SUNDAY COLUMN: MOM, YOU INSPIRE ME!

Sie hat Mathematik studiert, während ich schon bei der Division von einfachen Brüchen aussteige. Ich liebe englische Klassiker, sie skandinavische Thriller. Auf ihrer Fensterbank stehen Orchideen, bei mir überleben nicht einmal Stechpalmen länger als 3 Monate. Im Restaurant wähle ich das Steak, sie die Lachspfanne.
Ich liebe Schokoladeneis, sie wählt immer Vanille. Sie fährt gern Cabrio, ich fahre gern schnell. Sie stand auf George Clooney, ich kann das nicht verstehen. Und trotzdem bin ich ihr fast so nah, wie Rory einst Lorelai. Trotzdem hört sie an meiner Stimme, ob es mir wirklich „gut geht“ oder ich es nur sage, damit sie sich keine Sorgen macht. Trotzdem ist sie für mich seit Jahren der perfekte Kinopartner, persönlicher Assistent, manchmal noch der Chef manchmal aber auch das Fangirl, mein Ratgeber und Seelsorger, noch mehr aber ein Vorbild. Ich rede von – meiner Mama.

Auch ich hab ihn schon gesagt, diesen einen Satz, in Rage oder aus Frust: „Oaaaaar! Ich will nie so werden wie meine Mutter!“
Meistens dann, wenn wir uns über meine Männerwahl oder meine beruflichen Wünsche gestritten haben, wenn ich händeringend nach Freiraum rang, während sie sich Sorgen machte. Aber ich glaube, so ist es richtig. Wir zwei, wir sind eher das „reinigende Gewitter“ als der „leise Konflikt.“ Das war schon immer so. Meine Mutter ist eben Lehrerin, noch dazu Schulleiterin – und in mir steckt dieser Rebell, der sich schon in der 4. Klasse nicht gern erzählen ließ, wie er seine Geschichten zu schreiben hat. Aufwühlen, abkühlen – von vorne anfangen und es besser machen. Und mittlerweile sind wir ziemlich gut darin. Vielleicht, weil ich keine 16 mehr bin und jetzt allein entscheide, welche Konzerte ich sehen will, vielleicht aber auch, weil ich keine 16 mehr bin und meine Mutter gelernt hat, auf mein Urteilsvermögen zu vertrauen, weil man es jetzt kann.
Und mit der Zeit passiert es, dass ich immer öfter sage: „Ich sollte da ein bisschen mehr sein, wie meine Mutter.“ Wenn es um um den Papierkram geht zum Beispiel, überhaupt um Organisation und Planung.
Aber es gibt durchaus noch ein paar mehr Punkte, in denen ich – irgendwann – vielleicht ein bisschen sein sollte, wie meine Mutter.

mama_karte

Ich denke da an ihre Geduld, mit der sie mehrere Monate lang jeden Morgen auf dem Weg zur Schule die gleiche CD ertragen hat,(Es war Razorblade Romance von HIM.), meine ernährungsbewussten Phasen, in denen ich nur organisch essen wollte ebenso wie meine Experimente mit meinem Look, die Ausflüge in die Punk, Rockabilly und selbst die Gothic-Szene. Sicher, es gab so einige Kämpfe am Schminktisch, aber schlussendlich hat mir meine Mutter nie verboten, mich so anzuziehen oder so auszusehen, wie ich es wollte. Ganz egal, ob das Minirock und Overknees zum Nietengürtel bedeutete oder zerrisene Jeans und bemalte Chucks hieß, ob ich nun blonde oder schwarze Haare wollte, ob sie am Ende dann doch grün oder lila waren , meine Mama war auf meiner Seite, ließ mich experimentieren, auch wenn sie sich ab und zu, nach einem missglückten Versuch ein „Du hast es so gewollt …“, nicht verkneifen konnte.
Ich bin froh und sehr, sehr dankbar, dass ich durch diese Phasen, all die Haarfarben, kaputen Strumpfhosen und selbst die Sache mit dem Bauchnabelpiercing schon als Teenager gehen konnte und nicht in meinen Dreißiger irgendwas nachholen muss, dass ich mich ausprobieren durfte, eine Chance hatte herauszufinden was mir gefiel, was mir Spaß machte, was ich war – auch wenn wir hier nur von einer Frisur und einer Lederjacke sprechen. Am Ende geht es so viel tiefer ..
Denn es gibt noch etwas, worin meine Mutter mich inspiriert: ihre Zielstrebigkeit wenn es um ihre Karriere ging. Meine Mutter hat beides geschafft: ein Kind zu bekommen und genau die Karriere zu verfolgen, die ihr wichtig war. Für mich als Tochter gibt es keinen schöneren Satz, als zu hören, dass meine Mutter glücklich ist. Dass sie wegen mir oder meiner Erziehung, dennoch auf nichts verzichten musste, dass sie ihre Träume verwirklichen konnte. Die einen – wie die anderen.
Zu Gleichem hat sie mich ermutigt, angetrieben und immer wieder motiviert: das wirklich zu machen, was ich auch wirklich will. Mich nicht mit einem Kompromiss zufrieden zu geben, mich überhaupt erst zufrieden zu geben, wenn ich es wirklich bin, nicht wenn ich es müsste. Wann immer ich zu rasten begann, weil es so viel einfacher gewesen wäre, weil mir der Weg zu schwer wurde oder ich Angst bekam: am Ende war meine Mutter da, schob mich neu an, schickte mich wieder zurück in die Herausforderung. Sie war da, als ich nach 4 Semestern die Fachrichtung meines Studiums wechselte, unterstützte mich als ich mich für ein Leben in Freiberuflichkeit entschied, hielt mich zum Sparen an, als ich die ersten Honorare in Schuhe investierte und sagte mir gleichzeitig immer wieder, dass Geld nicht alles sei, wenn ich mich  doch mal wieder nach einem festen Einkommen oder Sicherheit sehnte.

Am Ende war meine Mutter nie bemüht meine beste Freundin zu werden – und genau das macht unsere Beziehung perfekt. Sie war und ist – meine Mama,
versorgte mich mit Vorbildern, mit Grenzen, gab mir einen urvertrauten Halt, Wurzeln. Und damit genau das, was es braucht, um vielleicht über sich hinaus zu wachsen. Kein Drinking-Buddy, der mit mir um die Häuser zieht – viel mehr der Halt, zu dem ich immer zurück kommen kann.

Meine Mutter hat mir nie gesagt, dass ich alles einfach könnte, alles bekommen würde, jeden Traum mühelos verwandeln würde. Meine Mutter hat mir keine Luftschlösser gebaut oder mich zur Prinzessin gemacht. Sie hat mir  – am Ende – etwas Besseres mit auf den Weg gegeben: „Es gibt nichts in deinem Leben, dass du nicht versuchen könntest, dürftest oder solltest, wenn du es wirklich, wirklich willst. Wenn du bereit bist dafür von Herzen zu arbeiten, auch mal zu kämpfen und Opfer zu bringen und manchmal auch die Konsequenzen zu tragen. Wenn es das wert ist, dann mach es.“
Danke Mama.

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In nächster Zeit werdet ich euch noch ein bisschen mehr von meiner Mama erzählen, von den Dingen, die sie mir mit auf den Weg gegeben hat, in denen sie mich bestärkt hat, genau wie von denen, in der wir nicht immer einer Meinung sind. Ich bin von Rossmann ausgewählt worden das Testimonial für die „Mehr Mut zum Ich“ – Kampagne zu werden, die junge Frauen, Mädels, Freundinnen und Mütter dazu aufruft sich gegenseitig zu unterstützen und zu starken, selbstbestimmten Frauen zu werden. Ich freue mich riesig auf die Aufgabe und die kommenden Beiträge, die ich mit euch teilen und natürlich auch diskutieren möchte. Auf den Punkt gebracht heißt das: „Here’s to strong women. May we know them. May we be them. May we raise them.”

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Comments

  • Ein absolut wunderbarer Text, deine Mama ist bestimmt sehr stolz auf dich! Ich bewundere dich sehr, für dein Talent mit Worten so geschickt umzugehen. Am Besten gefällt mir in diesem Text der Vergleich zu den „Gilmore Girls“.
    Liebe Lina, ich wünsche dir einen wunderbaren Sonntag! 🙂

  • Ganz toll geschrieben!:)
    Hat mich sehr berührt und ich sollte eindeutig nachher meine Mom mal anrufen und ihr sagen wie sehr ich sie liebe, da ein persönliches Treffen zurzeit nicht möglich ist.
    Danke für den schönen Blogeintrag und einen schönen Muttertag mit deiner Mom wünsche ich dir 🙂

    Liebste Grüße <3

  • Liebe Lina,

    es gab ja so einige schöne Posts zum Muttertag heute – aber deiner hat mir mit Abstand am besten gefallen!
    Ganz zauberhaft!

    Liebe Grüße!(:
    Daisy

  • Liebste Lina,

    ein wirklich herzergreifender, wunderbarer Text, den du hier verfasst hast!
    Ich bin zwar erst 17, aber meine Mutter hat mich genau so immer auf den Boden zurückgeholt, wie dich deine. Trotz einem harten Schicksalsschlag, als ich gerade mal 4 war, war sie immer für mich da, auch wenn sie sich eigentlich nur hätte verkriechen können.
    Meine Mutter hat bisher alle meine Phasen mitgemacht, rot gefärbte Haare, viel zu helle blonde Strähnchen in meinen fast schwarzen Haaren, roten Lippenstift (dem ich treu geblieben bin), viel zu viel schwarzen Kajal und sogar die ‚Ich will unbedingt ganz ganz dünne Augenbrauen Phase‘. Sie hat alles mitgemacht; natürlich auch mal mit den Worten ‚Ich hab’s dir ja gesagt‘, wenn was schief gegangen ist, aber sie war trotzdem für mich da.
    Und sie hat mir nie , so wie du es geschrieben hast, Luftschlösser gebaut. Wenn ich etwas wollte, dann hat sie mir klar gemacht, dass ich dafür arbeiten muss – und das will ich meinen Kindern genau so weitergeben! Genau wie viele andere Dinge!

    Ich danke dir für diesen Post – meiner Mutter hat er übrigens auch gefallen! <3

    Liebste Grüße,
    Anna Peony

  • Der Text ist wunderschön und es freut mich von Herzen, dass du so eine tolle Mami hast! Das ist leider ja auch nicht immer so selbstverständlich.
    Ich kann Gott sei Dank behaupten, dass ich auch so einen tollen Menschen als Mama an meiner Seite habe, der mir immer Halt gibt. Trotzdem, dass sie manchmal auch mal mein Drinking Buddy ist, der mit mir um die Häuser zieht. 😀 😉

  • Liebe Lina,
    danke für die schönen Worte.

    Ich liebe meine Mutter mehr, als ich es beschreiben kann.
    Gerade zurzeit, wo sie sehr krank ist und ich Verlustängste habe, wird einem das nochmal 10-fach bewusst, wie sehr man seine eigene Mutter braucht und wie viel sie einem ganz selbstverständlich gibt.

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