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#GUILTYNOTGUILTY: I DATED LIKE A MAN!

Es gibt unzählige Bücher, Artikel, Kolumnen, Filmszenen oder wiederkehrende Diskussionen, die sich mit den Unterschieden der Geschlechter und ihren Rollen im Datingleben beschäftigen. Die meisten davon sind überholt, die anderen trotzdem nicht hilfreicher. Männer sind bindungsunfähig, Frauen irgendwie auch, das ist im Moment der populärste und zumindest irgendwie gleichberechtigte Ansatz, den Michael Nast vertritt und beklatschen lässt. Und dennoch, so ganz ausgebrochen sind wir trotzdem nicht, aus den Geschlechterrollen und dem jeweiligen Verhalten, das sie augenscheinlich mitbringen oder vielleicht sogar vorzeichnen? Sicher, wir rücken einander näher, begegnen uns auf Augenhöhe, aber trotzdem werden wir das ein oder andere stereotypische Verhalten dann doch nicht los.  Ein bisschen sehr salopp formuliert könnte man für das Jahr 2016 sagen:  Männer schreiben nicht zurück – Frauen wüssten gerne warum. Männer haben urplötzlich kein Interesse mehr – Frauen erhalten es dann aufrecht. Männer nehmen sich, was sie wollen – Frauen geben ihnen, wozu sie bereit sind.
Egal wie emanzipiert wir die Datingwelt sehen wollen, es sind Beispiele, über die wir im Alltag dann doch immer wieder stolpern, die wir nicht gänzlich verneinen können. Männer agieren – und Frauen reagieren darauf. Zwar immer selbstbestimmter, aber doch immer noch nicht ganz ohne Anstoß.

Vor einem Monat wagte ich ein Experiment. Ich beschloss, ausschließlich wie ein Mann zu daten. Ansagen machen, Absagen geben, einfordern oder weiterziehen. Nicht in meinem Kopf auszumalen, sondern die Momente zu greifen – selbst wenn ich ihr Verfallsdatum kannte. Nicht warten, nicht antasten, nicht hinterfragen, sondern losziehen und meinen Gegenüber eben auf meinem Verhalten herumdenken lassen, wenn ihm denn danach war. Einfach den Ball in die Spielhälfte bringen, in der ich ihn haben wollte, statt zu schauen, wohin er rollen könnte…


Woher kam die Inspiration zu diesem Experiment? Woher der Funke mein Datingverhalten zu überdenken? In diesem Fall war es der Aufruf und die Geschichte hinter der GUCCI Revolution.
Der Hashtag #guiltynotguilty steht für das Gefühl gar nichts zu müssen, aber alles zu dürfen. Warum soll Freiheit sich 
schuldig anfühlen?

Hinter der Kampagne stehen nicht nur die Düfte des Labels, sondern auch eine neue und leidenschaftliche Vision. Eklektisch, modern und romantisch – Creative Director Alessandro Michele rückt die Marke in ein neues Licht. Mit einem Blick auf Individualität und den Charme des Moments, zeichnet Gucci ein Bild der emanzipierten Sexualität. Mit Leidenschaft und Authentizität steht das Gefühl der Freiheit dabei im Mittelpunkt. Die Generation, die Alessandro inspiriert, wird von zelebrierter Anarchie charakterisiert. Sie glaubt nicht an Anpassung oder daran, sich Labels oder Geschlechterrollen zu unterwerfen, und lässt gängige, soziale Abgrenzungen hinter sich. Sie drückt sich so aus, wie sie möchte, mit wem sie möchte und erforscht mit Leidenschaft, wonach auch immer ihr der Sinn steht. Sie ist hedonistisch ohne sich zu rechtfertigen und frönt den Freuden des Lebens ohne Schuldgefühle. Sie experimentiert und genießt, weil sie sich absolut frei fühlt. Mit diesem modernen Ausdruck der Selbstentfaltung und Sexualität öffnet sich das neue Kapitel von GUCCI GUILTY, mit dem auch die eindrucksvolle Botschaft der Kampagne entfacht wird: #GuiltyNotGuilty ist ein befreiendes Konzept und folgt drei Charakteren, die sich einer neuen Ära der Sexualität entfalten und sich von Erwartungen und Rollenvorstellungen befreien. Ambassador des Revolution? Jared Leto! Der für gebrochene Regeln und den permanenten Wunsch nach Freiheit, nach neuen Facetten steht und mit seiner unheimlich starken und intensiven Persönlichkeit das perfekte Match für mich ist.

GUCCI GUILTY for her wird neben dem klassischen Geruch nach Flieder und Amber von einem unverkennbaren Akkord der Geranie definiert, der sonst in Herrendüften verwendet wird, während die florale, sinnliche Orangenblüte in der Herznote von GUCCI GUILTY for him nicht den klassischen Duftnoten für Herren entspricht, ihn wärmer, intimer und anmutiger macht und so die Anziehungskraft des Dufts verstärkt. Ein Verschmelzen der Rollen, eine Aufhebung des klassischen Duftreglements. Gerade in einem so traditionellem Handwerk, wie dem des Parfümeurs, eine unheimliche Gratwanderung, die mit ihrem Vibe zu Leidenschaft, Mut und Grenzüberschreitung ansteckt ..


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THE CHAT

Das erste Mal, das ich mich wirklich straight und außerhalb meines gewöhnlichen Verhaltens bewegte, war während eines Chats. Ich hatte ihn virtuell kennen gelernt und erst ein paar Nachrichten mit ihm ausgetauscht. Dennoch stellte sich bei mir sehr schnell die Erkenntnis ein, dass ich diesen Mann weder witzig, noch irgendwie charmant oder wenigstens interessant fand. Noch mehr: ich fand ihn gänzlich unsympathisch und diese Gefühl festigte sich mit jeder weiteren Nachricht. Normalerweise hätte ich jetzt höflich noch 1-2 Mal zurückgeschrieben, irgendwann vergessen zu antworten und irgendwann, mit gewissem Abstand seine Nachrichten einfach nicht mehr geöffnet, auch auf die Gefahr hin, dass so ein langsames Fading sich manchmal länger hinziehen konnte. Diese Mal, sagte ich, was ich dachte. „Ich möchte nicht einfach ghosten oder nicht mehr antworten, sondern ganz ehrlich und direkt zu dir sein: irgendwie passt der Vibe bei uns nicht, da ist bei mir irgendwie nicht genug Sympathie und ich hab kein großes Interesse das Gespräch mit dir aufrecht zu halten, von daher lösen wir das vielleicht einfach hier auf? Alles Liebe, Lina.“, tippte ich und fühlte mich unheimlich gut mit meiner direkten Ansage. „Wie? Nur, weil ich dir hier im Chat nicht gefalle, heißt das ja nicht, dass es bei einem Date nicht ganz anders wäre?“, hakte er nach und setzte noch ein: „Sorry, das musst du mir erklären.“, nach. „Ich meine das gar nicht persönlich oder wertend. Ich merke einfach, dass da was nicht passt, dass einfach eine Grundsympathie fehlt. Und ich dachte, ich sage dir das lieber direkt.“, versuchte ich es noch einmal. „Krass, super oberflächlich von dir!“ Und dann noch: „Ich verstehe nicht, wieso wir uns nicht einfach mal treffen, bevor du gleich kein Interesse mehr hast? Du könntest mir wenigstens sagen, was ich so falsch gemacht habe. Wäre nur fair.“
Was ich antwortete? Gar nichts. Ich ließ es einfach so stehen.

THE DATE

Der zweite Mann, bei dem ich den größeren Schritt machte, war Jan. Ich hatte ihn während einer Veranstaltung am Vorabend kennen gelernt, ihn nach seiner Nummer gefragt und am nächsten Tag auf einen Drink nach der Arbeit eingeladen.
Er sagte zu – nicht aber, ohne mir schon nach den ersten 5 Minuten zu erzählen, dass er mir für ziemlich „tough“ hielt und sich nicht ganz sicher war, ob er das noch interessant oder schon „too much“ fand.
„Sich einfach so meine Nummer zu besorgen und direkt, ohne viel Smalltalk gleich am nächsten Morgen klar um ein Date zu bitten, das hab ich irgendwie auch noch nie erlebt.“ „Das heißt?“ „Na es ist schon ziemlich … offensiv? Normalerweise schreibt man ja erstmal und irgendwann kann man dann ja mal fragen..“ Ich bin mir nicht ganz sicher, ob er man oder mann gemeint hat.  „Ich suche ja keinen Brieffreund und ich wollte dich gern persönlich besser kennen lernen..“, antworte ich vollkommen ehrlich und bemühe mich dabei ihm in die Augen zu sehen. „Find ich ja auch gut, ich war nur kurz überrascht..“ 
Das klingt er tatsächlich, auch wenn weiter im Raum steht, ob er sich darüber freut oder noch immer unschlüssig über meinen direkten Move ist. Für die nächste halbe Stunde erzählen wir uns voneinander, stoßen an, ich erfahre von seinen Reiseplänen und berichte über meine und merke, wie die Situation sich entspannt.  Als ich uns dann 2 Drinks ordere und mit an den Tisch bringe, zuckt er wieder zurück.
„Du musst mir doch keinen Drink kaufen ..“ „Warum nicht?“, frage ich. „Das hätte ich auch allein gekonnt.“ 
Es sind nur 2 Gin Tonic, aber aus irgendeinem Grund sorgen sie dafür, dass er in die Defensive rutscht. „Ich meine, ich kann auch für die Drinks zahlen ..“ „Ich weiß.“, antworte ich überrascht und sage dann versöhnlich: „Du gibst einfach die nächste Runde aus?“ Damit scheint er einverstanden. „Sorry, irgendwie überrumpelt mich das gerade, dass du mir hier erst mit dem Date und dann mit den Drinks 2 Schritte voraus bist. Ich wollte nicht abweisend wirken oder so. Aber ich kenne das halt nicht..“, gibt er ehrlich zu und punktet damit wieder bei mir.

Als ich ihn auf dem Heimweg einweihe, dass ich mich absichtlich noch offensiver verhalten hatte, als ich es normalerweise tat, atmet er beinahe erleichtert durch: „Es ist ja nicht so, als bräuchte ich irgendein festgefahrenes Rollenverhalten. Aber du hast mich krass aus meiner Comfortzone gedrängt und mich irgendwie total verunsichert. Du fragst nach meiner Nummer, nach einem Date, legst Ort und Zeitpunkt fest, dann besorgst du die Drinks und führst auch irgendwie das Gespräch an .. nicht, dass das vollkommen neu für mich wäre oder ich das nicht mögen würde, aber so in der Kombination mit allem. Irgendwie war das ..“ „Ja?“ „Na ja, schon zu viel ..“, gibt er offen zu und zuckt mit den Schultern. Und dann sagt er: „Ich hatte das Gefühl, ich lauf nur so mit und reagier auf dich. Das war einfach total ungewohnt und irgendwie komisch.“ 

THE KISS

Während des Sommers in Hamburg lerne ich Toni kennen. Er ist laut, dabei aber charmant, witzig und irgendwas an ihm finde ich anziehend. Bei ihm in die Rolle des Mannes zu springen, fühlt sich nach einer Herausforderung an, der ich mich an einem Freitagabend und in Festivalstimmung annehme. Wir tanzen, wir teilen Bier und irgendwann merke ich, wie ich auf einen Kuss warte, aber nie so ganz sicher bin, ob ich ihn auch von ihm bekommen würde. Erst eine halbe Stunde. Dann noch eine weitere und irgendwann geht die Musik aus und das Licht an. Es gibt zwei Wege, auf die das hier enden könnte. Nehme ich den ersten, schlendern wir zusammen bis zur S-Bahn. Vielleicht teilen wir sie noch, steigen am Hauptbahnhof aus und verabschieden uns dann. Es wird eine Umarmung geben, weil für mehr an einem Gleis selten Zeit bleibt und später, wenn ich im Bett liege, schreibt er mir vielleicht, dass er mich gerne geküsst hätte – oder ich ihm, wenn ich mich mutig fühle, dass er mich doch hätte küssen sollen. Vielleicht sehen wir uns danach tatsächlich noch einmal wieder, vielleicht bleibt es aber auch der Konjunktiv und ich irgendwie angefressen in der Nacht zurück, frustriert darüber, dass ich passiv blieb und den Kuss, den ich so wollte, nicht bekam. Nehme ich den anderen Weg und erinnere mich an das, was ich mir vorgenommen hatte, würde ich ihn jetzt küssen. Einfach so, während er hier noch neben mir sitzt und alle anderen langsam aufbrechen.
So ein Kuss, von dem du weißt, dass du ihn willst, aber nicht genau, ob er wirklich in der Luft liegt, erfordert dann aber doch noch ein bisschen mehr balls, als ein einfacher Drink, den ich von einem Tresen aus mitbringe. Was, wenn er mich gar nicht küssen will? Was, wenn ich ihn überrumpeln könnte? Dann fällt mir wieder ein, dass ich den Kopf ausschalten und viel mehr einfach machen wollte. Was hatte ich zu verlieren? Was hätte ein Mann hier gerade zu verlieren?
Ich atme tief durch, lehne mich zu ihm, greife nach seinem Nacken und küsse ihn. „Wow – woher kam das denn?“, fragt er, als ich mich wieder ein Stück von ihm löse. „Ich wollte dich gern küssen..“

Er grinst, ich küsse ihn wieder. Dieses Mal länger und fordernder und irgendwie finde ich langsam Gefallen an meiner neuen Attitude. Das bekommen, was ich will, statt auf das warten, was ich gerne hätte. In diesem Moment fühlt es sich leicht an.

THE GOOD BYE

Zwei Wochen später, mache ich ihm den Vorschlag sich spontan wiederzusehen. Wir haben unsere Nummern ausgetauscht und er mir immer mal wieder geschrieben, wie gern er noch sehr viel weiter, als bis zu einem Kuss mit mir gehen würde.
Bisher blieb es bei ein paar ausgetauschten Worten und einer Sneakpeak, aber heute Abend war mir nach der ganzen Episode. „Was hältst du davon, wenn ich einfach vorbeikomme?“, schreibe ich und sehe, dass er sofort antwortet: „Jetzt noch?“ „In 10 Minuten? Ich und Rotwein?“ „Das wäre schon schön..“ „Ich brauche nur deine Adresse..“
Er gibt sie mir und antwortet dann „Ich lehne die Tür einfach an ;)..“ 
Als ich 20 Minuten später auf dem Weg und quasi an seinem Haus bin, kommt die Nachricht: „Eine Frage, kommst du jetzt wirklich?“ „Ich stehe quasi vor deiner Tür..“ „Ehrlich?“ „Ja…“ Dann nichts mehr, und dann schließlich: „Ok, damit hab ich irgendwie nicht gerechnet. Ich dachte, du meinst das nicht ernst..“ „Das heißt?“ „Lass uns das einfach verschieben ok? Meine Mitbewohnerin kommt morgen ganz früh wieder und mag es nicht, wenn Leute in der Wohnung sind..“ Ich rolle mit den Augen und tippe: „Ja genau.“ „Und ich hab heute leider auch noch Arbeit, sorry, ist einfach stressig im Moment.. “ „Um 01:11 Uhr? Nachdem du mir eine Stunde lang schreibst, wie sehr du mich willst? Komm, lass gut sein. Die ganze Busy-Nummer brauch ich nicht. Es ist schon ok. Wirklich. Entweder du willst oder du willst nicht. Es gibt keinen Grund, sich irgendwas auszudenken oder was zu rechtfertigen.“

Ich schultere meine Tasche, greife den Hals der Weinflasche und drehe um. „Wou? Ok. Na dann.“, antwortet er, genau so, wie eine passiv aggressive Frau es sonst tun würde, die gerade gern darüber diskutieren würde, aber natürlich jede Notwendigkeit sieht, sich genau das nicht anmerken zu lassen. Als ich nicht antworte setzt er nach: „Also bist du jetzt sauer? Weil ich nicht gleich mit dir schlafen wollte? Krasse Sache.“ „Nein. Ich hab nur kein Interesse an Konjunktiven oder Ausreden. Die sind wirklich nicht nötig. Alles gut.“ „Wie alles gut? Lässt du mich jetzt echt einfach so abfahren?“ Ich antworte nicht. „Hallo?“ Ich antworte noch immer nicht, sondern schließe meine Haustür auf. „Also doch.“, leuchtet auf, bevor ich den dritten Stock erreicht habe. Und dann: „Tja, schade Lina.“
Ich will es dabei belassen, mache die Rechnung aber ohne ihn: „Und jetzt nicht mehr antworten?“ 
„Im Ernst, du machst daraus gerade eine viel zu große Sache.“, tippe ich. „Entspann dich bitte. Es gibt keinen Grund für 5 Nachrichten in 10 Minuten. Ich habe dir einfach nur gesagt, dass ich keine Märchen brauche. Ich bin ein großes Mädchen, ich lebe wirklich gut mit einem Nein.“ Es war ein einfaches Nein. Kein Vorwurf. Vielleicht ein Augenrollen, weil er viel ins Leere versprochen hatte, was er dann nicht auch liefern konnte. Aber dennoch ein Nein, ohne jede weitere Intention. Ein Nein, das er nicht nur ungern akzeptierte, sondern mir auch nicht zu glauben schien.

Und in diesem Moment fiel mir zum ersten Mal auf, wie einfach es sich in der Rolle des Offensiven leben lässt, wie unaufgeregt und bequem es sich agieren lässt, wenn man nichts zu verlieren und vor allem auf nichts zu reagieren hat, wenn man in der komfortablen Situation ist, dass man das Spiel macht – und der andere gerade bedienen muss, was man auf den Tisch legt. Es war irgendwie ziemlich einfach der Mann mit den Eiern zu sein, abzuschütteln, was mir nicht gefiel, offen zu fordern, wonach mir war und das Interesse auf mich zukommen zu lassen, anstatt es aufrecht zu erhalten. Je mehr ich mich wie ein Mann verhielt, desto mehr stolperten Männer fast schon ungebremst und überfordert in die stereotypische Rolle der Frau. Und dann kam mir der Gedanke:

Vielleicht treten also gar nicht Frauen gegen Männer an? Vielleicht lag es nicht primär an unseren Geschlechtern, wie wir uns verhielten, sondern viel mehr daran, dass Männer die Offensive gewöhnt waren, dass sie sie ganz automatisch und immer schneller als wir einnahmen, weil wir sie zum einen ließen und uns zum anderen in der Defensive auch ziemlich wohl fühlten oder uns vielleicht auch schlicht damit abgefunden hatten.

Wir Frauen haben in den meisten Fällen gar keine Möglichkeit, als aus unserer Ecke heraus zu agieren, weil wir uns den Platz gar nicht nehmen, was nichts mit irgendwelchen genetischen Merkmalen, sondern viel eher mit einer auferlegten, anerzogenen, erlernten oder einfach irgendwann übernommenen Perspektive zu tun hat.
Und dabei ist es nicht einmal so, als würden die Männer uns irgendetwas wegnehmen. Im Gegenteil, selbst wir erwarten von ihnen einen gewissen Grad an Aktion, wünschen ihn uns, finden ihn sexy – und legen damit selbst schon fest, in welche Richtung wir uns bewegen.
Was nicht heißt, dass nicht der ein oder andere Mann sich bedrängt fühlen würde, wenn man seinen Aktionsradius einschränkt, obwohl er , wenn man ihn fragt, sich natürlich eher eine straighte, als eine stumme Frau in seiner Nähe wünscht. Geraten ihre und seine Strategien dann aber aneinander, fühlt es sich für ihn zuweilen ungewohnt und fast wie ein plötzlicher Machtkampf an, der wenig mit den Geschlechtern an sich, sondern viel mehr mit der eigenen Position zu tun hat.

Der, der zuerst in der Offensive ist, das Heft in die Hand nimmt und zu seinen Rahmenbedingungen und Regeln aufschlägt, genießt den Vorteil des ersten Schritts, der Aktion und in gewisser Weise auch den des Vorsprungs. Das muss nicht zwingend ein Mann sein, wenn eine Frau bereit ist den Raum auszufüllen und nicht darauf zu warten, dass ihr jemand auch den Platz dafür macht, sondern sie ihn sich selbst nimmt, ist es kein Problem in die Aktion zu gehen und dem Mann die Reaktion darauf zu überlassen.

Was es dafür braucht? Ich gebe zu, cojones!

Ok, nennen wir sie: Mut und Überwindung.
Man muss sich nicht nur auf ein paar Sprünge aus dem Stand, sondern auch auf Ablehnung gefasst machen, sie abschütteln und akzeptieren können. Es kostet nicht nur die Überwindung sich überhaupt in Aktion zu begeben , sondern auch, aus der eigenen Comfortzone heraus- und noch dazu in eine andere hineinzutreten. Die Reaktionen darauf, können ebenso pendeln, zwischen Überraschung, Überforderung und natürlich Unverständnis. Klar, denn du zwingst deinen Gegenüber in gewisser Hinsicht auch ungefragt aus seinem gewohnten, beinahe instinktiv eingenommenen Rahmen heraus, in dem er sich sicher fühlt, der er kennt und in dem er sich bequem bewegt. Während ein spontaner Kuss noch als sexy forward ankommt, muss man für die Gleichberechtigung in Sachen Sex schon viel eher kämpfen. Auch 2016 ist ein Mann, der eine Frau vor der Haustür noch nach einem Glas Wein fragt, dass man „oben“ trinken könnte, ein Draufgänger, der selbst wenn er über die Stränge schlägt, kein größeres Label riskiert – eine Frau, die gleiches tut, könnte leider noch immer needy genannt werden und muss sogar ‚damit rechnen, dass man sie so sieht, wenn sie sich anbietet.‘
Eine Erfahrung, die mich ziemlich wütend gemacht hat, bekam ich den Stempel im Nachhinein vor allem viel eher von Frauen, als von Männern. Männer nehmen sich, worauf sie Lust haben und Frauen bieten sich an? Come on! Warum soll ich mich schuldig fühlen, wenn ich eine eigene Entscheidung treffe, die Männer jeden Tag treffen und sie genau so ungezwungen lebe?  

Meine Wunschvorstellung nach einigen Dates und Abenden, an denen ich mich „wie ein Mann“, verhielt?
Der Ausgleich. Die Balance. Wie immer. Ich will gar keine neue Rolle, ich will weder in der Offensive rennen, mir Platz machen und immer wieder die Führung zu übernehmen, noch habe ich Lust nur abzuwarten, auszuharren, mitzuziehen oder zu erfragen. Ich spreche gerne einen Mann an, ich kaufe ihm gern einen Drink und ich schließe gern meine Tür um 02:00 Uhr nachts für uns beide auf – aber ich habe auch nichts dagegen, wenn er uns das Taxi ruft, mich auf der Rückbank küsst und mich fragt, wann wir uns eigentlich wiedersehen. Es ist schön, jemanden ab und zu herauszufordern – und genau so schön, sich dann zurückzulehnen und es auf mich zukommen zu lassen.
Apropos auf mich zukommen lassen: das war vielleicht der beste Part und die für mich wichtigste Lektion während meines Experiments mit den vertauschten Rollten, die ja eigentlich keine sein müssen: einfach mal weniger darüber nachdenken, was der nächste Zug bedeuten könnte, was er für mich heißt, wie er mich aussehen lässt oder was ich dabei falsch machen könnte. Einfach machen, weniger denken, ruhig mal trauen und feststellen, dass es wenig gibt, dass man bei einem einfachen Date, in einer angetrunkenen Samstagnacht oder vor irgendeiner Haustür so falsch sagen oder machen könnte, dass man dabei sein Gesicht verlieren würde… es ist nur ein Moment. Und es kommt sowieso der nächste. Ganz egal, ob man es nun wenigstens versucht hat oder nicht ..

Vielen Dank an Gucci, dass ich Teil dieser Kampagne sein darf, die bei mir absolut den Nerv getroffen hat. Denn: warum nicht leidenschaftlich sein? Warum nicht frei sein? Warum nicht Grenzen auflösen und Balance, statt Rahmenbedingungen leben! #guiltynotguilty! 

 

In freundlicher Kooperation mit Gucci. 

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Comments

  • wow Lina! Ich geb zu, am Beginn des Artikels dachte ich „okay, jetzt lese ich was über Parfum“ aber den Teil über deine Erlebnisse während dem Experiment hätte ich nicht erwartet 🙂 Immer wieder beeindruckend, wie du mit Worten umgehen kannst und wie fesselnd du schreibst! Ich hatte mal ein ähnliches Erlebnis, als ich die ersten Schritte gemacht hab. Der Typ war auch sehr verwirrt und wusste nicht wie er damit umgehen soll, danke, dass du mich daran erinnert hast 🙂

    Liebe Grüße, Dunja

  • Absolut genial! Wenn wir Gleichberechtigung wollen, heißt das im Grunde einfach, dass jeder sich so verhalten darf, wie er will. Und ich du sagst es: es geht um die Balance. Das doziere ich auch immer in meinen Status-Workshops. Und das Date-Setting übernehme ich garantiert mal für eine Übung.:)
    Achja: die Bildsprache passt fantastisch!

    lg,
    Sarah

  • Sehr interessantes Experiment! In dem Zusammenhang könnte dir vielleicht ein Buch gefallen, dass ich neulich gelesen habe: The Bingo Theory von Mimi Ikonn. Geht in eine ähnliche Richtung.

  • Fand ich ja sehr stark, Lina! Cooler Artikel, kann mir die situationen die du beschreibst richtig gut vorstellen.
    Echt spannend, danke!

  • Du bist die einzige die es schafft eine Kooperation sinnvoll zu nutzen. Andere würden schnöde über den duft reden (oft schon gelesen), du bist einfallsriech & machst dir wirklich mühe. Toller Post, wirklich!

  • Der beste Kooperations-Artikel, den ich je gelesen habe! (Das soll ein Kompliment sein.)
    Ich dachte nur: Oh. Fuck. Yeah. Und wenn ich darüber nachdachte, waren die Typen immer ziemlich begeistert, wenn ich die Initiative ergriffen habe – sogar nachhaltig.

    • Das bedeutet mir so viel, dass mein Artikel so gut ankommt! Ich hab mich wirklich sehr in die Thematik gekniet und natürlich gehofft, dass das auch bei euch ankommt ?☺️

  • Liebe Lina, danke für den tollen Artikel und das es nicht so eine langweilige Cooperationsgeschichte geworden ist. Wie immer toll in Worte gefasst und auf den Punkt gebracht. Ich finde deine Denkweise immer wieder spannend und aufschlussreich. Weiter so. Liebe Grüße und Danke!

  • Um etwas zu verändern braucht es Menschen, die über sich hinaus wachsen, die auch mal anecken, wenn es sein muss. Diese Menschen sind oft lauter als die meisten, aber bewegen damit etwas, verändern die Regeln und fordern neue! Ohne diese Menschen kämen wir nicht weiter und würden uns nicht entwickeln. Du bist so ein Mensch!

  • Liebe Lina,
    Sehr toller Post! War mega interessant und unterhaltsam zu lesen! Macht richtig Lust selber mal ein bisschen offensiver zu agieren 😉

  • Genauso hab ich mir meinen Sommer vorgenommen, meinen allerersten als Single nach 6 Jahren Beziehung. Und weisst du was? Egal wie überrascht die Typen waren, es hat sich gut angefühlt. Und das sollten wir definitiv mehr machen, einfach das tun was sich gut anfühlt und den rest sein lassen. Ich habe spontan betrunken nach 5 min am Festival einen Typen mit nach Hause genommen, mich kaputt gelacht weil er meinen Namen falsch im Kopf hatte und ich seinen schon lange vergessen hatte, spontan den rückflug in die Stadt von jmd genommen den ich kurz kennengelernt habe, dabei die besten 24h des Sommers erlebt und ohne irgendwelche Erwartungen Freunde in der ganzen Welt besucht.
    Und es war perfekt=)

    Liebe Grüsse

    Faye

  • Lina, du bist meine Heldin des Alltags…. du sprichst mir so oft aus der Seele, triffst mit deinen Themen und Aussagen den empfindsamen Nerv meiner Daily Struggles und das eben nicht nur mit diesem Artikel, sondern auch mit diversen vorherigen.
    Irgendwie unheimlich… unheimlich schön, unheimlich trostspendend, unheimlich hoffnungsgebend… einfach unheimlich TOLL!!!

    Vielen Dank dafür. ?

    Dani

  • Liebe Lina, ich bin ziemlich beeindruckt, und Gucci hätte sich keine bessere Kooperation wünschen können! Echt krass wie kreativ und authentisch Du im Thema bist und die richtigen Worte findest. Die Bilder sind mega und Deinen Text habe ich bis zum letzten Wort gelesen. Mehr davon & liebe Grüße. Andrea

  • Boa lina… aus einer “schleichwerbung “ (nicht wertend gemeint , nur gelangweilt von nderen bloggern die produkte vermeintlich in ihr leben einbauen undd hochgerechnet unrealistischer weise 17 tagelcremes und 26 parfums “benutzen “) einen reflektierten artikel über gleichberechtigung zu zaubern ohne in die berühmte femnazi schiene zu rutschen,neue perspektieven im dating verhalten aufzeigen und mit witz, ehrlichkeit und sinn und verstand zu verfeinern und gleichzeitig bilder zu kreiiren die immer noch lust auf den duft machen…. einfach großartig und absolut der beste kooperationsartikel den ich in zehn jahren blogger geschichte zu lesen bekam! Hut ab madamme !!! Talent zahlt sich eben doch aus

  • Hey Lina,

    bisher habe ich immer mal mitgelesen aber nie kommentiert. Sehr guter Artikel und hoechst interessant dein Experiment. Ich glaube auch es ist mehr die antrainierte Rollenverteilung als eine Geschlechterfrage. Aber umso interessanter die Reaktionen der Maenner auf dein Verhalten!

    LG und weiter so,
    Kat

  • Liebe Lina,
    WOW!!! Was für ein toller und mitreißender Artikel. Obwohl ich gerade bis zum Hals in Arbeit stecke, war ich so gefesselt, dass ich den Artikel erst einmal komplett lesen musste. Und ich muss wirklich sagen: Chapeau!!! Großartig geschrieben und ich konnte mich in so vielen Situationen wiederfinden, aber leider auf der Gegenseite! Und jetzt habe ich mir vorgenommen, es mal wie du zu handhaben. 🙂 Ich glaube für eine kurze Zeit wäre ein solches Experiment wirklich gut, um einfach mal etwas entspannter in solchen Dingen zu werden. Aber wie du schon sagst, es erfordert Mut. Ich bin gespannt ob ich den aufbringen kann 😉
    Hab ein wundervolles Wochenende und liebsten Dank für diesen überragenden Artikel! <3
    Liebst Kathi
    http://www.meetthehappygirl.com

  • Super Artikel mit einem tollen Thema! 🙂
    Ich denke, dass viele Mädels noch nicht verstanden haben, dass es okay ist sich das zu nehmen was man haben will. Das man nicht immer auf die Aktion der Männer warten muss. Das man ruhig sagen kann was man denkt und nicht immer auf die Aktion eines Mannes warten muss. Ich weiß noch, dass meine Freundinnen mich immer schief angeguckt haben, wenn ich einen Mann einfach gesagt habe, dass ich ihn gute finde, dass ich ihn gern kennen lernen würde oder mit ihm tanzen etc. Oder wenn ich gerade heraus gefragt habe was mich interessiert. Was machst du beruflich, wie alt bist du, was hast du für Hobbys, obwohl man sich gerade erst kennen gerlernt hat. Ich finde proaktiv sein gut. Ich hätte niemals mit einem Mann das Leben teilen können, der damit überfordert ist wenn ich direkt oder ehrlich bin. Ich hab mit meiner Ehrlichkeit nie schlechte Erfahrungen gemacht, es hat mich maximal vor schlechten Erfahrungen bewahrt. Danke für deinen tollen Artikel dazu! 🙂

    xx Vie
    von http://www.viejola.de

  • Liebe Lina, meine Dozentin für methodische Kompetenzen würde deinen Artikel wahrscheinlich so bewerten:
    – Wissenschaftliches Arbeiten 1,0
    – Studie 1,0
    – Ansprechende Gestaltung der Arbeit 1,0
    – Fazit 1,0

    Bravo Frau Mallon!

  • Wahnsinnig toller und spannender Artikel! Kooperationen authentisch in den Blog einfließen lassen – das Talent haben (aus meiner Laien-Sicht) nur wenige Blogger.

    Manchmal habe ich mich beim Lesen gefragt, ob nicht wahrlich dein Artikel ausschlaggebend für die neue Kampagne von Gucci war 🙂

    Ganz ganz toll geschrieben!

  • Ich kann den vielen anderen Kommentaren, die hier in diese Richtung gehen, nur zustimmen – du schaffst es einfach jedes Mal, eine Kooperation in einen sinnvollen Kontext einzubetten bzw. eine eigene Geschichte dazu zu entwickeln, so dass man am Ende ein Gesamtpaket mit Hintergrundstory vor sich hat, bei dem man merkt, wie viele Gedanken und Mühe du dir damit gemacht hast – und nicht bloß eine flache Produktpräsentation wie bei fast allen anderen Bloggern. Da ist man als Leser wirklich oft genervt bzw. klickt direkt weg, wenn man merkt, dass der Blogger fast nur noch Kooperationen eingeht, ohne zu selektieren, und dann dazu nur 5 lieblose Sätze hinklatscht. Bei dir ist das wie gesagt das absolute Gegenteil, und das fällt mir nicht nur bei dieser Kampagne auf, sondern wirklich schon lange 🙂 Danke dafür 🙂

  • Und solche Texte auf deinem Blog sind der Grund, weshalb Kooperationspartner sich vor Wut in den Hintern beißen werden, wenn sie einem 0815 Instagram-Herzi den Auftrag gegeben haben. Weil hinter dieser Kooperation eine Idee, eine ganze Geschichte steht, die erstens zum Kunden passt und zweitens wegen ihres Inhalts aus wirklich gelesen wird – und zwar auch von all denen, die sich sonst über Kooperationen von Bloggern beschweren. Und ich glaube das ist etwas, was du unheimlich gut kannst, ein Produkt dir zu eigen machen und eine passende Geschichte drumherum zu kreieren, ohne an Authentizität zu verlieren!

    Alles Liebe und weiter so,
    Linn

  • Bitte?! Stop! Halt! Was habe ich da nur gelesen? Das liest sich null nach einer Kooperations-Post und ich bin hellauf begeistert! Ich finde dich so stark, du bist eine tolle Frau die sich und ihre Macht kennt und das dann noch auszutesten, noch mehr in die offensive gehen… Hut ab! Da sollte ich mir eine Scheibe von abschneiden – geradewegs heraus das sagen was man will, ohne großartig nachzudenken. Ob es um Dates geht oder nicht, denn das ist nur ein Moment. Achja noch was: Die Bilder dazu sind einfach verführerisch sexy und passen gekonnt zur Atmosphäre.
    Liebe Grüße,
    Mai von Monpipit.de

    xox

  • ich habe noch nie einen so langen und völlig Kooperations-„fremden“ Artikel gelesen wie diesen hier.
    Es geht nicht um das Produkt – sondern um ein Statement was damit verbunden wird.
    Ich habe mir bisher die Trailer, Bilder etc von dieser Kampagne angesehen und keine hat mich so mit dem #guiltynotguilty verbunden wie dein Artikel.
    Es bringt das Thema einfach perfekt auf den Punkt und ist traumhaft geschrieben. Man merkt einfach wieviel Herzblut dahinter steckt mit 100% deiner Einstellung, Sichtweise, Charakter und Schreibstil.
    Ich könnte noch weiter schwärmen.. Vielen Dank Lina :)❤️

  • Du bist in der gesamten Bloggerwelt eine der einzigen, die neben gutem Aussehen und Stil auch noch Verstand und Intellekt mitbringen. Und solche Ausnahmen werden von anderen nicht gerne gesehen, deshalb eckst du bei vermeintlich „konstruktiven“ Kritikern auch so oft an. Nimm jeden einzelnen negativen Kommentar als Zeichen dafür, wie unglaublich gut du deinen Job machst, Lina.

  • Hi Lina,
    ich lese deine Artikel eigentlich überhaupt nicht und bin auf diesen nur gekommen, weil eine Bekannte bei FB einen Like für diesen hinterlassen und ich gerade nichts zu tun hatte.
    Trotzdem fand ich ihn sehr interessant und wichtig und will diesen Kommentar schreiben, um dir zwischen den ganzen Rückmeldungen weiblicher Leser auch einen aus männlicher Sicht zu geben.
    Mal abgesehen von diesem Anlass durch die Gucci-Kampagne, mit dem ich ganz und gar nicht übereinstimme (hedonistische Anarchie ist meiner Meinung nach pures Gift für das menschliche Miteinander, aber dass soll hier nun nicht diskutiert werden), spreche ich dir in deinem Versuch, Frauen zu etwas mehr Direktheit zu überreden, meine vollste Zustimmung aus.
    Würde mir eine Frau, wenn ich mit ihr schreibe, ehrlich sagen, dass sie mit mir nichts anfangen kann und die Sache nun gerne beenden würde, anstatt es einfach tot zu schweigen, würde ich in die nächste Kneipe rennen und allen dort Anwesenden einen ausgeben.
    Und würde ich eine treffen, die von sich aus nach einem Date fragt (gerne auch schnell, denn, wie du schon geschrieben hast, man will keine Brieffreundschaft), würde man in meiner Stadt vermutlich mit Feuerwerk rechnen müssen.
    Zugegeben, ich stehe sowieso mehr auf starke Frauen, als denn auf Prinzesschen, die einen Mann zum Gurkenglass aufmachen brauchen (und das, obwohl ich selbst sehr dominant bin), aber ich möchte alle Frauen animieren, mehr aus sich herauszukommen.
    Warum sollte eine Frau nicht nach einem Date fragen? Zeit und Ort festlegen? Oder einen Drink ausgeben? Oder bestimmen, wie weit sie gehen möchte?
    Es ist doof, das Folgende zu sagen, weil es so abgenudelt klingt, aber: Wir leben im 21. Jahrhundert und eine Frau wird nicht mehr von ihren Eltern an den meistbietenden Mann verschachert.
    Und wenn man einem Mann beim Schrumpfen seiner Eier zusehen kann, nur weil er mit einer Frau konfrontiert ist, die nicht wie ein Hündchen vor ihm kuscht, dann hat er sein Gegenüber sowieso nicht verdient.
    Seid direkt und vor allem ehrlich und es wird nicht nur für euch leichter, sondern auch für uns Männer, denn wenn man von Anfang an vernünftig miteinander kommuniziert, ist eine Situation viel leichter zu händeln (und wenn sie unangenehm ist, auch schneller vorbei, denn nichts ist nerviger, als so ein ewiges Herumgekabbel).
    Ich hoffe, ich konnte deinen Artikel ein bisschen unterstützen oder zumindest die Meinungsvielfalt hier in den Kommentaren erweitern.
    Schöne Grüße,
    McCorhan

  • Lina!

    Was für ein grandioser Artikel!!
    Ich muss mich einigen Vorschreibern definitiv anschließen, was das Einbauen der Kooperation angeht:
    Wahnsinn!
    So viel Mühe, so viel Herzblut, so viele tolle Worte…#FANGIRL
    Ich finde es toll, dass du so reflektiert bist und auch schreibst und du dich traust.

    Eine meiner besten Freundinnen wandert auch seit einiger Zeit durch diesen Datingdschungel und ich habe sie jetzt überzeugt deinen Blog zu lesen, denn sie wird sich in so vielen Situationen wiedererkennen.

    You rock, Girl <3

    Maria
    https://www.instagram.com/voomaa/
    http://www.soweitdasaugereist.wordpress.com

  • Ich habe es so satt, dass es scheinbar wirklich gesellschaftlich mehr anerkannt ist, dass ein Mann immer die Initiative ergreift und man als Frau gleich abgewertet wird, wenn man sich das nimmt, was man möchte. Wo ist das Problem?! Da sieht man, dass Gleichberechtigung immer noch nicht in allen Lebensbereichen angekommen ist und das ist super schade. Wir Frauen haben die gleichen Rechte und die gleiche Sexualität bzw. den Wunsch nach einer anderen Person wie Männer.
    In diesem Sinne: Ein toller Text, dem ist nichts hinzuzufügen, danke! Von deiner „straight forward“ Art könnte ich (und da bin ich sicher nicht allein) mir noch eine Scheibe abschneiden.

  • Das ist der beste Kooperationspost, den ich bisher jemals gelesen habe. Sehr intelligent, authentisch und spannend
    verpackt bzw. kombiniert. Ich hoffe, das wurde Dir sehr, sehr gut bezahlt, denn dieser Post hat eine Qualität, die
    man wirklich nur ganz selten antrifft und Qualität sollte etwas wert sein. LG Hannah

  • Liebe Lina,
    Für mich mit Abstand der beste Artikel den ich von dir gelesen habe ( und ich lese schon seit 4 Jahren fast alle deine Beiträge ?)
    Nicht nur das Thema ist super interessant, sondern auch vor allem deine Art mit Worten umzugehen ist absolut lesenswert.
    Und selbst ich als absoluter Parfüm-Muffel habe Lust mir die Düfte mal näher anzugucken, also chapeau??
    Dein Block ist mittlerweile fast der einzige den ich regelmäßig lese.
    Bitte weiter so.
    Alles Liebe aus Heidelberg

  • Erstmal: grandioser Artikel! Bei mir ist das Ganze aber irgendwie verdreht. Da ich meistens an schüchterne Männer gerate, ergreife ich immer die Initiative – Dates, der erste Kuss, der Schritt zum Sex, … ich konnte solche verwaschenen Aussagen in Nachrichten wie „ja mal sehen“ „mir egal, entscheide du“ nicht mehr sehen und bin dazu über gegangen, einfach Ansagen zu machen und den Takt vorzugeben. Allerdings wünsche ich mir manchmal trotzdem, erobert zu werden, zu reagieren statt vorzugeben, das Hollywood Klischee eben, aber ohne Spielerei auf Basis irgendwelcher Dating-Tipps aus der Cosmo 😀

  • Hallo Lina,

    ich bin jetzt schon seit längerer Zeit stille Leserin deines Blogs, aber jetzt muss ich doch auch endlich mal einen Kommentar hinterlassen.
    Ich finde es großartig und wirklich bewundernswert, dass du es immer schaffst, dass ich komplett alles um mich herum vergesse sobald ich einen deiner Artikel lese. Und dann schaffst du es auch noch, dass ein Kooperation wirklich mal kreativ umgesetzt wird – Hut ab!
    Finde ich genial, dass du dafür auch wirklich im real life mal etwas ausprobierst und nicht einfach „nur kassierst“, so wie das mittlerweile leider häufiger wirkt bei anderen Bloggern.
    Irgendwie schaffst du es wirklich immer, dass ich am Ende da sitze und denke ‚Mensch, mit der würde ich gern mal ’nen Kaffee trinken gehen und ein interessantes Gespräch führen.‘.

    Lieben Gruß,
    Pauline

  • Vielen, vielen Dank für diesen grandiosen Text!
    Verrückt wie sich die Herren der Schöpfung teilweise selbst demontieren. Und noch verrückter, wie ich mich in ihrem fragwürdigen Verhalten selbst ertappt. fühle. Ein Grund mehr, mich mal in der offensiven Rolle zu versuchen. Du inspirierst mit deinem Mut!

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