – finally!
    Ich wünsche dir ein ganz wunderbares 2019 🙂

  • Wow! Da hast du mit der fantastischsten Nachricht ja bis zum Ende gewartet! Danke für diesen tollen Beitrag und ich freue mich unglaublich auf‘s Buch!! ♥️

  • Was für ein wundervoller Artikel liebe Lina!
    So berührend und ehrlich, ich hatte mehrfach Tränen in den Augen!
    Und gleichzeitig musste ich immer wieder lächeln und dank deines Beitrags, stieg meine Freude auf Kapstadt, denn da geht es für mich in wenigen Tagen hin!
    Und was für wundervolle Nachrichten, ich bin schon so gespannt auf dein Buch!
    Hab einen guten Start ins neue Jahr!

  • wundervoll. ich denke du schreibst vielen aus der Seele, viele Gedanken, die man sonst nicht in Worte fassen kann, formulierst du aus. ich denke du bist eine Stimme, die viele brauchen und noch dazu hast du eine wirklich tolle Art zu schreiben und hätte das Jahr 24 Monate, bei deinem Rückblick liest man gerne weiter.
    ich freue mich auf alles was noch kommt und bin gespannt auf dein Buch und deine weiteren Kooperationen. es ist schön dir zu folgen!

  • Ich finde deinen Absatz zum Back Office hättest du dir definitiv schenken können, da jeder weiß, wer für dich bis dato gearbeitet hat. Meines Erachtens nach ist das schon fast rufschädigend.
    Ansonsten hat mir dein Jahresrückblick gut gefallen.
    Viel Glück mit deinen Planungen für 2019.

    • Ich wollte einen ehrlichen Beitrag machen, keinen geschönten oder einen, der ausspart was unangenehm wäre und unterstreicht, was ganz super ist. Davon gibt es echt viele. Keiner davon spricht mich als Leser an, einfach weil die Hälfte der Wahrheit eh fehlt.
      Natürlich ist es mega unangenehm zu sagen: Hey, unser Team hat nicht funktioniert, ich war nicht genug da, ich hab die Zügel abgegeben, obwohl ich sie hätte in die Hand nehmen sollen, gerade wenn ich selbstständig sein will, gerade wenn ich mein eigener Chef sein will, ich war unachtsam, ich war naiv und ich war nicht in control – aber es ist ehrlich. Ich schäme mich nicht für die Fehler, die ich gemacht habe, einfach weil sie dazugehören und ich daraus gelernt habe und noch immer lerne.
      Genau so ehrlich ist es dann aber auch zu sagen: wenn sich die eigenen Fehler mit mangelnder Motivation auf der anderen Seite der Partnerschaft sogar noch addiert, dann kann das böse ausgehen, gerade wenn du ein kleines, junges Unternehmen bist oder gerade erst wirst. Wenn du als Angestellter einer großen Firma keinen Bock mehr hast, die Dinge schleifen lässt, ist das blöd, aber wird von anderen aufgefangen, wenn du dein Engagement aber aus einem kleinen Team auch noch unausgesprochen abziehst, hat das echte Konsequenzen und kann an die Existenz gehen. Ich finde die Verantwortung muss einem bewusst sein, wenn man sich ganz generell für die Mitarbeit an einem Konzept, in dem man mit seiner Aufgabe sehr viel Gewicht hat, entscheidet. Es ist nicht rufschädigend tatsächlich gemachte, passierte Fehler auszusprechen, nur unbequem fürs Ego.

  • Wow, Lina. Danke für deine Worte!
    Ich finde mich in so vielem wieder.
    Und musste bei Deiner Beschreibung zur Art und Weise Beziehungen zu führen, an einen Boomerang denken.
    Meiner ist auch wieder zurück gekommen.

    Zudem hast Du so ein Talent deine Gedanken in ein Gewand aus Wörtern zu kleiden, dass das Lesen unheimlich Spaß macht.
    Abholt und einlädt zum Eintauchen.

    Ich bin gespannt auf die kommenden Kollumnen. Ich liebe solche wertvollen, intelligenten, lebens-bejahenden, hinterfragenden, als auch, wie Du schreibst, aufrüttelnde Gespräche. Wir können so viel voneinander lernen <3
    Und auf Dein Buch. Und alles was das Jahr 2019 noch so bereit hält!

    Alles Liebe.
    Lisa

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