EXPECTATION VS. REALITY: 7 TIPPS FÜRS FESTIVAL

    Es wird mein 11. Festival, das Hurricane 2017. 
    Natürlich wird das Wetter durchwachsen, natürlich habe ich noch nichts gepackt, natürlich habe ich eigentlich weder Zeit noch Geld für 3 Tage vor den Bühnen von Scheeßel, aber wie immer weiß ich, dass es trotzdem oder gerade deswegen großartig wird! Für alle, die ihr erstes Festival noch vor sich haben oder vielleicht auch an diesem Wochenende erleben, kommt hier ein kleiner Guide zur Erwartungshaltung... 


    "Dance, jump, sing along as loud as you can – and be nothing but freaking happy"

    1.

    Expectation: weiße Chucks

    Reality: nasse, sandige, undefinierbar gefärbte Chucks. Selbst dann, wenn es nicht geregnet hat. Und nein 60°C in der Waschmaschine sind nicht immer die Lösung, um alle Erinnerungen wieder loszuwerden. Eigentlich ja auch gut so.

    Trotzdem: neu müssen sie wirklich nicht gekauft werden.

    2.

    Expectation: gegrilltes Toastbrot

    Reality: unangetastetes Toastbrot. Zerfleddert. Zerknautscht. Unnötig und dazu verdammt im Müllsack zu enden. Wenn man in 10er Gruppen auf dem Zeltplatz grillt, macht eine Grundausstattung Sinn und ist auch noch rentabel, klar, aber für alle anderen gilt: esst ein gutes Handbrot auf dem Gelände oder gönnt euch einen Burger. Toastbrot macht weder Spaß, noch macht es wirklich satt oder glücklich. (Am Ende bleibt es dann nur im Rasen hängen. Schade drum.)

    3.

    Expectation: Summer Glow, ein paar Beachwaves und der perfekte Lidstrich

    Reality: die Zeiten, in denen dir jemand erzählt hat, dass du nur zum Festival darfst, wenn du ungekämmt, ungeschminkt und dafür aber biergeduscht und im Bandshirt von 1999 kommst, sind vorbei.

    Für mich gab es die auch nie, ich hab immer getragen, worauf ich Lust hatte, hab mich von Seitenhieben nicht beirren lassen und in der weißen Häkelbluse zur Shorts getanzt, wenn mir eben danach war.

    Trotzdem: übermäßige Outfitpläne sind anstrengend und sinnfrei. Zum einen, weil es eh regnet (siehe Punkt 7), zum anderen, weil du dich frei und losgelöst fühlen sollst, anstatt ständig aus den Saum des Maxikleids zu treten oder den Sitz der Bandeaus zu kontrollieren. 
    Deine Haare bindest du eh zur Duschknolle, zum Pferdeschwanz oder fixierst sie mit einem Cap, wenn sie länger als 4h mit dir auf dem Festivalgelände getobt haben und übermäßiges Contouring verschmiert in der Masse binnen eines Sets zur Kriegsbemalung. 
    Mach es dir einfach, nimm eine kleine Schminktasche mit ein paar Basics mit, die du in 5 Minuten auflegen kannst und die kein Experiment, sondern deine Routine sind, vergiss Zopfgummis nicht und denk an die Feuchttücher. (Nicht nur für dich, sondern auch für die unbekannten Mädels neben euch in der Schlange, die dir, nachdem du mit ihnen geteilt hast, ewige Treue schwören.)


    4.

    Expectation: Looking like an 100k Influencer


    Reality: finanzielles Fiasko von 1200€. Nein, eine zarte Chloe aus Rauleder hat auf einem Festival nichts verloren. Echt nicht. Gar nicht. Nicht einmal auf dem Coachella. Nicht einmal als Über-Blogger. Auch wenns alle machen. Aber wisst ihr was: die feiern auch nicht, die kommen mit Reisetasche vors Riesenrad, shooten ein paar Looks und sitzen dann auf ihren Habseligkeiten irgendwo an einem Pressezelt fest (oder lassen ihren Boyfriends für sie festsitzen)
    So oder so: es ist affig. Und einfach nicht der richtige, noch respektvolle Umgang mit solchen Stücken.

    Trotzdem: Spaß an Mode ist auch auf Festivals erlaubt. Lasst euch nichts einreden. Niemand muss beim Schutz vor Regen in einem gelben Sack herumlaufen und noch einen übergroßen Hoodie anschaffen, wenn er es nicht möchte. Aber das hatten wir ja schon .. 

    5.

    Expectation: ..Ja, die Oropax nehm ich mal mit, weil sie auf jeder vorgeschlagenen Packliste stehen, aber ich werd sie eh nicht brauchen.."

    Reality: sie retten dein Leben. Wenn man um 07:00 Uhr morgens nichts als ein bisschen Schlaf wünscht und der Zeltplatznachbar aus Leibeskräften noch die Songs der vergangenen Nacht schmettert oder um die große Liebe vom letzten Sommer weint, kommen Oropax und Co zum Einsatz, verschaffen Stille und verhindern den Mord mit einem herumliegenden Kabelbinder. Ich weiß wovon ich spreche.

    6.

    Expectation: Survival of the fittest. Festivals sind brutal und gefährlich.

    Reality: Dir werden weder die Knochen gebrochen, noch wirst du ungefragt mit einem Eimer Bier begossen, auch nicht weggeschleppt und zwangsverheiratet. Festivals sind entspannt, wenn du es willst – oder eben laut, wenn dir danach ist. Du suchst selber aus, wo du stehst, ob du dich in die Menge begibst oder lieber mit einem Bier ein bisschen abseits sitzt.

    Tipp: überleg dir vorher, ob du 90 Minuten bei Kraftklub vor dem ersten Wellenbrecher um dein Leben springen möchtest – oder doch nicht. Es gibt wirklich nichts Anstrengenderes als Leute, die 3 Songs nach Konzertbeginn doch gern raus möchten (gesundheitliche Gründe natürlich ausgeschlossen) und die ganze Crowd aufbrechen. 

    7.

    Expectation: "Im Wetterbericht sind 30°C und Sonne bei 0% Regenwahrscheinlichkeit für das ganze Wochenende angekündigt! Woooop!"

    Reality: Es regnet. Es regnet immer. Das ist die wichtigste Regel, die du dir merken musst. Auch wenn 3 Tage und 32°C angesagt sind. Es regnet. Es regnet maximal dann nicht, wenn du auch wirklich an die komplette Ausrüstung, an Regencape, Gummistiefel und wasserfestes Gepäck gedacht hast. Aber wahrscheinlich regnet es trotzdem. 

    Was ich sagen will: pack um Himmels Willen deine Regenjacke ein. 

    8.

    Expectation: Good Times

    REALITY: GREAT TIMES

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    Comments

    • Hi Lina,

      deine Liste kann ich genau so unterschreiben! Ich war schon einige Male auf dem Hurricane und fand mich in jeder deiner Punkte wieder. 🙂
      Dieses Jahr bin ich nicht dabei, rock für mich mit und ganz viel Spaß!

      Liebste Grüße
      Jule

    • Sehr schöner Artikel. Finde es für den Lesefluss nur einfacher und logischer, wenn du die „Expectations“ vor „Reality“ setzen würdest. Nur mal so um meinen Senf dazuzugeben. Liebe Grüße!

    • Ich kann jeden Tipp eins zu eins genauso unterschreiben und habe alles schon miterlebt.. Am besten gefällt mir Punkt 3. Erinnert mich daran, dass ich mal eine neue Zahnbürste verschenkte (in den Packungen sind ja meist zwei…) und das Mädchen im Duschzelt ihr Glück gar nicht fassen konnte 😀 Wenn man es so angeht, wie von dir beschrieben, sind Festivals wirklich nur eines: großartig. Und ich finde, jeder sollte diese Glücksgefühl mindestens einmal erlebt haben. Den Heimweg find ich dann immer total komisch. Auf einmal ist man wieder von „normalen“ Leuten umgeben, die schlecht gelaunt in der Bahn rummotzen. Das holt einen dann ganz schnell aus der Happy-Festivalblase zurück in den Alltag 🙁

      Viel Spaß auf dem Hurricane!
      Liebst, Anna

      PS. Deine Bilder gefallen mir in letzter Zeit richtig, richtig gut <3

    • Hat mich sehr zum Grinsen gebracht! Vielen Dank dafür :).
      War noch nie auf einem Festival. Kann also auch bei den typischen Klischees nie mitreden bzw. wissen, ob etwas wahres dran ist oder nicht.
      Deshalb freut es mich, dass du nun damit „aufgeräumt“ hast und den Spaß und die Leichtigkeit eines Festivals betonst.
      Wünsche dir viel Spaß auf dem Hurricane. Lass es dir gut gehen!
      Viele Grüße
      Christina

    • ICH BIN SO NEIDISCH! Dieses Jahr ist tatsächlich kein einziges Festival geplant. Und ich könnte heulen! Viel Spaß! Genieß es! Festivals sind einfach Freiheit.
      Ah und tolle Fotos. Die fangen perfekt die Stinmung ein.

      Liebe Grüße

    • So eine tolle Liste! Festivals sind nicht wie es die Bilder vom Coachella beschreiben 😀 😀 😀 Nein ganz und gar nicht. Ich frage mich jedes Mal wieder aufs neue, warum müssen die teuersten Klamotten und teuren Taschen leiden?! :O
      Auf Festivals wird getanzt und gelebt und das viiiiilee Stunden, die Füße tun nachts weh und im ersten Moment denkt man: Hey ich bin ja ein wenig braun geworden.. Tatsache: DAS ist DRECK 😀 Viel DRECK 😀
      Und ich liebe es!!! Dennoch ziehe ich mich so an wie ich möchte und wenn ich das süße Blumenmädchen mit Maxirock, cropped Top und Blumenkranz sein möchte, dann soll’s so sein. Oder halt zerrissene Jeans, dreckige Chucks und Regenjacke 😉 Toi toi toi bisher hatten wir immer Regen in der Vorschau und nie ist welcher angekommen… 😉 Mal sehen wie es dieses Jahr wird.
      Hab eine unvergessliche Zeit Lina!
      Liebst Kathi
      http://www.meetthehappygirl.com

    • Hey Lina,
      ich war zwar noch nie auf einem mehrtägigen Festival, aber ich kann mir ungefähr vorstellen, wie das läuft… Also konnte deine Punkte trotzdem sehr gut nachvollziehen 😀
      Ein toller Post, der mir Lust auf einen Festivalsommer macht!! Viel Spaß noch auf dem Hurricane!

      Viele Grüße,
      Malika

    • Sehr cool und sehr hilfreich für mich. Für mich geht es nämlich am Wochenende auch das erste mal auf ein Festival. Danke für deine Tipps.! 🙂
      LG Jule

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