TWENTY SOMETHING COLUMN: DIE ANDERE FRAU

Es ist nicht der erste Abend, den ich mit einem Glas Wein vor meinem Bildschirm verbringe und die Notizen durchgehe, die ich schon vor ein paar Monaten begann. Es ist ein polarisierendes Thema, das ich da in Stichpunkten bereits gedanklich anriss, aber das ich mich nie zu schreiben traute, für das ich einfach nicht den richtigen Ansatz und in gewisser Hinsicht auch nicht den Mut fand. Nicht einmal jetzt traue ich mich auf "publish" zu drücken und schleiche seit einer Stunde mit Angst im Nacken um den Button. Mit einer Freundin darüber offen zu sprechen, kann schon eine Gratwanderung sein, aber auf einem Blog? Öffentlich? Auf die Gefahr hin, dass mit falsch verstandenen Zeilen ein grobes Urteil über die eigene Person gefällt und auch verbreitet wird? Schwierig, gerade in diesem Fall. Es ist kein hübsches oder vorzeigbares Thema. Es kann ein unheimlich schmerzhaftes Thema sein. Und eigentlich sprechen maximal die darüber, die es erlebt, aber nicht verursacht haben. Denn Affären, Betrug, Hintergehen  – das ist nichts, womit man sich schmücken wollen würde. Niemals öffentlich. Niemals ehrlich, wenn überhaupt, dann distanziert oder aber demütig. Aber wer würde schon von der Seele weg zugeben:

"Ja, ich war schon einmal die Affäre. Vollkommen wissentlich. Ganz absichtlich. Und eine Zeit lang fühlte es sich sogar verdammt gut an." 

 

THE OTHER ONE

Ich. Ich war genau das. Die andere Frau. Wissentlich. Vielleicht sogar willentlich. Zumindest eine Weile.
Ich war 23 Jahre alt, als es anfing. Es war nicht unschuldig, keine Minute. Nein, nicht offensichtlich, zumindest nicht für mich. Und trotzdem greifbar. Wenn in einem Raum Chemie herrscht, die über jede Platonik hinausgeht, dann spürst du es. Ob du sie wahrhaben willst, ist eine andere Frage. Ob du sie zulässt, ist deine Entscheidung.
Wenn aus einer geschäftlichen Mittagspause eine Verabredung zum Frühstück wird, aus dem späteren Frühstück ein Spaziergang durch den Park, der in einer Verabredung zu einer gemeinsamen Party mit seinen Bekannten endet, dann hast du dich entschieden. Egal, was du dir selbst oder deinen Freundinnen verkauft, einredest oder in bemüht distanzierter Rechtfertigung erörterst ("Kann man jetzt nicht mal mehr mit jemandem einfach etwas trinken gehen, ohne dass es gleich etwas zu bedeuten hätte?"), bevor du in Chucks und Lederjacke die Haustür hinter dir zuziehst. Gerade lässig genug, um dich noch am Rande der Friendzone zu bewegen, gerade anziehend genug, um irgendwie mit dem Feuer zu spielen. Du hast dich nicht nur entschieden einem gewissen Interesse nachzugeben, sondern auch den Fakt zur Seite zu schieben, dass dieser Mann, der dir vor zwei Stunden schrieb, dass er sich auf den kommenden Abend freut, eine Freundin hat. Sicher, er hat vermieden sie zu erwähnen, wie man es eben macht, wenn man die Weste vorsorglich mit Ehrlichkeit weißen und trotzdem verfügbar bleiben will. Und trotzdem: du bist dir bewusst, dass es sie gibt.

Mit 20 hatte ich eine sehr deutliche, idealisierte Null-Toleranz-Politik zum Thema Affäre. Ich war gerade betrogen worden, ich hatte gerade gelitten. Hintergehen? Niemals! Die sein, mit der jemand hintergangen wird? Ganz sicher nicht. Warum? Weil Frauen andere Frauen nicht betrügen. Weil Frauen sich gegenseitig nicht demütigen. Auf die Frage: "Wie reagierst du, wenn du mitbekommst, dass eine Freundin oder Bekannte betrogen wird?", hatte ich eine klare Position: "Ich sage es ihr, sobald ich es weiß. Ich hätte es ja auch wissen wollen." Selbst ein Ultimatum kam für mich kaum in Frage. Frauen, die Affären eingingen, hielt ich für armselig, für billig, für egoistische Miststücke, denen ich kein Verständnis entgegenbringen konnte. In meiner Vorstellung hatte man zu jedem Zeitpunkt die Wahl sich aufrichtig oder erbärmlich zu verhalten. Schwarz oder weiß, mehr gab es für mich zu dieser Zeit nicht.

3 Jahre später, habe ich mehr Erfahrungen gemacht, Dinge erlebt, Gefühle einsortiert, ein paar meiner Standpunkte geändert. Und während ich die Tür zu dieser Bar aufziehe, ist es zum einen meine eigene Überzeugung, dass das, was zwischen zwei Menschen passiert nicht die Verantwortung einer dritten Person ist, dass nicht ich es bin, die für die Treue oder Zuneigung einer Beziehung bürgt, sorgt oder entscheidet, sondern derjenige, der darin ist. Zum anderen, ist es eine Rechtfertigung vor mir selbst. Alles andere wäre geheuchelt.

Nein, an diesem Abend passiert nichts, das uns auf dem Papier vorzuwerfen wäre. Und doch genug. Kein Kuss, aber immer wieder Berührungen. Kein Wort, aber Blicke. Kein geteiltes Taxi, aber eine SMS vor dem Einschlafen. Natürlich wäre sie zu rechtfertigen, immerhin fragt er nur nach, ob ich gut nach Hause gekommen bin und wünscht mir eine gute Nacht. Und natürlich wäre sie nicht zu rechtfertigen, denn jene Nachricht nach 02:21 Uhr an eine andere Frau, ist nur in den seltensten Fällen eine platonische. Das hier ist der schmale Grat zwischen guten Freunden, einem Flirt und verbrannten Fingern, an dem wir eigentlich schon gestolpert sind. Nicht wegen den Momenten, die man nachlesen könnte, sondern wegen dem, was zwischen den Zeilen passiert ist.

 

LOSGELÖST

Wie es sich anfühlt, wenn man nur 7 Tage später an gleicher Stelle doch das Taxi teilt, er dich auf der Rückbank küsst, nach deiner Taille fasst, dich zu sich und schließlich aus dem Auto in seine Wohnung zieht, ihr bis zum Morgengrauen die Zeit zwischen Laken und ein paar Lügen verbringt? Unheimlich gut. Die Affäre zu sein, das ist in diesem Moment sexy, begehrenswert, es ist verboten, vicious, das eigentliche Verbot verleiht der bestehenden Anziehung noch ein paar mehr Funken und dann wäre da noch dieses Gefühl von Kontrollverlust. Wenn der Kopf weiß, dass er auf einen Crash zusteuert und das Herz genau diesen Kick vor dem kommenden blow up vollkommen auskostet. Es fühlt sich ein bisschen an wie ein Geschwindigkeitsrausch. Du weißt, dass du diese kommende Kurve niemals wirst nehmen können, aber genau diese Gefahr, gepaart mit dem Kribbeln, das du gerade verspürt, ist es, was das hier ausmacht. Für einen kleinen Moment fühlt sich diese Affäre an, als könntest du alles haben.

Du bist die, mit der er nächtelang nicht nur fantastischen Sex hat, sondern auch seine Gedanken teilt, Gefühle, Pläne, Leidenschaften, seine Vergangenheit, seine ganze Welt, egal was, alles ist intensiv. Jedes Gespräch, jede Berührung. Du bist die, für die er sich nachts aus der Wohnung schleicht, um dich an der Straßenecke gegen einen Wand gelehnt zu küssen, bis dir die Knie weich werden, du bist die, über die er leidenschaftlich herfällt, sobald er die Tür zu seinem Büro hinter sich geschlossen hat, du bist die, für die er immer wieder Wege findet, für die er um 04:00 Uhr morgens Miracoli auf dem Dielenboden serviert, die er seine Muse nennt und verdammt noch einmal, sind wir doch ehrlich: du fühlst dich so sexy, begehrenswert, schwerelos und ja, auch erhaben, denn du bist nicht die, die belogen wird, sondern die, für die es sich zu lügen lohnt. 

Seine Freundin? Nimmst du nicht wahr. Nicht als die Frau an seiner Seite, nicht als seine Partnerin, nicht als eine Bedrohung. Sie ist für dich die, neben der er abends nur auf dem Sofa sitzt, wenn ihr miteinander schreibt. Sie ist die, für die er schon so lange nichts mehr fühlt, an die er sich maximal noch gewöhnt hat. Sie ist die, die seine Wäsche wäscht und ihn abends fragt, was er essen möchte. Die in Baumwolle und mit Brille auf dem Sofa sitzt und einen Nicholas Sparks Film mit ihrer besten Freundin guckt, während ihr 2 Straßen weiter, nach einem gemeinsamen Abend in ein paar Bars, lachend aneinandergelehnt und tipsy das Schlüsselloch sucht, um im Flur schon Jacken, Mützen und Schuhe zu verlieren. Ob ihr euch versteckt? Nicht nötig. Ihr seid einfach "enge Freunde", wenn der Rest dabei ist, außerhalb der unbeleuchteten Ecken.

Ihr habt über sie gesprochen. Ein paar Mal. Immer dann, wenn dein blindes Hochgefühl kurz Pause machte, immer dann wenn es Platz für dein Gewissen ließ, wenn er dich doch versetzen oder sich verabschieden musste –  wegen ihr. "Es tut mir leid, ich bin einfach ein Feigling. Ich will nicht neben ihr in diesem Auto sitzen, ich will bei dir sein. Dich festhalten, mit dir einschlafen.", schreibt er dann. Und du versicherst ihm, dass er kein Feigling ist, dass du ihm Zeit gibst. Zum einen, weil dein Verständnis tatsächlich nicht aufgebraucht ist, weil du dich sicher und weiterhin beflügelt fühlst, zum anderen, weil du noch gar keinen Plan für euch hast, noch keine Zukunfstgedanken, sondern nur ein konsequenzloses Hier und Jetzt, weil du diese Leichtigkeit zwischen euch genießt, die nur ohne Ansprüche funktioniert. Und damit auch für ihn.

Ich weiß, dass es vielleicht nicht leicht oder angenehm war diesen Absatz zu lesen. Es war auch nicht sonderlich angenehm ihn so offen und schonungslos schreiben. Sich zu erinnern. Ich bin nicht stolz darauf.

 

SCHULD

Dass erste Mal, dass seine Freundin, die Frau mit der er auch nach 5 Monaten noch immer eine Wohnung und zumindest theoretisch sein Leben teilte, für mich real wurde, war an einem Dienstagabend gegen 22:30 Uhr. Ich saß auf der Schreibtischplatte, aß eine Frühlingsrolle und schaute ihm beim Abarbeiten der letzten Punkte auf seiner To-Do-List zu, deren Ende vor allem dadurch verzögert wurde, dass er sich immer wieder von mir ablenken ließ. Wir würden heute nicht die Nacht zusammen verbringen. Das taten wir nur alle 3 Wochen. Mittlerweile kannte ich ihr Schichtsystem auswendig, unsere gemeinsame Zeit war eingespielt, das Lügenkonstrukt fast natürlich geworden. In den Wochen, in denen sie gegen 05:00 Uhr die Wohnung verließ, klingelte er im Morgengrauen, um die paar Stunden vor Alltagsbeginn noch mit Kaffee und mir im Bett zu verbringen, in den Spätschichtwochen blieb uns das Dinner und ein paar heimliche Büro-Momente nach Arbeitsende und in den freien Nächten, schlich er sich kurz vor 11 zu mir.
Wir waren gerade in einen Kuss vertieft, als die Klingel im Foyer sich meldete. Ich zuckte zurück, richtete mein Shirt und wollte ihn an den Schultern zurückschieben. "Da vorne ist jemand", flüsterte ich noch, bevor er mich wieder küsste. "Ist egal.." "Hey, was wenn..", ich versuchte ihn wieder auf Abstand zu bringen. "..jemand reinkommt? Die Tür ist nicht mal richtig zu.." "Es kommt doch niemand." 

Erst gut 15 Minuten später griffen wir nach unseren Sachen, meinem Mantel und meiner Tasche, schlossen sein Büro ab und schlenderten zusammen ins Foyer. Und da saß sie. Wartend auf der Kante des Sofas. Fast hätte ich sie übersehen. Sie. Seine Freundin.

Während mich Panik packte und sich heiß und schmerzhaft kribbelnd in meinem Magen ausbreitete, war er völlig ruhig, begrüßte sie mit einem flüchtigen Kuss auf die Wange und drehte sich dann zu mir um: "Du kennst Lina noch gar nicht oder? Wir arbeiten auf Projektbasis seit ein paar Monaten zusammen, ich glaub ich hatte dir von ihr erzählt oder?" "Hi", sie streckte die Hand aus und begrüßte mich. Leise, schüchtern, klein. Ich vermied es sie anzusehen, vermied es überhaupt irgendwas zu sehen.
Als hinge Blei an mir, setze ich mich langsam mit einem verabschiedenden Nicken in Bewegung und zog matt die Tür auf. "Lina? Wir sehen uns morgen wieder gegen 18:00 Uhr?", fragte er noch vollkommen unbeschwert von jener Szenerie, bevor ich gehen konnte. Wie ferngesteuert nickte ich.
Es war unmöglich zu leugnen: das hier war nicht sein erstes Mal, nicht sein erster Auftritt dieser Art und damit nicht seine erste Affäre, so abgeklärt und casual, wie er diese Situation händelte. Mein Blick fiel noch einmal auf sie, wie sie noch immer auf der schmalen Sofaecke sitzend mit ihrem Autoschlüssel spielte und darauf wartete, dass er seinen Rucksack geschultert hatte. Und in diesem Moment begriff ich es.
Sie saß am äußersten Ende des Raumes, als hätte sie sich kaum hineingetraut. Sie hatte nicht einmal die Jacke ausgezogen. Sie war seit 3 Jahren mit ihm zusammen. Sie musste ihn schon öfter von der Arbeit abgeholt haben. Sie musste den Weg zu seinem Büro kennen. Sie hätte keinen Grund gehabt hier vorn im Foyer stumm ganze 15 Minuten auf sein Kommen zu warten, es sei denn .. das hier war auch nicht ihr erstes Mal in dieser Situation. Es sei denn, sie hatte längst  gewusst, was sie erwartete. Es sei denn sie hatte entschieden, dass sie es nicht sehen wollte. 

Als ich an meinem Auto ankam, ließ ich mich auf den Fahrersitz fallen und sank nach vorn gebeugt zusammen. Es war das erste Mal, dass ich mich wirklich mies – elend – fühlte. Dass ich mich in Grund und Boden schämte. Dass ich in diesen 5 Monaten weinte. Es war der Moment, in dem sie real wurde und die Leichtigkeit endete. Und trotzdem war es noch nicht der Tiefpunkt.

 

REALITÄT

Ich fuhr an jenem Abend nicht nach Hause. Ich hielt bei meiner besten Freundin an. Bei jener Person, die meine Realität war, auch wenn ich sie bisher nicht hatte hören wollen. Der ich immer die bessere, nie aber die wirklich echte Version eingeschenkt hatte. Bis jetzt war er nie das Arschloch und ich nicht naiv und armselig gewesen, sondern wir beide schlicht leidenschaftlich Verliebte. Es brauchte zwei Gläser Wein unter dem Sternenhimmel, bis ich bereit war.
"Ich sage jetzt nicht, dass ich überrascht bin. Und ich weiß auch gerade nicht, warum du es bist. Du wusstest, dass du nicht seine erste Affäre bist. Du hast jede Geschichte über diesen Mann gehört und dich trotzdem auf das alles eingelassen. Also, was hast du erwartet?" 
Ich zucke mit den Schultern. "Weiß ich nicht." "Dass er nur still neben ihr sitzt, wenn sie die Abende miteinander verbringen? Dass er keinen Spaß hat und sich nur quält, wenn er sie sonntags zum Essen einlädt? Dass er sich nur aus schlechtem Gewissen dazu zwingt? Woran machst du das fest? Weil er es dir erzählt? Weil er sich dir ach so verletzlich anvertraut hat? Was denkst du denn, was man der anderen Frau erzählt, wenn sie neben einem liegt? Genau das!
Ja, vielleicht haben sie keinen Sex mehr, ja vielleicht küsst er sie nicht einmal mehr, vielleicht trennt die beiden wirklich jeden Abend die Wolldecke, wenn sie auf dem Sofa sitzen und ich gestehe sogar ein, dass er gelangweilt ist, selbst dass er sich sehr zu dir hingezogen fühlt. Aber genau so gern, wie er mit dir die Nächte im Bett verbringt, genau so gern backt er mit ihr am Sonntagnachmittag Kuchen oder besucht seine Eltern. Lina, er führt mit dieser Frau eine Beziehung. Sie sind zusammen. Auch nach 5 Monaten noch."  "Ich hab ihn ja noch nie gebeten sich zu trennen." "Oh bitte, als wenn er es danach sofort tun würde! Am Anfang war es vielleicht nur Leidenschaft, aber seit spätestens 3 Monaten bist du vollkommen verknallt. Hast du den Gedanken mal zugelassen, dass du ihm nur deswegen kein Ultimatum stellst, weil du eigentlich selber weißt, dass er es umgehen würde?" 
Ich kann ihr nicht antworten, ich kämpfe mit Tränen, Scham und eben jener Realität. Sie drückt meine Hand. "Du weißt, dass ich nur so hart zu dir bin, weil ich dich lieb habe ja?"

3 Stunden später liege ich auf ihrer Couch und schaue zum ersten Mal auf mein Handy. 12 Anrufe in Abwesenheit. 9 ungelesene Nachrichten. Jede von ihm. Jede geschrieben, während er neben ihr lag, sie wahrscheinlich im Arm hielt. Ich lese, dass ich ans Telefon gehen, dass ich mich verdammt noch einmal melden, dass ich mit ihm reden soll. "Rede mit deiner Freundin.", antworte ich und schmeiße das Handy weg. Ich komme mir nicht mehr begehrenswert vor, nicht mehr beflügelt, fühle mich nicht mehr als Muse. Ich fühle mich zum ersten Mal vollkommen austauschbar.
Für genau 2 Wochen brach ich den Kontakt ab. 

 

FESTHALTEN

Es ist wie mit der Motte und dem Licht. Wenn etwas sich so gut anfühlt, dass es dich quält es zu ignorieren, braucht es 100 starke, aber nur einen einzigen, schwachen Momente, um sich wieder treiben zu lassen. Es war, als wüsste er genau, welche Knöpfe er drücken, welche Dinge sagen, welche Versprechen einlösen und welche Träume zumindest vage in Aussicht stellen müsste, damit ich mich in seinem Arm wieder entspannte. Und obwohl ich den Gedanken, dass er sich seinen Platz zwischen den Stühlen wohlmöglich auch bei mir bequem log, nicht mehr loswurde, ließ ich mich trotzdem wieder darauf ein. Es dauerte nur zwei oder drei Treffen, bis wir sie zurück hatten. Die Leidenschaft, die Funken, die Nähe, selbst die Intimität. Nur eins war weg, die Leichtigkeit. Die Unschuld in dieser ganzen Schuld.
Wenn er wegging, nahm ich es nicht mehr selbstverständlich, nicht mehr geduldig. Wenn er jetzt zum Telefonieren ins Badezimmer ging, kuschelte ich mich nicht mehr in die Laken und sog seinen Geruch ein, bis er sich wieder neben mich legte, ich saß aufrecht im Bett, mit Wut und verletzten Gefühlen im Magen, die Sekunden zählend. Manchmal gelang es mir, sie ein paar Wochen auszublenden, die Fakten zu ignorieren und uns zu genießen –  bis er wieder einen gemeinsamen Tag absagte. Unter der Woche. Spätschichtwoche. Nur knapp eine halbe Stunde, nachdem wir uns gesehen hatten, während ich noch neben ihm lag, richtete er sich wieder auf und griff nach seinem Pullover. "Ich muss los.", flüsterte er und küsste mich auf die Stirn. "Wohin?" "Das weißt du doch.."
Wortlos folgte ich ihm bis zur Tür, an der nicht nur sein Rucksack stand, sondern auch eine Papptüte, die mir bis dahin gar nicht aufgefallen war. Ich sah Wärmebehälter vom Italiener. Zwei Portionen. Eine Flasche Wein.
"Du gehst zu ihr oder?", meine Stimme bebte. "Du verbringt den Abend mit deiner verdammten Freundin und du bringst es sogar fertig euer beschissenes Dinner mit nach oben zu bringen? Hierher?"
Meine Stimme überschlug sich. "Du holst romantisches Essen für euch? Ernsthaft? Und was dann? Noch ein Film zusammen? Weil ihr ja so wahnsinnig verliebt seid und du so gern bei ihr bist?!" "Hey! Hör auf zu schreien oder sollen wir gleich einen Rundbrief an die Stadt rausgeben?", antwortete er kühl und zog sich seine Jacke an, ohne mich anzusehen. "Du kommst her, greifst ab, was du bekommst und haust danach ab? Zu ihr?! Wirklich! Was für ein Arschloch bist du eigentlich?" "Was soll ich machen, hmm? Ihr sagen, dass ich viel lieber bei dir wäre? Du weißt, dass sie dann ausflippt, sich wieder tagelang einschließt und vollkommen zusammenbricht, ich brauch ein bisschen mehr Zeit, ok? Ich brauch den richtigen Moment! Und jetzt beruhige dich! Es reicht schon, dass sie mich so einengt und mein Leben bestimmen will!" "Oh mein Gott, du hast schon vor Monaten gesagt, dass du dich trennst, du erzählst mir jeden Abend, dass du mich willst und jetzt machst du für sie den Liebeskasper? Willst du mich verarschen?" "Weißt du, vielleicht trenne ich mich nicht, weil ich nicht weiß, ob du nicht in ein paar Monaten ganz genau so bist wie sie. Hör dich doch mal an, wie du zeterst! Du klingst wie sie! "

Damit ließ er mich stehen. Stundenlang ohne ein Wort. Und ich kam nicht umhin mich elend zu fühlen, mich gegen jedes Rückgrat und jeden aufrechten Gang dafür entschuldigen zu wollen, dass ich mich wie eine klammernde, anstrengende Freundin verhalten hatte. Bis ich irgendwann den Gedanken zuließ, dass ich eigentlich nur eingefordert hatte, was er mir immer wieder mit Worten angeboten hatte. Und dass sie vielleicht nichts anderes tat. Dass sie verdammt noch einmal tatsächlich seine Freundin war. Und dass sie jedes Recht hatte wütend oder verletzt zu reagieren, wenn er sie versetzte, mit ihm zu streiten, wenn er sie enttäuschte und  ihn einzufordern, wenn er ihr zu wenig war. Dass uns nicht einmal viel trennte – außer dem Fakt, dass sie jedes Recht auf eine Erwartung an ihn hatte. Und ich nicht.

In den kommenden Monaten taumelten wir zwischen der alten Flamme und der neuen Enge. Stritten und versöhnten uns wöchentlich. Nicht nur über gecancelte Dates, aufgeschobene Ehrlichkeit, nicht nur über sie, sondern auch über jede andere Frau. Wenn ich die Realität zuließ, wusste ich, dass ich nicht seine erste Affäre war – und wohlmöglich nicht die Letzte. "Mein Gott Lina, sie ist eine alte Freundin, die mich hier nur kurz besucht hat. Kann ich nicht mal mehr mit einer Frau sprechen, ohne dass du gleich ein Drama dahinter vermutest? Du bist ja vollkommen paranoid!", hatte er mir erst vor knapp einer Woche entgegen geschleudert, als ich auf dem Weg zu seinem Büro in zwei Kaffeebecher und braune Locken gelaufen war.
Wir verloren uns zwischen offenen Vorwürfen, verletzten Gefühlen und großen Worten, die in keiner Richtung länger als ein billiges Feuerwerk hielten. Nicht mehr miteinander, dafür war alles zu kaputt, aber auf keinen Fall ohne einander, dafür hing ich noch zu sehr in den Seilen, an ihm und der absichtlich blinden Hoffnung, das wir uns nur im zweiten Akt befänden. Jenem, den es geben muss, damit sich im dritten alles wenden, klären und dem Versprochenem im großen Finale gerecht werden konnte.

 

TAUBHEIT

Es war mehr als 1 Jahr her, dass er mich zum ersten Mal auf jener Rückbank geküsst hatte, auf der ich nun wieder saß, um zu ihm zu fahren, als mein Handy vibrierte. Facebooknachricht. Ich erkannte das Bild sofort. Die braunen Locken mit den zwei Kaffee.

Ob ich einen Moment hätte, fragte sie. Dass sie nicht wüsste, mit wem sie reden solle, schrieb sie. Dass ich ja seine beste Freundin sei und ihn darum kennen würde. Ob es wirklich stimme, dass er noch eine Freundin habe. Ob ich mir vorstellen könnte, dass er jene Frau jemals würde, oder ob er ihr das nur leer versprechen würde. Dass sie einfach nicht mehr wisse, ob sie ihm glauben solle, dass es ihr leid tue, dass sie mir all dies schreiben würde, aber dass sie nach 3 Monaten Affäre auch einfach nicht mehr anders könne. 

Alles was danach passierte, passierte wie in vollkommener Taubheit. Jener Taubheit, die mich auch jetzt wieder einnimmt, während ich mich zurückversetze, aufschreibe.

Ich klingelte, lief die Treppen blind nach oben und schlug zu. "Ich mach dich fertig! Ich lass dich so hochgehen", war das letzte, was ich ihm je ins Gesicht schrie, bevor ich aus dem Treppenhaus stürmte. Ich schaffte es noch um zwei Ecken, bevor ich an einer Hauswand zusammensackte und endlich mit jeder Faser begriff, was für jeden Außenstehenden unübersehbar gewesen war. Ich war nicht autonom in dieser Geschichte, ich konnte nicht alles haben, ich hatte hatte mich nicht aus freien Stücken für diese Affäre entschieden – sie war schlicht alles was ich hatte. Sie war der Rahmen, in dem ich mich beengte. Und das Absurde: es war nicht einmal die mangelnde Exklusivität, sondern die Lüge, die zum Dealbreaker wurde. Mit dieser Freundin hatte ich leben können, sie hatte ich mir klein reden, entsättigen und grau vorstellen können. Aber in diesem Moment, hatten sich die Karten verschoben. Nicht ich war die andere Frau, die braunen Locken waren es.
Und mit dem heutigen Tag begannen ihre 365 Tage, in denen sie schillernd, aufregend, anspruchslos und fabelhaft sein Leben bereichern durfte. "So wie du einen Mann bekommst, so verlierst du ihn wohlmöglich auch.."
Da ist was dran.

 

NACHBEBEN

Ob ich ihn fertig gemacht habe? Nein. Obwohl ich es mir oft ausgemalt habe. Ich hab oft überlegt ihr zu sagen: "In den letzten 365 Tagen? Gab es vielleicht ein paar Tage, an denen er dich nicht mit mir auf irgendeine Art und Weise betrogen hat. Und keinen einzigen, an dem er dir treu war." Das wäre die Wahrheit gewesen. Und ein kleiner Teil von mir, wollte es ihr nur unter die Nase reiben, als sie sie ein paar Monate später Arm in Arm an einem Sonntag sah. Das erste Mal in all der Zeit. Ich bin stolz darauf, dass dieser Teil nicht gewonnen hat. Warum? Weil ich maximal mein Gewissen erleichtert, mich über sie gestellt und ein letztes Mal traurige Überlegenheit demonstriert hätte. Sie noch einmal final gedemütigt hätte. Und: weil sie es am Ende zu jedem Zeitpunkt längst wusste. Weil es für sie nichts geändert hätte. Weil ich schon längst die Frechheit besessen hatte sie vorzuführen, ich musste es mir von ihr nicht noch bestätigen lassen.

 

OFF

Ich war in meinem Leben bereits beides. Betrogene und Mittäterin. Und dennoch bin ich auch jetzt, im Off, am Ende dieser Geschichte und 3 Jahre später noch immer der Überzeugung, dass nicht "die andere Frau" eine Beziehung final zerstört. Dass nicht jene Frau sich gegen eine Affäre, sondern jener Mann  sich für seine Beziehung entscheiden muss. Und dennoch könnte ich nie wieder the other one sein. Nicht aus idealisierten, moralischen Gründen, die sich jetzt wie eine Heuchelei anhören würden. Ich will keinen Drahtseilakt zwischen echtem Verstecken und falschen Versprechen. Ich will kein "Irgendwann". Und vor allem: ich könnte nie wieder einen Mann respektieren, in meine Nähe lassen oder gar lieben, dessen größtes und einziges Talent die Lüge ist, das er großzügig auch an mich weitergibt, bis ich ihm schließlich ähnle.

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Comments

    • Liebe Lina!
      Ich kenne nur die Seite der betrogenen Ehefrau und muss dir als solche sagen, dass du sehr gut und ehrlich geschrieben hast. Es gibt keine selben Situationen – wir sind alle nur Menschen und Handeln, fühlen und reagieren unterschiedlich!
      Ich habe mich früher immer über solche Geschichten gewundert….wieso denn die Ehefrau nichts bemerkt, obwohl bereits darüber gesprochen wird. Tja jetzt weiss ich, dass es möglich ist. Natürlich merkt man eine Veränderung – doch irgendwie will man es nicht wahrhaben. Und solange es keine Beweise gibt, sollte man nicht verurteilen… Alles nicht so einfach, wenn Gefühle im Spiel sind.
      In meinem Fall hat mich die Andere sogar vom Sehen gekannt – mich und unseren Sohn. Schlechtes Gewissen konnte ich keines erkennen, nicht einmal wenn ich mich jetzt nüchtern zurück erinnere. Trotzdem liegt, so finde ich, die Verantwortung bei solchen Affären immer bei dem Teil, der noch eine aktive Beziehung führt.
      Es kann Jeden treffen – der Blitz schlägt ein und man glaubt/weiss/fühlt, dass diese/r Andere der/die ein/e Richtige ist. Allerdings sollte man dann aber dem Partner gegenüber mit offenen Karten spielen und nicht lügen. Das ist nämlich der Teil der wirklich weh tut.
      Meistens stimmt es auch nicht, dass zwischen dem aktuellen Partner und dem/der Betrügenden nichts mehr läuft, bzw. keine Gefühle mehr da sind. In der Phase werden beide Parteien belogen.
      Dir liebe Lina möchte ich für deine offenen Worte danken. Du hast sehr wohl ein Gewissen, denn ab dem Zeitpunkt als du diese Frau das erste Mal von Angesicht zu Angesicht gesehen hast, hattest du ein schlechtes Gewissen.

  • Liebe Lina,
    das ist ein wirklich wahnsinnig gut geschriebener Text. Ein langer Text, den man gerne liest. Ein Text, der viele Aspekte beleuchtet und auch differenziert. Vor allem, weil du dir eingestehst, dass du das aufregend fandest und das ist einfach nur ehrlich!

    Ich habe dazu auch eine sehr nüchterne Einstellung: Die „anderen Frau“ ist nicht in der Verantwortung für eine Beziehung. Sondern der Mann.
    Nur sich selber sollte man dann nicht betrügen, z.B. dass er sich doch für dich entscheidet und gegen die Freundin. Das endet meistens wirklich schlecht. Und will man mit jemandem zusammen sein, der betrügt…?

  • Ganz groß Lina! So mutig und so wahr. Genauso fühlt es sich an. Ich denke man kann es nur verstehen oder nachvollziehen, wenn man sowas selber erlebt hat. Wenn man weiß wie soetwas passieren kann…

  • BRAVO, Lina!
    Ich lese seit einigen Jahren deinen Blog. Heute, motiviert durch eine ähnliche private Situation, möchte ich dir meinen Respekt und meine Wertschätzung deiner Arbeit aussprechen. Du bist mutig -und das ist wichtig und vorbildlich.
    Mach weiter so. Es gibt so viele junge Frauen, de nen du durch die Auswahl verschiedener Themen, die uns beschäftigen, sehr hilfst, oder einfach nur unterhälst.
    Bitte, bitte weiter so!

  • Liebe Lina,
    welch tolle Kolumne. Ich selbst,habe mich in einigen
    Sätzen wiedererkannt… Auch ich war mal „die andere“… Am Anfang war es, wie du es beschreibst, absolut toll, man hat sich tatsächlich sehr begehrenswert gefühlt… Einige Monate ging es so. Und jetzt: ( vielleicht gibt es das auch nicht oft) bin ich mit ihm zusammen, er hat sich für mich entschieden… Also manchmal kann es auch so laufen…

    • Bist du dir sicher, dass er sich für dich entschieden hat? Woher weißt du, dass die damalige Freundin die Situation nicht durchschaut und ihn verlassen hat? Warst du somit diejenige, die übrig blieb?

      Ich finde in dem Text wurde sehr gut beschrieben, dass eben beide! Frauen belogen wurden. Woher weißt du, dass er dahingehend ehrlich zu dir war? Woher weißt du, dass er sich aktiv und ganz bewusst für euch entschieden hat?

      Danke Lina, für deinen sehr ehrlichen Text!

  • Du sprichst mir aus der Seele. Ich war lange in deiner Situation. Nur haben wir beide betrogen und letztendlich ist das Thema vorbei. Unsere Ex-Partner sind Geschichte. Ich bin jetzt seine Nr.1 und er meine 🙂 Er hat alles für mich aufgegeben, genau wie ich für ihn und immer wenn ich denke, dass es meinerseits das Letzte war, weiß ich tief im Inneren das jede Geschichte zwei Seiten hat. Einen Betrüger und einen Mensch der es zulässt.

    Liebe Grüße

  • ich hätte nicht gedacht, dass der text so gut sein würde. nicht, dass ich es dir nicht zugetraut habe, sondern weil das thema in meinen augen so eindimensional ist.
    dieser text hat mich echt beeindruckt. ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas lesen würde und weder: ‚oh, jetzt finde ich es gerechtfertigt!‘ noch: ‚irgendwie kann ich sie jetzt nicht mehr so authentisch finden mit ihren idealen.‘ denken würde. und doch geht es mir jetzt so. ich finde es so stark, wie du es geschafft hast, deine position nachvollziehbar und nachempfindbar und die anziehung und reize dieser situation jemandem, der sie gar nicht kennt, verständlich zu machen ohne dabei einmal den anschein zu erwecken du wolltest einen schulterklopfer haben und ein: so schlimm ist es ja nicht du warst eben (hier rechtfertigung einfügen). du willst keine entschuldigung dafür hören, deswegen konnte ich diesen text lesen ohne dass du in meinen augen an achtung oder authentizität verloren hättest. im gegenteil.
    ich ziehe echt meinen hut vor dir, Lina. ich finde es beeindruckend wie aufrichtig und reflektiert du diese geschichte geschrieben hast. man merkt, dass dies wirklich eine erfahrung für dich war die lange nachhallt. ich bin dankbar für diesen text. er hat meine meinung zum thema untreue keinesfalls geändert, eher im gegenteil. aber ich habe glaube ich vergleichbares noch nie gelesen.

    danke

  • Liebe Lina,

    Ich verstehe, warum du Angst hattest, den Artikel zu veröffentlichen. Umso besser finde ich es, dass du dieses Tabuthema angesprochen hast. Danke für deine schonungslose Ehrlichkeit!

  • Oh mein Gott… soll ich dir was sagen.. dass, was du erlebt hast, erlebe ich gerade JETZT.

    Ich war immer dagegen… wollte nie die Frau sein, die eine andere Frau hintergeht oder mitmacht. Und jedoch… als er mich endlich überzeugt hatte… fühlte es sich so wunderbar und gut an, bis ich mich relativ schnell verliebt habe. Immer Hoffnung hatte, dass er Schluss macht. Ich konnte nie verstehen, warum er zwei Frauen gleichzeitg hatte und sich doch so gut fühlen konnte. Er sagte immer, er würde sie lieben, sie wäre etwas besonderes für ihn, aber sie gefiele ihm nicht mehr so gut.
    Ich wäre da genau anders… verrückter, offener, witziger.
    Irgendwann ist man nur noch am streiten und versöhnen, das stimmt. Und es stimmt auch, dass man die Leichtigkeit verliert, bis es irgendwann zu Ende ist.

    Ich bereue es nicht… denn dieser Mann hat mir sehr viel gegeben. Jedoch würde ich es nie wieder ein zweites Mal tun. Denn es tut einfach weh, die zweite zu sein. Sich immer Hoffnungen zu machen und immer so zu tun, als würde man ihn nur flüchtig kennen. Und noch schlimmer… seine Freundin auch noch zu kennen.
    Man will niemals die Betrogene sein- aber tut es dennoch auf einer anderen Ebene.

    Danke für deinen Text!

  • Atemberaubend irgendwie… ich finde keine Worte.
    Ich kann mich nur für deine Gedanken und Worte die du mit all den Menschen teilst danken!

  • Dein Mut hat sich gelohnt, Lina! Meiner Meinung nach einer der besten Texte, die du je geschrieben hast.
    Danke für dein Vertrauen, uns derart Einblick in dein Privatleben zu gewähren.

    xx

  • Dieser Text trifft mich ins Mark.
    Diese Affäre bestimmte mein ganzes 2015 und ich erhole mich gerade erst wieder. Er ist ein Kollege, er ist seit 25 Jahren verheiratet und ich war die andere. Eine von vielen, wie sich rausstellte. Nicht gleichzeitig, aber es gab andere, für die er „sich die Hand abhacken würde“. Ich war keine davon. Ich habe ihn geliebt, er mich nicht.
    Er hat seine Frau inzwischen verlassen, hat sich in eine andere verliebt, die selbst in einer Beziehung steckt. Eines habe ich erkannt: auch wenn man vermeintlich die Muse ist (auch diese Vokabel – ein einziges DejaVu), unglaublich magische, intime Momente, heißen Sex teilt: diesen Männern (oder je nachdem auch Frauen) geht es nie um dich, sondern immer nur sich selbst. Womöglich sind sogar tiefe Gefühle im Spiel, aber sie sind nur zum Spielen da.
    Das war eine sehr schmerzhafte Erkenntnis für mich.
    Besonders für den letzten Absatz danke ich dir. Ich kann ihn nur noch innerlich verachten, nach außen habe ich meinen Frieden langsam geschlossen. Er glaubt immer noch, dass ich die beste Freundin bin, die er je hatte.
    Ich empfinde vor allem Schuld mir selbst gegenüber. Warum habe ich es zugelassen, zu etwas zu werden, dass ich nie wollte? Warum habe ich mich so klein machen lassen, das Spiel mitgespielt? Diese Fragen zu beantworten, wird mein 2016 sein. Und dann geht der Schmerz irgendwann vorüber. Ich hoffe es.

    Vielleicht ist das eine der Erfahrungen, die man mal machen musste, um voran zu kommen. Ich würde es jedem ersparen, wenn ich es könnte. Schön zu lesen, dass du so stark bist. Ich orientiere mich daran.

    Alles Liebe
    S.

  • Liebe Lina,
    seit du auf Twitter davon sprachst, warte ich gespannt auf diesen Text. Und es hat sich so gelohnt! Respekt vor deine Aufrichtigkeit!
    Insbesondere dem Part, dass nicht die andere Frau die Beziehung zerstört, stimme ich so zu! Und halte ich für so wichtig!
    Genauso wie du hatte ich früher eine andere Einstellung zu Frauen, die mit den Männern anderer Frauen schlafen. Heute sehe ich es ganz klar so, dass ich nicht verantwortlich bin für die Beziehung anderer. Das bedeutet nicht, dass ich meinen Freundinnen nicht auch die Wahrheit sagen würde, wenn ich etwas über ihre Männer wüsste, aber von den Frauen der Männer, mit denen ich was habe, halte ich mich üblicherweise fern. Ich habe keine Beziehung zu Ihnen, fühle mich nicht verantwortlich.
    Wie deine Geschichte geendet ist, ist hart, aber vermutlich war es für dich in dieser Lage notwendig?
    Es kann auch anders sein. Ich wusste, dass er verheiratet ist und ich wollte nie, zu keiner Zeit, dass er sich trennt. Unsere Anziehung war wahnsinn, ich war süchtig nach dem Verständnis zwischen uns, wie wir funktionierten. Aber ich wusste immer, dass es endlich sein würde. Er fehlt mir heute noch manchmal, aber ich wusste es ja vorher…
    Es gibt einen weiteren Mann, den ich selten sehe, aber wenn, passiert es immer. Es entsteht aus dem Moment heraus, mit gutem Wein,guten Gesprächen. Wir wollen miteinander keine Beziehung, aber in diesem Moment wollen wir einander. Wir er das mit sich und seiner Beziehung vereinbart, tangiert mich nicht.

    Noch eine Sache unterschreibe ich so: mit so einem Mann möchte man keine Beziehung. Ich könnte niemals mit jemandem, den ich aus einer Affäre heraus kenne, eine Beziehung haben. Aber das war auch nie mein Ansinnen.

    Danke für eine mutigen und offenen Text!

  • So ehrlich und mutig, großartig!
    Ich habe mich in deinen Sätzen so sehr wieder gefunden . Auch ich war mal die „andere“ . Mir ging es fast genauso wie dir nur wusste ich nie von der Freundin , ich war immer nur die Affäre mit der er eben nichts ernstes wollte. Lag natürlich nie an mir er war nur gerade nicht auf eine Beziehung aus . 1,5 Jahre später ist dann die große Bombe geplatzt. Im nach hinein muss ich sagen das ich es nie wirklich bereut habe . Ich habe nur verdammt viel dabei für mich selbst gelernt. Er war am Ende nur das dumme miese Arschloch ..,
    Noch einen schönen Sonntag !
    Myriam

  • Ein wirklich toller Text. Eine Achterbahn der Gefühle, so wie das Leben nun einmal ist. Nicht schwarz-weiß sondern bunt. Zwischen Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt.

    Eine Verurteilung in deine Richtung empfände ich als unangebracht.

    LG Jessi

  • Liebe Lina,

    ich kommentiere sehr selten aber deine Kolumne trifft es perfekt.
    Ich bin in genau der selben Situation, nur wusste ich es am Anfang nicht und bin aus allen Wolken gefallen, als seine Freundin mir irgendwann geschrieben hat ich solle doch ihre Beziehung nicht kaputt machen. Die meiner Meinung nach sowieso schon kaputt ist, wenn der ein Partner mit einem (bzw. auch bei ihm garantiert mehreren) anderen schläft.
    Ich hatte teilweise schon ein schlechtes Gewissen, aber im Endeffekt kam ich doch immer nicht von ihm los. Zwei Wochen Trennung, zwei Wochen große Liebe, zwei Wochen Trennung usw. …
    Letztendlich hat den Ausschlag gegeben, dass ich sein Profil bei tinder gefunden habe. Ich kann dich also gut verstehen, eine andere Frau konnte ich tolerieren, aber mehrere sind wirklich eine Frechheit. Man sollte meinen, dass zwei Frauen, die alles für ihn tun, reichen sollten.
    Am schlimmsten an der Sache ist, dass dann auch noch gefordert wird, man sollte doch bitte treu sein während er ganz offen eine andere hat. Sowas macht mich aggressiv.

    Ich finde jedenfalls wirklich mutig und gut, dass du auch mal die andere Seite darstellst. Denn nicht alle „anderen Frauen“ wollen damit bewusst der Freundin wehtun, sie tun im Endeffekt viel mehr sich selber weh.

    Liebe Grüße, ich freue mich auf die nächste twenty something column!

  • Lina!
    Mir fehlen die Worte- ein wahnsinnig aufrichtiger und authentischer Text
    Die schmale Gratwanderung ist dir grandios gelungen
    Danke für so viel Mut und Rückrat
    Anna

  • Hey Lina, ich kann deine Angst diesen Post zu veröffentlichen gut verstehen.
    Ich finde deine Post verdammt gut!
    Man kann wirklich sehr gut mitfühlen.
    Man kann sich sehr gut hineinversetzen.

    Ich wünsche dir von ganzem Herzen das du irgendwann auf einen fantastischen Typen triffst der dich genau so liebt wie du bist und nur Augen für dich hat!!!
    Für den du die einzige bist!

    Deine Posts treffen immer genau den richtigen Punkt. Man hat das Gefühl mit dir als eine Art „Freundin“ auf dem Sofa zu sitzen.. während du dir alles von der Seele redest.

    Viele liebe Grüße aus Salzwedel. 🙂
    Schade das man dich noch nie angetroffen hat.
    Und wenn will man dir ja auch nicht zu nahe treten. 🙂

  • Moin Lina,

    schöner, ehrlicher Text! Und ich kann mich ein bisschen darin wiederfinden.
    Mit 20 Jahren war ich auch eine Affäre.
    Für uns war klar, es ging hier nur um Sex. Wenn wir ins Kino gingen, dann nur, damit wir danach Sex haben könnten. Wenn wir etwas trinken gingen, dann nur, um nicht gleich ins Bett zu springen.
    Wir unterhielten uns über Gott und die Welt. Ab und zu über seine Frau. Ich wusste das sie Ärztin in einem Krankenhaus war, dass sie jedes zweite Wochenende 48Stunden Schichten schob und das sie vor ein paar Jahren geheiratet hatten. Sie war das genaue Gegenteil zu mir, äußerlich als auch vom Charakter. Sie, die andere Frau war mir egal. Ich dachte mir, dass ich nur einmal jung sein würde und ich wollte meinen Spaß. Ich wollte ihn aber nicht für eine Beziehung, sondern nur für Sex. Die Fronten waren in der Hinsicht geklärt und so gab es nie irgendein Drama oder gezicke.
    Zwei Jahre lang hatten wir Spaß, viel Spaß. Wir waren zusammen im Urlaub, etliche Male im Kino, auf Ausstellungen, Städtetripps und wir hatten verdammt oft, verdammt guten Sex!
    Ich hatte nicht einmal moralische Bedenken und wollte nie wissen, warum er seine Frau mit mir betrog. Es würde seine Gründe haben, die mir herzlich egal waren.

    Dann lernte ich jemanden kennen, ich beendet die Affäre, da ich auf Wolke 7 schwebte und mir nicht vorstellen konnte meinen neuen Freund zu hintergehen. Wir schmiedeten nach fast vier Jahren Beziehung Hochzeitspläne. Doch dann, ich nenne es Karma, fand ich heraus, dass mein (mittlerweile Ex) Verlobter eine Affäre hatte. Wenn ich arbeiten oder an den Wochenenden,meine Familie in der Heimat besuchte, trafer er eine andere Frau. Diese Erkenntnis war für mich ein Schlag ins Gesicht und plötzlich wusste ich wie es war, wenn der Mann, den du liebst dich hintergeht. Es tat weh, sehr sogar. Für mich brach einen Welt zusammen und ich wusste nun wie sich die Ehefrau des Mannes fühlen musste, dessen Affäre ich gewesen bin. Es war ein scheiß Gefühl! Plötzlich fragst du dich „War er mir ihr auch hier?“ , „Hatten sie Sex in UNSEREM Bett?“, „Hatte er Gefühle für sie?“ und vor allem „Warum? Was fehlte ihm? Was hat sie, was ich nicht habe?“
    Es war eine schlimme Trennung, ich habe Wochen lang geheult und mich bei Mama verkrochen. Aber eines wurde mir nach dieser Erfahrung klar: niemals würde ich nochmal die Affäre eines Mannes sein wollen. Denn es ist wirklich sehr verletztend und demütigend, wenn dein Partner dich hintergeht. Und ich möchte nicht nochmal der Grund sein, warum ein Mann dieses tut. Ganz nach dem Motto: was du selber nicht erleben möchtest, dass füge keinem anderen zu.

  • Ich bin gerade aus einer Beziehung raus wegen „der anderen Frau“ und ich stimme dir vollkommen zu, das der Mann sich für seine Beziehung entscheiden muss und gegen eine Affäre, dennoch finde ich es nicht in Ordnung sich in bestehende Beziehungen einzumischen. Ja, er mag erzählen, dass er sie nicht mehr liebt, da nichts mehr läuft etc. aber wäre es so gäbe es die Beziehung nicht mehr. Ich verstehe Frauen nicht die sich auf so etwas einlassen, denn seien wir mal ganz ehrlich wenn er es in seiner jetzigen Beziehung tut, sich tatsächlich für seine Affäre trennt, wird er es in der Beziehung die aus dieser Affäre geworden ist ebenso tun. Und fines muss man sich einfach ganz klar vor Augen führen Männer können Affären nur beginnen weil es immer fine Frau gebrn wird, die sich auf seine Lügen einlässt statt den Anstand zu haben zu sagen, du willst mich, dann solltest du keine Beziehung haben. Vergebene sollten immer tabu sein, weil niemand sollche Verletzungen ertragen möchte, sollte man auch niemanden solche Verletzungen zufügen. Ich will damit sagen jede Frau die sich auf eine Affäre einlässt trifft Mitschuld denn sie müsste es besser wissen und sollte nicht fürs eigene Selbstwertgefühl mitmachen, denn das ust es doch, der Gedanke man sei viel besser als die Freundin, das Gefühl überlegen zu sein. Das Die Affäre irgendwann genauso endet ist dem Verhalten von Frauen geschuldet die sich auf Affären einlassen. Denn würden wir Frauen uns auf soeteas nicht mehr einlassen hätten Männer auch krinen Grund mehr dazu sich so zu verhalten, mit der Aussage er hätte müssen zieht man sich demnach etwas aus der Affäre obwohl rs natürlich so ist. Dennoch sind es Frauen die sich auf Affären einlassen, die daran schuld sind das Männer es immer wieder versuchen.
    Ja ich sehe es sehr gradlinig ich hab das jetzt aber auch mehrmals durch und mittlerweile bin ich nicht mehr allein leidtragende, in dieser Beziehung gründete ich eine Familie, und „die Andere“ in meinem Fall denkt sich wahrscheinlich gerade auch, das sie ein ganz besonderer Mensch sein muss denn er hat sich nachdem ich die Trennung aussprach ja direkt für sie und gegen seine Familie entscheiden obwohl hier 2 kleine Kinder sind und wir das 3. erwarten. Sie denkt sich ja der Kampf hat sich gelohnt ich hab gewonnen muss ich toll sein das er das alles für mich kampflos aufgibt, oder? Sie weiß nur nicht auf wen sie sich eingelassen hat.
    Ich möchte damit auch nur sagen wir Frauen sollten uns nicht auf solche Männer einlassen und wir sollten uns gegenseitig so sehr respektieren, dass es Männern irgendwann einfach nicht mehr gelingen kann eine Affäre zu beginnen. Mädels lasst euch nur auf freie Männer ein die Vergebenen belügen nämlich nicht nur ihre Frauen und euch sondern am meisten sich selbst.
    Und zum Schluss Hut ab der Artikel ist so geschrieben wie ich mir die Situation immer vorgestellt habe, jeder macht mal Fehler und du hast ja scheinbar daraus gelernt.

    • Ich finde es einfach nur traurig wieviele Frauen sich scheinbar zu so einer Schandtat verführen lasse wenn ich mir hier nur einen Bruchteil der Kommentare durchlese ! Der Text ist sehr gut geschrieben dennoch finde ich gibt es für solch eine Aktion einfach keinenArtikel der gut genug erklärt sein kann um soetwas zu rechtfertigen. Absolut keinen Respekt für die, die trotzdem denken es wäre ok ! Menschen sollten sich gegenseitig respektierteren und nicht ausstechen oder gegeneinander kämpfen!!!

    • Selbst wenn sich alle Frauen soweit respektieren, dass sich keine an vergebene Männer ranmacht, so wird es immer Männer geben, die ihren Ehering in der Hosentasche lassen, vor dem Ausgehen ihr Hintergrundbild ändern und „Schatz“ einfach umbenennen. Solange es Männer (oder anders herum auch Frauen) gibt, die Betrügen wollen, dann werden sie es auch tun und einen Weg finden. Und dabei muss die „Mittäterin“ nicht einmal davon wissen.

    • Hey Chrisi,

      ich verstehe, warum du so wütend bist und würde an deiner Stelle genau so eine Wut empfinden. Ich will deine Meinung auch überhaupt nicht kritisieren, ich finde nur, du siehst es etwas einseitig. Es gibt doch auch so viele Frauen, die vergeben sind und sich auf Affären einlassen. Und letztendlich lassen sich Menschen, egal ob Mann oder Frau, doch nur auf andere Partner ein, weil sie in der eigenen Beziehung unglücklich sind, sich aber nicht trauen oder sich nicht eingestehen wollen, dass sie es sind. Ich bin trotzdem der Meinung, dass eine Affäre anzufangen absolut nicht in Ordnung ist, spätestens nach einigen Wochen/ Monaten sollte derjenige, der die Affäre hat, klare Kante schaffen..
      Ich wünsche dir für dich und deine Familie nur das beste!

    • Ich glaube, dass ist ganz einfach zu erklären, warum sich eine Frau (die zuvor noch keine Erfahrungen mit vergebenen/verheirateten Männern gemacht hat) auf einen gebundenen Mann einlässt:
      Gefühle. Er ist heiß, er ist charmant, er flirtet, er gibt dir das Gefühl etwas besonderes zu sein.
      Alles herum blendest du aus.

      Ich war auch einmal die „andere“. Das passiert einem, wenn man mit der Rolle nicht glücklich war, kein zweites Mal.
      Aber das erste Mal, kann sowas passieren.
      Es arbeitet in der Situation IMMER das Herz gegen den Verstand. Und das Herz gewinnt solange, bis der Körper so dünnhäutig ist, dass er zusammenbricht und nicht mehr kann.

      Und, um auch einmal den „Fremdgeher“ in „Schutz“ zu nehmen: Dem kann das ähnlich ergehen: Herz gegen Verstand.
      Nur, dass er daheim seinem Partner täglich ins Gesicht lügt, während die Affärenfrau alleine daheim sitzt und die Ehefrau/Freundin nur als „Name“, aber nicht als Person wahrnimmt.

      Und auch die betrogene Ehefrau kämpft den Kampf Herz gegen Verstand.
      Sie kapiert, dass irgendwas anders ist. Sie hat einen Verdacht. Sie kennt ihren Mann ja schon lange.
      „Wenn ich es herausfinde, dann finde ich vllt. die Wahrheit heraus,… dann trenne ich mich von ihm. Ich will mich nicht von ihm trennen. Ich warte einfach mal ab“.

      Nartürlich ist jeder Mensch anders.
      Aber eine Affäre funktioniert nur, wenn alle drei mitspielen. Der, der betrügt, der, der betrogen wird und derjenige, mit dem betrogen wird.
      Ansonsten fällt das Konstrukt wie ein Kartenhaus zusammen (was auch oft passiert, sobald einer der Parteien nicht mehr „mitspielt“).

      Es ist einfach die eigene Moral, die sich in verschiedenen Lebenssituationen (und da ist niemand ausgenommen! Sei es bei Rot über Ampel oder zu schnell zu fahren, oder einem älterem Herren seinen Sitzplatz nicht anzubieten oder auch betrügen, stehlen, Drogen nehmen, usw.) individuell verschieben lässt.

      und das Motto: „ja, ich weiß, aber mit uns ist das ja was ganz was anderes…“

  • Ich war auch die andere. 3 Jahre lang. Es war am Anfang die schönste und am Ende, als es es eine neue andere gab, die schlimmste Zeit im Nachhinein betrachtet. Danke für diesen Text!

  • Sehr sehr guter text!
    Ich war bereits beides in einem. Betrüger und Affäre, ich war in einer Beziehung genauso wie der Mann mit dem ich betrog. Eine Zeit lang war es unheimlich magisch, wunderbar, all das was einem in der Beziehung fehlt. Ich habe lange damit gehadert, vor allem mit der Tatsache das ich danach niemals ein schlechtes Gewissen meinem Freund gegenüber hatte. Irgendwann haben wir uns alle 4 kennen gelernt, ich fand es unheimlich weird ein teil eines grossen bösen Geheimnisses zu sein. Den letzten Teil den du beschreibst kenn ich auch nur alzu gut, er meldet sich bis heute immer dann wenn er mit seiner Freundin krach hat, obwohl ich das von anfang an immer abgelehnt habe.

    Danke!

  • liebe lina,

    danke für deinen text. ich hatte zu beginn die befürchtung, es würde am ende um eine stilisierte art der affäre gehen. eine, bei der du die eine frau bist, die einen solchen betrug rechtfertigen könnte. dass du dermaßen selbstreflektiert über deine damalige situation schreiben kannst – zumindest nehme ich an, dass deine kolumne auf den wirklich von dir gemachten erfahrungen beruht – davor habe ich wirklich respekt. ebenso davor, dass du dich nicht über die freundin des mannes stellst oder die schuld für seinen betrug bei ihr suchst. am ende klingt es ja auch nicht ausschließlich wie ein betrug an ihr, sondern eben auch wie ein betrug an dir. außerdem: zuzugeben, dass man schönen worten gern geglaubt hat und am ende eben nicht die eine war, dazu gehört auch mut. ich schreibe dir das hier, weil ich so angenehm überrascht war von dieser geschichte. ich lese hier kein hintergründiges fishing for compliments heraus, keinen verzweifelten versuch der selbstdarstellung, aber auch keine unnötige rechtfertigung gegenüber deinen lesern. das unterscheidet für mich persönlich diese von den meisten anderen blogger-kolumnen, die mir bekannt sind. dieser authentische text hat mich heut abend noch einmal sehr zum nachdenken gebracht; über leidenschaft, die liebe und die komplexe und verrückte art zwischenmenschlicher beziehungen. danke dir für das veröffentlichen dieses textes!

    • Same here!
      Ich hatte auch eine andere Erwartung an den Text, bin aber froh, dass diese nicht erfüllt wurde.
      Dein Text hat sicherlich viel Mut & Kraft gekostet, da er so ehrlich und selbstreflektiert wirkt. Wie du über die anderen beiden Frauen redest, finde ich fast schon bewundernswert.

      Deine Texte gehen mir so ans Herz, Lina.
      Danke, dass du deine Geschichten immer wieder mit uns teilst.

    • Es ist natürlich schwierig sich für so einen Text loben zu lassen, ohne dass der Beigeschmack entsteht, ich würde ein Schulterklopfen für den Content wollen – und trotzdem: Dankeschön. Das ist das beste Kompliment, das ihr mir schreiberisch und sicher auch persönlich machen konntet, denn genau das habe ich gewollt, als ich hier saß und jeden Satz an die richtige Stelle rücken wollte. Danke.

  • Dein letzter Satz??
    Goldwert..sowas von auf dem Punkt gebracht!!
    genau dasselbe habe ich auch erlebt. Das große Talent des Lügens… danke.. hat mir jetzt den letzten Anstoß gegeben…dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen <3

  • Ich habe die Kolumne sehr gerne gelesen, obwohl ich sagen muss, dass ich Gott sei Dank beide Situationen so noch nicht erlebt habe…weder Betrogene noch Betrügerin, interessierte mich die Story doch sehr. Gut von mehreren Seiten beleuchtet und interessant geschrieben. Ich kann zu diesem Thema Hera Linds „Die Frau, die zu sehr liebte“ wärmstens empfehlen. Roman nach einer wahren Geschichte und ich habe die knapp 500 Seiten in einer Nacht verschlungen.

  • Dein bester Text. Etwas anderes fällt mir dazu nicht ein.

    Deine Worte werden wohl noch eine ganze Weile in meinem Kopf nachhallen. Danke, dass du diese Geschichte mit uns allen geteilt hast.

  • Ein sehr wahrer Text.
    Ich bin leider auch in einer ähnlichen Situation. Nur das ich nicht von ihm weg komme. Wir küssen uns nicht mehr, sagen nicht mehr Ich liebe dich, aber die Blicke und zufälligen Berührungen bleiben….
    Ich wünschte ich könnte wütend auf ihn sein so wie du. Vielleicht könnte ich dann mit ihm abschließen.
    Liebe Grüße

  • Wer weiß ob du das hier veröffentlichst, vermutlich nicht, ich schreibe es trotzdem, weils mir ausreicht, dass du es liest.

    Ich bin entsetzt und angewidert über diesen Text, über die Art, wie du die Schuld von dir weist, über die Art wie du über seine Freundin sprichst, über die Art wie du alles rechtfertigst, dich als Opfer und ihn als einzigen Bösewicht darstellst.

    Ja, die meisten von uns haben in ihrem Leben schon mal jemanden geküsst, gef**** oder geliebt, bei dem sie das besser nicht tun hätten sollen und ja, ich stimme dir zu, dass der Mann sich gegen die Beziehung und für die Affäre entscheidet und in deinem Fall war es wohl ein besonders schlimmes Exemplar „Mann“. Allerdings bist du keinen Deut unschuldiger, kein Stück besser. Auch jetzt noch, musst du die Freundin klein machen, auch jetzt noch stellst du sie als naiv und „klein“ dar.

    In deinem Fall war es Instant-karma und ich habe keinerlei Mitgefühl mit dir, im Gegenteil es hat mich gefreut zu lesen, dass sich seine neueste Affäre ausgerechnet Rat bei dir gesucht hat.

    Die Tatsache, dass du das 1 Jahr mitgemacht hast ohne offensichtlich auch nur einmal ernst eine Trennung zu verlangen, standhaft zu bleiben und nicht die Beine breit zu machen, wenn er mit falschen Versprechungen ankommt, machen dich nicht nur zur Komplizin sondern mit zum Hauptangeklagten und selbst wenn es in der Liebe selten schwarz und weiß gibt, so gibts das hier: Wer wissentlich jemand anderen betrügt, wer wissentlich über 365 Tage „die Andere“ ist, ist in diesem Fall die Böse und das zu relativieren machts nur noch schlimmer.

    Ich verspüre bei dem Text keine Reue für deine Fehler, sondern ein „schön reden“, ein „schuld von sich weisen“ … und das ist nicht ok, das ist nicht sexy, das ist nicht aufregend, das ist einfach nur traurig und armselig. Vorallem weil es eine super rechtfertigung für all die Fremdgeher da draußen ist. „Aber der Kerl ist doch Schuld, er hat ja die Freundin“ „Aber ich hab doch … “ „Aber ich wollte doch …“

    • Klar veröffentliche ich deinen Kommentar und ich hab sicher auch mit genau so etwas gerechnet, egal wie schlimm ich deine Sichtweise finde, egal wie falsch du diesen Text verstanden hast (und das hast du leider in jeder Zeile), er hat dich getroffen und du willst dir Luft machen. Ich fühle mich irgendwie auch nicht im geringsten von deinen Worten getroffen, weil du eben so gar nicht jenen Text beschreibst, den ich hier veröffentlicht habe, es fühlt sich eher an, als hättest du einen ganz anderen gelesen – oder lesen wollen.
      Ich wage zu vermuten, dass du gerade oder vor einiger Zeit betrogen worden bist und hey, ich hab auch ein paar Momente in meinem Leben genau so gefühlt und gedacht wie du. Es ist nur so: die Rechtfertigung für die Männer da draußen, die in ihren Beziehungen untreu sind, die liefere nicht ich, sondern gerade du :/

    • Hallo Sophia. Lina war single. Wen also hat sie betrogen? Niemanden! Warum wird „die Andere“ für dich zum Hauptangeklagten? Sie war frei und konnte machen, was sie möchte. Er allein beging den Betrug, da er eine Freundin hatte. So lange diese keine Freundin von Lina war, hat sie auch niemanden betrogen. Allein der Kerl kann seine Freundin betrügen. „Die Andere“ kann keine ihr fremde Frau betrügen.

    • Hallo Sophia. Warum ist „die andere“ die alleinige Böse? Der Mann in der Beziehung entscheidet sich für oder gegen eine Affäre. PUNKT. Da kommt kein wenn, kein aber. Wenn es diese eine Affäre, in diesem Fall Lina, nicht gegeben hätte, dann eine andere. Das Übel sind nicht die Frauen, die sich darauf einlassen, sondern die Männer, die danach suchen und es durchziehen und damit ihre Frauen zerstören.

    • Dass die Wut oftmals nur auf die Frauen – in dem Fall „die Anderen“ gerichtet wird verstehe ich auch nicht.

      „Das Übel sind nicht die Frauen, die sich darauf einlassen, sondern die Männer, die danach suchen und es durchziehen und damit ihre Frauen zerstören.“
      Und wenn man es so furchtbar findet, wie der Mann mit der Frau/Freundin umspringt oder wie du es sagst sie regelrecht zerstört – wieso unterstützt man ihn dann darin und macht sich somit zur Komplizin? Ich finde nicht, dass man sich als Affäre da gänzlich aus der Verantwortung ziehen kann oder (und damit würde ich noch einen Schritt weiter gehen) sogar darf. Damit macht man es sich ganz schön leicht und meines Erachtens selbst was vor.

    • Hallo Theresa, nein, das wollte ich auch nicht ausdrücken. Wer sich bewusst auf die Affäre zu einem Vergebenen einlässt und sieht, dass er/sie keine Klarheit in der Beziehung schafft und das dann stumm hinnimmt, macht sich ebenso schuldig. Ich meinte damit nur, dass es falsch ist, dass die Affäre die alleinige Schuld trägt und der Betrüger so oft eine zweite Chance gibt. Der Betrüger trägt die Hauptschuld. Eine wissende Affäre macht sich mitschuldig. Natürlich, verlieben kann sich jeder ungewollt und plötzlich. Aber man sollte dann auch klare und vor allem für alle Beteiligten faire Voraussetzungen schaffen.

    • Hallo Christin,

      wenn es keine Frauen gäbe, die die Rolle der Affäre einnehmen, hätten diese Männer ja auch nicht die Chance zu betrügen. Das ist aber nicht die Realität. Ich finde es auch sehr mutig von Lina dieses Thema anzusprechen, denn damit bekleckert man sich bei weitem nicht mit Ruhm. Ich sehe es allerdings auch so, dass man sich als „andere Frau“ nicht moralisch aus der Affäre ziehen kann. Auch wenn die andere Dame fremd ist, schulde ich fremden Personen rein gar nichts? Das wäre meiner Meinung nach eine traurige Welt. Das sieht Lina wohl auch nicht so, denn sie plagte ja sehr wohl ein schlechtes Gewissen.
      Ich würde mich fragen, warum ich einen Mann anziehend finde, dessen Frauenbild offensichtlich total daneben ist. Die „Gemütliche“ zu Hause, mit der man zu den Eltern fährt, die „Aufregende“ draußen, mit der man heißen Sex hat. Klingt für mich danach, als wären Frauen zur reinen Zweckbefriedigung da. Was man bei der Einen nicht bekommt, holt man sich eben bei der Anderen und hat dann nicht mal so viel Anstand zu beiden ehrlich zu sein. Warum man das als Frau (auf beiden Seiten) wissentlich mitmacht, erschließt sich mir auf Grund des Textes nicht so ganz, aber das muss ich als fremde Person auch nicht verstehen.

    • Hallo Anna, ich glaube du hast nicht ganz verstanden, was ich sagen wollte. Ich erkläre es mal anders: Ich habe mich mal mit einem Mann getroffen, der, so sagte er, noch verheiratet, aber getrennt war. Selbst vor einem seiner Freunde sagte er, dass er mit seiner Frau nicht mehr zusammen sei und auf der Suche nach einer Wohnung wäre. Ich glaubte ihm. Er trug keinen Ring mehr am Finger, sie war nicht sein Hintergrundbild auf dem Handy. Doch als er eines Abends angerufen wurde, stand da plötzlich „Schatz“. Ich sprach ihn darauf an, er sagte, er habe es vergessen zu ändern. Und irgendwie hatte ich zwar versucht ihm zu glauben, aber ich konnte es nicht. Heute, zwei Jahre später, bin ich froh, damals direkt den Kontakt abgebrochen zu haben und das nicht „mehr“ passiert ist als einige Treffen und ein einziger Kuss. Denn er scheint, zumindest lt. seinem Facebook-Profil, immer noch verheiratet zu sein.
      Und genau das meinte ich damit, manchmal wird man zum „Täter“ gemacht, obwohl man nichts darüber weiß. Und solange es solche Männer und Frauen gibt, wird es nichts bringen, sich bewusst von vergebenen Männern fern zu halten, da man die Vergebenen von den Singles manchmal nicht unterscheiden kann.

    • Ich kann Sophia nur zustimmen…ich selber hätte es vielleicht nicht ganz so extrem geschrieben, aber für mich ist die Person, die wissentlich da mitmacht, nicht besser als der Typ deine seine Frau betrügt…

      Und ich glaube nicht den Text falsch verstanden zu haben….

  • Lina, ich glaube, das ist dein bisher bester Beitrag! Es passt einfach alles, Schreibstil, Story, deine ehrlichen Worte. Ich habe so mitgefühlt, obwohl ich mich bisher in keiner der beiden Positionen wiedergefunden habe. Hut ab! Du wirst immer noch besser! Liebe Grüße, Jasmin

  • Danke Lina – danke, dass Du dich getraut hast dieses „Tabu-Thema“ anzusprechen und danke, dass du immer so ehrlich und einfach authentisch bist.

    Ich selber war auch schon einmal die andere. Völlig bewusst.
    Mein „Glück“ war es, dass ich zu diesem Zeitpunkt mir vollkommen im Klaren war, dass ich eben nichts festes möchte und schon gar nicht ihn, da er ja schließlich jemand ist, der in einer Beziehung betrügt.
    Mein Problem war dann allerdings, dass er sich in mich verliebt hatte und dadurch habe ich das Ganze dann beendet. Denn nicht erwiderte Gefühle sind glaube ich das Schlimmste, was es bei so etwas gibt.

    Ich war aber auch schon einmal die, die betrogen wurde. Ich wusste es und ich habe es ihm durchgehen lassen. In der Hoffnung – dem Glauben – dem Wunsch, dass es alles bald wieder vorbei ist.
    Das Ende von dieser Geschichte war dann, dass ich beide zusammen in unserer Wohnung erwischt habe, eine Szene gemacht habe und er sie dann nach Hause gefahren hat. Drei Wochen später war dann Schluss. Jetzt ist er mit ihr seit 5 Jahren zusammen. Betrügt sie mit einer oder vielleicht sogar zwei anderen und sagt mir jedes Mal, wenn er mir trifft, dass ich die Liebe seines Lebens war / bin und es sein größter Fehler war.
    Tja, was bin ich froh, dass ich diesen Typen nicht mehr hab 😀

    Liebste Grüße
    AnnaTeresa

  • Hallo Lina,

    das ist der erste Blog-Post, den ich von dir gelesen habe, da ich durch eine Bekannte auf deinen Blog gestoßen bin.
    Ich möchte dir ein wahnsinnig großes Lob aussprechen, dass du diesen Text so schonungslos und unfassbar ehrlich geschrieben und veröffentlicht hast – er ist großartig und ich denke, dass viele ihn jetzt brauchen und noch brauchen werden.
    Danke dafür!

    Viele Grüße

  • Danke hierfür. Es ist wahnsinnig interessant mal die „andere Seite“ zu erfahren. Zu verstehen, wie sowas entstehen kann, und das es gar nicht so abwegig ist, dass es auch für die „Andere“ verletzend und schwer ist. Danach habe ich persönlich auch absolut kein schlechtes Bild von dir gehabt. Wir schalten alle mal unserer Hirn aus, wenn es ums Abenteuer geht und lassen uns von
    unseren Gefühlen lenken und hoffen vergeblich. Das ist menschlich, das ist Erfahrung. Du hast daraus gelernt, und das ist das Wichtige!
    Vielen Dank für so einen wunderbaren Blog Lina <3

  • Ich muss gestehen, dieser Text ist wirklich harter und ehrlicher Tobak.
    Egal ob man das Thema nun gutheißen will/kann/soll oder nicht.
    Der Text beschreibt eigentlich so im Grunde genau das, was ich mir bei sovielen Filmen, privaten Dramen und Büchern immer denke.
    „Warum zielt die Wut der Betrogenen immer auf die Affäre ab?“
    Natürlich ist es am Anfang leicht, die Person zu verfluchen, die im Grunde das Ende einer Beziehung preis gibt – als Fleisch und Blut. Nicht als Gefühl, nicht als Wort sondern als eine Person.
    Und ja es ist einfacher jemanden fremdes als „Buh-Mann“ zu bezeichnen, denn für diese Person hat man oftmals kein bereits existierendes Gefühl, keine Bindung – also lässt man der Wut freien Lauf.
    Aber im Grunde ist es leider auch so (und das in vielen Fällen) – wäre es nicht die, wäre es die nächste.
    Dabei gilt oftmals der Spruch “ Betrügt man einmal, betrügt man in der Regel immer wieder.“

    Diesen Satz sollten sich alle Betrogenen einmal genau durchlesen und trotz Kummer verstehen – dass es immer Gründe und Situationen gibt – wo man fremdgehen kann – kurzfristig oder langfristig.
    Allerdings zählt eben nur eines dabei – gibt man dem nach oder nicht?
    WENN dem nach gegangen wird – stimmt was mit der Einstellung/Gefühlen des Partners nicht. DAS ist das Problem, nicht die andere(n) Frau(en).
    (Natürlich gibt es auch Frauen die es darauf anlegen aber mal ehrlich, wer glücklich ist und eine monogame Einstellung hat – dem passiert das nicht bzw. kommt nie in eine solche Situation.)

    Ich bin ehrlich gesagt auch kein „Fan“ von Affären, dennoch würde ich nicht ausschließen wollen, dass das mir vielleicht auch einmal passieren könnte. Als Single ist man in vielen Dinge, ich will jetzt nicht sagen gelassener aber aufgeschlossener.

    Seine Dreistigkeit war schon… also ich war davon sprachlos und nicht über den Fakt, dass du eine Affäre wissentlich warst.
    So genug mit dem Exkurs.

    Ich nehme meinen leider unsichtbaren Hut ab liebe Lina und verneige mich. Dieser Text, ist gerade weil er wohl so lange gelegen hat, gut gereift, flüssig im Lesen und geht runter wie ein vollmundige Rotwein.
    Dennoch hat er eine Anfangs sehr herbe Note die man erst richtig lesen muss um eigentlich zu verstehen wie gut er eigentlich ist.

    Diese Erfahrung ist jetzt nicht „erfahrenswert“ aber Sie zeigt dennoch, wie unwirklich eine Affäre ist, wie sie eher eine Sehnsucht und einem Traum ähnelt der durch zu langes genießen zu einem Albtraum werden kann.

    Sehr schön geschrieben.

  • liebe lina.
    ich möchte dir gerne einen kommentar dalassen, um zu zeigen, dass ich diesen offenen beitrag und den dazugehörigen mut würdige.
    aber alles klingt irgendwie von oben herab und bedeutungslos.

    ich war bisher weder in der einen noch in der anderen situation und verurteile dich nicht. (ich weiß aber auch nicht, wie es wäre wenn ich schon erfahrung damit gemacht hätte) eben weil ich weder die eine noch die andere war, fällt es mir so schwer etwas zu schreiben, als stehe es mir nicht zu. ich hoffe, du verstehst grade irgendwas, das ich hier zusammenstottere.
    liebe grüße
    anni <3

  • Einfach nur großartig! Auch wenn ich Affären veruteile, jeder trägt seine eigene Entscheidung und ist selbst dafür verantwortlich. Aber gerade weil du auch die Komsequenzen erlebt hast, würde ich dich niemals veruteilen.

    LG
    Jana

  • Liebe Lina,

    danke für diesen guten und ehrlichen Text! Ich finde es toll, dass du darüber schreibst – es sollte viel mehr über solche „Tabuthemen“ geschrieben werden, denn nur so lassen sie und die Gefühle, die mit ihnen verbunden sind, sich aus der Grauzone ans Tageslicht ziehen und dort analysiert, verstanden und verarbeitet werden. Und genau das ist notwendig, um die Scham zu überwinden, daraus zu lernen und weiterzukommen…und abzuschließen, und (sich und anderen) zu verzeihen.

    Kennst du Brené Brown? Sie ist Wissenschaftlerin (Soziale Arbeit/Psychologie) und hat einen ziemlich bekannten TED-Talk (und einige Bücher 🙂 ) zum Thema Verletzlichkeit (vulnerability) gehalten: https://www.ted.com/talks/brene_brown_on_vulnerability/transcript – deine Texte sind für mich ein tolles Beispiel für die Kraft der Verletzlichkeit und ich könnte mir vorstellen, dass dir ihre Sachen gefallen.

  • Lina, ich liebe deine Kolumne einfach über alles und verschlinge die Texte daraus einfach (weil sie besser als jedes Buch und absolut gnadenlos ehrlich sind). Ich kenne selbst die Situation die Betrogene zu sein. Nicht im Sexuellen, aber auch was Schreiben und Treffen und Küssen angeht. Auch wenn es schon lange her ist, tut es immer noch weh. Und ich war auch schon die andere. Allerdings nur 4 Tage lang, weil er sie verließ, weil es zwischen den beiden nicht so passte. Aber da war ich auch schon zuvor mit ihm zusammen gewesen. Alles ein bisschen kompliziert. Ich finde jedenfalls total interessant wie treffend und ehrlich du beschreibst, warum man eben die andere Frau ist und das vll auch noch mit gutem Gefühl. Wie man sich selbst belügt und denkt:“ Das ist bestimmt so eine langweilige Spießerin, die er eigentlich gar nicht mehr liebt und bei mir ist alles anders“. Und die Erkenntnis, dass man dann doch irgendwann, so sehr man es auch nicht will, ein Anspruchsdenken entwickelt und mehr wie eine Freundin wird. Weil vermutlich nur die Wenigsten dafür gemacht sind (und das ist gut so weil ungesund), ohne Ansprüche immer nur zu geben aber nichts dafür zu bekommen. Oder nur so viel, wie der andere zu geben bereit ist. Eine Zeitlang geht das sicher gut, irgendwann ist es aber eine Form der Selbstaufgabe. Das kann nicht gut tun.

    Ich verstehe dein Bedürfnis, ihr die ganze Sache unter die Nase zu reiben, ich stand mal an einem ähnlichen Punkt, aber ich war sozusagen die Betrogene und die Affäre wusste nichts von mir. Ich fand das Ganze zuerst raus und ich besaß nicht die Größe, die du hast. (Zu meiner Verteidigung: Ich war damals 17) und habe es ihr unter die Nase gerieben. Dass er kurz bevor er ihr geschrieben hatte, dass sie so süß sei mit mir im Bett war. Und da nicht, wie er immer sagte, gar nichts mehr zwischen uns sei.
    Es gibt viele Arten von Demütigung. Aber ich finde es zeigt Stärke, dass du es für dich behalten hast, liebe Lina.

    Und noch was: Der Post ist einfach wunderbar und mutig.

    Viele liebe Grüße
    Madeleine
    http://maracujabluete.com/

  • Ach ja, Sorry dass jetzt noch mehr Text dazu kommt: Ich hatte beim Lesen wirklich eine Gänsehaut und ich mochte, dass man deine Entwicklung mitfühlen und nachvollziehen kann (von der aufregenden Affäre, zum Schönreden, über Anspruchsdenken, bis zur traurigen Realität) und das macht den Text auch so besonders. Du zeigst dass „die andere“ nicht das eiskalte Miststück ist, für das man sie als Frau in einer Beziehung gerne hält und trotzdem kannst du erklären, wo der Reiz der Sache auch liegt. Und du nimmst dem „Monster Affäre“ seinen Schrecken, weil du am Ende als Affäre im Endeffekt anfingst das Gleiche zu fühlen, wie seine Freundin. Ich hoffe man versteht wie ich das meine 😀

    Noch mal sorry für den langen Kommentar, aber das war tatsächlich der beste Beitrag deiner Kolumne.

  • Hi Lina,

    jetzt schreibe ich doch noch einen Kommentar. Ich habe mich gestern sehr sehr auf deine Kolumne gefreut. Und hab sie verschlungen. Gänsehaut gehabt, einen Kloß im Hals, Herzklopfen und manchmal saß ich mit weit aufgerissenen Augen vorm PC. Es ist doch fabelhaft, wenn eine Kolumnistin Emotionen weckt, dich bewegt. Doch niemand sollte dich darauf hin persönlich (unter unter die Gürtellinie) angreifen. Zumal ich deine Umsetzung des Themas beeindruckend fand. Die Stimmung mit der du geschrieben hast war weder absolut erhobenen Hauptes oder inszeniert, noch mit gesenktem Kopf und voller Scham. Du hast gefühlt, gelebt, gelitten, geliebt und gelernt.
    Und das merkt man in diesem Artikel.
    Du warst zwar „the other one“. Aber trotzdem kannst du Nachts schlafen weil du zu dir selbst stehst und nicht bei fremder Leute Slut-shaming betreiben musst.

    Over and Out. Weiter so Frau Mallon.

  • Ganz, ganz toll! Dein Artikel verschlägt mir die Sprache über soviel Ehrlichkeit und Wahrheit und dem herauszufühlenden Zwiespalt. Wirklich gut geschrieben!

  • Wahnsinnstext! Super geschrieben.
    Zu dem Thema habe ich vor ein paar Wochen auch erst mit meinen Mädels geredet und wurde von einer Freundin hart verurteilt (ich war die Andere), bis sie nur wenig später gestanden hat, vor ein paar tagen ihren festen Freund betrogen zu haben. Sie hat sich dann bei mir entschuldigt.
    Ich kennen nicht beide Seiten, zumindest weiß ich nichts davon, aber „die andere“ Seite. Früher hatte ich zu dem Thema auch eine sehr idealisierte Einstellung: Niemals! Aber dann ist es mir passiert. Ich wusste, dass er schon lang eine Freundin hat und ich wusste, dass ich nicht die Einzige war/bin. Es war nichts regelmäßiges, aber es ist ein paar Mal in den letzten Jahren passiert. Am Anfang kannte ich sie noch nicht, mittlerweile schon, aber nicht gut. Seltsamerweise habe ich kein schlechtes Gewissen. Ich war immer Single, wenn es passiert ist und fühle keine Verbindung zu ihr. Auch bin ich, wie du, der Meinung, dass sie es wissen muss, dass er andere hat. Sie sind seit so vielen Jahren zusammen. Das muss man doch merken.
    Ich bin mir aber sicher, dass ich es nicht könnte, wenn ich seine Freundin besser kennen würde, wenn wir eine Vernindung hätten.
    Und einmal ist es mir unwissentlich passiert. Ich habe ihn im Club kennengelernt, gesehen und verknallt, er auch. Wir sind wie Magnete aufeinander zu gelaufen und haben uns gegenseitig vorgestellt, haben den ganzen Abend geredet, Nummern ausgetauscht, er ruft am nächsten Tag gleich an. Ich hatte ihn an dem Abend noch gefragt, ob er Single ist (ich lerne ja auch dazu) und er sagt ja. 3 Wochen war alles perfekt, er meldet sich mehrmals täglich, wir sehen uns alle 2 Tage, lang hat sich kein Mann mehr so um mich bemüht. Dann will er reden. Er ist doch nicht so richtig Single…er lebt mit IHR zusammen. Ich war geschockt!!! Und bereits total verliebt. Wie hat er das logistisch gemacht, die letzten Wochen??? Auch hier wieder, sie muss es wissen, anders kann ich mir das nicht erklären. Auch er war so abgebrüht und“professionell“, dass es sicher nicht das erste Mal für ihn war. Das Ganze ging noch 2-3 Wochen, weil ich hoffte, er trennt sich. Irgendwann habe ich aber begriffen, dass er seine Versprechen nicht hält und einfach beides will. Habe dann den Kontakt abgebrochen. 2 Wochen später meldet er sich wieder, sagt die richtigen Worte und drückt die richtigen Knöpfe und das Ganze läuft wieder 2 Wochen. Dann habe ich es endgültig beendet, nicht wegen ihr oder Schuldgefühlen, sondern weil es mir schlecht damit ging. Ich wollte die Eine, nicht die Andere, sein. Danach habe ich mich befreit gefühlt und war froh, dass nicht ich so einen Mann an meiner Seite habe. Ich habe Mitleid mit ihr. Wie kann sich eine Frau so einen Typen antun? Monatelang war dann Funkstille. Ca ein halbes Jahr später meldet er sich wieder. Er sagt, er wollte sich schon viel früher melden. Ich habe ihm meine Meinung gesagt und blockiert. Selbst wenn er mittlerweile Single wäre (und ich bin es auch noch), so einen Mann wollte ich nicht geschenkt haben.

  • Ich fand mich vor (zugegeben doch einigen) Jahren mal in einer Situation wieder, die hätte „gefährlich“ werden können – er vergeben, ich fühlte mich zu ihm hingezogen und auch ich bemerkte recht eindeutige Signale von seiner Seite. Jedoch habe ich dann relativ schnell die Notbremse gezogen und den Kontakt abgebrochen, um die Situation nicht zu einer Sache reifen zu lassen, die ich mit meinen Werten und zwischenmenschlichen Ansprüchen nicht hätte vereinbaren können. Ich bin ein absolut impulsiver Mensch, der viele Dinge vielleicht mal unüberlegt macht oder sich zu spontanen Sachen nur allzu gerne hinreißen lässt. Aber ich habe für mich eine klare Grenze, an der ich anfange zu differenzieren.
    Also… ich finde man macht es sich ziemlich leicht, die Verantwortung nur bei anderen zu suchen. Natürlich, man selbst betrügt nicht DIREKT die andere Person, das ist richtig. Auch finde ich es richtig, dass der Mann sich hauptsächlich gegen eine Affäre entscheiden muss. Allerdings sah ich mich damals ebenso in der Verantwortung mich dagegen zu entscheiden. Einen anderen Menschen auf eine furchtbare Art und Weise zu verletzen – und das bewusst, – ich konnte es nicht und könnte es bis heute nicht. Ich wurde nie betrogen, aber ich möchte mir nicht ausmalen wie es ist, die Betrogene zu sein. Überall wird gepredigt, dass Frauen untereinander mehr unterstützen sollen und das Stichwort Slutshaming muss ich auch nicht weiter ausführen. Aber wie kann man die eine Sache so voller Leidenschaft ablehnen und eine mindestens genauso schwerwiegende Unart von zwischenmenschlichem Verhalten an den Tag legen?

    Ich finde du hast deine Situation toll erzählt, man steht als Leser fast mitten in der Story und doch kann und will ich kein Verständnis für diese bewusste Entscheidung die Affäre zu sein aufbringen. Man merkt, dass du für dich aus der Geschichte gelernt hast und ich hätte wahrscheinlich auch nicht kommentiert, wenn mich die sehr vielen positiven Kommentare nicht überrascht hätten.

    Habe eine tolle Woche,
    Theresa

    • Hätte ich Deinen Kommentar früher gelesen, hätte ich mir meinen sparen könne. Ein super Kommentar aus meiner Sicht!

  • Lina, eigentlich lese ich kaum Blogs. Eigentlich nie. Ich folge dir auf Instagram und snapchat und ich musste lesen, was dich so sehr beschäftigt und in Atem gehalten hat.
    Ehrlich gesagt, denke ich seit geraumer Zeit darüber nach, ob ich diejenige sein möchte, die ihren Freund betrügt, ob ich das Knistern, welches schon seit Jahren zwischen mir und „dem Anderen“ herrscht, zulassen will und ob ich mich traue. Oh, ich verurteile dich nicht, ich verurteile nicht mal mich selbst. Ich finde mich wieder in deinen Worten und in den Gedanken und Geschehnissen. Danke dafür.

    • Ich weiß nicht, ob es angebracht ist, auf diesen Kommentar, auf diese einfache Aussage von dir zu antworten. Ich möchte es ganz logisch sehen, ganz einfach, ohne verletzend zu sein. Wenn es in deinem Kopf „einen anderen“ gibt, dann hat das seinen Grund. ABER: bevor du dich für einen bewussten Betrug entscheidest, zieh klare Grenzen. Trenn dich von deinem Freund, auf die Gefahr hin, dass es mit dem Neuen nicht so ist. Denn Menschen sind keine Schuhe, du kannst nicht eben ein neues Paar testen, um dann wieder das alte Paar zu tragen. Lass deinem Freund die Chance auf eine Beziehung, in der BEIDE glücklich sind, ohne Betrug und ohne Lügen. Denn das hat jeder verdient.

  • deine wohl beste Kolumne, obwohl ich sie alle liebe! Ich war bis jetzt weder die eine, noch die andere aber hatte beim lesen das Gefühl, genau dabei zu sein, irgendwie das ein Stück zu fühlen (soweit das beim lesen geht), was du gefühlt hast, eben weil du es so gut vermittelst, sodass man einfach in deinen Geschichten versinkt, was ich bis jetzt nur bei den wenigsten Büchern oder Filmen so intensiv hatte, wie bei deinen Kolumnen, ein riesiges Lob an dich! :*

    Das Thema ist natürlich keine leichte Kost, vor deiner Geschichte hätte ich ohne nachzudenken gesagt, Affären sind ein absolutes No-go…eben ohne zu denken, ohne auf die Gefühle zu achten, die einen mitreißen, ohne dass man es vielleicht so stark will…
    nochmal ein unglaubliches Lob an dich!
    liebst kati

  • Hallo Lina,
    als ich auf Snapchat deine Reaktion gesehen habe, wusste ich: die Kolumne ist da.
    Meine Gefühle waren gemischt und auch jetzt, nachdem ich deine Zeilen und die Kommentare hier gelesen habe, ist das Gefühl in meiner Brust noch mulmig, schwammig, seltsam.

    Nein Lina, das wird kein Angriff auf dich, auf deine Erfahrung. Aber dennoch möchte ich einige Worte dazu sagen:
    Wissentlich die Affäre zu sein, ist immer harter Tobak. Es wird selten gutgeheißen und von allen Seiten ist mit Kontra zu rechnen.
    Wohl nicht ganz zu unrecht.
    Denn, so ist es nun mal, Niemand möchte betrogen werden, Niemand möchte diese Demütigung erfahren und sobald man erfährt, dass jemand betrogen wird, fühlt man automatisch mit dem Betrogenen mit. Dazu muss man diese Person nicht mal kennen.

    Dennoch ist es so, dass eben der Betrüger die Entscheidung für den Betrug fällt.
    Es ist nicht die Affäre.
    ER ist es. ER sucht das Abenteuer. ER sucht das Verbotene. Und ER lässt sich ganz bewusst darauf ein.
    Und dementsprechend ist ER es, der sich in aller Erster Linie zu verantworten hat.
    Er lügt seiner Freundin knallhart ins Gesicht, tischt ihr Märchen auf, stellt sie auf eine Stufe der Naivität und Dummheit, das man, ja, glatt wieder Mitgefühl für diese arme Frau entwickelt. Du hast sie als klein, schüchtern beschrieben. Er sagte, sie würde wieder zusammen brechen.
    Das Problem an der Sache: Er hat sich wahrscheinlich nicht in diese „kleine“ Person verliebt, sondern sie dazu gemacht. Mit seinen Lügen, seinem Betrug, indem er gedacht hat, sie merkt es nicht. Das Problem ist doch aber, dass Frauen oft sehr wohl etwas mitbekommen. Wie oft hört man: „Irgendwo habe ich es geahnt.“ Denn wir haben in dieser Hinsicht sehr feine Fühler. Er kommt spät von der Arbeit nach Hause, ist ständig unterwegs. Er braucht länger für die üblichen Erledigungen. Dann das Schreiben am Handy, sobald man den Raum verlässt, das Handy weg drehen. Der fremde Duft an ihm, vielleicht sogar ein fremdes Haar in der Wäsche. Ja, insgeheim weiß man bescheid, doch weil man es nicht wahr haben will, sagt man nichts, stellt ihn nicht vor die Wahl. Warum ,sei dahin gestellt.
    Denn so wie sich die Affäre die Freundin schlecht redet, so redet sich die Freundin die Affäre schlecht. „Sie haben keine Verbindung. Es sind keine Gefühle. Es ist nur Sex, mehr teilen die beiden nicht. Keine Gespräche. Keine Erfahrungen. Und er wird aufhören. Sie wird ihm langweilig werden. Weil er mich liebt. Mit mir sein Leben verbringen will. Weil ich es nicht wert bin, dass er mich für Irgendeine verlässt.“
    Ja, dieses Thema kann man aus so vielen Perspektiven sehen.
    Ich war schon die Betrogene, wollte es aber auch da nicht wahr haben. Trotz Beweise. Ich wollte es nicht hören, ich hab es ignoriert. Denn er sagte ja, dass sie nur eine Freundin sei. Dann lies sie das Handy bei ihm und ich konnte seine Nachrichten lesen. Er schrieb, dass er mich verlassen wollte. Dass er sie wollte. Ich nahm ihm die Entscheidung ab und ging. Auch wenn er bettelte, beteuerte dass es doch ganz anders sei, die Lüge war letzten Endes schwarz auf weiß gewesen und damit endlich wahr, greifbar geworden.
    Ein paar Jahre später war ich die andere. Es lief nichts, doch wir empfanden etwas füreinander. Wir trennten uns von unseren Partnern. Nunja, zumindest ich tat es. Er führte die Fernbeziehung weiter. Sogar noch einige Monate. Viele Lügen wurden schon während der Beziehung entlarvt, doch hier glaubte ich auch wieder ihm. Erst nach der Trennung wurde mir klar: Ich hab es gewusst. Ich hab die Nachrichten in seinem alten Handy gesehen und sogar seine billigen Ausreden geglaubt. Und so war ich Betrogene und Andere in einem. Denn es gab da ja auch noch die Frau in der Schweiz, die vor mir da war und auch einen Teil meiner Beziehung noch für ihn existierte.

    Lina, ich wollte dir eigentlich nur danke sagen.
    Ich danke dir, dass du es geschafft hast, dieses Thema, diese Erfahrung aufzugreifen und für dich und dein weiteres Leben eine Entscheidung zu fällen. Dieses Thema ist eben nie schwarz weiß. Denn die Frauen haben immer das Recht, auf zwei wütend zu sein. Die Betrogene auf den Betrüger und die Affäre. Die Affäre auf den Betrüger und sich selbst. Und man spürt, dass du wirklich wütend auf dich selbst warst, weil du eben auch nicht sehen wolltest, was offensichtlich war, ganz genau wie seine Freundin.

    Darf ich fragen, was du „der anderen Anderen“ geantwortet hast?

    Liebe Grüße,
    Christin

    • Ich hab ihr die Wahrheit gesagt. Dass ich auch bereits seit einiger Zeit „die andere Frau“ bin. Dass er seine Freundin bisher nie verlassen hat.

    • Danke für deine Antwort.
      Das war nur fair von dir und ich hoffe, sie ist dir so dankbar, wie ich es dir an ihrer Stelle gewesen wäre.

  • Bevor ich den Kommentar abschicke, musste ich erst einmal googeln, was „slutshaming“ ist, da es mir allerdings völlig egal ist, ob es „die andere“ oder „der andere“ ist und es erst recht egal ist, wer wie viele Bettgeschichten zu erzählen hat, dürfte das hier klargehen…

    Vorab: Dass derjenige der seinen Partner betrügt, das letzte ist, darüber lohnt es sich glaube ich nicht zu diskutieren.

    Jetzt: Ich finde es erbärmlich und widerlich, wenn sich jemand erhaben, gewollt und sexy fühlt, während ein Dritter dadurch erniedrigt, verletzt und gedemütigt wird.

    Für eine Affaire entscheidet man sich und es betrügt nicht die Affaire, sonder derjenige, der sich in der Beziehung befindet aber wie viel Würde und Selbstwertgefühl man sich selbst und anderen Menschen lässt, das entscheidet jeder für sich.

    Sicher kann man argumentieren, dass es nicht das eigene Problem sei. Aber ich gehe doch auch nicht weiter, wenn ein Fremder auf der Straße verletzt wird oder helfe dabei jemandes Haus anzuzünden – beides auch nicht mein Problem und dennoch unvorstellbar.

    Mal völlig ohne meine persönlichen Ansichten, fand ich deinen Schreibstil wie immer großartig. Vor allem, dass es geschafft hast die Kurve zu kriegen und auch Deine Zweifel darzustellen. Hut ab für’s Schreiben – wie immer -, von den Gedanken an sich war ich allerdings irgendwie erschrocken

  • Liebe Lina,

    völlig unabhängig davon, ob man es gut findet, wovon du schreibst, finde ich es wahnsinnig toll, dass du darüber schreibst und den Mut gefunden hast, es mit uns und der ganzen Welt zu teilen. Dafür gebührt dir jeder Respekt!

    Ganz liebe Grüße
    Rieke

  • Wow Lina!
    Eigentlich bin ich seit Jahren stille Leserin, habe dir noch nie gesagt, wie unglaublich toll ich dich finde und die Art wie du schreibst!
    Als ich gelesen habe, wie die Kolumne heißt, wusste ich gar nicht, ob ich sie lesen will.
    Aber weil ich so neugierig war, was du erlebt hast, wie du es erlebt hast & weil ich es so toll finde, dass du darüber schreibst, habe ich mich getraut und finde diese Kolume super!
    Auch ich war die Affäre, nicht so eine lange Zeit wie du (ich weiß nicht, ob ich es so lange ausgehalten hätte, aber man wächst ja irgendwie darein..) habe mich unsterblich verliebt und er auch in mich. Trotzdem hieß es anfangs immer er würde seine Frau nicht verlassen, wofür ich Verständnis hatte, weil, was es alles noch so viel schlimmer gemacht hat, auch noch Kinder da waren. Ich habe mich anfangs genauso gefühlt, wie du es beschreibst. Und am Ende nur noch ekelhaft.
    Es war so aussichtslos, weil für mich klar war, dass ich völlig verletzt aus der Geschichte rauskommen würde. Traurig, verletzt und völlig am Ende.
    Es ist alles ganz anders gekommen, er hat sich getrennt, die Scheidung läuft.Wir leben zusammen und ich könnte nicht glücklicher sein.
    Was bleibt sind Schuldgefühle. Der Frau gegenüber und natürlich den Kindern. Aber was soll man machen, wenn die Liebe dahin fällt..
    Auch wenn es bei mir ein ganz anderes Ende genommen hat als bei dir, war es so interessant zu lesen, weil ich mich darin natürlich wiederfand.
    Es war mutig und richtig darüber zu schreiben und ich finde es einfach klasse, dass du es gemacht hast!

  • Ugh, ein super Text, aber irgendwie hart…
    Vorab: wir alle wissen, was ein Mann/eine Frau für eine Anziehung auf einen haben kann.
    Manchmal trifft man jemanden und es funkt einfach.
    Und wir alle wissen, wie man sich verhält, wenn man verliebt ist.
    Man bleibt beim größten Arsch, der einen schlägt, manche bleiben beim Partner, der einen betrügt, manche sind „die/der Andere“, obwohl man sich schlecht damit fühlt.
    Ich finde deinen Text extrem mutig, es zeugt von viel Mut und auch Selbstkritik, das hier zu veröffentlichen.
    Ich selbst könnte nie die Andere sein. Ich möchte, dass der Mann nur mich liebt, nur für mich da ist. Aber da ist jeder anders. Wie gesagt, wenn die Gefühle einen treffen, dann kommt man damit vielleicht klar. Kann ich so nicht beurteilen.
    Ich finde, dass IMMER!!! Der Betrügende die Schuld hat! Immer! Er ist derjenige, der seinen festen Partner wissentlich und mit voller Absicht betrügt und anlügt. Da gibt es nichts zu drehen und nichts zu wenden. Er hat immer die Schuld.
    Ich finde allerdings, dass Frauen auch zusammen halten sollten.
    Ob es jetzt beim Slut Shaming ist, oder bei der Affäre.
    Auch ich als deine Freundin hätte dir nahegelegt, dass zu beenden. Einfach aus Respekt gegenüber der anderen Frau. Aber wie du schon geschrieben hast. Man fühlt sich (endlich mal) begehrt, man ist verknallt oder sogar richtig verliebt. Klar denkt man da nicht an die Freundin.
    Das du das während eurer Affaire nicht wolltest, ist okay. Schließlich hast du ja auch etwas für ihn empfunden.
    Ich fände es allerdings schön, zumindest nach Beendigung der Affaire der Frau Bescheid zu geben. Und zwar nicht dieses „Unter die Nase reiben“, sondern ein ehrliches, ruhiges Gespräch, vielleicht auch ein Brief, in dem man sich noch nicht einmal entschuldigen muss, sondern die Frau einfach darüber aufklärt, was ihr Mann da eigentlich abzieht. Gerade, wenn man nicht die einzige und letzte Affaire war.
    Aber gut, du wirst deine Gründe gehabt haben, vielleicht wollte sie es auch nicht wahr haben und ist glücklich so, wie sie ist.
    So, langer Kommentar… starker, mutiger Post, vielen Dank dafür.
    Ich hoffe du gibst nichts auf die unmöglichen Kommentare hier drunter, die dich als Schuldige darstehen lassen. Denn der, der wissentlich seinen Partner betrügt, der ist Schuld. Und wenn er es nicht mit dir macht, dann eben mit jemand anderem.
    Betrügen fängt doch schon im Kopf an, nicht erst bei den Taten. Wenn der Wille da ist, ist es eh zu spät.
    Liebe Grüße 🙂

  • Vom Schreibstil, von der Wortfindung her ist der Text sehr gelungen.
    Aber inhaltlich? Welche Werte kommen da eigentlich rüber?
    Inhaltlich schreibst du nur, dass sich jeder selber betrügt in solch einer Situation, und nur sich selber! Du hast dich selber betrogen, weil du dich ach so toll fandest, überheblich, sexy etc. – bis du seine Freundin erlebt hast, der das nicht die Bohne gejuckt hat, dass ihr Freund eine Affäre hat. Ihr war es ziemlich egal. DU warst ihr egal, keine Konkurrenz. DU hast dir die ganze Zeit was vorgemacht, nur um von ihm angehimmelt zu werden. Weil Frauen, die bewusst eine Affäre haben, so minderbemittelt sind, dass sie das brauchen: die Aufmerksamkeit, die Überheblichkeit, das Konkurrenzgefühl. Schlicht und einfach, weil sie im Grunde selber so klein und komplexbehaftet und hungrig nach Liebe sind.
    Der Typ übrigens genauso.
    Jeder sucht sich im Leben die Menschen aus, die ihnen innerlich ähnlich sind, ähnlich ticken, ähnliche Anteile haben! Daher nicht überraschend, dass ihr alle in einem Netzwerk von Selbst- und Fremdbetrügern lebt. Der Betrügte betrügt jemand anderen, ich betrüge mich selbst etc. Nunja. danke für diesen Einblick in so eine „verlogene Gesellschaft“.
    Ich frage mich ernsthaft, wie man es über’s Herzen bringt, sich von jemanden flachlegen zu lassen, der eine Beziehung führt. Ich meine, du machst dir doch selber was vor. Bist du so armselig, dass du vorgeheuchelte Liebe eines Betrügers brauchst- um dich selber gutzufühlen? Und: WEM machst du eigentlich was vor?
    Widerum positiv finde ich deine Einsicht. Die Lektion, die du dir daraus gezogen hast. Das kann man dem Betrüger auch nur wünschen.

    • Danke!
      Genau das ist, was ich mit meinem Kommentar sagen wollte: „Weil Frauen, die bewusst eine Affäre haben, so minderbemittelt sind, dass sie das brauchen: die Aufmerksamkeit, die Überheblichkeit, das Konkurrenzgefühl. Schlicht und einfach, weil sie im Grunde selber so klein und komplexbehaftet und hungrig nach Liebe sind.“

  • Hi Lina,

    Nein, es liegt nicht in der Verantwortung der anderen Frau/des anderen Mannes. Aber wenn der/die Andere ablehnt, dass haben zumindest die beiden die Chance es irgendwie hinzubekommen. Nicht in deinem Fall offensichtlich, aber in meinem. Ich war in der Position des Betrügers.
    Ich bin seit 8 Jahren verheiratet und hatte mich letztes Jahr in meinen Arbeitskollegen verliebt. Er sich auch in mich. Wir sind monatelang umeinander rumgetanzt, andere Kollegen haben uns schon angesprochen ob was läuft und nein, es lief nichts. Er hat nämlich sämtliche Versuche geblockt, meine Einladung zum Kaffee (und nein, ein Kaffee ist unter solchen Umständen kein Kaffee, es ist wie du schon passend geschrieben hast eine Entscheidung. Eine Entscheidung Für und Gegen jemanden.). Später gestand ich ihm meine Gefühle und er lehnte wieder ab. Er sagte ich soll meine Ehe nicht wegwerfen und das wir das schaffen würden. Freunde sein und Kollegen und trotzdem das was wir ausserdem noch sind.
    Ich war gezwungen mich mit meinem Problemen und mit denen meines Mannes auseinander zu setzen und was soll ich sagen wir haben die Kurve bekommen. Es wurde nicht hässlich.

    Aber hätte er nicht klar gesagt „Nein“. Dann wäre es hässlich geworden, denn ich wäre bereit dazu gewesen.

    Heute ein paar Monate später muss ich sagen, wir sind immernoch Freunde und teil von mir will ihn immernoch küssen und ich weiss das es ihm genauso geht, aber ich liebe meinen Mann, mehr denn je.

    Ein paar meiner Gedanken dazu,

    alles Liebe
    Julia

  • Ganz großen Respekt, liebe Lina, dass du den Mut hast, das alles so ehrlich und ausführlich mit der ganzen Welt zu teilen.
    Für mich war es wirklich interessant, diese ganzen Affären-Thematik mal von der anderen Seite zu sehen. Ich muss zugeben, dass ich es bisher immer auch nur so schwarz/weiß gesehen habe wie du ganz am Anfang, also Hut ab für so viel Mut!

  • Lina, ich hab den Post gestern gelesen und wollte eigentlich keinen Kommentar abgeben, weil ich finde du hast alles gesagt, was es dazu zu sagen gibt!

    Aber : Ich hab gerade deine Ansage auf Snapchat gesehen!

    An all diese vermeintlich so ach so tollen und absolut „sauberen“ Frauen da draußen, die meinen andere Mädels zu beleidigen:

    Seid ihr so armseelig, tatsächlich so engstirnig und verurteilend, dass ihr solche Aussagen wirklich ernst meint? Oder liegt es an eurem mangelnden Selbstwertgefühl und dem damit verbundenen Neid auf Frauen, die ihr (Sex-)Leben so leben, wie sie es leben? Einfach weil sie mutig sind, weil sie stolz sind und sich das nehmen was sie möchten?

    Ganz ehrlich ihr solltet euch schämen und in dem Sinne DANKE dass du das so ehrlich ansagst.
    Großen Respekt !

  • Liebe Lina, wow. Ich bewundere dich für deinen Mut genauso wie für dein außergewöhnliches Talent, deine Erfahrungen in Worte zu packen. Du und dein Blog, ihr seid wirklich einzigartig. Ohne dich würde wirklich etwas fehlen.
    Mach unbedingt weiter so! Du machst einen so so so tollen Job!! <3
    Alissa
    http://www.alissaloves.de

  • Ich glaube, ich habe noch nie einen Post von dir gelesen, der mir so unter die Haut ging, obwohl ich derzeit weder betrogen werde (hoffe ich, haha) noch selbst betrüge. Unglaublich selbstreflektiert und ich glaube, jedes Wort sitzt so, wie es soll. Wer diesen Post anders liest, der will oder kann ihn nicht so lesen, wie er gemeint war.

    Ich würde gerne etwas ansprechen, was hier noch nicht aufgetaucht ist (glaube ich).
    Die Betrogene ist oftmals das offensichtliche Opfer. Ich war selbst vor Jahren die Betrogene. Klar habe ich ihn und sie erstmal gehasst und wollte sie umbringen. Ich war so verletzt und gedemütigt, weil ich scheinbar als einzige nichts wusste (mal abgesehen von meinen Freundinnen, aber seine Freunde wussten alles). Aber nach einiger Zeit ist mir etwas klar geworden. ICH habe mir was vorgemacht. ICH habe ihm immer wieder verziehen. ICH habe nicht auf mein Gefühl gehört. ICH habe alle Zeichen ignoriert. ICH habe geleugnet. ICH wollte es nicht sehen.
    Jeder in dieser Beziehung trifft eine Entscheidung. Der Mann, dass er neben der Freundin noch mehr Abenteuer braucht. Die andere, dass sie gerne trotz allem Zeit mit diesem Mann verbringen will, Sex haben will etc. Aber auch die Freundin trifft die Entscheidung, zu bleiben obwohl sie es irgendwie spürt (und ich glaube fest daran, dass wir Frauen diese Gabe haben, sowas zu erfühlen).

    Ich glaube, mehr habe ich nicht zu sagen 🙂

  • Oh ich merke, dass mein Kommentar doch unvollständig wirkt. Was ich sagen wollte: Man kann noch so sehr einer Partei die Schuld zuschieben, wir sind alle nur Menschen. Wir machen Fehler. Wir tun Dinge, obwohl wir es besser wissen müssen. Wir leugnen. Wir machen uns was vor. Wir verletzen Menschen, obwohl wir das eigentlich nicht wollen.
    Wer meint, das könnte ihm/ihr nicht passieren – herzlichen Glückwunsch. I doubt it.

  • Liebe Lina,
    Erstmal vielen Dank dafür, dass du so authentisch bist!
    Lange Zeit hatte ich auch eine strenge, verurteilen de Meinung gegenüber Frauen, die sich auf eine Affäre einlassen. Aber je älter man wird, desto reflektierter denkt man, wie ich finde. Finde dieses „slutshaming“ mittlerweile auch total schlimm. Was hat man denn davon, diese Frauen zu verurteilen, wenn man sie weder persönlich kennt noch ihre Beweggründe richtig versteht? Man macht es sich dadurch, dass man so leichtfertig darüber urteilt, schon recht einfach.

  • Danke für diese Kolumne!

    Ich kann deine Geschichte komplett nachvollziehen. Mit Anfang / Mitte 20 habe ich mich auf etwas Ähnliches eingelassen. Dabei wurde ich mit 18 betrogen und hätte niemals gedacht, dass ich irgendwann auch „die Andere“ sein würde.

    Die ganze Geschichte ging – mit vielen Unterbrechungen – über mehrere Jahre. Es war verheiratet, hatte auch 2 Kinder. Nach dem ersten Mal hatten wir es eigentlich beide als Ausrutscher abgetan. Aber der Kopf kann manchmal so laut dagegen schreien wie er will, wenn das Herz viel lauter ist. Ich war verliebt, sehr verliebt. Glaubte die klassischen Ausreden, dass die Ehe eigentlich nur auf dem Papier noch bestünde. Es ging so weit, dass ich mich sogar als Babysitter hab einspannen lassen.

    Ich habe mich oft dafür gehasst, dass ich nicht stark genug war um von ihm wegzukommen. Habe mich oft getrennt und ebenso oft seinen Versprechungen geglaubt, dem Flehen geglaubt. Wollte es glauben. Ich wollte, dass er mich so liebt wie ich ihn.

    Seine Ehe ist mittlerweile geschieden. Direkt danach hatte er eine neue Freundin. Ich habe eine Weile gebraucht um darüber hinweg zu kommen.

  • Mein Respekt für diesen Beitrag. Ich war ganz gefesselt beim Lesen und bewundere den Mut, den du damit beweist. Du bist eine starke Frau und kannst stolz auf dich sein! Weiter so!!

  • Interessanter Beitrag. Nur Kommentare vom weiblichen Geschlecht? Kommentare die simpel gegen dich im Sinne von „Schlampe“
    gerichtet sind, solltest du ignorieren, denen ist scheinbar nicht klar wie kompliziert das Ganze ist. Leider kommt der Typ hier viel zu gut weg:

    „Dass nicht jene Frau sich gegen eine Affäre, sondern jener Mann sich für seine Beziehung entscheiden muss.“

    Das ist doch Illusion. Bist du dir sicher, dass du den Typen schon klar siehst mit allen seinen negativen Seiten. Der Typ hatte sich doch laengst vorher schon entschieden, er ist ein professionaller Luegner, moeglicherweise ein Narzisst, ein Aufschneider, auf jeden Fall das Schlimmste fuer alle Beteiligten in diesem Dreieck und wohlmoeglich auch fuer andere in seinem Umfeld. Du hast dich von der Biologie mitreissen lassen, ganz natuerlich, denn wenn man sich verliebt werden die rationalen Funktionen im Gehirn chemisch ausgeschaltet, fuer Monate, manchmal Jahre. Daran ist nichts Verwerfliches, es ist sehr schwer, vielleicht unmoeglich, da „Klaren Kopf“ zu bewahren.

    „So wie du einen Mann bekommst, so verlierst du ihn wohlmöglich auch..“
    So sieht’s aus. Es ist aeusserst selten, dass sich aus Dreiecksbeziehungen etwas stabiles entwickelt.

    Verlieben passiert eben und Affaeren auch wenn man nicht aufpasst, das liegt ueblicherweise an Beziehungsproblemen (der Ausgangsbeziehung) die nicht angegangen werden. 50/50 Schuld des Paares, nicht Schuld von einem der beiden.
    Aber es gibt eben auch Luegenprofis, Narzissten und vor denen muss sich Mann/Frau extrem in Acht nehmen. Ich glaube in diesem Falle bist du so einem aufgessessen. Ich finde es schade wie gut der Typ hier dargestellt wird. Er ist das Allerletzte, absoluter Abschaum.

    • Der Typ wird in keinem Fall gut dargestellt, er wird gar nicht dargestellt. Ich hab ihm weder eine Rolle noch eine Darstellung zugestanden. Von ihm wird berichtet, mehr aber auch nicht.

      Diese Geschichte ist 3 Jahre her, gerade aus dem Grund kann ich sie distanziert und trotzdem nah bei mir selbst schildern, ohne dass ich ihn charakterisieren oder beurteilen müsste. Das war hier weder nötig noch der Punkt. Mit einem Urteil oder einer Charakteristik über ihn, hätte ich meiner Meinung nach eher vom eigentlichen Kern abgelenkt. Und – das merkst du ja – es kommt allein durch die Tatsachenbeschreibung schon mehr als genug von ihm und seiner Person ins Spiel.

  • Wirklich mutig von dir den Text zu veröffentlichen, großen Respekt! Und ich kann dich sehr gut verstehen auch wenn ich nie „die Andere“ war gab es doch mal eine ähnliche Situation in meinem Leben.
    Hier irgendjemanden zu verurteilen finde ich nicht richtig. Wer kann schon mit 100 % Sicherheit sagen und wissen, dass er vielleicht nicht auch irgendwann mal in dieser Situation landet und ähnlich handelt!

  • Liebe Lina,

    für diesen Artikel hast Du den größten Respekt verdient. So mutig dieses Thema anzusprechen und dann auch noch so ehrlich zu sein, selbst einmal die „Affäre“ gewesen zu sein.
    Dein Beitrag hat mich wie immer gefesselt und ich freue mich auf viele weitere.

    Alles Liebe, Christina

  • Fantastisch beschrieben. Und so wahr…
    Ich kenne diese Gefühle. So gut wie alle davon. Denn auch ich war ein paar Wochen lang „die andere Frau“.
    Unfassbar, aber wahr. Und was soll ich sagen? Er hat sich für mich entschieden. Denn ich konnte nur in sein Leben, weil seine Freundin schon lange nicht mehr wirklich drin war. Und nun sind wir seit 2 Jahren glücklich zusammen, wenngleich wir einen echt schweren Start hatten. Mach mal in einer Kleinstadt aus einer Affäre eine Beziehung. Und vor allem, wenn SIE irgendwie immer präsent ist. Aber wir haben es geschafft und ziehen nächsten Monat endlich zusammen…
    So kann es auch gehen 🙂

  • Lina, ich hab eben deine Ansage auf Snapchat angeschaut und jetzt muss ich doch was zu dem Artikel sagen.
    Ich hatte gestern keinen Kommentar geschrieben, weil ich zu dem Thema selbst keine Erfahrung habe. Trotzdem war ich von deinem Beitrag total gebannt. Besonders dein Schlusswort finde ich grandios, denn auch für mich wäre der Grund, keine Affäre einzugehen, nicht die andere Frau oder irgendeine Moral. Sondern ganz allein ich. Weil ich für keinen Mann jemals die zweite Geige spielen will, die im Schatten darauf wartet, endlich auch öffentlich seine Frau sein zu dürfen. Diese emotionale Macht über eine Frau zu haben und sie bewusst auszuspielen, sie sich mit falschen Versprechungen warm zu halten, ist eigentlich ekelhaft. Und deshalb kriege ich auch den totalen Anfall, wenn dann auch noch die Frau alleine dafür verantwortlich gemacht wird.
    Im Bekanntenkreis meiner Eltern haben sich in den letzten Jahren mehrere Ehepaare getrennt – natürlich erst, nachdem mindestens einer von beiden schon jemand anderen am Start hatte. Parallel. Das Traurige? Hatte die Frau den Mann betrogen, war sie (logischerweise) die Böse. Hatte der Mann aber die Frau betrogen, war es vor allem die neue Partnerin des Mannes, die auf Dorffesten geschnitten und hinter deren Rücken auf übelste Art und Weise getuschelt wurde. Diese miese Schlampe, hat die der armen Frau den Mann ausgespannt. Bis solch irre Doppelmoral aus den Gehirnen verschwindet, wird es noch einige Zeit dauern. Danke, dass du deinen Teil dazu beiträgst und dafür sogar die Scheiße in Kauf nimmst, die jetzt auf dich niederregnet.

    • Eine totale Frechheit, ich kann verstehen, dass dich das aufregt. Es ist scheinbar immer noch in den Köpfen der Menschen verankert, dass eine Mann der mehrere Frauen am Start hat „halt ein Casanova ist“ (nachsehendes Lächeln, teils bewundernde Blicke), während eine Frau dann schon richtigen Hass entgegengeschleudert bekommt. Am besten sind noch die Leute, die betrogenen Frauen vorwerfen, sich in der Beziehung nicht genug bemüht zu haben (What!!????). Man sollte niemals einen Menschen auf diese Weise verletzen, wenn es aber passiert ist, dann sollten doch bitte Männer und Frauen gleichermaßen von der Gesellschaft verurteilt werden!

  • Grandious geschrieben Lina!
    Auch wenn ich nicht alle der oben beschriebenen Phasen selber erlebt habe kann ich bei den übereinstimmenden Phasen nur sagen: Bravo, Du hast den Nagel auf den Punkt getroffen.
    Was Du beschreibst geschieht jeden Tag überall auf der Welt, mal mir einer Anderen, mal mit einem Anderen. Ja, Walt Disney und alle möglichen RomComs wollen uns was anderes einreden, aber ein happy end gibt es eben nicht immer. Finde Die Kolumne fabelhaft geschrieben und habe immer und immer wieder nicken müssen.
    Ich sehe es ähnlich wie Du. Eine Äffare wird nie enstehen wenn der Fremdgeher/die Fremgehende absolut glücklich in einer Beziehung ist. Dem anderen Mann/der anderen Frau kann man nicht Schuld an der Affäre geben. Er/Sie ist nur ein Symptom einer nicht kränkelnden Beziehung. Ja man kann dem Anderen/der Anderen moralische Vorwürfe machen, aber bestimmt nicht den Vorwurf eine Beziehung zu zerstören. Diesen Schuh darf und muss sich nur der Betrüger anziehen.
    Lina, hier und da teile ich Deine Ansichten nicht aber es kommen mehr und mehr Artikel bei denen ich nur denke: Wow…genial
    Let’s get into formation!

  • Liebe Lina,

    das Erste, was ich beim lesen dieses Textes dachte war: Was ein Arschloch der Typ, dass er alle Frauen, denen er wichtig ist, an der Nase herumgeführt hat.

    Ich glaube irgendwie kann ich verstehen, wieso du das gemacht hast. Du warst halt super verliebt und wenn man verliebt ist macht man komische Sachen, zumal du zu seiner Freundin ja keine Bindung hattest.
    Ich finde es nicht gut oder unterstütze sowas, aber ich bin mir sicher, dass das viel mehr Frauen unter uns passieren könnte, als wir alle zugeben würden.

    Ich war noch nie ‚die andere Frau‘, aber ich war die Betrogene. Anfangs war ich auf beide unheimlich sauer, wenn ich die Frau, mit dem er mich betrogen hat, gesehen hätte, ich glaube ich hätte ihr mitten auf der Straße eine reingehauen, aus Wut.
    Aber mittlerweile verstehe ich, dass derjenige der die Scheiße gebaut hat, der Betrüger ist. Er ist derjenige, der einen anlügt und hintergeht, eine Person, der man in Zukunft aus dem Weg gehen sollte.

    Und das ist irgendwie das, was ich nicht verstehe: wie kann man mit jemanden schlafen, der andere Menschen, die ihn lieben, wissentlich so verletzt?

    Aber da sind wir wohl wieder bei dem einen, großen Punkt: wo die Liebe hinfällt.

    Ich wünsche dir alles Gute, danke dir für einen Einblick in die Sichtweise ‚der anderen Frau‘ und hoffe, dass du dich demnächst in jemanden verliebst, der es wert ist.

    Liebe Grüße,
    Franzi

  • Liebe Lina,
    als ich anfing deinen Post zu lesen, war ich sehr skeptisch. Aber du bist so ehrlich und redest nichts schön.
    Am Ende wird beiden Frauen weh getan und Schuld ist nicht „die Andere“. Das habe ich vorher auch schon so gesehen, aber trotzdem verachtet man natürlich immer diejenige, die sich als Affäre ausgibt. Aus deiner Sicht erzählt klingt es aber genauso verletzend wie aus der Sicht der Freundin.

  • Hallo Lina, ich habe gestern den Text gelesen und fand ihn toll geschrieben, fesselnd und „unterhaltsam“. Er zeigt dass die Sache mit der Liebe, dem Sex so viel mehr Nuancierunen hat, als oft dargestellt wird.
    Heute lese ich die Kommentare und kriege fast einen Herzinfakt. So bekommt Dein Text noch eine ganz andere Wertigkeit. Er bringt zum Vorschein wie viel Ablehnung und, ja, Hass Frauen sich entgegen bringen können. Es ist so traurig und trifft mich sehr. Daher habe ich mich auch sehr über Deine klare Position bei snapchat gefreut. Frauen wie Du sind so wichtig! Bleib bitte so stark!

    Und off topic: Willkommen im schönen Eimsbüttel, vielleicht treffen wir uns mal auf dem Markt 🙂

    Alles Liebe, Magdalena

  • Ein unglaublich ehrlicher, mutiger und beeindruckender Post.
    Ich bekomme eine ganz neue Sichtweise auf die Person, deren Seite sonst immer verschwiegen wird.
    Trotzdem hoffe ich nie in die Lage zu kommen.
    Denn es ist meistens egal auf welcher Seite, unglaublich verletzend.

    Alles Liebe und danke für deine Offenheit
    Hannah

  • Liebe Lina,
    Ich war selbst schon mehrmals die Betrogene und ich habe die andere Frau gehasst. Ich wollte nicht, dass der Mann, den ich so lange geliebt habe, die Schuld trägt. Vermutlich um mich selbst zu schützen. Gegen Slutshaming bin ich generell und absolut. Damals war ich aber noch sehr viel jünger und unsicher. Jemand anderem die Schuld zu geben, macht es manchmal eben einfacher. Trotzdem kann ich deine Position nachvollziehen und ich finde es gut, dass du so schonungslos ehrlich bist, da ich es nun das erste Mal aus einer anderen Perspektive sehe.
    In einigen Situationen finde ich es schwierig das Handeln der anderen Frau nicht sofort abzustempeln, beispielsweise wenn eine ganze Familie im Spiel ist. Aber vermutlich liegt es auch einfach an meinen eigenen Erfahrungen.
    Dein Text hat mich getroffen. Mir teilweise die Kehle zugeschnürt. Ich bin dir dankbar für deine Mut. Und ich heiße es nicht gut was du getan hast, aber ich kritisiere es auch nicht.

  • Ich find der Text ist ganz gut geschrieben mehr leider aber auch nicht. Ich kann deine Einstellung 0 nachvollziehen. Zu einer Affäre gehören immer ZWEI Leute! Das du wissentlich eine andere Frau verletzt (Das der Mann ein Arsch ist, muss man wohl nicht nochmal erwähnen), find ich grauenhaft. Ich wünschte mir, Menschen würden sich nicht nur Gedanken um sich selbst machen und nicht nur online von #NÄCHSTENLIEBE sprechen, sondern vllt auch mal offline.
    Für mich ist diese Veröffentlichung nicht mutig sondern eher peinlich.

  • Der Typ.

    Hallo Lina.
    Deine Geschichte ist sehr gut geschrieben. Deine Sicht und die Reflexion deiner Gefühle…darin werden sich wohl viele Frauen wieder erkennen. Vielen Frauen wirst du mit deiner Geschichte sicherlich auch Kraft geben, zumindest für die, die sich weit genug entfernt haben um den Absprung zu wagen.
    Doch was ist mit dem Typen? Der Typ, der auf der anderen Seite steht…. Ich bin der Typ, der Andere, derjenige, der seine Freundin betrogen hat. Es hat angefangen als eine klare Affäre und die Fronten sind deutlich abgesteckt. Doch leider hat das nicht gereicht, weil sich mehr entwickelt hat…mehr als eine Affäre, mehr als eine Freundschaft. Es ist eine Beziehung zweier Menschen, die sich in einander verliebt haben. Ja, ich habe mich damals in meine Affäre verliebt. Ich wusste auch dass dies passieren wird…damals schon, denn sie ist ein wundervoller Mensch. Leider haben wir nie eine „öffentliche“ Beziehung führen können, die ihrer Person gerecht gewesen wäre. Was zum größten Teil wohl mein Verschulden ist. Zuviele Schuldgefühle plagen mich, nicht nur ihr gegenüber, sondern auch meiner damaligen Freundin, mit welcher ich ein Kind habe. Aber was hätte ich tun sollen?! Leider gibt es kein Rezept oder geschweige denn einen Plan…leider. Heute, Jahre nach dieser Affäre, dieser Liebe, stehe ich mit ihr immer noch im Kontakt…komme nicht von ihr los und liebe sie noch immer. Ich bin immer noch für sie da…fange sie in jeder Situation auf, wenn sie mich braucht. Sie ist wohl mein Schicksal, also akzeptiere ich es. Klar, es ist auch schön gebraucht zu werden, aber es ist genauso grausam nicht mehr derjenige zu sein, der ich für sie war. Der Typ, den sie liebt.

  • Unglaublicher Text mal wieder, Hut ab. Ich habe aufgegeben ale Kommentare lesen zu wollen, es sind einfach zu viele. Ich habe sehr mitgefiebert bei dem Text und ich denke viele (Frauen wie auch Männer) machen mindestens einmal eine Erfahrung mit dem Thema, sei es als „Täter“ oder „Betroffener“ – oder beides? Manchmal unklar… Es ist defintiv ein sehr emotionales Thema, das keinen kalt lässt. Trotzdem ist es schwer alles nur schwarz oder weiß zu sehen, das geht bei Gefühlen einfach nicht. Egal wie man dazu steht, der Text ist eine echte Bereicherung und ich verstehe ihn keinesfalls als Rechtfertigung. Großes Lob und liebe Grüße 🙂

  • Hi Lina,
    als ich von deinem Snap-Chat-Rant erfahren habe und ihn mir angesehen hatte, hätte ich sonst was erwartet, aber nicht das. Das, was du erlebt und durchgemacht hast, sind Dinge, die leider im Zwischenmenschlichen passieren. Es muss nicht immer so ablaufen wie du es erlebt hast – ich befürchte fast, dass er sich gar keine Gedanken gemacht hat oder es ihm egal war, was er euch beiden antut, spätestens durch die weitere andere wurde das deutlich :(. Aber wie du schon sagst, es gehören immer zwei dazu und es passiert oft eben ohne, dass jemand plant jemand anderen – sei es die Person gegenüber oder eine dritte Person – absichtlich zu verletzen. Und ich finde es gut und mutig, dass du deine Sicht der Dinge hier öffentlich schilderst, auch wenn es sicher eine sehr schmerzhafte Erfahrung für dich war. Lass dich von negativen Kommentaren bitte nicht runter ziehen. Ich hoffe, dass es dir inzwischen besser geht.
    Liebe Grüße
    Philipp

    • Hi Philipp,

      ohne deine freundlichen Worte jetzt vor den Kopf stoßen zu wollen: es geht mir sehr gut, ich denke ich könnte nicht so distanziert und gleichzeitig schonungslos dicht bei mir über diese Geschichte berichten, wenn es nicht lange vorbei und verarbeitet wäre.
      Mein Rang war auch kein „man, die sind so fies zu mir!“, eher im Gegenteil, ich halte Kritik und Anfeindungen aus, ich weiß, was für ein kontroverses Thema ich hier aufgemacht und zu dem ich so direkt Stellung bezogen habe, es macht mich einfach wütend, welche Denkweisen noch in den Köpfen von Frauen existieren und wie tief das Slum Shaming unter Frauen einfach geht. Als Schlampe wurde ja nicht mal ich bezeichnet, sondern andere Leserinnen von mir.

  • Liebe Lina,
    wow, wie immer ein wundervoll geschriebener Text – solltest du wirklich einmal Bücher schreiben, ich kaufe sie sofort!

    Zum Inhalt:
    Ich war ebenfalls schon mal beides – je mehr der Kommentare ich überfliege desto deutlicher wird, dass ein Gros ebenfalls schon einmal in einer ähnlichen Situation war.
    Irgendwie traurig, oder?

    Ich verstehe auch deine Einstellung – ich bin die Andere, ich will meinen Spaß, die Verantwortung trägt er. Viele Menschen die ich kenne würden das ebenfalls so unterschreiben und abnicken – auch ich habe mich dazugezählt und würde nicht auschließen, es wieder so zu sehen.
    Aber wenn wir ehrlich sind – wenn jede/r Andere die Affäre von vornherein ablehnen würde, gäbe es niemanden mehr, der mitmacht. Und wir würden uns allen den Kummer ersparen. Vielleicht sollte jeder, der diesen Text liest, genau darüber einmal nachdenken. Ultimaten können nach hinten losgehen aber ich denke niemand möchte nur die Andere sein und bleiben. Am Ende erhofft sich doch (fast) jeder insgeheim, den Mann oder die Frau zu bekehren und ein Happy End zu bekommen.
    Bis der/die nächste kommt…

  • Dein Text hat mich echt getroffen. Und mitgerissen. Wirklich großartig geschrieben. Und so wahr. Und ehrlich. Und schonungslos. Ich bin … berührt.

  • Wahnsinn. Du beschreibst mit wohl jedem Wort genau das, was ich auch gefühlt, gedacht, gehofft und erlebt habe.
    Und manchmal frage ich mich noch, ob er, nachdem seine Frau von seinen 5 Affären erfahren hatte, weil sie seine Mails gelesen hatte, genauso gelitten hat wie ich unter meinen Schuldgefühlen. Und irgendwie frage ich mich auch, ob er jetzt wohl treu ist, nachdem sie ihm verziehen hat und die beiden sich zusammengerauft haben.

  • liebe lina

    ich habe deinen text vor und zurück gelesen… und es hat mich zu längst vergessen geglaubten gefühlen und ereignissen zurückgeführt. ich war das „mäusschen“, die langweilige und verständnislose ehefrau, die man aus rücksichtnahme und weil sie angeblich psychisch angeschlagen ist, nicht verlassen kann. nach 4 jahren glücklicher beziehung und 2 sorglosen ehejahren habe ich eher zufällig erfahren müssen, dass mein mann mich betrügt. es hat mir den boden unter den füssen weggezogen, ich viel ins bodenlose….. meine reaktion, ich liebe ihn über alles, er ist mein leben, ich kann nicht ohne ihn, all meine/unsere träume, unsere zukunft, unser leben, unser versprechen einander gegenüber… also habe ich in den ersten wochen nach der vogel strauss methode gehandelt, nicht wahrhaben wollen, evtl. kommt alles wieder gut, vielleicht war es ein böser traum? unnötig zu sagen, dass dies auf dauer nicht funktioniert, also liebesintensität bis zur selbstaufgabe erhöht, auch dies ohne erfolg – der mann geht immer noch fremd, „sieht“mich nicht die „andere“ wird jedoch auch hingehalten mit ausreden und gut-mensch-getue (meine frau verkraftet eine trennung nicht schmarren). nach langen monaten endlich doch noch ein letztes fünklein selbstachtung wieder gefunden, getrennt, ausgezogen, scheidung eingereicht und neues leben in angriff genommen… wahrscheinlich kein wirklich sachdienlicher kommentar, aber dein text hat mich zurückgeführt zu dem „mäusschen“, das geduldig und fromm auf den mann wartet, vordergründig treu hinnimmt, was ihm passiert – und da waren sie wieder diese unbeschreiblichen gefühle und diese unglaubliche ohnmacht. unnötig zu erwähnen, dass ich in deiner geschichte mitfühle mit der freundin und so sehr wünsche, dass sie es schafft, sich zu lösen und sich dem leben zu stellen. nach über 10 jahren kann ich nun sagen, es kommt gut, man kann es überstehen, man kann daran wachsen und sich vornehmen nie wieder das „mäusschen“ zu sein und manchmal wartet das erhoffte happy end nur um die ecke… alles liebe für dich, celia.

  • Danke!!
    Ich folge dir nun schon so lange auf sämtlichen Medien und auch wenn ich nicht immer deiner Meinung bin, schätze ich deine Texte von Anfang an. Sie sind anders und unheimlich gut. Und in letzter Zeit sind sie irgendwie noch näher gekommen, noch bedeutender geworden.
    Und dieser hier ist – wieder einmal – der richtige Text zur richtigen Zeit.
    Ich war jetzt zweimal die andere und habe mittlerweile eine klare Position dazu – die Beziehung ist die Aufgabe derjenigen Menschen, die sie führen. Ich glaube nicht, dass man jemanden einem anderen Menschen „wegnehmen“ kann. Wer glücklich ist, den kann man nicht „wegverführen“. Das ist ein Märchen.
    Der erste Mann dessen „andere Frau“ ich war, war ein Spieler und hätte seine Frau niemals für mich verlassen. Ich war eine von vielen und wusste das sogar von Anfang an – und habe mich gerade darum nicht schlecht oder schuldig gefühlt. Heute würde ich das wohl nicht mehr machen. Er hat und hätte seine Frau auch ohne mich betrogen, aber „einfach so“, nur aus Spaß würde ich heute nichts mehr tun, was einen anderen Menschen so sehr verletzen würde wie ein Betrug.
    Der zweite Mann ist heute meiner. Und insofern widerspreche ich deinem letzten Absatz dann doch.
    Ihn kenne ich schon länger, ich weiß, dass er kein Spieler und Aufreißer ist. Es lag an mir – das heißt an unserer Anziehung, daran dass wir uns wirklich ineinander verliebt hatten, bevor irgendetwas passiert ist – dass er seine Partnerin kurze Zeit mit mir betrogen hat und nicht an ihm.
    Er hat keinen miesen Charakter, sondern er hat sich neu verliebt. Das passiert auch. Und ich vertraue ihm bedingungslos – und finde das trotz unserer Ausgangssituation nicht naiver als in jeder anderen Beziehung auch.

    In jedem Fall danke für diesen guten und mutigen Post! Du bist ganz schön großartig und hast besonders im letzten Jahr nochmal einen richtigen Sprung gemacht. Und auch heftigen Applaus für deine Snaps zu diesem Post! Sehr coole Frau!

    Alles Liebe

  • Hallo liebe Lina,

    ich habe deinen Text vor zwei (?) Tagen gelesen und war ‚begeistert‘ über deine Ehrlichkeit und Offenheit was deine Erfahrung betrifft. Ich glaube du bist eine der Wenigsten, die sich das traut!

    Nun sitz ich da und muss feststellen, ich war DIE ANDERE, schon seit zwei Jahren und hab es einfach nicht gemerkt. Kaum mit deiner Situation bzw. Erfahrung zu vergleichen und doch musst ich es mir heute, an dieser Stelle, mal von der Seele schreiben.

    Danke für den tolles Beitrag.
    Liebe Grüße

  • Hi Lina,

    nun was soll ich sagen. Ich bin ein Mann und stecke in einer Beziehung die im Grunde der ähnelt in der dieser Kerl steckte. Und ich bin ganz ehrlich und wünsche mir das tun zu können was er kann. Ich bewundere ihn dafür die Dinge zu jonglieren Ich beneide ihn für die aufregenden Dinge die er erlebt. Ich dagegen führe ein langweiliges aber treues Leben. Was ich erstaunlich beim lesen fand ist die Tatsache das ich mir im Grunde gewünscht habe das auch zu tun. Den Kick und die Aufregung zu spüren. Eigentlich nicht meine Art. Aber irgendwas hat das in mir bewegt. Ich traue mich gar nicht es zu schreiben aber es hat mich einen Ticken mutiger gemacht und irgendwelche langsam drehenden Zahnräder in Bewegung gesetzt. Ich weiss das es schlecht und moralisch verwerflich ist was euch passiert ist. Aber ich frage mich ernsthaft ob der Kick es nicht wert ist. Allerdings hätte ich noch etwas mehr zu verlieren als der Kerl hier.

    Wie auch immer. Danke.

    K

    • Ist das dein Ernst? Wenn deine Beziehung/Ehe nicht mehr das ist, was sie sein sollte, kann man Probleme auch anders lösen, als sich bewusst eine Affäre zu suchen. Was erwartest du dir neben deinem persönlichen Kick davon? Dass sich deine langweilige Beziehung plötzlich total wandelt?
      Entschuldige, aber Personen wie du verärgern mich ungemein. Ich muss mich richtig zusammenreißen hier eine vernünftige Wortwahl zu finden… Ich wünsche dir, dass du den Mut aufbringst dein Leben auch auf eine Art und Weise zu ändern, die dein Umfeld nicht verletzt.

    • Ich finde man muss nicht über alles ein Buch schreiben, aber aus dieser Sicht, zu diesem Thema vielleicht schon.
      Würde es auf jeden fall lesen!

  • Großen Respekt für diesen Artikel, Lina. Selbstreflexion kannst du wirklich gut, auch wenn es gedauert hat, sie mit uns zu teilen. Aber das ist nur verständlich. Ich bin froh, dass du aus deinem Fehler gelernt hast!

  • Was überhaupt noch nicht beleuchtet wurde, sicher aber Gehör finden sollte: Die Andere zu sein ist irgendwie nicht ok. Ja. Aber es ist auch sehr schmerzhaft. Und man kann nie die Andere sein, wenn der der in der Beziehung steckt, nicht aufgemacht hat. Das Gefühl, zwar, das Spannende, Neue und Interessante zu sein ist ganz kurz berauschend aber schnell kommt doch auch der Wunsch nach mehr… Wenn diesem nicht nachgekommen wird, ganz egal ob zu Gunsten der eigentlichen Partnerin oder Nebenbeiaffaire (wie krass und fast schon Respekt für das Handling) ist ja egal, dann tut das weh. Denn ich würde behaupten mir sicher zu sein, dass keine Frau sich auf eine Affäre einlässt ohne diesen kleinen Funken Hoffnung, es könnte doch was Ernstes werden, er könnte sich entscheiden, für mich…
    Ich hatte eine Affäre mit einem Mann, der glaubte, seine Partnerin würde ihn betrügen und habe viel zu spät begriffen, dass ich nur die Rache war. Heute ist zwischen den Beiden alles gut und sie erwarten ein Kind. Ich bin vollkommen bewegungsunfähig. Kann ihm keinen Vorwurf machen, will das Glück der Beiden nicht zerstören, bin aber der Verlierer auf allen Ebenen. Affären gehen nur ganz selten gut aus und irgendwem tun sie immer weh und trotzdem glaube ich ,dass sich niemand ein Urteil erlauben kann, denn Liebe oder Anziehung wächst da, wo sie wachsen kann.

  • Schlampen wie du haben es nicht verdient eine glückliche Beziehung zu führen. Hat schon seinen Grund, warum du seit Ewigkeiten Single bist. Bad karma 😉

    • Absurd, dass du „Karma“ in den Mund nimmst. Das ganze is nämlich keine Einbahnstraße du smartass.

    • Oh Gott, Lina. Was muss man sich als Blogger und Person des öffentlichen Lebens alles anhören? Wie kann man Spaß daran haben, (im Prinzip fremde) Menschen so primitiv zuzutexten? *fassungslos*
      Alles Liebe aus Berlin
      Sarah

  • Tatsächlich erleb ich gerade die Situation. Nicht ich selbst, aber jemand in meinem unmittelbaren Umfeld.
    Mir fehlte anfangs jedes Verständnis. Durch DICH habe ich das nun. Besser hätte man es wohl nicht beschreiben können.

    Danke dafür
    xx

  • Erlebe selbst gerade diese Situation. Nicht ich selbst, aber jemand in meiner unmittelbaren Nähe.
    Anfangs fehlte mir jedes Verständnis, ich hielt mich daraus, aber es belastete mich schon.
    DU bist diejenige, die es mir wieder brachte. Besser hätte man die Gefühle usw. nicht formulieren können.

    Danke dafür!
    xx

  • Wunderbarer Artikel! Ich war auch ein Jahr lang „die Affäre“, wusste aber in den ersten Monaten nichts von seiner Ehefrau und dachte wir hätten einfach nur aufgrund unseres großen Altersunterschiedes in beiderseitigem Einvernehmen keine richtige Beziehung. Als ich es erfuhr, war es mir (erschreckenderweise) relativ egal – vielleicht weil meine Exklusivität dadurch ja fast noch gesteigert wurde (meinte ich) – er hatte den großartigen Sex und die aufregenden Erlebnisse mit mir, nicht mit ihr, und ich war trotzdem frei und unabhängig. Seine Ehefrau tat mir nicht leid, aber ich respektierte sie in einer vollkommen irren Art und Weise – ich dachte, one sie zu kennen, dass sie ja ein wunderbarer Mensch sein müsste, wenn er sie geheiratet hat und immer noch bei ihr bleibt, obwohl er auch andere (20 Jahre jüngere – so wie mich) haben kann. Und während ich es schreibe wird mir bewusst wie absurd das Ganze war. Es hat damit geendet, dass ich die monatelange Angst vor noch mehr Lügen mir gegenüber nicht unterdrücken konnte. Ich bin mir sicher, dass es noch Affären vor mir gab und zumindest ONS während mir. Ich wollte nicht klammern und hysterisch sein – zumal ich ja von Anfang an wusste, dass die Beziehung keine Zukunft hat und er mir auch immer wieder gesagt hat wie angenehm entspannt er es mit mir findet – darum schwieg ich und versuchte mein Misstrauen zu unterdrücken und zu überspielen. Jetzt sitz ich hier seit 2 Monaten ohne Kontakt – würde ihm noch so viel sagen wollen. Zum einen würde ich ihm natürlich Vorwürfe machen. Zum anderen ihm im Anschluss sagen wollen, dass ich ja selbst an meinem Leid schuld bin – a) weil ich es wirklich glaube, und b weil er mir dann sagen würde, was für eine tolle Frau ich doch bin. Ich weiß wir falsch letzteres klingt, aber so fühle ich. leider.

  • Liebe Lina, danke für den Text. Er ist nicht nur toll geschrieben (ich bin dadurch gerade erst auf deinen Blog gestoßen und werde jetzt bestimmt regelmäßige Leserin) sondern hat mir einige Fragen beantwortet, war ich vor Kurzen noch die eine Frau, die die betrogen wurde und ich frage mich immer, wie es der anderen wohl geht. Nicht, dass du stellvertretend für alle anderen Frauen stehst, aber es gibt vielleicht einen Einblick. Also, danke dafür!

  • Ein superguter Artikel. Ich war auch – für einen sehr kurzen Zeitraum – die andere. Über ein Jahr hat er darauf hingearbeitet (oder so fühlte es sich für mich danach an). Ich wusste, dass er eine Freundin hat, deshalb war er für mich tabu. Und dann… Tja. Ich habe sie bis heute nicht kennengelernt und ihr auch nie gesagt, was passiert ist. Aus den gleichen Gründen, aus denen du das nicht getan hast. Sie sind immer noch zusammen. Inzwischen bestimmt seit 10 Jahren.

  • Hi Lina,

    deinen wirklich sehr gelungenen Text zu lesen war sehr schwer für mich. Aber ich wollte dir ausdrücklich sagen, dass ich es sehr bewundere wie ehrlich und schonungslos du mit dir ins Gericht gegangen bist und dass du daraus die für dich wichtigen und richtigen Konsequenzen gezogen hast. Deine Stärke, dich im Spiegel anzuschauen und die Affäre zu verarbeiten bewundere ich sehr.

    Ich stecke gerade in der ganz anderen Position. Aber genau deswegen hat es mir gut getan deine Sicht der Dinge zu lesen. Ich war die Betrogene. Mein Mann hat mir gestanden, dass er eine Affäre hatte. Er war mehrmals ausgezogen, weil er „Zeit für sich brauchte“- das waren jeweils ein paar Tage, in denen er sich für die Andere entscheiden wollte. Und dann ist er immer wieder zu mir zurückgekommen. Er war wie gefangen zwischen zwei Frauen, die er, da bin ich mir sicher, beide sehr lieb hatte und die er beide wegen unterschiedlicher Charaktereigenschaften geliebt hat. Letztlich hat sich die Situation so zugespitzt, dass er sich nur noch so zu helfen wusste mir die absolute Wahrheit zu erzählen. Es war und ist unendlich schwer an diese Zeit zu denken. Ich weiß gar nicht wie häufig ich in der U-Bahn saß oder im Bett lag und es mich mit einem mal überkam: Als er gesagt hat er müsste beruflich weg, war er bei ihr? Als er gesagt hat er würde nur einer Freundin helfen, war er da schon in sie verliebt? War sie besser im Bett, lustiger? Warum war ich ihm nicht genug? usw. Mir hat es sehr geholfen, dass wir absolut reinen Tisch gemacht haben. Ich habe ihm alle Fragen gestellt und er hat sie schonungslos beantwortet. Über sein anfängliches Hochgefühl, das Kribbeln im Bauch weil man etwas aufregendes tut, einmal in seinem Leben die Kontrolle aufgibt und einer anderen Person wieder so nahe ist, wie man das nur am Anfang einer Beziehung sein kann. – Im Grunde hat er dieselben Gefühle beschrieben wie du.
    Von der Zeit, wo er versucht hat sich zu entscheiden und es in seinem Fall nicht konnte/wollte bis zu der Zeit wo es zur Quälerei für ALLE beteiligten wurde. Für mich als Betrogene, die um ihre Ehe gekämpft hat und nicht verstehen konnte wo die Liebe hin verschwunden ist, für die Andere die darauf gehofft hat, dass er sich für sie entscheidet und für Ihn der sich nicht entscheiden konnte, der wenn er bei ihr war wieder zu mir wollte und wenn er bei mir war zu ihr wollte. Und doch der Tatsache nicht entfliehen konnte, dass er nirgendwo glücklich geworden wäre, weil man seine Probleme und in seinem Fall seine Unehrlichkeit und den Verlust seiner selbst überall hin mitnimmt.
    Ich habe mich nicht von ihm getrennt. Wir befinden uns in einer Phase der Aufarbeitung die unglaublich hart ist. Sie ist hart, weil ich mich mit so vielen zwischenmenschlichen Aspekten auseinandersetzen muss, mit denen ich mich nie auseinandersetzen wollte. Mit Wut, Enttäuschung, Verzweiflung, Hoffnung und Geduld (die ich üben muss). Ich habe das Gefühl meine Unschuld verloren zu haben, meinen Glauben an Ihn, das bedingungslose Vertrauen und meine schöne heile Welt. Meine Vorstellung, dass er das Beste ist was mir je passiert ist. Manchmal neide ich ihm sogar die Affäre. Wie gerne würde ich mich wieder frisch verliebt fühlen, dieses Hoch fühlen wenn man glaubt, den Menschen gefunden zu haben der einen versteht, der einen so liebt wie man ist.
    Und das Wissen, dass ich ihn so sehe wie er ist, als eine lustigen feinfühligen Menschen, der Scheiße gebaut hat, der sich egoistisch verhalten hat, der dabei viele Menschen verletzt hat: Mich, Sie und sich selbst. Der damit kämpft seine Selbstachtung wieder zu finden, der darum trauert zu wissen, dass er es war, der unserer Beziehung einen schweren Schaden, vielleicht einen unheilbaren Schaden zugefügt hat.
    Doch ich spüre auch, dass mich diese Zeit hat wachsen lassen, auf eine Art die ich gar nicht mehr missen möchte. Sie hat mein Herz größer werden lassen und mir mehr Verständnis für Menschen gebracht, für die Tatsache, dass das Leben nicht Schwarz oder Weiß ist sondern viele Schattierungen von Grau hat. Ähnlich wie es dir ergangen ist.

    Dass jeder Mensch für sein eigenes Glück und Leid verantwortlich ist. Er, Sie und Ich.

    Zum Schluss möchte ich noch 2 Bücher empfehlen, die mir sehr geholfen haben und von denen ich hoffe, dass sie vielleicht jemandem der gerade in einem Liebesdreieck steckt auch helfen können:

    „Der Prophet“ von Khalil Gibran (daraus : „Zur Liebe“ und „Über die Ehe“)
    und als eher praktischer Wegweiser: „Die Psychologie der Untreue“ von Shirley Glass

    Vielen lieben Dank für diesen mutigen und offenen Text!

  • Dieser Post ist wirklich großartig und ich habe dadurch deinen Blog erst wieder neu für mich entdeckt.
    Ich hatte ein bisschen Angst, dass sich dein Beitrag nur darum drehen wird zu rechtfertigen, dass es ja an einem der beiden liegt, die in der Beziehung sind, wenn es zu einem Betrug kommt.
    Mir wurde auch ziemlich schlecht, als ich gelesen habe, wie du über die Freundin schreibst. Weil mir persönlich genau diese Vertrautheit und das „so sein können wie man ist“ sehr, sehr heilig in einer Beziehung ist.
    Dazu gehören auch Schlumpfhose, Knuddelfrisur und eine Kuscheldecke.
    Ich habe selbst noch nie betrogen und wurde, soweit ich es weiß, auch noch nie betrogen. Ich weiß, dass ich damit klar käme, weil ich schon nicht an die eine, einzigartige Liebe glaube. Dafür interessieren mich verschiedene Eigenschaften verschiedener Menschen zu sehr, als dass ich Angst haben müsste, nie wieder jemanden zu finden, der zu mir passt. 🙂

    Allerdings macht es mich sehr traurig, dass Menschen so achtlos miteinander umgehen. Und ja, auch du. Vielleicht habe ich ein zu starkes Ego, als dass ich mich so sehr bauchpinseln lassen müsste von irgendeinem Arschloch.
    Mir muss kein Mann, der seine Beziehung auf Lügen und Betrug aufbaut, sagen, dass ich begehrenswert oder besser bin als jemand anderes. Warum sollte er zu mir ehrlicher sein, als zu seiner festen Freundin?
    Dieses sich-begehrt-fühlen hat für mich einfach null Logik, ist absolut nicht nachvollziehbar. Ich halte es für geradezu naiv, mehr als einen One Night Stand mit jemandem zu haben, der dann nicht einen klaren Cut macht.
    Egal in welcher Form.
    Und da frage ich mich, ob diese Komplimente und das Süßholzgeraspel einem selbst so viel mehr wert sind, als noch in den Spiegel sehen zu können.
    Ich könnte es nämlich nicht mehr. Denn im Prinzip gibt man sich doch bewusst einem charakterlosen Menschen hin, weil man selbst zu wenig Selbstbewusstsein hat und andere dafür arbeiten lassen will. An einen Lügner, von dem man weiß, dass er einer ist. (Wenn man von der festen Freundin nichts weiß, ist die Lage ja nochmal anders.)

    Ich glaube ganz fest an Karma und daran, dass jeder das zurück bekommt, was er anderen angetan hat.
    Und das gilt auch für dich, als die Frau, die sich wissentlich in eine Beziehung eingemischt hat. Egal ob der Typ sonst die nächste genommen hätte. Aber wenn alle nur an sich denken würden, stünden wir ganz anders da.
    Trotzdem finde ich deinen Text unglaublich mutig und auch sehr authentisch. Ich nehme dir völlig ab, dass du diese Hochphase genossen hast und ich nehme dir völlig ab, dass du nicht ernsthaft am Schicksal gezweifelt hast, weil die Geschichte so ausging, wie diese Geschichten eben meistens ausgehen.
    Danke, dass du dazu stehst. Und dass du Menschen wie mir Einblicke gibst in Dinge, die unvorstellbar scheinen.

    Ich wünsche dir alles Gute, freue mich riesig auf weitere Beiträge von dir und Hut ab vor deiner Ehrlichkeit!
    Alles Liebe
    Sabrina

  • Großartiger Text! Ich bin über Edition F darauf gestoßen, auch wenn ich früher schon ein zweimal direkt bei dir vorbeigeschaut habe.

    Ich war mit 23 für ein Jahr mit einem Mann zusammen – ganz große Gefühle, allerdings sowohl hoch als auch tief. Ich wusste von seiner Exfreundin aus seinem Heimatland. Ich wusste nicht, dass er immer noch mit ihr zusammen war. Und sich nach ca. einem halben Jahr mit mir noch zwei weitere Freundinnen in der Stadt zugelegt hatte. Irgendwann, als sich alles irgendwie komisch anfühlte, stolperte ich bei ihm über einen Stapel Weihnachtskarten – alle von Frauen und auf allen stand „ich liebe dich“. Ich habe tagelang nur geheult. Ich habe ihn an einem Abend, als mir kurzfristig absagte, zu einer seiner anderen Freundinnen verfolgt und bei ihr zur Rede gestellt. Habe mich aus lauter Wut, voller Enttäuschung und verletztem Stolz mit dieser anderen Frau zusammengetan, um gemeinsam mit ihr die dritte Frau zu informieren. Ich habe nicht wie du auch nur einen Gedanken daran verschwendet, dass die andere damit noch mehr verletzt, noch mehr gedemütigt wird – denn ihrer Reaktion nach zu urteilen, wusste sie längst, was Sache ist, hatte es aber nicht sehen wollen. Ich wollte meine Wut über seine Lügen und seine Betrügereien in die Welt hinausschreien, damit alle wissen, was für ein Mensch er ist! Im Nachhinein sehr naiv. In Wirklichkeit interessierte es nämlich niemanden – für die Frauen blieb er trotzdem ein begehrenswerter Charmeur, an dem man sich höchstens mal die Finger verbrennt (oder dem Irrglauben erliegt, bei ihr wäre dann ja alles anders!) und die Männer fanden es bewundernswert, wie er so viele Frauen gleichzeitig unter einen Hut bekommen hat, das verlange ja nach einiger Organisation.

    Fazit nur wenige Wochen später: die Beziehung mit Frau Nummer 3 dauerte an, auch noch viele Jahre länger. Frau Nummer 2 blieb weiterhin mit ihm befreundet, “ war ja alles halb so wild“. Die einzige, die komplett den Kontakt zu allen und allem abbrach, war ich. Er ist ein sehr charmanter Mann, der das Lügen und Vorgaukeln von echtem Interesse und einzigartigen Gefühlen sehr gut beherrscht. Und wenn sich Menschen in ihrem Leben nicht gravierend ändern – wozu es ja durchaus unterschiedliche Meinungen und Erfahrungen gibt – dann wird er weiterhin mehrere Affären pflegen.

    • Gerade dein letzter Absatz: Treffer. Genau das. Der Mann über den ich schrieb unterhält auch heute noch viele Affären, einige davon seit Jahrzehnten.

  • Hallo Lina

    habe deinen Artikel gerade auf Woman.at gelesen, er hat mich so berührt und aufgewühlt! Aber du bist sehr mutig, offen und ehrlich!
    Ich bin momentan dabei mich von meiner „Affäre“ (er ist verheiratet und hat kinder..) zu trennen. Obwohl er mir von anfang an versichert hat dass er seine Frau nie verlassen wird und seine Kinder liebt habe ich mich trotzdem in ihn verliebt. Von dem ersten Moment an als ich ihm begegnet bin, noch bevor ich überhaupt seinen Namen kannte hat es gefunkt. Es war so, er hat mir die Hand gegeben, mich begrüßt und mein Herz hatte einen richtigen Aussetzer! Sowas hatte ich noch nie, bei keinem einzigen meiner Exfreunde! Und ich dachte, es muss doch etwas bedeuten, aber im großen und ganzen ist es NICHTS.
    Ich habe die Affäre beendet, es tut mir auch nicht leid, ich sehe das ganze nunmal realistisch. Und ich will nie wieder was mit jemandem anfangen der vergeben ist, egal ob mein HErz nen Aussetzer hat oder nicht. Es bringt einfach nichts, nur Bauchweh und HEulkrämpfe.

    Ich wünsche dir noch alles gute auf deinem Weg und hoffe für dich dass du echte und ehrliche Liebe erfahren wirst!
    Hanna

  • Liebe Lina, im Moment bin ich, nein, war ich, oder vielleicht bin ich die andere Frau…
    Und alles, wirklich alles was du schreibst, kommt mir bekannt vor.

    Wie schön es am Anfang war, diejenige welche zu sein, mit der er seine Freundin betrügt, mit der er lacht und die er begehrt. Und dann, auf einmal änderte sich das – er hatte keine Zeit mehr für die Dinge, die am Anfang selbstverständlich waren. Auf einmal war es nicht mehr drinnen, dass ich in der Kneipe zur Runde dazustoße, es könnte ja jemand merken. „Nein, ich kann doch für den Nachhauseweg keine 2 Stunden brauchen“ „wieso nicht, am Anfang ging es doch auch?“ „ja, aber wenn meine Freundin davon erzählt bekommt, wann wir los sind und wann ich daheim war…“ – eine endlose Geschichte.

    Jetzt ist es soweit, der Kontakt ist auf Eis, meine Arbeit in der Firma vorbei, ich habs mit nem „Leb wohl, ich glaube nicht, dass du dich jemals wieder meldest“ versucht, er daraufhin mit „ach komm, das ist doch kein Abschied. Ich werde mich melden. Bin momentan einfach nur beschäftigt“ geantwortet.

    Bisher nichts, und obwohl ich mir eingeredet habe, dass ich diese Lockerheit kann, ich kann es nicht. Ich bin es, die weinend auf der Couch ihrer besten Freundin sitzt, Wein trinkt und eine Zigarette nach der anderen rauch. Ich bin die andere, eine der anderen, nichts besonderes, eine nette Anekdote. Mehr nicht. Und ja, es fühlt sich mies an, schäbig. Und das wohl auch zu recht.

    Claudia

  • Liebe Lina,
    danke für diesen Beitrag. Ich kann nicht alles verstehen (obwohl ich selbst eine Andere bin), aber einige Sätze haben mich sehr berührt. Es ist gut, dass du darüber schreibst, weil sowas häufig passiert. Zwar nicht immer mit den gleichen Parametern (also z.B. dass er viele Affären hat, ist nicht der Standard), aber auch die „guten“ Männer mit Frau und Kinder und Reihenhaus haben gerne plötzlich eine Andere. Durch die kleinen, aber doch klaren Grenzüberschreitungen zu Beginn, die du so schön beschreibst. Das Ende ist bei mir noch nicht in Sicht, zu sehr verliebt bin ich noch, aber der Rahmen ist klar…zum Glück verspricht er nichts, was er nicht halten kann. Ich glaube, dass ich irgendwann gehen muss, aber noch kann ich nicht, denn jeden Satz, den er mir schreibt, jeder Anruf, jede Berührung, lässt mein Herz höher schlagen…und ich weiß, ich würde mit einem Ende mein Herz brechen…und seins auch.
    Aber über all diese Dinge kann man so wenig reden und so wenig teilen, weil so viele Leute diese Erfahrungen normalerweise feiern und dann im Rahmen einer Affäre abwerten. Da tut es gut, das hier mal zu lesen und sich ein wenig normal zu fühlen. Man ist nicht die Einzige in so einer Situation, nicht die Erste, nicht die Letzte und moralisch kann man natürlich Reden schwingen, aber Affären werden nicht verhindert, indem man alles darüber verschweigt.
    Gleichzeitig ist jede Geschichte anders und man sollte niemanden abwerten, weil sie die Andere ist oder weil sie bleibt. Es lohnt sich gerne, trotz des möglichen Schmerzes und das Leben schreibt eben genau solche Geschichten.

    Wie gesagt. Danke.
    -E

  • Ich bin der dritte im Bunde, der Liebhaber.
    Erst nach Monaten wurde mir bewusst, dass unsere ’so andere‘ Affäre doch viele bekannte Komponenten hat.

    So prickelnd sie ist, und ich bin um die Erfahrung froh, ich habe sie beendet.
    Ich will nicht mehr teilen.
    Es gibt keinen Grund, warum ich nicht eine normale Beziehung haben kann.
    Hätte nie gedacht, dass all die Warnungen, all das was ich über Affären gelesen habe, mich doch einholen würde.

    Es ist erschreckend, in wievielen Details dieses Artikels ich mich selbst wieder erkenne.

    Danke für den Mut für diesen Artikel, der das emotionale Dilemma für den Dritten sehr gut beschreibt.

  • Liebe Lina!

    Danke für den Artikel. Ich lese ihn nun sicherlich schon zum 5. Mal. Wieso? Weil auch ich die Andere war, und sämtliche Klischees an schönen Worten gehört habe und mein Herz diese noch immer glauben will auch wenn mein Kopf das schon lange nicht mehr tut. Ich habe es schon vor einigen Monaten beendet, aber manchmal kommt er wieder – der Wunsch wieder bei ihm zu sein. Und da hilft mir Dein Text um zu erkennen – nein es war nicht einzigartig, nein es war nicht besonders und nein es hätte sich auch nach weiteren Monaten nichts verändern – egal was er versucht hat mir zu erzählen.
    Und an Alle die es nicht verstehen wie man diese Rolle einnehmen kann – manchmal, vielleicht weil man gerade einsam oder verletzlich ist, oder vielleicht ist es auch mangelndes Selbstbewusstsein wie manche hier behaupten, will man einfach nur seinem Herz folgen und den Kopf ausschalten – auch wenn man wissentlich weiß dass das Herz dann gebrochen wird. Wir sind Menschen und keine ausschließlich rational agierenden Roboter.

    Nochmals danke für Deinen Text.

    • Da möchte ich Carousell beipflichten. Ich selbst verurteilte vorher nicht nur die, die in einer Beziehung betrügen, sondern auch die Liebhaber. Nie hätte ich gedacht dass ich selbst einmal diese Rolle einnehmen würde.
      Warum? Bei mir war es nicht mangelndes Selbstwertgefühl, sondern einfach echte Liebe, die entstand, von beiden Seiten. Ich bin meinem Herz gefolgt, wie Carousell schreibt.

      Ich litt, und tue es immer noch. Deshalb reicht mir dieses eine mal. Diese Lektion habe ich gelernt. Auch wenn ich durchaus auch viel Positives aus dieser Erfahrung mitnehme.

  • Echt ein unglaublicher Text, der so viel aus dem Herzen spricht, wenn mAn selbst in dieser Situation war, kommen beim Lesen Gefühle hoch als würde man es gerade nochmal erleben.

  • Ich muss zugeben, dass sich beim Lesen mein Magen zu einem Knoten zusammengezogen hat. Ich kann sehr gut nachvollziehen wie es dir geht, da meine Geschichte praktisch 1A wie deine abgelaufen ist. Mein Exemplar war nicht anders wie deines. Ich hoffe ich finde auch mal den Mut und kann auf meinem Blog darüber schreiben, um endgültig damit abzuschließen. Bisher habe ich mich nicht getraut. Meinen Respekt!

  • Als erstes muss man wirklich deinen Mut loben so ehrlich zu einem Tabuthema zu stehen. Ich finde das klasse. Ich selbst war unwissentlich auch einmal die „andere Frau“ und am Ende blieben die beiden zusammen und ich wurde zum Monster degradiert. Er hat gelogen und getan als hätte ich ihn bedrängt. Es war eins der schlimmsten Erlebnisse die ich hatte, den ich wurde überall schief angeschaut obwohl ich ja auch die Betrogene war, schließlich wusste ich doch auch nichts von ihr. Diese Menschen die ihre Partner betrügen, dass sind die, die die Schuld treffen muss, denn sie fügen einem dem sie emotionale Verantwortung gegenüber tragen aus purem Egoismus wissentlich, nein sogar absichtlich Schmerz zu und dann wie in deinem Fall anderen auch. Nur du hattest die Wahl, du wusstest bescheid- daher ist das Mitleid natürlich (ohne es böse zu meinen) etwas begrenzt. Aber so
    macht man eben seine Erfahrungen.

  • Liebe Lina,

    Was soll ich dazu noch sagen. Du hast das exakt zu Worte gebracht was ich all die ganzen Jahre mit mir herum getragen habe. Diese ewige Hoffnung der Miträse….Man erhält soviel und doch zugleich rammt man sich das Messer immer tiefer und tiefer in das eigene Herz bis es am Ende kapituliert. War es das am Ende wirklich Wert? Oder macht einem diese Erfahrung eventuell nur Stärker…formt das eigene Ich…Zu wissen was man selber definitv NICHT mehr haben/erleben möchte. Es freut mich das du diesen Artikel veröffentlicht hast. Auch wenn es ein schwieriges Thema sein mag und viele kein Verständniss aufweisen werden. Doch auch ich habe gelernt man wird es nie allen Menschen recht machen können. Weißt du was? Das ist auch verdammt noch einmal gut so!! Ich selber kann es sowieso schwer nach vollziehen weshalb Menschen gleich immer so schnell jemanden verurteilen können. Es gehören immer 2 Seiten zu einer Geschichten und selbst dann würde ich niemanden verurteilen…Denn selbst hat man diese Beziehung nie geführt…Nie erlebt was sich hinter der Fassade verbirgt. Das Leben ist nunmal mit all seinen Facetten kompliziert..Doch gerade das man es so verdammt Lebenswert…Wer weiss wofür es gut war!
    Danke Dir du wundervolles Wesen

  • wow, der artikel hat ja schon viele zu reaktionen bewogen 🙂 toll, dass du ihn geschrieben hast, für dich und auch für andere. ich sehe es prinzipiell so wie du, vielleicht noch ein bisschen vehementer. es ist nicht die schuld „der anderen“, wenn ein mann fremdgeht (oder „des anderen“, wenn es eine frau tut) und es ist auch nicht die verantwortung „der anderen“, treu zu sein. schuld und verantwortung trägt einzig die person, die sich in der beziehung befindet. fehltritte können passieren, aber derartige affären sind charaktersache. ich kenne auch solche männer und die tun das immer wieder. sie kommen auch immer wieder davon – warum auch immer. wenn man diese männer trifft und sich mit ihnen einlässt, sollte man gut auf sein herz aufpassen, das wird nämlich letzten endes ziemlich sicher leiden, ganz egal auf welcher seite man nun steht, als beziehung, die andere oder die andere andere. man kann mit diesen männern nur eins: spielen.

    ich war auch einmal „die andere“, allerdings nur ganz, ganz kurz. und ich bin heute noch fassungslos, wieviele vorwürfe mir (damals single) entgegen stürmten, während ihn (der in einer beziehung war) niemand kritisierte und zur verantwortung zog. ich schätze, da leben wir noch in ziemlich verkrusteten mann/frau-strukturen…

  • wow. Ich habe diesen Artikel geradezu verschlungen! Schön, wenn Menschen mal so offen und ehrlich sind sich selbst und anderen gegenüber – und wer er auch war, ich hoffe SIE ist inzwischen von ihm losgekommen.
    Danke

  • Jetzt muss ich hier doch mal kommentieren. Ich hatte auch immer die Meinung, dass die Affäre genauso schuld ist wie die Person, die betrügt. Wahrscheinlich hätte ich sogar Slutshaming begangen. Dann habe ich – damals noch in einer festen aber unglücklichen Beziehung – deinen Post gelesen und meine Meinung geändert. Plötzlich konnte ich es wenigstens ein bisschen verstehen, warum „die Andere“ nicht wirklich schuld ist.
    Fast ein Jahr später bin ich selbst „die Andere“. Ich hätte nie daran gedacht, dass es mal so kommt, die ganze Zeit habe ich irgendwo deinen Blogartikel im Hinterkopf. Wir kennen uns schon länger, ich hätte allerdings nie im Leben gedacht, dass da mal was läuft. Da habe ich echt vorher noch nie einen Gedanken dran verschwendet. Naja, dann waren wir ziemlich betrunken. Und dann wieder und wieder und wieder. Seit einigen Wochen sehen wir uns fast täglich – die Freundin ist gerade im Ausland. Schlecht fühle ich mich nicht, es macht Spaß, es ist schön, er ist auch meiner Meinung nach nicht der Typ, der sowas jemals vorher schon mal gemacht hat. Und die Freundin ist mir irgendwie egal. Es war mir auch egal, dass er sie besucht hat. Wie er das mit seinem Gewissen vereinbart – keine Ahnung. Der einzige Punkt, bei dem sie mir wirklich leid tut ist, dass sie zurückkommen wird und plötzlich wurde sie völlig ersetzt, beim Freund, bei den Freunden.
    Ich bin mal gespannt, wie es weitergeht, wann der große Knall kommt. Aber bis dahin werde ich es noch ein wenig genießen…

  • Einfach nur DANKE. Ich bin in einer ähnlichen Situation und es öffnet einem die Augen und spricht das aus, was man sich nicht einzugestehen vermag.

  • Liebe Lina,
    Danke für deinen Mut, all dies zu schreiben!
    Seit fast 18 Jahren bin ich nun die andere Frau. Ich war 22 Jahre jung und er 14 Jahre älter…
    Bevor ich ihn traf , wäre es absolutes Tabu gewesen, eine Affäre mit einem verheirateten Mann zu haben!
    Er hätte damals seine Familie verlassen, aber ich wollte nicht Schuld daran sein, dass eine Familie zerbricht. Ich verließ ihn, aber der Kontakt brach nie wirklich ab…Ich heiratete einen anderen, bekam zwei tolle Kinder und vor 3 Jahren verließ ich meinen Mann…Es lag nicht an meiner Affäre, dass meine Ehe zerbrach, es hatte andere Gründe. Danach hatten wir eine Beziehung, so gut es halt eben geht.Wir waren in Urlaub und verbrachten ganze Wochenenden. Er hat auf meinem Geburtstag meine Eltern, Freunde und Kolleginnen kennengelernt. Es ist ein offenes Geheimnis.
    Mittlerweile habe ich gemerkt, dass es niemanden gibt wie ihn, ER ist der Eine ist und ich kann niemanden in mein Leben lassen, weil jeder Weg zu ihm zurück führt.
    Ich dachte, dass nachdem ich meine Ehe beendet habe, er auch Konsequenzen ziehen würde, aber das tat er nicht. Das führte wieder zum Aus- vorübergehend…
    Mittlerweile komme ich zur Erkenntnis, dass auch ich das Recht auf Glück habe und dass mir die Momente, die wir sehr intensiv verbringen, gut tun. So wie es ist, so kann es bleiben.
    Monogamie ist eine Lebensform, die uns aufgezwungen wurde. Vielleicht wäre einiges leichter, wenn man nicht nur einen Menschen lieben dürfte….Aber das steht auf einem anderen Blatt…

    Alles Gute, liebe Lina und herzliche Grüße ?

  • Liebe Lina, ich ziehe meinen Hut vor dir. Deine ehrlichen Worte und deine Geschichte berühren mich tief. Ich war auch die andere Frau. 2 Jahre lang habe ich gehofft, gebettelt, beendet, gestritten und am Ende immer wieder meine Tür geöffnet. Am Anfang war ich seine Muse, am Ende nur ein Miststück, das es verdient hatte, geschlagen zu werden. Es war ein Ritt durch die Hölle und zurück… Aber ich hab es geschafft und nie wieder werde ich die andere Frau sein! Danke Lina für diesen Post. Ich bin also nicht alleine.

  • Hey. Ich kenne diese Seite. „The other one“ und es ist so als würdest du aus meiner Seele sprechen. Solange man die Partnerin nicht kennt, ist sie für einem selbst nicht real. Sobald man sie kennt, verändert es einfach alles.
    Naja letzendlich bin ich, die Affäre, zu seiner aktuellen Partnerin geworden. 6 Monate dauerte die Affäre mit höhen und Tiefen an. 2 Jahre nun die offizielle Beziehung. Und bis heute ist das alles nicht verarbeitet …das schlechte Gewissen plagt einen aber man hat diese Person lieben gelernt. Nur eins ist klar, niemals mehr würde ich diesen Schritt ein zweites mal wagen. Niemals.

  • 2 Jahre später lese ich diesen Artikel abermals. Wow, einfach nur wow.
    Lina dich find ich toll. Deinen Schreibstil bewundere ich, deine ehrlichen Worte berühren mich. Du holst mich ab, jedes mal und mit jedem Artikel. Du bist eine grossartige Autorin! Danke für tolle Artikel, die jede Zugfahrt kurz machen. Für deine Podcasts die sogar das Laufband im Fitnessstudio erträglich machen. <3

  • Liebe Lina,

    ich bin gerade in genau der selben Situation, wie du damals. Nur am Anfang der 5 Monate mit der bevorstehenden Entscheidung. Danke, dass du deine Gedanken und Gefühle geteilt hast, jede einzelne Zeile ist so ehrlich und wahr, dass sie mein Innenleben gerade perfekt widerspiegelt. Danke für deinen Mut und deine Offenheit, das hat gerade wahnsinnig gut getan zu lesen.

  • Liebe Lina,

    dein Artikel ist großartig! Ich habe mich in deinen Erzählungen sowas von wiedergefunden.
    Ich musste teilweise lachen und teilweise kamen mir die Tränen, weil deine Worte genau die Worte sind, die man gerne jedem, der einen kritisiert hat, der einen nicht verstanden hat, aber auch dem ehemaligem Ex-Affäre Mann ( auch wenn der das nicht verstehen würde) und seiner Freundin, bzw. in meinem Fall, seiner Frau aushändigen möchte, um endlich verstanden zu werden.
    Um endlich zu beweisen, dass man kein Monster ist.

    Ich bin momentan noch in der Verarbeitungsphase nach deiner beschriebenen Taubheit (seit 3 Monaten).
    Ich hatte die damalige Lügerei einfach satt und mein Bauchgefühl hat mir schon seit längerem gesagt, dass das nicht das ist, was ich möchte und dass da einfach was nicht stimmt.

    Außerdem habe ich, so wie du beschrieben, am Anfang seine Frau ausgeblendet und war mir der Tragweise meines Handelns nicht bewusst.
    Eigentlich schon, aber ich hab das alles ausgeblendet.
    Nach 2,5 Jahren hin und her der Affäre, habe ich sie beendet, weil ich diese ständige Lügerei und Versteckerei satt hatte.
    Kurz vorher hatte seine Frau es auch herausgefunden und mir wuchs einfach alles über den Kopf.

    Ich bin 23 Jahre alt und es gibt bestimmt Menschen in meinem Umfeld, die mich nicht mögen, aber es gab niemanden, den ich verletzt habe und/oder der aus einem bestimmten Grund abgrundtief sauer auf mich sein konnte, bis auf seine Frau.
    Das hat mich so sehr beschäftigt, dass ich sie damals einfach bei ihrem Sportstudio abgepasst habe und mich entschuldigt habe.
    Ich hab ihr alles genau so erklärt, wie du in deinem Artikel geschrieben hast und ja, vielleicht war es auch einfach für mich eine Art Gewissenserleichterung, um es mir „einfach zu machen“ und mit dem Thema abschließen zu können.

    Bei dem Gespräch habe ich aber so viel erfahren (ohne nachzufragen. Wer weiß, was noch alles für Lügen seinerseits rausgekommen wären), dass ich danach wie gelähmt in mein Auto gestiegen bin und zusammen gebrochen bin.

    Ich dachte immer „wenn wir beide (er und ich) schon alle Menschen um uns herum belügen, dann müssen doch wenigstens wir beide zusammen halten und ehrlich zueinander sein“.
    Und die Realität hat mich an dem Tag sowas von eingeholt, dass ich das bis heute kaum in Worte fassen kann. Ich glaube Ohnmacht beschreibt es am besten. Man sieht wie das Kind in den Brunnen fällt, und kann einfach nichts machen, um es zu retten.

    und obwohl man sich nie wieder auf diesen Menschen einlassen möchte (ich ekel mich einfach vor ihm wegen seiner eiskalten Durchtriebenen Art, die ich einfach immer ausblendete und in Schutz nahm, ich finde ihn auch nicht mehr attraktiv, obwohl ich vorher noch nie jemanden so heiß fande wie ihn), macht es einen doch noch zu schaffen.
    Vor allem der eigene Stolz, der verletzt wurde: „er betrügt seine Frau. Dass die das nicht merkt. ich kenne ihn mittlerweile so gut, dass ich sofort wissen würde, wenn er mich anlügen würde.“
    Und dann lügt er dich doch an, über Monate, und du hast die Hand für ihn ins Feuer gelegt. und hast es einfach nicht gemerkt.
    Das wurmt einen. Dass man doch nicht über diese Menschenkenntnis verfügt, die man geglaubt hat, zu haben.

    Ich arbeite immernoch mit ihm zusammen (wir arbeiten bei einer Behörde, können weder kündigen und wegbewerben wäre in meiner Stellung momentan mehr als blöd) und das funktioniert zum Größten Teil auch ganz gut.
    Leider spricht er das Thema immer wieder an, was einen ziemlich mürbe macht und man einfach viel schwerer mit der Affäre abschließen kann.

    Ich hatte nach diesem „Ohnmachtsanfall“ auch keinerlei Wut auf ihn. Ich habe ihn nicht angeschriehen, ich hab seinen Karton mit seinen Sachen zusammen gepackt, den hat er bei mir abgeholt. Ich wollte nichts von ihm hören, keine (gelogengen) Erklärungen, Entschuldigungen, usw. Es gab kein Geschrei, gar nichts.
    Die Gefühle für ihn waren von meiner Seite von jetzt auf gleich weg.

    Ich war einfach nur verletzt. Müde. Erschöpft. KO. Ich habe mir eine Playstation gekafut, die neuen Tomb Raider Spiele zwei Wochen lang durchgespielt. War mit dem Hund spazieren.
    Und dann war das Thema mit ihm zumindest gefühlsmäßig rum. Einfach rum.
    Die zwei Jahre Ekstase und Liebe vorher vorbei.

    Er war für mich einfach nur wie ein neuer Kollege. der „alte“, in dem ich mich verliebt hatte, war, als wäre er weggezogen und jetzt ist ein neuer Kollege in seiner Körperhülle da.

    Aber das schlimmste, was einem nach so einer Affäre wahr wird, ist meiner Meinung nach, wie perfekt ein Mensch (auch und vor allem ICH (!) in der damaligen Affäre) lügen kann. Wie verschiebbar selbst die eigene Moral ist und dass ich mich ernsthaft frage, wie und ob ich mich wieder auf einen Mann ohne Voreingenommenheit (ständige Zweifel und ohne Grundvertrauen) einlassen kann und vor allem auch möchte?.

    Und ob ich vielleicht auch irgendwann mal so werde. Wenn ich jahrelang in einer Partnerschaft bin.
    Im Moment bin ich der Meinung, wenn mir mal sowas wie Fremdverliebtheit passieren sollte, dann spreche ich mit meinem Partner darüber und trenne mich von ihm.
    Aber ich habe mir vor drei Jahren auch nie Gedanken darüber gemacht, ob ich mich jemals auf einen verheirateten Mann einlassen würde, weil es für mich gar nicht zur Diskussion stand.

    Danke für den super Beitrag Lina!

  • Wow, was bin ich froh die Notbremse gezogen zu haben in diesem Fall. Trotzdem kam es raus und ich bin die Dumme bei allen, aber es wird Gras drüber wachsen und irgendwann fühlt es sich auch nicht mehr scheiße an.

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