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#TWENTYSOMETHING COLUMN: UND AUF EINMAL BIN ICH AUFGEREGT ..

Der erste Sex mit jemandem, ist nie perfekt, er ist manchmal innig, manchmal leidenschaftlich, manchmal betrunken, ein Stolpern oder einfach hastig. Und trotzdem gleicht er sich... schon so lange. 

Du greifst nach meiner Hand, drückst sie in die Kissen und küsst mich wieder, dieses Mal länger, mit mehr Nähe und mehr Drängen, als noch vor ein paar Minuten. Ich ziehe dir das Shirt über den Kopf, werfe es achtlos zur Seite und schlinge meinen Arm wieder um deinen Nacken. Nichts daran ist für dich oder mich neu. Was jetzt passiert, das ist kein Automatismus, aber trotzdem nicht ungewohnt. Ich weiß, dass du jetzt nicht aufhörst, weiß , dass du gleich zum Nachtschrank oder in deine Jeans greifst. Wir machen das beide nicht zum ersten Mal. Nur zum ersten Mal miteinander. 
Der erste Sex mit jemandem, ist nie perfekt, er ist manchmal innig, manchmal leidenschaftlich, manchmal betrunken, ein Stolpern oder einfach hastig. Und trotzdem gleicht er sich. Hat so einen Ablauf. Der erste Sex mit jemandem, dem du noch nie zuvor nah gekommen bist, ist oft höflich, oft einfach ein gewähltes Mittel. Kein schlechtes, das will ich nicht sagen. Es ist eher so: man hält sich an die Regeln und vor allem zurück, geht das Offensichtliche ein. Er ist so ein bisschen wie die Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner. In den meisten Fällen weißt du ungefähr, wo er liegt. Das ist okay. Und trotzdem ist dieser Sex nie schon der, den du wirklich mit diesem anderen Menschen haben kannst. Er kommt nie so nah, er ist nie so intensiv, geht nie so tief. Er geht selten bis ins Mark. 
Ich glaube er verliert einfach gegen all das was noch sein kann, wenn man noch ein bisschen länger bleibt. 

Vielleicht bin ich deswegen einfach kein Fan von klassischen One-Night-Stands. Ich meine ich habe sie und ich werde sie auch bestimmt wieder haben. Es gibt Nächte, da glaubst du, dass sie genau das sind was du brauchst – aber nur um immer und immer wieder zu wissen, dass sie nie so gut sind, wie alles was nach ihnen kommen könnte, wenn es denn würde .. 

Das hier ist kein One-Night-Stand. Selbst wenn du gleich aufstehst, dich anziehst und wir uns nicht wiedersehen. Dafür haben wir zu lange gebraucht um in diesem Bett zu landen, dafür habe ich dich zu oft gesehen, dafür hängt ja auch irgendwie zu viel Erwartung dran, zu viel Geschichte. Dafür kenne ich zu viel von dir, obwohl ich so viel nicht weiß und dann wieder vergesse, mich wieder erinnere. 

Und auf einmal zögere ich – vielleicht ist es nur, weil du mich ansiehst, mir in die Augen schaust – aber ich bleibe hängen. Ich will nach deinem Gürtel greifen, meine Beine um dich schlingen und dich zu mir ziehen, will zurück in diese Routine zum kleinsten gemeinsamen Nenner, in die Comfort-Zone des ersten Sex. Aber irgendwie geht das nicht. Irgendwas lässt mich scheu werden. Hoffen, dass du weißt, wo wir weitermachen, weil ich noch immer still stehe. "Alles ok?", fragst du, suchst meinem Blick. Ich traue mich kaum dich anzuschauen, nicke, mache die Augen zu und küsse dich. "Ja", denke ich und will es damit sagen. Denn was ich nicht über die Lippen bringe, weil es mich selbst so überrascht, mein Herz so klopfen lässt, ist das hier: ich bin auf einmal aufgeregt. Wirklich aufgeregt. Nicht aufgeregt, weil ich gleich Sex haben werde, nicht weil ich gleich Sex mit jemandem haben werde, mit dem ich noch nie Sex hatte, sondern weil ich ihn mit dir haben werde. Und sich das auf einmal völlig unwirklich und aufregend und ..schön anfühlt. 

Ich weiß nicht mal mehr, ob es ok ist das zu sein. Ob es zu viel ist das zu sein. Wann ich es zum letzten Mal war. 
Unverbindlicher Sex, der passiert in den Zwanzigern, als Single, irgendwo in 2018, so natürlich, so ungezwungen und fast schon selbstverständlich, der ist selten aufgeladen, nie unerreichbar und ja – oft erst besonders, wenn du ihn nicht mehr haben kannst oder dann wieder haben kannst. 
Vielleicht bin ich aufgeregt, weil ich nicht weiß, ob das hier noch einmal passiert, ich aber will, dass es noch einmal passiert, damit es noch besser passiert. Weil ich jetzt schon weiß, dass ich will, dass es noch besser wird. Sobald die Anspannung loslässt.
Denn dafür war er ja auch irgendwann mal da, der erste Sex, um Erwartungen abzuschütteln, Unsicherheiten wegzuwischen, erste, holprige Nähe zuzulassen, um sie danach völlig frei und unverkrampft genießen zu können... ohne Routine, ohne Selbstverständlichkeit. 

Und ich hatte einfach schon sehr lange keinen ersten Sex mehr, er nicht einfach selbstverständlich war.. 

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Comments

  • Liebste Lina,
    zuerst einmal: Wow!
    Du kannst so gut mit Worten umgehen, weißt sie richtig einzusetzen und vor allem sie so in einen Zusammenhang zu bringen, dass die Geschichte, die Erzählung einen bis ins Tiefste trifft und berührt. Ich habe so mitgefühlt und mich so von dem Moment eingebunden gefühlt, obwohl ich selbst nie solch eine Erfahrung gemacht habe und seit Jahren in einer Beziehung bin. Und vielleicht auch gerade deswegen habe ich einen ganz anderen Blick auf One Night Stands, deshalb: Vielen Dank fürs Mitnehmen!

  • Wow, das ist einfach so wahr. Deshalb find ich die Bezeichnung “erstes Mal” auch so super schlecht gewählt. Weil ich finde jeder ist mit einem neuen Partner erneut aufgeregt und muss sich auf ihn einstellen und den gemeinsamen Nenner finden. Jedes Mal mit jmd neuen ist rein von der Gefühlslage her besonders , wie das erste Mal (zumindest wenn es sich nicht um ein ONS handelt).

  • die Fotos sind der Wahnsinn…
    Ich weis nicht ob mutig der richtige Ausdruck dafür ist. Ich denke eher ehrlich und aufrichtig. Ich konnte mich und meine Erfahrung wiederfinden in dem was du schreibst – die Aufregung das das grade wirklich passiert, jeden Moment auskosten zu wollen weil man die Befürchtung hat es könnte einmalig sein und doch zu merken das die performance eher ausbaufähig ist weil halt doch alles neu und aufregend ist und man sich aneinander ran tastet. Ich habe keine Erfahrung mit ONS aber denke das je mehr einem an dem anderen liegt desto grösser die Wahrscheinlichkeit das „das erste Mal“ vergleichsweise holprig wird…

  • Damn girl, mal wieder ein Text von dir der straight unter die Haut geht. Und dann noch deine Bilder dazu. Ich erlebe selten einen Blog, auf dem Bild und Text eine derart starke Symbiose eingehen. Vielen Dank für dieses Lesevergnügen.
    Gruß, Denise

  • Fangirlmoment!
    Du bist so talentiert, liebe Lina.
    Irgendetwas scheint mit dir und folglich auch mit deinen Texten passiert zu sein… Du wirst besser und besser! Meine höchste Anerkennung.

  • Lina, du bist einfach so eine Inspiration (was dich als Person angeht, deine Ansichten etc.) – aber auch ganz klar was deinen Content angeht. Wie du es einfach immer schaffst, Stimmung zu erschaffen mit deinen Worten und Bildern.

    Ganz liebe Grüße,
    Cathleen von https://nichts-als-schabernack.com/

  • Was für ein meisterhaft schön geschriebener Text Lina, er hat mich wahnsinnig berührt. Danke, dass du uns auch von solch intimem Momenten Einblicke in deine Gefühlswelt gibst.

    liebst aus Halle,
    Theresa

  • Liebe Lina,
    wow. Ich verfolge deinen Blog schon eine halbe Ewigkeit (vier Jahre ist es bestimmt schon her) hab ihn dann eine Weile aus den Augen verloren und irgendwann viel es mit wieder ein, das da jemand war dessen Blog mich fesselte. Bin nun seid einem Jahr wieder begeisterter Leser. Ich könnte stundenlang hier stöbern, lesen, entspannen..

    An dieser Stelle einmal ein dickes Dankeschön !
    Liebste Grüße
    Laura

  • Ich fand es total schön zu lesen, wie dieses „Aufgeregtheitsgefühl“ wiederkommt, wenn man auf jemanden Besonderen trifft. Dass irgendwie nicht alles abgestumpft und ähnlich ist, sondern es solche Nächte auch verändernd sein können.

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