LEBEN MIT DACKEL – DIE ERSTEN 6 MONATE MIT EINEM WELPEN

Wie ist das, wenn du als Single einen Hund bei dir aufnimmst? Wie ist das, wenn auf einmal 4 kurze Beine jeden Morgen in der Küche neben dir stehen? Wie ist das, wenn du in der Stadt wohnst, lebst, arbeitest, gern reist und jetzt auf einmal einen Welpen hast? 6 Monate mit einem Dackel – hier kommt ein ehrlicher Bericht.

Ich wollte schon immer einen Hund, aber nicht unbedingt immer einen Dackel.
Hätte ich meinen Wunsch vom Hund vor 5 Jahren wahr gemacht, wäre nicht in letzter Sekunde doch noch mal zurückgerudert, säße an Karstens Stelle jetzt vermutlich eine Bulldogge namens Inge. Oder Marie. Da war ich mir nie so ganz sicher.
 
Es war so ein inniger Wunsch, den du immer mal wieder mit der Vernunft und vielleicht auch falschen Vorurteilen betäubst, der aber trotzdem bleibt. So einer der trotzdem über die Jahre still in dir wächst, sich verankert und dann nur den entscheidenden Schubs braucht, um sich zu verwirklichen.

WARUM EINEN DACKEL?

Dackel sieht man kaum noch – und wenn dann mit alten Menschen. Dackel sind stur. Dackel bellen ständig. Dackel sind schwer zu erziehen. Dackel haben ihren eigenen Kopf. Dackel mögen keine anderen Hunde. Das sind so ungefähr die eher negativen Assoziationen mit der Rasse. Aber stimmen die wirklich?

Ich habe über Jahre immer wieder nach einem Hund gesucht, stand immer wieder kurz davor mir einen Welpen anzusehen, verliebte mich dann in einen kleinen Findelhund aus Griechenland, der in letzter Minute aber doch zu seinem Herrchen zurückgeführt werden konnte. Ich stand immer ganz kurz davor zu springen – aber irgendwas fehlte.
Der richtige Hund.

Von der Rasse Bulldogge verabschiedete ich mich beispielsweise Schritt für Schritt, vielleicht, weil sie doch einfach nicht so zu mir passte, vielleicht auch, weil die Überzüchtung überhaupt jeder kurzschnäuzigen Rasse nicht mehr aufzuhalten, einzuschränken und damit für mich ganz persönlich zu unterstützen war. Ich fühlte mich mit dem Gedanken nicht mehr wohl und sah mich nach anderen Hunden um. Was für mich klar war: ich wollte einen Hund mit viel Charakter, einen Hund, der Persönlichkeit,  aber auch Lernbereitschaft mitbrachte. Ich wusste auch, dass ich bei einem kleineren oder mittelgroßem Hund bleiben wollte, der zu meinem Leben passen könnte.
Ich weiß am Ende nicht mehr, was genau den Ausschlag gegeben hat oder wie genau ich auf einen Dachshund kam, ob es die Erinnerung an meine Kindheit war (meine Tante hatte einen kleinen Dackel), der kleine Welpe im Café Felice im letzten Herbst, den ich einfach nicht vergessen konnte, die viele, vielen Dackelvideos, die mir Freunde immer wieder schickten oder die spielenden Wiener am Strand vom Clifton, die mir immer wieder über den Weg liefen. Ich sah sie überall, meine selektive Wahrnehmung war aktiv: ich wollte einen Dackel. Nicht zwangsläufig einen Wiener. Einfach einen Dackel.

Ich suchte nicht nach Züchtern. Überhaupt nicht. Ich sah mich eigentlich nicht einmal um. Ich weiß das klingt ein bisschen zu spirituell für so einen Artikel, der informieren soll, aber ich dachte immer, dass mich der richtige Hund schon findet oder einfacher gesagt, dass ich schon über ihn stolpern würde, wenn der Zeitpunkt passen könnte.
Ich habe oft darüber gehnachgedacht einen Hund zu adoptieren. Ich spreche das extra an, weil ich die Nachfrage und auch das Thema „Adoption statt Zuchtkauf“ wichtig finde. Ich will euch jetzt keine Geschichte vom „Dackeln in Not“ erzählen, die so rein zufällig den perfekten Zuchtwelpen auf ihrer Page teilten, der dann wie durch ein Wunder mir zugesprochen wurde und den ich dann aufnahm – blablabla. Nur weil das irgendwie wohltätig aussieht.
Ja, ich habe meinen Hund gekauft. Auch wenn das nicht der Plan war.


***

Einen Hund zu adoptieren, ist der vermutlich schönste Weg, um einem kleinen Wesen eine Chance und einen echten Platz zu geben. Warum ich es nicht gemacht habe?
Weil Karsten am Ende einfach wirklich Zufall war.
Ich war Ende April gerade aus Südafrika zurückgekehrt, noch nicht wieder ganz angekommen und irgendwie fremd in der Stadt. Ich wollte etwas verändern, hatte das Bedürfnis irgendwas in meinem Leben dringend bewegen, vorantreiben zu müssen – aber war so ein bisschen ziellos mit der Frage nach dem  w a s. 
Ein Freund schickte mir in dieser Zeit die Anzeige. Kleine Dackelwelpen aus Scheeßel. Gerade 7 Wochen alt. Stammend aus einer Hobbyzucht, eine Familie mit 3 Kindern und der Dackeldame Kira hatte insgesamt 9 Welpen abzugeben. Die meisten davon längst reserviert, aber 3 kleine Jungs waren noch ohne Zuhause. Ich muss niemandem erklären, wie niedlich 7 Wochen alte Dackelwelpen aussehen oder? Ok. Und dann war da noch was. Scheeßel. Das ist der Ort, an dem mir seit Jahren eigentlich nur ganz, ganz viel Gutes passiert war. Und allein das machte irgendwie was mit mir, irgendwas passte, Ich rief an, ich machte wie ferngesteuert am nächsten Tag ein Treffen aus, fuhr zusammen mit meinem Kumpel Artur los und parkte 50 Minuten später mein Auto vor dem Fachwerkhaus.

Ich hatte nicht geplant mich zu entscheiden. Ich hatte nichts überstürzen wollen. Aber ganz ehrlich? Auch wenn es nach einem Klischee klingt? Als dieser eine Welpe mich anschaute, auf mich zukam und sein kleines Herz gegen meine Hand klopfte – hatte er mich. Und darum fragte ich gut 30 Minuten nach unserer Ankunft schon nach, ob denn eine Anzahlung nötig sei. Die tätigte ich und wir machten 14 Tage später ein erneutes Treffen aus. Sollte alles passen, ich mir sicher sein, würde ich Karsten dann mit nach Hamburg nehmen können.
Auf der Heimfahrt war mir eigentlich die ganze Zeit schlecht. Ich sagte nicht viel. Ich wahr nicht mal euphorisch. Ich hatte einfach Schiss. Und alle sagten mir, dass das genau richtig sei. Angst vor der Verantwortung oder Entscheidung heißt am Ende nur, dass du dir ihrer Tragweite wirklich bewusst bist. So richtig. Dass dir klar ist, dass ich jetzt für die nächsten 10 Jahre einen Mitbewohner hast. Einen, der auf dich angewiesen ist. Der sich auf dich verlassen wird. So richtig ..


„Du hast jetzt jahrelang einen Hund gewollt und allen damit in den Ohren gelegen. Jetzt hast dU es halt endlich gemacht. Fang jetzt gefälligst an dich zu freuen!“, entschied Artur irgendwann in die Stille kurz vorm Elbtunnel. Und ich hörte auf ihn …


Der Gedanke einen anderen Hund zu adoptieren, ist damit jetzt erst einmal vom Tisch, allerdings nicht für immer. Im Gegenteil, die Bereicherung einen Hund zu haben und mit ihm zu leben und zu merken, wie gut ich mit ihm und der Erziehung, aber auch dem Alltag klar komme, zeigt mir einfach, wie richtig die Entscheidung für Karsten war und dass es sicher eine Option wäre, in der späteren Zukunft über einen weiteren Hund nachzudenken, den wir ein Zuhause bei uns schenken könnten.

Die ersten 48h mit Karsten, habe ich übrigens hier aufgeschrieben.

WIE IST KARSTENS CHARAKTER?

Dackel sind stur. Dackel bellen ständig. Dackel sind schwer zu erziehen. Dackel haben ihren eigenen Kopf. Dackel mögen keine anderen Hunde. Das sind so ungefähr die eher negativen Assoziationen, die aber natürlich auch ein Teil der Rasse sind. Tatsächlich ist Karten super aufmerksam, wenn unsere Nachbarin nachts hustet und die Balkontür offen steht, ist der Hund wach und bemüht mich vor der drohenden Gefahr zu beschützen. Das ist aber auch schon alles.
Mein Dackel interessiert sich fürs jagen, das liegt nun mal in den Genen und sein Kopf will regelmäßig gefordert werden. Karsten ist kein Hund, der den ganzen Tag schläft, er ist tatsächlich sehr entspannt, aber er braucht eine Aufgabe. Und wenn die nur in einem Stöckchen besteht, das er 3 Stunden hochkonzentriert zerlegen kann.Ein Klischee das voll auf ihn zutrifft ist die Sache mit dem Stehlen. Dackel machen gerne Beute. Das trifft auf Karsten zu. Er klaut Schuhe, öffnet selbst Schubladen oder Koffer (eigentlich müsste ich fast stolz sein..), wenn er darin Futter vermutet, er versteckt regelmäßig Dekoration, die er aus offenen Regalen klaut. Allerdings sind wir mittlerweile soweit, dass er mich beschämt und mit hängendem Kopf zu den jeweiligen Orten führt, wenn ich streng frage „Wo hast du den Latschen versteckt?“

Wirklich kaputt macht er zum Glück eher wenig, klar, er hat auch schon ein Kabel zerkaut, einen Spitzen-BH zerstört und die Innentasche meiner Jeansjacke aufgekaut, aber das sind eher Kleinigkeiten, die vermutlich zum Erziehungsprozess dazugehören

Ich glaube ich hatte sehr viel Glück mit meiner Wahl des Welpen. Mein Dackel hat zwar seinen eigenen Kopf, kann nach einer Bestrafung unheimlich beleidigt sein und es gibt auch bei uns immer wieder einen starring contest, wenn ich von ihm Kommandos verlange, die er partout nicht erfüllen möchte, aber ich habe mit Karsten trotzdem einen Hund, der sehr gerne lernt, freundlich zu jedem anderen Hund ist, der Streitigkeiten meines wortlos aus dem Weg geht, Kinder mag, eher schüchtern ist und ganz, ganz viel Kontakt zu mir sucht. Wenn ich mal mit ihm schimpfe, ist er danach meistens für einige Zeit im Körbchen verschwunden. Karsten ist bisher, auch in den Anfängen seiner Pubertät, wenig rebellisch, er testet seine Grenzen, klar, aber am Ende spüre ich einfach, dass wir mittlerweile wirklich eine enge Verbindung haben, dass er ständig dazulernt und grundsätzlich sehr lieb und ruhig ist. Ich hatte noch nie eine unangenehme Begegnung mit anderen Hunden, was aber auch absolut daran liegt, dass Karsten mit seinen Geschwistern im Garten aufwuchs und seit seinen ersten Tagen auch andere Artgenossen kennt, dass er mit 8 Wochen bereits in die Welpengruppe kam und außerdem auch noch mindestens 2x in der Woche mit anderen Hunden spielt. Dass er im Dackelmädchen Lotta aus unserer Nachbarschaft schnell so eine Art beste Freundin und große Schwester gefunden hat, an der er sich auch stark orientiert. Ich glaube gerade die positive Sozialisation am Anfang seines Lebens, haben ganz viel dafür getan, dass er jetzt völlig entspannt mit allen anderen Hunden umgehen kann.


Karsten hat allerdings auf jeden Fall einen Jagdinstinkt. Der steckt in seinen Genen. Am Ententeich gibt es kaum ein Halten für ihn. Aber wieder trainieren gerade dagegen an.

WAS FRISST EIN DACKEL?

Karsten wird mit Trockenfutter ernährt, ich gebe ihm aktuell das Belcando Aufzuchtsfutter.
Ich weiß, beim Thema Ernährung scheiden sich die Geister, aber meinem Hund gehts prima, er verträgt dieses Futter wunderbar und solange das so bleibt, freue ich mich darüber.

Morgens vermenge ich das Trockenfutter mit warmem Wasser und ein bisschen körnigem Frischkäse oder einem Klecks Joghurt zu einer Art Porridge. Klingt jetzt vielleicht übertrieben, aber bei meinem Welpen sorgt die leicht warme Mahlzeit dafür, dass er danach noch einmal 2-3 Stunden satt und glücklich einschläft. (Ich füttere ihn gegen 06:30 Uhr)

Zwischendurch bekommt er Snacks wie Gurke, mal ein Stück Melone, Möhre oder Kohlrabi, auch mal ein Stück Käse und täglich eine Kau-Leckerei. Karsten verträgt absolut kein Frolic oder irgendwelche Kaustangen mit viel Gelatine oder Getreide. Ich kaufe darum meistens am Poodlewohl in Eimsbüttel getrocknete Straußensehnen, getrocknete Rehschulterknorpel oder auch mal eine Schweineohrmuschel. Daran hat er dann den ganzen Tag zu kämpfen und zusätzlich noch Beschäftigung.

Abends gibts noch mal eine Portion des Trockenfutters, meistens gegen 19:00 Uhr.

Karsten begleitet mich immer mal wieder in Restaurants oder Cafés. Wichtig darum: er bekommt keinen „Haps“ vom Teller. Nie. Das ist meine absolute Regel. Während er mal meinen linken Schuh klaut, kann ich meinen Teller neben ihm auf den Sofa stehen haben, darauf kann ein Burger liegen und ich kurz in die Küche verschwinden, um Servietten zu holen, er rührt ihn nicht an. Nie.
Mir ist das unheimlich wichtig, dass er gar nicht erst auf die Idee kommt, dass er am Tisch naschen oder betteln darf oder ich mein Essen mit ihm teile. Dabei so streng zu sein zahlt sich aus. Wir können zu 5 im Restaurant Schnitzel bestellen – Karsten bleibt liegen und verschläft meistens sogar die Hauptspeise.

(Anders sieht das aus, wenn ich den Pizzakarton so ein bisschen verwaist auf dem Schreibtisch stehen lasse und mich nicht mehr darum kümmere. Wenn ich dann den Raum zu lange verlasse, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er einen Diebstahlsversuch an meinem vermeintlich unbeaufsichtigtem Besitz unternimmt – und tatsächlich schon mal eine halbe L’Osteria-Pizza in 20 Sekunden verschlungen hat. Nur um sich dann stundenlang mit Schluckauf zu quälen.)

Ich habe ein bisschen weiter oben schon erzählt: Ich bin ab dem zweiten Tag mit Karsten in die Hundeschule gegangen und zwar nach Möglichkeit zweimal in der Woche. Ich war und bin in der Welpengruppe (jetzt in der Jugnhundegruppe) von Michaela Runge (Hundeschule Runge), die ich für eine ganz, ganz großartige Hundetrainerin halte.

Michaela ist super, super geduldig und immer bemüht eher den Menschen im Umgang mit seinem Hund zu erziehen, als einen Hund mit „Kommandos in die Spur zu bringen.“

Karsten hat in den ersten Wochen gelernt sozial zu spielen, hat sein Selbstbewusstsein gegenüber anderen Hund aufgebaut (je selbstbewusster der Hund, desto entspannter ist er im Umgang mit anderen, je mehr Angst im Hund steckt, desto eher wird er nervös, bellt oder zeigt sich aggressiv oder abweisend), sich in einem sicheren Umfeld ausgetestet und ich habe gelernt, meinen Hund und sein Verhalten überhaupt erst mal zu verstehen. Außerdem ist der Schlaf eines Welpen nach der Welpenstunde einfach großartig. Bis zu 14. Woche hat er locker 4-5 Stunden nach so einer Trainingseinheit einfach nur noch durchgeschlafen.

Am Wichtigsten für mich war die Struktur und die Sicherheit, das jemand dir helfen kann, wenn du wirklich eine Frage hast und du korrigiert wirst, wenn du gerade dabei bist etwas völlig falsch anzugehen und deinem Hund vielleicht genau die Dinge antrainierst, die dich dann irgendwann stören oder die euch beide blockieren. Ich hab bei Michaela in der Welpengruppe eigentlich ständig nur Aha-Effekte gehabt und dabei auch einfach Spaß. Ich habe, und das kann ich wirklich von Herzen sagen, jeden Samstag wieder Lust auf die Hundeschule und ich bin echt dankbar für alles was wir dort gelernt haben und wie stressfrei unser Alltag dadurch ist.

KARSTEN, 23 WOCHEN

Nach gut 3 Monaten in der Hundeschule kann ich sagen: er läuft entspannt an der Leine (es sei denn, er sieht Lotta an der Ampel vor sich, dann gibts wenig Halten <3 ), er kommt zuverlässig zu mir wenn ich ihn rufe (es sei denn, er ist wirklich mal im Spieltunnel, dann braucht er ein Leckerli als Anreiz), läuft auf der Wiese auch ohne Leine (und ich fühl mich wohl und sicher dabei), er läuft (wenn die Ablenkung nicht zu groß ist) sehr zuverlässig auch ohne Leine bei Fuß (daran trainiere ich gerade am meisten), er macht Sitz und Platz,hört auf seinen Namen und ist sehr aufmerksam, fährt gern Bahn oder Bus oder Auto, er kann bis zu 5 Stunden alleine bleiben und ist stubenrein, im Büro oder auch in Cafés verhält er sich ruhig und hat seine Decke als den Ort akzeptiert, auf dem er sich dann ausruht und entspannt. Gestern haben wir erst 4,5 Stunden in einem Café bei uns um die Ecke ein Konzeptmeeting gehabt – das er fast komplett verschlafen oder aber einfach neben uns aus dem Fenster geguckt hat.
Ich mache es mir aber auch leicht, so einen Kauknochen hab ich eigentlich immer dabei, den ich rausholen kann, um ihn zu beschäftigen. Sobald er den hat, ist alles andere eh zweitrangig.

Gebellt wird eigentlich nur, wenn wir zu Hause sind und es klingelt. Dieses territoriale Verhalten, also eigentlich auch nur die Angst sein Zuhause nich beschützen zu können, ist bei Karsten momentan ein Thema (aber ich bin auch streng, ich möchte einfach dass er gar nicht bellt, wenn es klingelt und ruhig liegen bleibt. Aktuell steht er auf, bellt einmal und wartet dann ab, wie ich mich verhalte. Wenn er dann schon sieht, dass ich seine Mithilfe beim Schutz unserer Wohnung nicht brauche, legt er sich eigentlich auch direkt wieder hin…) 
Im Garten klappt das leider noch nicht so gut, da muss ich ihn oft zurückpeifen, weil er unsere Nachbarn bellend begrüßen würde, wenn ich ihn nicht vorher anleine oder ihn zurückhalte.
Ich hab aber auch da Glück, einmal angeleint oder einfach zur Ruhe gebracht, ist die Aufregung auch sofort vorbei und er erkennt an, dass ich bestimme, wer sich zu uns setzen darf und nicht er.

Unser vermutlich längstes Thema war die Stubenreinheit. Erst klappte die perfekt (Karsten hat zum Beispiel von Anfang an durchgeschlafen), dann wurde es schwieriger. Am Ende hat es mit Auf und Abs bis zu 20. Woche gedauert. Ist halt so. Dafür fiept er jetzt zuverlässig an der Haustür, wenn er außerhalb unserer Runden muss. Einziger Tipp: Durchhalten und dranbleiben. Jeder packt es irgendwann!

KANN MAN DACKEL ALLEIN LASSEN?

„Kann man einen Dackel gut allein lassen?“ , ist eine der am häufig gestelltesten Fragen, die ich auf den sozialen Netzwerken bekomme. Ich bin kein Experte, würde die Antwort aber nicht von der Rasse abhängig machen. Manche Hunde bleiben gern allein, andere müssen das oft und vor allem lange trainieren, manche bleiben bereits mit 12 Wochen allein, andere erlernen das erst ehr spät.

Entspannt allein bleiben ist für Karten dann kein Problem, wenn wirklich alle den Raum verlassen und er versteht, dass die Tür jetzt zu und er für sich ist. Wann immer ich zurückkomme ist sein Körbchen eigentlich warm, sprich er liegt drin und macht es sich einfach gemütlich.
Ich habe das Ritual, dass ich Karsten zu seinem Körbchen rufe, mich verabschiede, ihm einen Hundekeks gebe, bevor ich das Haus verlasse, damit er den Abschied nicht nur negativ verknüpft und dann die Tür zum Wohnzimmer hinter mir zuziehe. Ihm tut es gut sich nur in einem Raum aufzuhalten, so lange ich weg bin, dann ist er deutlich ruhiger, mal wenn er die ganze Wohnung erkunden (beschützen) müsste.

Ich habe ihn mit 12 Wochen zum ersten Mal allein gelassen. Irgendwann musst du eben mal wieder einkaufen gehen, zum Rossmann reinlaufen oder zum Sport. Anfangs hat es sich immer so ergeben, dass Freunde kurz aufpassten, wenn ich mal eine Stunde weg wollte, aber nachdem er sich gut 2 Wochen bei mir eingelebt hatte, habe ich ihn immer mal wieder allein gelassen, die Abstände langsam verlängert. Dadurch, dass ich im Home Office arbeite und Karsten im Sommer zu mir holte, hatte ich das Glück, dass ich ihn in den ersten 6 Wochen nie länger als 2 oder maximal 3 Stunden allein lassen musste. Wenn wir etwas trinken gingen, kam er einfach mit, bei Freunden war er eh jederzeit willkommen und mein Büro liegt in meiner eigenen Wohnung. Das war ein ziemlicher Glücksfall – ist aber auch hin und wieder eine Herausforderung.
Dadurch, dass Karsten sich schnell daran gewöhnt hat, dass er immer dabei sein kann, muss ich ihn teilweise wirklich mal absichtlich zu Hause lassen oder zu Freunden geben, damit er auch das übt.

Mein Alltag sieht so aus, dass ich morgen gegen 06:30 Uhr mit Karsten aufstehe, ihn füttere und mir nebenbei einen Kaffee mache. Wir kuscheln dann meistens noch bis kurz vor 07:00 Uhr im Bett (das ist eigentlich das Schönste morgens und ich lasse es mir so ungern nehmen), danach gehe ich duschen und gegen 07:30 Uhr an den Laptop. Meistens drehen wir gegen 10:00 Uhr eine lange Runde mit Lotta und Elena, die Hunde toben, wir quatschen ein bisschen und um 11:00 Uhr bin ich zurück am Schreibtisch. Meine Mittagspause geht damit für den Hundespaziergang drauf und meistens esse ich meinen Lunch einfach am Laptop, aber das ist ehrlich gesagt absolut ok.
Gegen 17:00 Uhr drehe ich noch eine kleine Runde mit Karsten und um 21:00 Uhr gehen wir noch mal kurz in den Garten.
Das wäre so ein normaler Bürotag. Wenn ich Termine habe, wir produzieren oder ich unterwegs bin, dann baue ich das immer individuell drum herum. Karsten war mit mir schon in Fotostudios, in Konferenzen, ich habe ihn schon mal einen ganzen Panel-Talk über auf dem Arm gehabt, er war bei Aufzeichnungen und Drehs dabei, hat unter Podcastmikros geschlafen und bei Verhandlungen die Stimmung entspannt. Das geht alles. (Das geht alles aber auch weil er so ein entspannter und kleiner Hund ist)

"Aber ist das nicht eine
riesige Einschränkung für dich, in der Stadt und
als Single einen Hund zu haben?"

Ich glaube das hängt damit zusammen, was man als Einschränkung empfindet. Ich stehe schon immer gern früh auf, gehe super gerne spazieren und war schon immer gerne in der Natur unterwegs, für mich ist es kein Loslassen meiner Bedürfnisse, um Platz für seine zu schaffen. Karsten ist ein absolut pflegeleichter Hund, das sage ich noch mal dazu. Während ich zum Beispiel diesen bisher 3000 Worte langen Artikel tippe, liegt er unter dem Schreibtisch in seinem Körbchen und schläft. Ich glaube er hat verstanden, dass er mehr entspannte Aufmerksamkeit von mir bekommt, wenn ich auch meine Arbeit schaffe und ich habe gelernt effizienter zu arbeiten, um dann eben auch Zeit für mein Tier zu haben, statt zum Beispiel so einen Artikel und seine Produktion wie früher manchmal mit vielen Pausen und Ablenkungen über den ganzen Arbeitstag zu ziehen. Ich kann abends genau so ausgehen wie früher, ich kann genau so reisen, ich kann genau so Unternehmungen mit oder ohne ihn machen. Ich glaube die größte Hürde ist manchmal nur im Café zu fragen, ob Hunde erlaubt sind und im Zweifelsfall ein anderes zu suchen. 

Ich will aber auch nicht alles zu bunt malen, denn sicher, manchmal würde ich gern den ganzen Tag in meiner Arbeit oder einem Buch oder auch nur der Erkältung versinken und mich nur nach mir richten, geht aber nicht. Ich muss mit Karsten raus, er muss sich bewegen und gefordert werden, sonst hab ich einen knatschigen, sich langweilenden Hund in der Wohnung. Aber mir war ja vorher klar, dass solche Tage auch kommen. 

Insgesamt ist es so: Karsten hat mein Leben nur bereichert. In absolut jeder Lebenslage. Ich hab diesen kleinen Hund so lieb, ich bin so gern an seiner Seite, er hat schon so vielen Leuten gut getan, bringt so viel Spaß mit in den Freundeskreis und überhaupt in so viele Situationen. Ich hab mich verliebt. Ganz, ganz doll. Der kleine Dackel ist mir absolut unter die Haut gegangen.

"Wie machst du das mit Karsten, wenn du mal verreist?"

Ich habe einen Freundeskreis, der verliebt in Karsten ist. Eigentlich findet sich immer jemand, der auf ihn aufpasst, wenn ich ihn nicht mitnehmen kann, da sind so viele tolle Freunde und auch meine Familie, die sich immer wieder anbietet. Und für den Fall, dass tatsächlich mal niemand Zeit hat, würde ich ihn zu einer Hundesitterin bringen, die direkt bei mir auf der Ecke arbeitet, allerdings musste ich das noch nie.
Wenn ich nach Südafrika gehe, nehme ich ihn erst mal noch nicht mit. Er ist noch immer ein Baby, ich traue ihm und auch mir den Flug im Frachtraum einfach nicht zu und für knapp 6 Wochen muss und werde ich es dann eben ohne ihn aushalten. Wenn ich wirklich für mehrere Monate weggehe, muss das Thema noch einmal neu angegangen und durchdacht und recherchiert werden, auch mit Tierärzten und allen Möglichkeiten. Ich habe nicht erst durch Karsten gelernt: die meisten Probleme lösen sich auf, wenn du sie erst einmal herankommen lässt und dann angehst. So ist das auch mit den jeweiligen Reisen.
Das einzige Dilemma ist eben dein Herz, das ja doch am kleinen Hund hängt. Ich glaube die Frage wird einfach deshalb so oft gestellt, weil die Menschen sich erhoffen, dass man eine ganz einfache Lösung hätte, die keinen Aufwand und auch keinen Verzicht bedeutet. Die gibts beim Reisen mit oder ohne Hund aber nicht. Entweder du nimmst ihn mit – oder du verzichtest darauf und bringst ihn unter. Ich bin mir aber sicher, dass ich dafür immer, immer eine Lösung finden werde und dass beides geht. Hund und Welt erkunden. Und auch mal Welt mit Hund erkunden.

 

"Haben die deine Freunde oder Eltern oder überhaupt andere Leute nicht ständig einen Hund ausreden wollen?"

„Mach das, wenn du mit dem Studium durch bist und im Job gefestigt..“
„Mach das, wenn du nicht mehr so viel reist..“
„Mach das, wenn du weißt, wo du am endest, in welchem Land, in welcher Stadt..“
„Mach das, wenn die Dinge sich ein bisschen gesetzt haben..“

Das sind nur 4 von unzähligen „Bedenken“, die man mir immer wieder entgegengebracht hat und die sicher auch dazu führten, dass ich erst jetzt einen Hund habe – und nicht schon sehr viel früher. Am Ende ist das okay so. Dass ich auf sie gehört habe, hat ja einen Grund und war meine Entscheidung. Was sie nämlich grundsätzlich aussagen? Beschäftige dich ernsthaft mit der Frage, ob ein Hund zu dir passt, ob die die Möglichkeiten hast ihm gerecht zu werden, ob du Bock auf die Verantwortung hast. Wenn ja, dann spring. Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht und immer genau so viele Gründe dafür, wie dagegen. Die Entscheidung fällt, wenn du weißt, welche dir wichtiger sind ..

Ich hoffe der Beitrag hat euch gefallen, vielen Fragen geklärt und euch natürlich am Ende schrecklich verliebt in @karsten_thewienerdog gemacht!

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Comments

  • So ein wundervoller und ehrlicher Text- deswegen folge ich dir schon so lange, liebe Lina ❤️
    Ich kann das alles so gut nachvollziehen, weil auch ich mir eine ganz kurze Zeit vor dir einen dackelmischling zugelegt habe (unverhofft kommt oft) und auch ich seit Jahren mit der Entscheidung gehadert habe.

    Aber ich sehe es haargenau so wie du- ein Hund ist einzig und allein eine Bereicherung und für jedes vermeintliche Problem gibt es eine Lösung 🙂
    Schade dass du in HH wohnst- Woody und Karsten würden sehr witzig zusammen aussehen 🙂
    Alles liebe für dich und deine kleine Wurst 😊❤️

  • Hey Lina, ich mag deine Art zu schreiben so gerne und dieser Text ist dir wirklich gelungen 🙂 Als ich gelesen habe, dass du dir überlegt hast eine Bulldogge zu holen musste ich einmal tief Luft holen. Ich bin so froh, dass du die Überzüchtung dieser Rasse kurz angesprochen hast. Hunde dieser Rasse haben einen tollen Charakter, leider ab auch mit so vielen etlichen Gesundheitsproblemen zu kämpfen.
    Ich bin Tierärztin und es bricht einen jedes Mal schier das Herz wenn man sieht mit was für Problemen diese Hunde zu kämpfen haben – und wie wenig die Leute meist darüber wissen, was für Probleme ihre Hunde haben bzw. es erst nach der Anschaffung Stück für Stück realisieren. Klar kann ich als Besitzer auch ein wenig Einfluss nehmen, indem ich den Hund von einem Züchter hole, schlank halte usw. Aber leider habe ich schon Zuviel gesehen um diesen guten Willen als Argument für diese ganzen überzüchteten kurzschnäuzigen Rassen gelten zu lassen.
    Es ist nicht nur die kurze Schnauze, die zu kurz ist, dass Gaumensegel zu lang weswegen die Tiere nicht richtig atmen können. Die Nasengänge sind zu eng. Das typische Schnarchen gehört nicht zum Rassestandard, es ist pathologisch. Hunde dieser Rassen wehren sich oftmals beim Aufwachen aus der Narkose nicht gegen ihren Tubus, sie genießen es, da sie das erste mal in ihrem Leben richtig Luft kriegen.
    Sie haben einen zu großen Kopf, der bei der Geburt nicht durch das Becken ihrer Mütter passt. Deswegen oftmals Kaiserschnitt oder Schwergeburten.
    Zahnfehlstellungen, da der Kiefer völlig deformiert ist und zu wenig Platz bietet für die Zähne.
    Wirbeldeformationen, wie Keilwirbel die lebenslange Schmerzen trotz Physiotherapie usw. bedeuten können.
    Allergien treten sehr häufig auf. Umweltallergien, sowie Futtermittelallergien.

    Klar kann man das Gaumensegel kürzen und die Nasengänge operativ erweitern und somit Linderung schaffen – aber wieso züchtet der Mensch die durch Operationen lebensfähig gemacht werden müssen?

    Ich würde mir wünschen, dass in der Werbung weniger brachycephale Hunde gezeigt werden. Sodass einfach dieser Hype einmal aufhört. Dass Leute, wie z.B. Blogger die einen solchen Hund haben, offen über die Probleme reden oder wenn sie keine gesundheitlichen Probleme haben mit ihrem Hund trotzallem darüber aufklären und sich dessen bewusst sind, was es für Hunde bedeutet so zu leben. Ständig. Nicht ausreichend Luft zu bekommen.
    Jede Rasse hat ihre Krankheiten, dass ist klar. Aber bei der Gruppe Mops, Bulldogge und Co. kann man einfach nicht mehr wegschauen.

    Ich hoffe es ist okay Lina, dass ich hier soviel über dieses Thema schreibe. Ich hoffe, dass eventuell ein paar Follower die das hier lesen es dazu bewegen kann sich für keinen kurzschnäuzigen Hund zu entscheiden.

    Alles Liebe,
    Antonia

  • So ein schöner Beitrag, die Bilder sind toll und Karsten ist einfach unglaublich süß. Wirklich toll, dass du dir so viel Mühe gegeben hast, einen Post zu verfassen, der informiert und trotzdem persönlich ist und in dem man so viel Liebe zwischen euch herauslesen kann.

  • Liebe Lina,

    dass man zwischendurch, gerade am Anfang, auch mal Angst vor der Verantwortung hat, ist ganz normal. Wenn man ein Tier aufnimmt, gibt es schließlich viel zu bedenken. Ich wünsche dir viel Spaß mit Karten!

    Viele Grüße,
    Hanna von HoseOnline.de

  • Lina, so ein schöner Artikel! Die Fotos sind dir sehr gut gelungen und die Liebe, die in deinen Worten mitschwingt, ist einfach so schön und ich musste beim Lesen die ganze Zeit lächeln. <3 Karsten ist aber auch einfach so goldig 🙂

  • Liebe Lina,

    das ist so ein schöner Beitrag. Ich denke du und Karsten seid schon so ein gutes Team, eine Family und ich wünsche euch alles Liebe und viel Freude.
    Liebe Grüße, Steffi

  • Der Beitrag ist wirklich sehr schön geschrieben und du gibst auf viele Fragen eine ausführliche Antwort! Besonders die Fotos finde ich toll! Karsten ist wirklich sehr fotogen. Mein Favorit ist eindeutig das Bild am Strand mit dem anderen Hund, super niedlich 🙂 Ich wünsche Dir und deinem kleinen Begleiter ein wundervolles Leben zusammen 🙂

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