WEEKLY NOTES – WOCKENRÜCKLICK #5 IN 2018

#5

Regentag in Kapstadt.
Nein das ist falsch formuliert. Es regnet nicht, es nieselt, ist irgendwie unbequem aber trotzdem nicht erleichternd. Kühler, aber nicht klarer, regnerisch aber nicht endlich der Bruch, der trotzdem nicht genug wäre. 

Trotzdem gehe ich an der Promenade spazieren, vielleicht auch gerade deswegen Ich mag sie ja, diese richtig grauen Tagesanfänge, die hier irgendwann aufklaren oder gemeinsam mit dem Wind den Dunst des Ozeans nur noch tiefer in die Gassen schieben, bis sie die Sicht verschlucken und alles damit ruhiger, leerer, leiser machen. 

Kapstadt schlägt die Augen zu, wenn die Sonne verschwindet. Und ich fühl mich dann, als hätte ich unbeobachtete Minuten, kurz die Zeit angehalten, kurz Pause, kurz mal nichts erleben – nur verarbeiten. 

Die letzte Woche war wunderschön, bunt, laut, vielleicht sogar wild, auf jeden Fall unbeständig, gemischte Gefühle, verstärkt oder bekämpft mit einem straighten Drink, ohne das Internet und damit die ganze Zeit unter Menschen sein, Vergängliches genießen, trotzdem festhalten wollen. 

Heute fährt Franzi, morgen beginnt Maggies Uni wieder – und damit stelle ich mich einem neuen Abschnitt: Schluss mit dem Ankommen, rein in den Alltag, den ich aber ehrlich gesagt auch vermisse. Nicht den Stress, nicht das nächtliche Versacken am Schreibtisch, aber das Arbeiten und Kreieren. Ich bin ganz ehrlich, wenn da draußen die Sonne scheint und du umgeben bist von Menschen, die nur noch eine Woche oder ein paar Tage bleiben, dann fällt es schwer das Tageslicht verstreichen zu lassen, an der Tastatur zu bleiben und diszipliniert zu sein. Ich hab mir also vielleicht ein bisschen mehr zeit gelassen hier eine Routine zu entwickeln, als geplant, hab gehofft, dass das im langen, kalten Januar da drüben in Deutschland vielleicht auch gar nicht so sehr auffällt. 

Ein Projekt an dem ich dafür dranblieb: der Vlog! Der macht mir nämlich immer mehr Spaß!

 

 

RAINY TUESDAYS

misty, cloudy, slowly
just what you need, when things
come to 
an end



"Disconnected for a moment.."                        

THOUGHT, WEEK #2

Vor ein paar Nächten gab es den ersten Moment, das erste Mal im Jahr 2018, dass ich mich irgendwie schwach oder nicht so entspannt und ruhig fühle, wie es in den letzten 3 Wochen hier in Südafrika war. Ich fühlte mich von mir selbstentfernt, einfach disconnected, als ich mit ein paar schweren Fragen im Kopf über die Promenade lief, die schon lange da sind, immer mal wieder ab- und dann wieder auftauchen. Und wenn sie es tun, bringen sie jedes Mal neue Schwere mit. In den letzten Wochen konnte ich jeden Zweifel ganz einfach loslassen, indem ich einfach nur die freie Zeit, die Distanz, die ich brauchte, die neuen Herausforderungen, nach denen ich mich sehnte, und all die guten Dinge annahm, die mir passiert waren, seit ich ins Flugzeug gestiegen war.

Aber an diesem Tag klappte das nicht. Ich konnte nicht einfach loslassen, tatsächlich nahm mich das ungute Gefühl im Bauch immer mehr ein.

Bis ich realisierte, wie gut das ist. Wie notwendig. Zumindest manchmal. Glück bedeutet nicht, ständig gut gelaunt oder ohne jeden Zweifel zu sein, es ist nicht dieses antrainierte Leugnen Verletzungen oder Sorgen. Glück ist nicht ständiges Loslassen und drüberstrahlen.

Eigentlich gibt es Sorgen, Zweifel, sogar Schmerzen aus einem bestimmten Grund. Um dich dazu zu bringen, Dinge zu erkennen, sie liegen zu lassen oder bessere Entscheidungen zu treffen, über dich oder von dir selbst zu lernen. Und um dir zu zeigen, dass alles temporär ist, das alles sich ständig bewegt, verändert, sich neu anpasst oder wiederfindet.


Jeder gute Momente, aber auch jeder schlechte. Ganz egal, ob es um den Job, um Freunde oder Beziehungen, dein Gefühl zu dir selbst, auftretende Probleme oder großartige Chancen geht.

Du kannst nicht alle Dinge kontrollieren, indem du dich nur anstrengst oder die Tiefs schneller bewegen, indem du dir einfach verbietest, sie zu fühlen, du kannst nichts einfach abkürzen oder einfach nur ein Kapitel überspringen. Aber du kannst Geduld lernen, du kannst lernen dich gut zu entscheiden und du kannst Vertrauen in das Timing deines Lebens erlernen. Nicht, dass alles einfach verschwinden wird, wenn man nur darauf wartet, dass es vorübergeht. Aber die Dinge werden sich immer wieder bewegen, öffnen, verschwinden oder zurückkommen- und sie werden Ihr Gleichgewicht finden. Wenn es keinen einfachen Weg gibt etwas für dich aufzulösen oder von dir fernzuhalten, dann lass es sich durch dich bewegen. Fühle es - und wisse, dass sich auch dieser Moment ändern wird, diese Emotion, diese Perspektive, mit jeder Entscheidung, die du triffst, und mit allen Umständen um dich herum, die sich ständig bewegen.

WEEKLY MUSIC PICKS 

WHY SO HAPPY?

Ich fühle mich, als würde ich wieder aufwachen,
So viel abschütteln, ob wohl so vieles gleich bleibt.
Alles. Nur meine Einstellung dazu nicht. 
Und das ist vielleicht der Schlüssel. 

Ich möchte euch allen Danke dafür sagen, dass ihr euch so so sehr für mich mitfreut. Das sind diese kleinen Dinge, die das eigene Glück irgendwie sogar noch einmal vermehren. Und ich merke wieder: nichts erinnerst du so lange, als dass sich jemand für dich ehrlich und selbstlos gefreut hat. <3 


OUTFIT

Kleid – Asos
Flats – Vans

CAPETOWN UPDATE

In der letzten Woche haben mich viele von euch gefragt, wieso ich mich für Kapstadt entschieden habe, was ich mit dieser Stadt verbinde oder warum sie für mich diese zweite Heimat ist, die mich immer wieder zurückholt. 

Ich liebe diese Stadt nicht, weil sie der neuste Hype oder hip wäre. Nicht, weil sich hier in den Sommermonaten die kreative Szene Deutschlands versammeln würde, nicht wegen eines Lifestyles, nicht um damit irgendwas zu unterstreichen. 

So richtig erklären kann ich das irgendwie nicht. Es war ein Gefühl. 2014 schon. Ab der ersten Sekunde – war ich irgendwie eingenommen von diesem Ort. Fühlte mich, als hätte ich ihn schon vor Jahren besucht, mich hier wohl und mit allem vertraut gefühlt, es nur irgendwie vergessen – obwohl ich ihn gerade erst kennen lernte. 
Vielen meiner Freunde geht es genau so. Irgendwas macht diese Stadt mit dir. Jedes Mal, wenn sie dich wieder gehen lassen muss, wenn du die Bay und die thronenden Apostel hinter dir, den Tafelberg, die Citybowl, überhaupt ihr Panorama hinter dir lässt und auf den Zubringer zur Autobahn fährst, bleibt es kleines Stück von dir hier. 

Ich habe noch nie jemanden kennen gelernt, der hergekommen wäre und sich nicht verliebt hätte. Und ich freue mich riesig darauf Artur und Anika (die beiden haben ihre Flüge um mich zu besuchen schon gebucht, bleiben aber vielleicht auch nicht die einzgen<3) diesen Ort zu zeigen, der mir so viel bedeutet. All die Plätze, die für mich persönliche Erinnerungen haben – und so in keinem Reiseführer stehen. 

NEW VLOG!

NEW PODCAST = NOW ON SPOTIFY

Wie wirst du wieder glücklich? So richtig? Wie hab ich es geschafft aus der Winterdepression wieder rauszukommen? Und was hat sich eigentlich genau verändert? Wie ist alles, was so verknotet war, wieder besser geworden?
Und warum kriegen manche Menschen, die jeden Tag so glücklich sind, es vielleicht nie hin wirklich zufrieden anzukommen?


Warum die Balance zwischen gefühlten Glück und dem Anerkennen von Unglück so wichtig ist und wir sie in unseren 20ern für uns selbst lernen müssen. 

anything to say?

Comments

  • Hallo Lina,
    es ist schön, wenn man sich in einer fremden Stadt zuhause fühlt. Genieße die Zeit!
    Ich war im November in Kapstadt und leider hat die Stadt überhaupt nichts in mir ausgelöst. Vielleicht lag es an der kurzen Zeit, vielleicht am Wetter, vielleicht an zu hohen Erwartungen, da ich schon so viel über diese Stadt gehört habe … ich weiß es nicht.
    Viele Grüße, Kati

    • What? Das kann ich mir ja kaum vorstellen. Hattest du eine regnerische Zeit? Der November war ja eher mies :/

    • Das Wetter war ok. Absolut schade war, dass wir auf dem Tafelberg nichts, aber absolut nichts, außer Wolken sahen. Vermutlich lag es daran, dass es der letzte Stopp auf unserer Reise war und wir schon so viel unbeschreiblich Schönes in verschiedenen Nationalparks, in den Drakensbergen sowie entlang der Garden Route gesehen und erlebt hatten, so dass wir mental einfach müde waren und nichts mehr aufnehmen konnten.
      Es freut mich aber sehr für dich, dass es dir dort so gut zu gehen scheint, dass du anscheinend angekommen bist. Ich kenne das aus England. Ein Gefühl, dass sich schwer bis kaum erklären lässt und vielleicht nur jemand verstehen und nachempfinden kann, der es selbst fern der Heimat gespürt hat.
      Alles Liebe für dich, Lina. Enjoy, have fun and take care!

  • Über eine längere Zeit zu Reisen hilft so oft, um sich mal wieder zu resetten. Mir hat das damals auch sehr geholfen, als ich feststeckte und noch heute ziehe ich Kraft daraus. Aber man nimmt sich selbst immer mit. Das war ein Satz, der mir damals von einem klugen Menschen mitgegeben wurde und dessen man sich bewusst sein sollte. Daher wird es auch immer mal wieder Tiefen geben, ich denke aber auch, dass man mit etwas Abstand zum eigenen Alltag und Trott, mit einer Distanz besser über Dinge nachdenken und so abschütteln, ändern, loswerden kann, weil eben alles in Bewegung ist.

    Jedenfalls schaue ich dir gerne bei deiner Verwandlung zu. Die Vlogs machen Spaß, ich mag die Bildsprache und Mischung aus Bild/Musik und Sprechteil gerne. Keiner der Teile ist zu viel vorhanden. Freue mich also wieder auf nächsten Montag, 6 Uhr. 😀
    Hab weiterhin eine gute Zeit!

  • „du kannst nichts einfach abkürzen oder einfach nur ein Kapitel überspringen. Aber du kannst Geduld lernen, du kannst lernen dich gut zu entscheiden und du kannst Vertrauen in das Timing deines Lebens erlernen.“

    So verdammt wahr und ein Satz von Dir, den ich am liebsten einrahmen und an die Wand hängen würde.

    Danke dafür, dass du immer wieder wach rütteltst und an Dinge erinnerst, die man mal wusste oder eigentlich weiß, für den Moment aber vergessen hat.

  • Ich fand Kapstadt auch toll und möchte wieder hin! Mich hat nur dieser immer noch existierende, offensichtliche Alltagsrassismus zwischen weiß und schwarz gestört. Das gibt es natürlich in so vielen Ländern auf irgendeine Art und Weise, aber irgendwie bin ich dem gegenüber sensibel und es zieht mich runter. Nichts desto trotz freue ich mich jetzt schon auf mein 2. Mal Kapstadt, wann auch immer das sein mag.

    Liebe Grüße!,

    Arunika

    • Wie hast du den denn erlebt? In welchen Situationen und an welchen Orten?
      Mich würden da deine Erfahrungen sehr interessieren!

      Alles Liebe,
      Lina

    • Ich war vor 4 Jahren in Kapstadt, ist schon eine Weile her, aber wie ich das so in Erinnerung habe, war es vor allem ein Gefühl und die Stimmung, dass es zwei Gesellschaften gibt, die mehr nebeneinander her leben und von gegenseitiger Ablehnung geprägt sind, als dass sie miteinander sind und sich „vermischen“. Für mich find es am Flughafen damit an, dass ich das Gefühl hatte, dass die schwarzen Mitarbeiten einfach schon unfreundlich und ignorant den Weißen gegenüber sind, weil sie es andersherum genau so gewohnt sind und es normal für sie ist, gar nicht richtig gesehen zu werden. Dann dass fast immer alle „niedrigeren“ Jobs von Schwarzen erledigt werden, als seien sich die Weißen zu „gut“ dafür. Auch von weißen Touristen wurden z.B schwarze Kellner gar nicht beachtet, geschweige denn sich bedankt etc. Es wirkte so selbstverständlich, dass diese Menschen zum Bedienen da sind. Und als ich mich mal in einen Club nur mit Schwarzen verirrt habe, wurde ich auch sehr kritisch beäugt. Solche Situationen. Ich habe keine direkten Angriffe oder so etwas miterlebt, es war mehr die Stimmung und solche kleinen Dinge, die mir einfach gehäuft aufgefallen sind.

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