FESTIVAL RECAP: SO WAR DAS HURRICANE FESTIVAL 2017

27. Juni 2017

Endlich wieder Juni.
Endlich wieder Regen.
Endlich wieder Hurricane. 

 

Gut, vielleicht nicht der euphorischste Einstieg in so ein Festival-Recap, aber der ehrlichste. Nach drei harten Jahren voller Nieselregen, Sturm und Gewitterfronten, gewinnt so langsam wieder die Spekulation vieler Künstler an Substanz, die die Wettersituation um mein Lieblingsfestival für eine selbsterfüllende Prophezeiung der Veranstalter halten. "Wer nennt ein Festival schon Hurricane?" 

Stimmt schon. Und ja, es gibt sicher wärmere, entspanntere Orte für so ein Festival, aber ich liebe die 3 Tage in Scheeßel, liebe die Stimmung, den Vibe und das Publikum, fühle mich hier zu Hause und verbinde schönste, euphorischste Erinnerungen mit der Sandrennbahn. Das Wetter hat dabei nie wirklich eine Rolle gespielt... 

Also ziehe ich am Freitag meine Regenjacke an, lasse mir das  Bändchen am Handgelenk befestigen, verabschiede mich noch schnell von den Sneakern, die ich wie eine Opfergabe mit aufs Gelände bringe – und lasse mich mitreißen, vom ersten Song an, von den ersten paar Zeilen, die ich höre, als ich am Freitagabend an der Blue Stage entlang aufs Festival laufe..  I waited for your call for the moon, to release me from the longest afternoon

FIRESTONE X HURRICANE

Firestone lud mich zum zweiten Mal nicht nur auf das Festival, sondern auch zu einem kleinen Roadtrip mit einem VW T1 bis nach Scheeßel ein. Was ein Reifenhersteller mit Musik zu tun hat? 

Schon 1928 gründete Firestone den Radiosender "The Vopice of Firestone", weil Leidenschaft für lange Autofahrten eben nur in Kombination mit Musik wirklich funktioniert, weil eine freie Straße und der perfekte Song eine Symbiose sind, die glücklich macht. Damals spielte der Radiosender noch Klassik, heute unterstützt Firestone als Sponsor international Festivals und bietet an seinen Ständen jungen Künstlern eine Plattform. 

PS: Firestone bezahlt mich für diesen Beitrag nicht, aber ich mag die Story und hab sie gern mit euch geteilt. 

 

OUTFIT INSPIRATION?

When they keep on asking for your "festival outfit inspiration" and you're like: giving you some reality tho.

Ich wurde schon im Vorfeld in vielen Nachrichten oder Kommentaren gefragt, ob ich nicht ein bisschen Inspiration für das perfekte Festival-Outfit geben könnte, so wie andere Influencer auch... 

(Warum zur Hölle man im Nachthemd und mit wackligen Absätzen bei 17°C, Regen und Schlamm rumrennt und das für 10 Minuten in seiner Instagram-Story als Spaß verkauft, weil man sich danach ja wieder ins Pressezelt setzen kann, erschließt sich mir nicht.)

Well, ich hab für euch keine Fransen, keine Coachella-Vibes, die eigentlich nur Klebetattoos und Blumenkränze sind, keine Heels, ich hab eine Hose an und auch an die Regenjacke gedacht. Was ich für euch hab? Realität. Und rote Lippen. 

Hoodie – Weekday
Jacke – Weekday
Sneaker – dying 
Jeans – Weekday
Lipstick – MAC, Chilli

BASIC RECAP

MACHEN FESTIVALS EIGENTLICH SÜCHTIG?

Ich habe gestern erst gezählt, es muss mein 11. Festival gewesen sein. Also ja, ich glaube Festivals machen süchtig – wenn man sich auf sie einlassen kann. 

Ich werde niemals satt, stundenlang vor Bühnen zu stehen, mitzuspringen ,mitzusingen, ich glaube ich kann mich niemals an den Rausch gewöhnen, der einsetzt, wenn du neben, hinter und vor dir nur Stimmen hörst, die den gleichen Text singen, ein kleiner Teil von zehntausenden Händen bist, die sich in den Himmel recken.

Ich werde nie müde mit einem Bier im Rasen zu sitzen und einfach nur ein bisschen zuzuhören – oder mit ein paar Pommes in einem Fotoautomaten Schutz zu suchen, ist ja alles wetterabhängig.
Ich kann es nie über haben gemeinsam loszuziehen, neue, wie längst bekannte Leute zu treffen, zusammen zu feiern, sich zu verlieren und wiederzufinden. 
Käsespätzle um Mitternacht, während hinter dir die Menge noch tobt. Wie im Rausch nach dem Konzert aus der Menge stolpern, mit verschmierter Wimperntusche und schmerzenden Füßen, aber einem Endorphinkonto, das dich durch jeden November bringen könnte. 
Songs hören, die dich an dein halbes Leben erinnern und andere entdecken, die du von jetzt an immer mitnimmst. 

Wie könnte man das über haben? Natürlich macht es süchtig. 

ABOUT THE BANDS

Freitag gesehen: BOY, Flogging Molly, Milky Chance, SDP, SSIO, Die Orsons 

Samstag gesehen: Lorde, Halsey, Maximo Park, Linkin Park

Sonntag gesehen: Jennifer Rostock, Mando Diao, Die Antwoord, Casper

Egal, ob auf Roadtrips, auf Reisen oder Festivals: ich lasse mir Platz, um mich treiben zu lassen. Für mich ist das der Schlüssel zu einer guten Zeit. Ich bestehe auf das, was für mich essentiell ist und lasse mich von dem überraschen, was nebenbei passiert. 

Essentiell waren für mich: SSIO, Lorde, Maximo Park, Linking Park, Jennifer Rostock und – logisch– Casper. 

Ich hätte auch Imagine Dragons noch ganz gern gesehen, aber nach 7 Stunden im Regen, war ich irgendwie durchgefroren und zog den Shuttle zurück zur Unterkunft vor. 

SSIO und Lorde waren für mich die beiden Überraschungen des Festivals, die ich live zwar stark, aber nicht so großartig erwartet hatte. Vor allem Lorde hat mich mit ihrer Ausstrahlung, Live-Performance, ihrer Stimme und dem Vibe ihrer Präsenz vollkommen umgehauen. Keine Show, kaum Lichttechnik, nur eine kleine Person, die abliefert – großartig. 

SSIO hat mich großartig unterhalten, genug Luft für 50 Minuten Performance gezeigt. jedes Wort dahin gedrückt, wo es hingehört und die Menge auf der Red völlig mitgerissen. 

Von Maximo Park und Mando Diao habe ich gar nichts anderes erwartet, als eine gute Zeit – und sie auch gehabt. Maximo Park ließ uns 1 Stunde lang vor der Red durchtanzen, britian vibes und vielleicht auch ein bisschen mehr als die Stimme von Paul Smith genießen.
Mando Diao lieferte am Sonntag auf der Green Stage vielleicht das beste Konzert ab, das ich bisher von ihnen gesehen habe. 

Größte Enttäuschung: Linkin Park. Zwar soll die Anlage bei Green Day noch schlimmer gewesen sein, aber was da am Samstagnacht über Scheeßel runterkam, war noch weniger, als ich erwartet hatte. Leise, kaum hörbar, überhaupt nicht fühlbar. 

Über das Konzert von Casper habe ich ja auf Instagram schon geschwärmt. Sicher, ich bin ein Fangirl, sicher es war mein 7. Casper Konzert, aber ja, es war verdammt noch einmal perfekt, mitreißend, intensive 90 Minuten, die sich festgesetzt haben. DANKE! 

PERSONAL MOMENT

Wer am letzten Sonntag meine Kolumne gelesen hat, bekam live mit, dass ich zumindest für einen kurzen Moment ziemlich niedergeschlagen war. Luise wurde leider krank und musste am Sonntag abreisen, viele Bekannte waren ebenfalls schon gefahren und ich blieb allein zurück. Ich weiß nicht, was los war, aber auf einmal schlug mir die Vorstellung nun zum dritten mal allein auf dem Hurricane zu feiern, unheimlich auf die Laune. Ich erzählte euch davon – und muss mich bedanken. Ihr habt mich unheimlich aufgefangen, wieder hochgezogen und mich damit wieder auf dem Tief gerissen. Danke fpr all die lieben Nachrichten von Jungs und Mädels, die mit mir feiern wollten und mich zu sich eingeladen haben. Es war ein so, so schönes Gefühl! Bitte verzeiht, dass ich nicht mehr antworten konnte, weil der Empfang schlicht nicht mitgemacht hat. Ihr kennt das. 

Ich habe alles richtig gemacht, war so froh, dass ich nicht einfach nach Hause fuhr, sondern die 7 Stunden bis zum finalen Headliner geblieben bin – und so belohnt wurde. 


INSIDER TIPPS 2017

Vergesst den ewigen Handbrot-Hype – nichts geht 2017 über Käsespätzle oder frische Chilaquiles! 

Finger weg von schwarzen, koreanischen Hot Dogs! Ich möchte das Erlebnis einfach nur vergessen .. 

Stellt euch rechtzeitig für den Pit an und informiert euch vorher, wo es rein und wo es rausgeht. Ärgerlich, wenn man noch einmal um die komplette Bühne laufen muss... #beentheredonethat

Lauft die Green Stage am besten immer von ganzs links an, während sich der rechte Flügel immer drängt (weil immer wieder die Leute von der Red oder Blue Stage rübergelaufen kommen), habt ihr links davon massig Platz und kommt einfach in die zweite Welle. 

Jammert nicht über die sanitären Anlagen. Freunde, in jedem Hamburger Club geht es übler zu. Auch hier gilt wieder: links von der Green Stage sind die schlangen meistens kürzer, der Weg dorthin ist aber auch länger. 

Ich kann es nur immer wieder betonen: fahrt nicht ohne Regenjacke los. Tut das einfach nicht. 


 

 

 

 

 

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9 Comments

  • Anna 27. Juni 2017 at 14:59

    Liebe Lina,
    ich habe dich Sonntag bei Mando Diao an mir vorbeigehen sehen und kurz überlegt, „hallo“ zu sagen, wollte aber nicht stören. Hätte ich gewusst, was ich mittlerweile weiß, hätte ich es auf jeden Fall getan!
    Es ist immer schön, andere Eindrücke zu lesen und in diesem Fall decken sie sich fast genau mit meinen. Nur Mando Diao mochte ich früher einfach lieber. Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten 🙂 Bei SSIO und Lorde war ich allerdings genau so geflashed!

    Ich hoffe, du konntest dich bereits gut erholen!

    Liebe Grüße
    Anna

    Reply
  • Franzi Allgäukind 27. Juni 2017 at 15:23

    Liebe Lina,

    obwohl ich aus dem deutschen Süden komme und somit immer auf dem Southside rumhänge, konnte ich mich zu 100 % mit deinem Bericht über die nordische Southside-Schwester identifizieren! Einfach wunderbar geschrieben.
    Ich fahre seit 22 Jahren auf Festivals und es ist danach viel schlimmer wieder in der Realität anzukommen, als nach einem 2-wöchigen Urlaub…

    Und ja, auch mit Regen kann man Spaß haben (manchmal sogar noch mehr, da er den Zusammenhalt unter einem Regenpavillon um 100% steigen lässt) – ohne Frage.
    Bei uns im Süden war der Sound von Green Day zwar hervorragend, jedoch ist die Band einfach unfassbar schlecht geworden über die Jahre. Da hat einfach das Feuer gefehlt, bzw. ist da kein Funke übergesprungen. Es reicht einfach nicht, wenn man nur abliefert, man muss das schon leben. 🙂

    Ich hoffe, dass Du dich bereits gut erholt hast, mir hängen 5 Tage Camping noch etwas in den Knochen. 😀

    Liebe Grüße aus München,
    die Franzi

    Reply
  • Käthe 27. Juni 2017 at 17:01

    Ach Lina, ich mag deine ehrlichen Recaps so gerne.

    Reply
  • Lisi Ledbetter 28. Juni 2017 at 11:02

    wundervoller nachbericht, hast das wichtigste abgedeckt: die emotionen – und die regenjacke. recht hast du. schön sein kann man woanders!
    apropos handbrot: nach 3 jahren festivalpause war ich überrascht, wie unfassbar gut das festival-essen geworden ist. fast zu gut/gesund für meinen geschmack! zum bier brauche ich fettige fritten 😉

    Reply
  • Maik 28. Juni 2017 at 11:19

    Wir wären gerne Sonntag noch mit aufs Festival gekommen, glaube mir… 🙁
    P.S.: Schnell das „g“ bei Linkin Park löschen. 😉

    Reply
    • Lina Mallon 28. Juni 2017 at 11:21

      oooaaaar, wo ist das g ey 😀 , ich find es nicht, Auto-Correct got me again!

      Reply
      • Ina 28. Juni 2017 at 12:19

        „Essentiell waren für mich: SSIO, Lorde, Maximo Park, Linking Park, Jennifer Rostock und – logisch– Casper. “
        Liebe Lina,
        in dem Absatz hat sich das ‚g‘ versteckt.
        Hätte dich auch wahnsinnig gerne getroffen aber wie ich gerade gelesen habe, haben wir nicht unbedingt die gleichen Bands gesehen 😀

        Reply
  • Sabrina 28. Juni 2017 at 12:14

    Kässpätzla = Lebenselixier!
    Danke für den schönen Bericht und Gruß ausm Allgäu

    Reply
  • Steffi 29. Juni 2017 at 21:50

    Liebe Lina,
    nach deiner Insta-Story/Post war ich quasi gezwungen mich mal Casper auseinander zusetzten. Und bin zu tiefst erschüttert, dass ich das noch nicht vorher getan habe! Unglaublich! Danke dafür 🙂

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