#TWENTYSOMETHING COLUMN // DER UNBEKANNTE ANRUF VOR DEINER HAUSTÜR

"Schlaf gut!", sage ich und umarme ihn kurz. Er zieht die Wohnzimmertür hinter sich zu, ich die Decke weit über meine Schultern. Ungemütlich ist es, dafür dass wir August und eigentlich sonst so laue Nächte in diesem Sommer haben. Typisches Festivalwetter. Als hätte das Dockville es bestellt. 
Ich habe den halben Tag drinnen verbracht, gearbeitet, Papiere sortiert, mich eingeigelt, in den Aufgaben, die ich immer viel zu lange vor mir herschiebe, habe die Bühnen dieses Jahr nicht besucht, leihe nur einem guten Freund mein Sofa, der jedes Jahr auf dem Gelände arbeitet. 
Als er kurz vor Mitternacht die Tür aufschließt, sitze ich längst abgeschminkt darauf, blättere durch ein Buch, auf das ich mich nicht konzentrieren kann und schenke ihm und mir noch ein Glas Wein ein.
Als wir ins Bett gehen, ist es kurz nach 01:00 Uhr. 
Als ich einschlafe klingelt es. 

NUR IRGENDEIN STREICH 


"Erwartest du noch jemanden?", tippe ich.
"Nein, ich dachte es ist für dich"
"Nee.." 
Es klingelt wieder.
"Vielleicht irgendein Nachbar?"
"Nee, glaub ich nicht.."
"Soll ich nachsehen?"
"Ja, bitte" 


Zwei Minuten später, steht er im Zimmer und beruhigt mich: "War vermutlich nur irgendein Klingelstreich. Deine Haustür liegt ja auch zur Straße raus." 
"Aber wieso klingeln sie nur bei mir? Die Wände hier sind so dünn, ich würde hören,  wenn es in der Wohnung nebenan auch geklingelt hätte?", frage ich und lasse zum ersten Mal das Unwohlsein auch in meiner Stimme klingen, das ich schon seit ein paar Minuten habe. Ich weiß nicht was es ist, aber wann immer es bei mir außerhalb der Postzeiten einfach so klingelt, ohne jede Ankündigung oder vorherige Verabredung, habe ich ein Ziehen im Bauch. 
"Was weiß ich", er gähnt kurz und zuckt mit den Schultern.
"Mach dir keinen Kopf! Vielleicht irgendwelche Mädels, die dir folgen und deine Adresse kennen und es witzig finden einfach mal kurz zu klingeln."
"Mitten in der Nacht?"
"Sekt macht halt mutig und es ist Samstagabend..", grinst er und zieht die Tür wieder hinter sich zu. 
Wie albern, denke ich nur noch, bevor ich mich zurück ins Bett lege und das Licht wieder lösche. 
Am nächsten Tag hab ich das Klingeln vergessen. 

Ich bin mir nicht sicher, ob ich nur geträumt habe, sitze kerzengerade zwischen den Kissen, unbeweglich. Ich könnte nach meinem Handy greifen, es im dunklen Bett ertasten, aber ich traue mich nicht. Bin wie gelähmt. 
Der Hund regt sich unter der Bettdecke, knurrt nur kurz in sich hinein, bleibt aber genau so wach wie ich. 
Da ist es wieder. Zwei Töne, der Eine ein bisschen höher als der Andere, der letzte hallt nach.
Es klingelt noch mal. 

Ich würde gern den Halbschlaf abschütteln, gern klar denken. Dann würde ich rational darauf schließen, dass es sich vermutlich um den selben, dummen Klingelstreich handelt, der vor ein paar Wochen schon mal passierte. Ich würde ihn  ungeachtet ignorieren, wie ein lästiges Alltagsgeräusch, so wie man das Poltern der Müllabfuhr ignoriert. Oder das Klappern der Flyer-Boten, die das neue Menü für den Asiaten an der Ecke in die Briefkästen werfen.  Aber die Müllabfuhr kommt montags gegen 07:00 Uhr und der Flyer-Boten immer bei Tageslicht. 

Ich weiß nicht, wie lange ich unbeweglich in meinem Bett sitze, den Hund festhalte – und irrationale Angst habe. Angst in meinem eigenen Zuhause.
Ich weiß nicht, warum mir nur einfällt, dass meine Nachbarin im Urlaub ist, ich die Einzige auf unserem Stockwerk bin.
Ich weiß nicht, warum ich mir gerade Tom in mein Wohnzimmer wünsche. Warum ich nicht einfach nach meinem Telefon greife, aufstehe, mir eine Jacke anziehe, Licht mache, die Situation damit auflöse. Jetzt sofort. 
Ich halte die Luft so lange an, bis der Puls mir in der Brust pocht. So als könnte ich damit die Zeit messen, die seit dem letzten Klingeln vergangen ist. Eine Minute vielleicht. Wohlmöglich zwei.
Der Hund entspannt sich unter der Decke, rollt sich ein. Ich höre ihn gähnen. Dann schläft er wieder. Ich bleibe wach. 

Und ich erinnere mich. An den Winter 2011. Als ich noch im Erdgeschoss lebte. Und es klingelte. Es war vielleicht 19:00 Uhr, mein Freund, mit dem ich die Wohnung teilte, blieb noch länger in der Uni, ich kochte Abendessen, hatte eine Freundin zu Besuch. Ich trug Wollsocken, im Hintergrund spielte mein Laptop eine Sex and the City Folge, ich glaube wir tranken Glühwein. Den klebrigen von IKEA, den man sich als Student so gut leisten kann. Die Küche war schmal, gerade groß genug für eine Person, der Flur ziemlich klein, ich brauchte keinen langen Weg, bis zur Haustür
Als ich öffnete standen zwei unbekannte Männer vor mir. Groß, in Lederjacken, zudringlich dicht auf der Türschwelle, spähten in unseren Flur, wollten nicht mich, aber meinen Freund sprechen. Glaubten nicht, dass er nicht da sei. Sagten, sie würden warten. Zur Not auch im Auto. Sie hätten einen Parkplatz, würden von dem aus gut sehen können, wann er nach Hause käme. Oder wir gingen. Ich erinnere mich, dass ich zum ersten Mal Angst hatte. Angst in meinem Zuhause. 
Ich fand heraus, dass diese Männer Privatdedektive waren. Solche, die du legal engagierst, wenn du einen privaten Verdacht hast, dir Erklärungen erhoffst oder einfach die schnelle, effiziente Lösung eines Falls, der für die Polizei wenig Priorität hätte. Ich erfuhr, dass er eine Rückgabe schuldete. Dass er etwas besaß, was ihm nicht mehr gehörte. Er händigte es aus, als er nach Hause kam. Wir sprachen nie wieder darüber. 2012 trennten wir uns. 

Ich erinnere mich an den Winter 2013. Als man versuchte in meine Wohnung einzubrechen. 

Ich erinnere mich an den Herbst 2017. An ein paar Anrufe einer unterdrückten Nummer. An Marco. Marco wollte mich kennenlernen, wollte mir mir schlafen, wollte Bilder von mir, wollte sich dann nur unterhalten, nur ein paar Fragen stellen. Immer wieder. Marco war nicht der Erste, er war der bisher Letzte. Fand, dass ich selber Schuld an seinem Interesse hätte. Dass ich damit leben müsste, wenn ich mich öffentlich zeigte. Wurde wütend, als ich ihn nicht ernst nahm. Seine Anrufe irgendwann mal gemeinsam mit Freunden annahm. Legte auf. Rief nie wieder an. 

 

"Mit welchem Recht fällst du über deinen Ex-Partner her, zwingst ihm deine Gefühle auf, mitten in der Nacht, als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt, als das was du und der Wein gerade fühlen?"

"Ich komme mir so blöd dabei vor, dass ich da gestern Nacht im Bett saß, Angst hatte, ausgerechnet ich. Und das mir all diese Gedanken hochkamen. Es ist einfach so irrational, dass ich nicht einfach aufgestanden bin und fragte, er da vor meiner Tür stand..dann wüsste ich es und müsste mir keine Gedanken mehr machen", sage ich am nächsten Tag zu meinen Freundinnen, als wir uns auf eine Pizza zum Mittagessen in der Sonne treffen. 
"Ich hätte mich auch keinen Zentimeter bewegt.." 
"Das war wie dieser unbekannte Anruf – nur dass er direkt vor meiner Tür stand."

"Hast du denn eine Ahnung, wer es gewesen sein könnte? Als falls es kein Streich war?" 

Ich hatte tatsächlich gegen 10 Uhr ein paar Freunde aus der Nachbarschaft gefragt, ob sie zwischen den Bars an meiner Wohnung vorbeigekommen wären, vielleicht geklingelt hätten. Sogar einen Nachbarn im Treppenhaus, der seinen Geburtstag gefeiert hatte, sprach ich drauf an, ob vielleicht jemand seiner Gäste sich einfach geirrt hätte. Er verneinte. Hatte die Wohnung mit seinen Gästen schon viel früher verlassen. Keiner meiner Freunde war in Eimsbüttel unterwegs gewesen. Und niemand sonst in unserem Haus war von einem Klingeln gestört worden. 

"Vermutlich war es wirklich einfach ein dummer Zufall. Irgendjemand, der sich vertan oder nicht nachgedacht hat. Ich sollte mir einfach keinen Kopf drum machen. Ich finds ja eh nicht raus.." 
"Bei mir hat immer nur mein Ex-Freund nachts das Bedürfnis gehabt, vor der Tür zu sitzen.." 

Ich erinnere mich an eine ehemalige Freundin, die mich mal spät abends überfallen und in ihr Auto gezwungen hatte, um mit ihr hunderte Kilometer vor die Tür ihres Ex-Freundes zu fahren, die sie nicht kannte, sondern nur in einer Straße vermutete. Während sie durch die Nacht lenkte, fragte ich sie immer wieder, was sie ihm sagen wollen würde, wenn sie seine Wohnung wirklich fand. Ihm, mit dem sie seit Jahren kein Wort gewechselt hatte, der von ihr betrogen und belogen worden war. Sie, die vor 2 Jahren einen anderen Mann heiratete, der genau so wenig von ihrem Plan wusste, wie jener Mann, bei dem sie weit nach Mitternacht klingeln wollte. 
Vor ein paar Wochen hatte sie ihn zufällig wiedergesehen. Ihn und seine neue Freundin. Sie hatten sich auf einen Kaffe verabredet. Er ihr erzählt, dass er noch oft an sie denke, aber gerade dabei sei sich neu zu verlieben, sie loszulassen. Für ihn, das erzählte er mir später, war es der Moment endlich Frieden mit einer schmerzhaften On-Off Beziehungen zu finden.
Für Sie war es der Moment ihn wieder zu wollen. 
"Ich kann so nicht weitermachen! Ich muss einfach jetzt sofort wissen, was er fühlt, ohne dass er ewig darüber nachdenken kann." "Und was ist damit, dass er endlich weitergemacht hat? Dich endlich losgelassen hat? Oder es zumindest probiert?", warf ich ein.
"Ich will ihm nur sagen, was ich denke. Alles sagen, was ich nie rausbekommen habe. Mich dafür entschuldigen, dass ich so oft so respektlos mit ihm umging, ihn einfach nicht sah. Er hat immer gesagt ich kämpfe nie um ihn. Jetzt tue ich es." "Indem du jetzt wieder respektlos und egoistisch mit ihm umgehst? Er will doch gar nicht mehr, dass du kämpfst!" 
"Und deshalb soll ich einfach mal aufgeben?" "Nein, aber nachdenken. Darüber, wem du gerade weh tust. Und was du kaputt machst."

Sie erinnerte mich daran, dass ich ihre Freundin sei. Dass ich zu ihr halten müsse. Dass sie es für auch immer tun würd. Und ich verstummte. Wartete im Auto, als sie an ihrer großen, vermeintlich romantischen Geste scheiterte. Sie fand die Klingel nie. Und wir fuhren zurück. 

"Ist es nicht verrückt, dass man das mal romantisch fand?"
"Ich hätte es nie romantisch gefunden, wenn eine Egomanin nachts vor meiner Tür steht, um meine Beziehung und meinen Seelenfrieden zu riskieren, nur um ihr Ego zu heilen und ihre Ehe zu beatmen."
"Ok, vielleicht nicht unbedingt konkret dieses Beispiel. Aber dass jemand nachts vor deiner Tür steht und dir seine Liebe gesteht? Oder Fehler einsieht? Oder die großen Sätze sagt, die du unbedingt hören wolltest?

Während es ohne diese verklärte Romantik einfach nur respektlos und invasiv und irgendwie auch einfach echt gruselig ist?"
"Oder? Ich meine, mit welchem Recht fällst du über deinen Ex-Partner her, zwingst ihm deine Gefühle auf, mitten in der Nacht, als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt, als das was du und der Wein gerade fühlen? Für mich wäre das die endgültige Erkenntnis für rücksichtslose Egomanie."

"Ich habe mal 40 Minuten vor einem Haus gestanden und überlegt einfach zu klingen, um einen gerade keifenden Krieg über Whats-App zu beenden. Ich dachte es sei eine gute Idee zu klingen, sich zu sehen, dieses Muster einfach aufzubrechen und wirklich zu reden. Am Ende wollte ich keine Grenzen zertreten und fuhr wieder, nachdem ich sie fragte, ob wir uns sehen wollen und sie verneinte. Und bis heute findet sie, dass das aber vielleicht der Moment gewesen wäre, den es gebraucht hätte. Der uns hätte retten können. Wenn ich einfach trotzdem geklingelt hätte." 
"Ist das nicht unheimlich toxisch? Jemand wegzuschicken und zu hoffen, dass er deinen Wunsch nicht respektiert? Warum verwechseln so viele Menschen eigentlich dieses Kämpfen damit, dass man über eine andere Person einfach bestimmt?"

"Ich persönlich bin ja sogar schon sauer, wenn einfach so jemand nachmittags bei mir klingelt, ohne sich anzukündigen, einfach weil ich es nicht mag, wenn jemand in meine unaufgeräumte Wohnung kommen will."

"Ich weiß nicht..", antworte ich wieder ins Gespräch hinein. "Als ich zuletzt verliebt war, hat es öfter mal nachts geklingelt. Nie ohne dass gleichzeitig auch eine Nachricht dazu kam, aber trotzdem unerwartet. Und ich fands süß. Hab weit nach Mitternacht noch Pommes gemacht und die dann im Bett geteilt und nicht einen Gedanken daran verschwendet, dass er meine Grenze überschreiten könnte." 
"Das kannst du aber nicht vergleichen! Wenn es in der Zeit bei dir klingelte, hast du ja schon irgendwie gewusst, dass es jemand sein könnte, der die Nacht bei dir verbringen möchte, auf den du dich freuen würdest. Jetzt hingegen, erwartest du sowas nicht. Im Gegenteil.." 
"Und trotzdem ist es ja irgendwie mein Mindset? Weißt du? Das hätte sich je nach dem, wer vor dieser Tür gestanden hätte, ja sofort geändert. Die Grenzüberschreitung wäre geblieben, aber ich will nicht ausschließen, dass ich sie nicht über Board geworfen und meine gerade noch gefühlte Angst ignoriert hätte, wäre ich zur Tür gegangen und hätte davor jemanden oder etwas gefunden, wonach ich Sehnsucht habe." 
"Okay sagen wir jemand mit dem du ein übles Ende hattest, steht betrunken vor deiner Tür und findet den Mut, sich zu entschuldigen. Nimm meinetwegen die letzte Person, mit der du so einen Streit hattest. Wärst du wirklich glücklich?" 

Die letzte Person, mit der ich einen Streit hatte. Die letzte Person, die mir weh getan hat. Vor meiner Tür. Vermutlich angetrunken, vielleicht auch nicht. Bereit sich zu entschuldigen. Auf einmal.

"Nein, ich wäre sauer." 
"Siehst du, weil du deine Grenzen eben doch nicht über Board wirfst!"
"Oder weil ihre Entschuldigung schlicht nicht gut genug wäre. Oder weil ich sie eben gar nicht mehr von ihr will." 

"Hast du denn eine Idee, wer es gewesen sein könnte? Meinst du es war.." Ich weiß sofort wen sie meint und schüttle mit dem Kopf. "Nein."

Ich hatte kurz über ihn nachgedacht. Über einen Menschen, den ich wohl vor meiner Tür gewollt und hereingelassen hätte. Dem ich die überschrittene Grenze verziehen hätte. Weil sie Bewegung bedeutet hätte. Bewegung. Statt Stille. 

Ich wische den Gedanken weg, der unsinnig, fern jeder Realität ist. "Vermutlich war es wirklich einfach Zufall. Dass es jetzt zwei Mal binnen ein paar Wochen geklingelt hat. Und ich mach mir gerade einfach zu viele Gedanken. In ein paar Tagen denk ich nicht mal mehr dran..", schließe ich das Thema ab und schneide mir ein großes Stück Pizza ab. "Ja, ich glaub das macht Sinn. Am Ende vermutet man sich in irgendetwas hinein, das..", sie bricht ab, weil die Vibration eines Handys zwischen dem Besteck und der Holzplatte klappert. 
"Ist das deins?"

Wir schauen beide gleichzeitig auf den Bildschirm.
"Ok. Vielleicht nicht gerade die letzte Person, mit der du Streit hattest..", bringt meine Freundin zuerst und mindestens genau so geschockt wie ich, heraus.
"Aber die allerletzte, von der ich einen Anruf erwartet hätte." 


Oder ein Klingeln nach Mitternacht, fügt mein Kopf hinzu.

 

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Comments

  • Wow… Ich habe den Text gespannt und sehr angespannt gelesen, mich dabei fast überschlagen weil ich wissen wollte wie es ausgeht. Ach Lina… Danke für diesen Einblick, ich hoffe es geht dir gut <3

  • Liebe Lina,

    wow, sehr sehr spannende Geschichte und schon etwas beängstigend.
    Wenn jemand nachts bei mir ganz unverhofft klingeln würde, dann hätte ich definitiv auch Angst. Ich habe zwar (zum Glück) bislang keinen Ex-Freund vorzuweisen, der von Privatdetektiven verfolgt wurde, noch habe ich sonst groß etwas zu befürchten, aber trotzdem weiß man ja, dass da jemand vor der eigenen Tür steht, der unerwartet und eventuell auch unerwünscht ist und nun zu einem kommen will. Deine Angst ist also für mich absolut nachvollziehbar, selbst wenn ich keinerlei negative Erfahrungen bislang mit nächtlichen Besuchern hatte 😉

    Ich denke es liegt einfach daran, dass man heutzutage seine Besuche fast immer davor ankündigt, und sei es nur eine kurze WhatsApp von wegen „Ich komm kurz vorbei in 5 min, passt?“ oder Ähnliches und sich kaum jemand nachts einfach so zu einem begibt.
    Natürlich kann das ganze ein Klingelstreich sein, aber ich kann dein Unbehagen nachvollziehen und würde das auch weiter beobachten!

    Würde bei mir die Person vor der Tür stehen, mit der ich zuletzt Streit hatte, dann wäre in meinem Fall keine Grenze überschritten, sondern ich würde mich nur freuen, einen langjährigen Freund wieder zu Gesicht zu bekommen und auf eine Aussprache hoffen. Es gäbe aber genug Personen, die ich überhaupt nicht Nachts vor der Tür haben wollen würde – unter anderem meinen Ex-Freund.
    Deshalb finde ich gut, dass du deiner Freundin im Auto Argumente entgegengehalten hast! Ich selbst bin auch eine sehr offene und direkte Personen, was in Freundschaften nicht immer leicht ist, da eben schnell die Keule kommt von wegen „Ich halte aber auch immer zu dir“ und das echte Argument einfach damit platt gemacht werden soll. Zum Glück hat sie die Klingel nicht gefunden und der arme Kerl wurde von der Pseudo-Romantik verschont 😉

    Halte uns bitte auf dem Laufenden, was deine Klingel betrifft und sonst: kannst du evtl. mit einem Fernglas aus deinem Fenster auf die Straße schauen? Das wäre doch eine gute Ausrüstung für die nächsten Nächte ;P

  • Der Text ist so so gut! Hat mich sehr gepackt, und ich hab richtig mitgefühlt, als du deine Angst beschrieben hast.
    Schönen Abend! ❤️

  • „Ich persönlich bin ja sogar schon sauer, wenn einfach so jemand nachmittags bei mir klingelt, ohne sich anzukündigen, einfach weil ich es nicht mag, wenn jemand in meine unaufgeräumte Wohnung kommen will.“

    Das könnte auch ein Zitat von mir sein 😅
    Ich bin so ein Eigenbrödler und meine Wohnung ist mein Rückzugsort. Wenn dann jemand unangemeldet klingelt bringt mich das jedes mal total aus dem Konzept und ich kriege richtig nervöse Herzklopfen. Selbst wenn die Bude ausnahmsweise mal ordentlich ist.

    Tolle Kolumne, hab ich gern gelesen und Mitgefühl!

  • Wow Lina, ich konnte den ganzen Text so mitfühlen 🙂 und teilweise zum eigenen Leben Parallelen ziehen <3 Definitiv richtungsweisend für zukünftige Entscheidungen

  • Toller Blogpost!! Ich habe dir noch nie einen Kommentar hinterlassen. Dieser Text hat mich aber so gefesselt, dass ich dir gerne sagen möchte wie toll du schreibst und dass mir der Text sehr aus der Seele gesprochen hat. Dieses Gefühl wenn es nachts unerwartet klingelt und sich Beklemmung breit macht kenne ich nur allzu gut.
    Ich hoffe es geht dir gut! 🙂 danke für den Text.

    • Liebe Marlene,

      danke für deinen Kommentar <3
      Mir gehts im Moment ok 🙂
      Alles Liebe an dich,
      Lina

  • Du schaffst es einfach immer wieder dich selbst zu übertreffen. Danke, dass du dich noch traust echte und wahre Geschichten zu erzählen und Gefühle zu zeigen. Dabei scheinbar immer die richtigen Worte findest und mich kurz fesselst und nachdenken lässt, in einer Zeit in der man sonst meist von einem Beitrag zum Nächsten klickt.

  • Vielen Dank für diesen wirklich toll geschriebenen Artikel!
    Er ist so spannend und fesselnd geschrieben, dass man gleichzeitig schnell lesen möchte, um zu erfahren, wie es weitergeht, aber auch langsam, weil das Lesen so viel Freude bereitet.

  • Habe gespannt gelesen und du hast echte ernste Gedanken angeregt!
    Diese Schreckhaftigkeit bei einem unerwarteten Klingeln rührt tatsächlich von solchen Grenzüberschreitungen (gewollt oder nicht) her.
    Ich hoffe, das nächste unerwartete Klingeln bei dir ist mit weniger Schreck und mehr Freude & Herzklopfen verbunden.

  • Das liest sich ein bisschen wie ein Krimi. Sehr gut geschrieben!
    Und die Story mit dem Ex-Freund & Privatdetektiven puh. Bewundernswert dass du auch sowas offen teilst.

  • Sehr packend geschrieben! Die Worte erzeugten bei mir ein komisches Gefühl beim Lesen, Unbehagen. Wahnsinn, dass du das einfach mit Worten schaffst.
    Liebe Grüße, Jasmin

  • Der Text ist fantastisch geschrieben. Hatte fast durchgehend Gänsehaut. Vor allem erinnert er mich an meine eigene Erfahrung mit meinem Exfreund.
    Als ich mich von ihm trennte, schrieb er mir nicht nur durchgehend auf Whats App und Facebook, sondern brachte auch kleine Päckchen mit Geschenken vor die Haustür oder warf Briefe in den Briefkasten. Fand ich unangenehm und aufdringlich.
    Als ich dann schon länger mit meinem Freund zusammen war, warf er einen Brief in den Briefkasten unserer gemeinsame Wohnung. Die Adresse fand er raus, weil ich auf Instagram zu leichtsinnig war. Er meinte es nett, wollte Versöhnung, dass man sich normal Grüßen kann. Aber er überschritt eine Grenze und ich war so geschockt, dass ich ihn anrief und sagte, ich wolle nicht, dass er sich nochmal bei mir meldet. Hätte er mir einfach auf Facebook geschrieben hätte ich sicher anders reagiert.

  • Lina, was für ein spannender und unfassbar guter Text! Dennoch ist/war deine Angst total begründet! Wenn jemand nachts an meiner Tür klingelt würde ich auch nichts gutes erwarten – abgesehen davon hätte ich keine lust einen betrunkenen Exliebhaber vorzufinden! Ich hoffe die Sache hat sich in der Zwischenzeit geregelt und es klingelt nicht mehr unverhofft an deiner Tür! Alles Liebe, Jessi
    http://www.jessiloves.com

  • Liebe Lina,

    vielen Dank, dass du deine Erlebnisse, Gedanken und Gefühle so mit uns teilst. Ich lese deinen Blog schon sehr lange und liebe deine Texte und deinen Schreibstil.
    In der oben beschriebenen Situation hätte ich auch totale Angst gehabt und mich wahrscheinlich kein bisschen bewegt. Höchstens noch zur Zimmertür, um diese auch noch ab zu schließen.

    Ganz liebe Grüße 🙂

  • Wow… mein Herz klopft wie verrückt vor Aufregung. Ich bin richtig in die Situation eingetaucht. Unglaublich wie Worte – deine Worte – solche Gefühle auslösen können… Besonders deine 20 something column, aber auch deine Reiseberichte nehmen mich immer wieder “auf eine kleine Reise” mit. Danke dafür Lina!

  • Eine deiner besten Kolumnen finde ich! Hab den Text gegen Abend gelesen, kurz bevor ich Besuch erwartet hab. Als es dann bei mir geklingelt hat, bin ich tatsächlich für eine Sekunde zusammen geschreckt, so gefesselt war ich von dem Text 😀
    trotzdem mega gruselig! Ich hatte sowas zum Glück noch nie, wohne aber an einer sehr belebten Straße, wenn das bei mir passieren würde, wäre zu zu 99% ein Klingelstreich.

  • Toller Text! Ich kann das so gut nachvollziehen, ich bekomme sogar schon so ein komisches Gefühl, wenn mich nachts mal eine unbekannte Nummer anruft.
    Finde aber nicht, dass man sich da Gedanken machen muss, mit zweierlei Maß zu messen – im Endeffekt kann man finde ich von jedem erwarten, einschätzen zu können ob man gerade eine Grenze überschreitet bzw. im Zweifelsfall eben eine Nachricht zu schreiben.

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