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Der Geburtstag eines Klassikers – Cointreau wird 170 Jahre!

Mehr als 5000 bekannte Plagiate der Flaschenform und ihrer klassisch warmbraunen Färbung gibt es bis heute Aber nur ein einziges Orginal, abgefüllt in einem kleinen Ort, gut 280 Kilometer von Paris entfernt. 


"Un café au lait s'il vous plaît..", sage ich zwei mal, weil der Baulärm so laut ist, dass die Barista mich nicht sofort versteht. In Montparnasse wird gebaut, der ganze Bahnhof ist mit Sichtschutzplatten umstellt, die Akustik angespannt, was aber auch daran liegen kann, dass wir während der täglichen Pendlerzeit am Gleis warten. 

"Veux-tu un double? Et avez-vous besoin d'une couverture pour le café?", fragt sie mich und ich bereue sofort mein bemühtes Schulfranzösisch überhaupt reaktiviert zu haben. Es ist nur höflich, wenn man zumindest versucht sich in der Landessprache auszudrücken, hatte ich noch gedacht, aber dabei verdrängt, wie schwer ich mich schon in der 9. Klasse tat die jeweilige Antwort auf meine trainierte Frage zu verstehen. 
Ich nicke, weil ich hoffe, dass ich so große Fehlentscheidungen bei einem Kaffee gar nicht treffen könnte, egal was ich antworte. Dann zahle ich 5€ und hoffe das Beste. 

Den ersten Schluck nehme ich, als mein Gepäck verstaut ist und ich den reservierten Sitzplatz am Fenster gefunden habe. Der Zug schob sich pünktlich um 10:20 Uhr vom Gleis ab und bahnte sich seit gut 10 Minuten seinen Weg durch den Westen der Hauptstadt. Gut zwei Stunden würden wir für die 285km lange Strecke brauchen, dabei Les Mans und Bonneval passieren und schließlich in Angers ankommen.

Dem Ort, an dem vor 170 Jahren ein junger Mann namens Edouard den Grundstein legte, um ein kleines Familienunternehmen, das sich mit Kirschlikör einen Namen gemacht hatte, zu einer weltberühmten Marke zu machen.

In einem völlig neuen Destillationsverfahren gelang es Edouard bittere, als auch süße Orangenschalen so zu mixen, dass ein glasklarer und sehr charismatischer Likör entstand. 

(Natürlich nicht im ersten Versuch. Auch nicht im dritten, Es brauchte Jahre der Hingabe zum Detail, um die intensiven Aroma mit der eigenen Nase und seinem Geschmack so lange zu balancieren, bis die perfekte Rezeptur gefunden war auch wenn nicht wenige Wegbegleiter sie bis dahin schon aufgegeben hatten. Call that real dedication..)

Noch heute wird am Ursprungsort in Angers, in einer einzelnen Destillerie, jede einzelne Flasche des berühmten Klassikers abgefüllt, bevor sie in den Verkauf geht. 

Auf der ersten Pariser Weltausstellung 1878, als die Eismaschine und das elektrische Licht vorgestellt wurde, gewann der Likör in der Kategorie Innovation.
– und bis heute ist er ein Zeichen dafür, was aus traditionellem Handwerk, aber gleichzeitig auch Neugierde und Leidenschaft entstehen kann:

... Cointreau!

5 klassische Cocktails, die mit Cointreau gemixt werden

 

Cosmopolitan – vodka, cointreau, cranberry juice, lime juice

Margariha – tequila, cointreau, lime and lime juice, salt

Sidecar – cognac, cointreau, lime juice 

Mai Tai – aged rum, cointreau, grenadine, lime juice  

Lemon Drop – vodka, cointreau, lemon juice

Happy Birthday Cointreau...

170 Jahre!

In Angers ist es regnerisch und eigentlich zu kalt für einen Junitag in Westfrankreich, aber es ist fast schon ein bisschen poetisch, dass auch der Sommer 1849 zu einem der ungemütlichsten der Wetteraufzeichnungen Frankreichs gehörte. Wenig Sonne, dafür viel Regen und damit offenbar auch ausreichend Zeit, um in der Destillerie zu experimentieren, vielleicht einer der Gründe für den Durchbruch am Rezept nach 10 Jahren Arbeit ..

Gäste aus aller Welt, darunter Japan, China, Russland, den USA, Italien, Dänemark und Schweden stehen im geschmückten Spiegelsaal einer alten französischen Villa, um mit der Familie Cointreau, ihren Markenbotschaftern, innovativen Barkeepern und Talenten auf den 170. Geburtstag des Likörs anzustoßen. Es gibt geeisten Cointreau Fizz (Cointreau, Limettensaft, Mineralwasser, großartiger Sommerdrink!) und ein gemeinsames, ungezwungenes BBQ zum Lunch, bevor wir in die Destillerie fahren und dort in mehreren Workshops lernen, was Cointreau besonders macht und wie der Likör zu seinem Charisma kam. Ich habe euch die interessantesten Fakten mal zusammengefasst:  

1. Cointreau hat in seiner Kommunikation den Slogan the art of the mix verankert und spielt damit nicht nur auf seine Zusammensetzung, sondern auch auf die vielseitige Verwendung des Likörs, den vermutlich jeder schon einmal getrunken hat (manchmal ohne es zu wissen) an, Jean, einer der Barkeeper sagt zu mir:

"Cointreau ist charismatisch und trotzdem nicht aufdringlich, man kann mit ihm experimentieren, ohne dass einem der Geschmack über den kopf wächst oder zu vielschichtig wird. Mit Cointreau kann man experimentelle oder kreative Cocktails (wie die Oliven-Salsa Margarita, die ich von ihm gemixt bekomme) machen, ohne dass sie ihre klassische Note verlieren würden. Gleichzeitig ist der Likör so direkt und ehrlich, dass er auch mit einem Spritzer Zitrone auf Eis funktioniert."

2. Cointreau wird aus süßen und bitteren Orangenschalen und neutralem Alkohol destilliert. Die bitteren Orangen aus Haiti und Spanien werden auf eigenen Plantagen geerntet, die süßen Orangen aus Brasilien, Tunesien und Ghana importiert.

 

3. 1898 schuf Nicolas Tamagno den "Pierrot", er bliebt über 50 Jahre lang das Maskottchen der Marke und entwickelte sich in der Kunst. und Popkultur der jeweiligen Jahrzehnte stetig weiter, die Werbung von Cointreau ist zu einem Stück französischer Kunstgeschichte geworden. In der Destillerie kann man sich eine große Sammlung anschauen. 



4. Cointreau wurde zwischenzeitlich und während des Bar-Booms in den 90er Jahren auch in Berlin hergestellt. Neben dem Orangenlikör gab es auch eine Vielzahl von weiteren Produkten von Likören jeder Richtung bis zum Sloe Gin. Cointreau hat seine Reise gemacht und sich dann (wieder) selbst gefunden, heute stellt man wieder ausschließlich in Angers her und konzentriert sich auf sein Ursprungsprodukt.

 

5. Um weiter Leader in der Cocktailkultur zu bleiben, fördert Cointreau besonders junge Talente und bringt sie mit Größe wie Toby Cecchini (der machte 1987 in New York seine erste eigene Bar auf und den Cosmopolitan zu dem Cocktail, der er heute ist) oder Pepijn Vanden Abeele zusammen, der gerade zu einem der einflussreichsten Bartender Londons gekürt wurde. 

Grundlagen lernen, um sich dann Platz für eigene Kunst und Persönlichkeit in den Drinks zu machen – war das Motto während der Feierlichkeiten in Paris. Toby Cecchini zum Beispiel mixte seinen berühmten Cosmo in einer getwisteten, weniger süßen, erwachseneren Variante mit dunklem Kirschsaft und rundete mit Pfeffer, Mandel und Zitrone ab. Einer der besten Cocktails, den ich je trinken durfte .. 

"I HAVE PASSIONATELY THROWN MYSELF INTO RESEARCHING THIS LIQUEUR. I WANTED IT TO HAVE THE PURITY OF CRYSTAL AND A DELICATELY SUBTLE FLAVOR THANKS TO THE PERFECT HARMONY OF SWEET AND BITTER ORANGE PEELS." - Édouard Cointreau

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Comments

  • Ich finde es immer wieder ertaunlich, wie du es schaffst, Werbung in einen ganz atmosphärischen Reisebericht zu verpacken. <3 Ganz großes Kino!

  • „Dem Ort, an dem vor 170 Jahren ein junger Mann namens Edouard den Grundstein legte, um ein kleines Familienunternehmen, das sich mit Kirschlikör einen Namen gemacht hatte, zu einer weltberühmten Marke zu machen.“ > müsste es hier nicht Orangenlikör heißen? 🙂

    • Nein, die Familie hat zuerst Kirschlikör hergestellt und dann ist der Sohn Edouard mit diesem Wissen zu den Orangen übergangen <3

  • Schon beim Lesen des Textes träumt man sich in das Paris der 1920er mit einem Drink und der perfekten Klaviermusik im Hintergrund.

  • Ich muss ja sagen, dass ist so ein schöner Artikel! Den habe ich mit voller Interesse gelesen. Danke dir dafür. Ich habe mich zurück versetzt gefühlt

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