#TWENTYSOMETHING COLUMN: DIE FUCKBOI DISKUSSION

17. Dezember 2017

Wenn dem Internet langweilig wird, fängt es eine neue Diskussion an. Das macht seinen Charme, seine Anstrengung und oft wachsenden Ärger aus. Jede Woche ein neues Thema, über das wir uns streiten könnten, uns manchmal aufklären, aber viel zu oft 45 Grad am eigentlichen Kern vorbeilaufen.

Neustes Beispiel: die Fuckboi Diskussion.

Worum es im Kern auf sämtlichen sozialen Plattformen geht: der Begriff Fuckboi stellt in der Popkultur eine Herabwürdigung des Mannes da. Die inflationäre Verwendung dieser Beleidigung in Texten, Memes oder Videos im sozialen Netz sei despektierlich und würde Männer, die ihre eigenen Erwartungen, aber nicht die der Frau erfüllen, Männer, die sich frei und ungebunden entscheiden, genau darin angreifen und beleidigen.

Ziemlich einfach gemacht. Und irgendwie konstruiert. Vor allem wegen der kommenden zwei Punkte, die so vollkommen glatt und theoretisiert behandelt werden.


Edward, maybe a fuckboi. But maybe not. 

Erster Punkt: Wer politisch inkorrekte Beleidigungen auch nur aufgreift, befeuert damit ignorant die Missstände und unterstützt sie auch noch.

Mal langsam.

Wir sind uns ja beispielsweise alle im Klaren, dass auch Felix Brummer nicht politisch inkorrekt und äußerst emotional das Wort „Hure“ in den Himmel brüllt, während hinter ihm das Kraktklub K in Flammen aufgeht, weil er es prinzipiell scheiße findet, wenn Frauen mit vielen Männern schlafen oder ignorant für jede Diskussion um Sexualarbeit ist, sondern weil er Liebeskummer hat.

Genauer: weil die besungene Frau vermutlich nicht einfach nur mit anderen Männern schlief, sondern mit mindestens einem engen Freund und offenbar auch noch vergessen hat ihn über ihre liberal polyamouröse Entscheidung ferner zu informieren.

Dabei geht es nicht mal ums Geschlecht. Ich bin mir sicher, Felix hätte auch einen Mann so besungen, wäre der sein betrügender Beziehungspartner gewesen. Du verdammer Fuckboi hätte der Song gehießen. Wäre auch gut gewesen.

Jetzt versteht mich nicht falsch.

Beleidigungen sind nicht nett, sie sind meistens weder zielführend noch nötig, sondern Ausdruck von Leid, Unglück und emotionaler Schieflage. Kann man jetzt tadeln – oder sich daran erinnern, dass einem Fairness, Regeln, Grenzen und political correctness im akuten Augenblick eines gebrochenen Herzens in der Regel selten als erste Linderung in den Sinn kommen.

Ob man nun inflationär für die nächsten 3 Monate in Form von Memes und gescreenshotteten Ratschlägen völlig passiv aggressive Botschaften an den Nichterwähnten senden muss, das sei dahingestellt.

Zweiter Punkt: das Wort Fuckboi spricht Männern ihre sexuelle Autonomie ab.


"Nur weil ein Mann nicht tut, was du willst, ist er noch lange kein Fuckboi!" "Nur weil der Typ gerne mit vielen Mädels schläft und sich auf keine exklusiv einlässt, muss man ihn wohl kaum beleidigen!"

Tru und tru. Aber das ist doch auch gar nicht der Punkt.

Worum es in der Diskussion eigentlich Fuckboi ist kein wertvoller Begriff für einen Mann, er würdigt den Mann herab. Logisch. Fuckboi ist eine Beleidigung. Ja klar. Und natürlich sollten wir uns nicht gegenseitig inflationär beleidigen, als ginge es um einen übergeordneten Rufnamen. Ist weder besonders freundlich noch aufgeklärt oder eloquent. Sehenwir doch alle erst einmal so oder?

Weiter: Ein Fuckboi sei auch nichts anderes als das Pendant zur Bezeichnung „Schlampe“ und damit kein inflationär gebräuchliches Wort für einen Mann, der einfach nur gerne und selbstbestimmt Sex mit unterschiedlichen Frauen hat.

Naja. 

Problem: die Definition mag auf das den Begriff Schlampe passen, aber nicht auf einen Fuckboi.

Wer einen Mann einen Fuckboi nennt, der beschneidet damit nicht gleich die männliche, allgemeine Wahlfreiheit über die Anzahl und Art der Sexualpartner. Er beschuldigt ihn viel mehr diese Sexualpartner respektlos zu behandeln, in der Regel zu belügen, zu hintergehen, achtlos zu behandeln oder aus ihrer Zuneigung einen egoistischen Nutzen zu ziehen.

Fazit: Natürlich ist Aufklärung wichtig. Natürlich sollten wir uns gegenseitig dazu anhalten uns nicht roh oder herablassend aneinander auszulassen, uns zu bewerten oder zu verurteilen. Aber am Begriff Fuckboi eine Diskussion über den herab gewerteten Mann machen, der sich doch eigentlich nur sexuell frei entfalten möchte? Come on.

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4 Comments

  • Rebekka 18. Dezember 2017 at 00:33

    Felix Brummer und die Band Kraftklub haben das Lied nicht für eine bestimmte Frau gesungen sondern fiktiv! Also alles ausgedacht und als eine Art Auflehnung gegen ihr politisch korrektes Image gesungen! Lieber das nächste Mal vorher informieren! Danke

    Reply
    • Lina Mallon 18. Dezember 2017 at 09:14

      Liebe Rebekka,
      Ob fiktiv oder wahrheitsgetreu, es gibt ein (lyrisches) Ich und es gibt eine Ex-Freundin in diesem Song, die besungen wird. Jetzt muss man aus einem Songtext keine lyrische Interpretation wringen und erst mal erörtern, ob der Brummer denn nun kongruent mit dem lyrischen Ich geh oder nicht 😀
      Darum geht’s ja auch gar nicht, im Song wird der Liebeskummer eines emotional gebrochenen Mannes behandelt. Daran ändert sich nichts.
      Den Interpreten mit dem Protagonisten gleichzusetzen, im Moment der Darbietung, ist völlig legitim.

      That being said: natürlich ist die Frau fiktiv. Selbst wenn sie es nicht ist, ist sie es. Allein um sich rechtlich abzusichern und den Shitbuzz rauszunehmen. Du gehst wohl kaum mit einem millionenfach gehörtem Song, der harte Beleidigungen enthält, nach draußen und sagst: meine Ex, sie wars, alles wahr. Das ist immer noch Kraftklub und nicht Savas.

      Reply
  • Kerstin 18. Dezember 2017 at 09:21

    Danke Lina!

    Reply
  • Melanie 21. Dezember 2017 at 07:58

    Über was man diskutieren kann ist schon immer witzig finde ich. Natürlich sollte nicht alles auf die leichte Schulter genommen werden, aber manchmal denke ich mir schon, das ist doch jetzt mal reicht. Außerdem, mal ganz ehrlich, hat der Männerwelt nicht die ganze Zeit so ein Begriff gefehlt? 😉

    Beim Lesen ist mir noch aufgefallen, dass Kraftklub das f fehlt und in dem Absatz hier ist im ersten Satz auch irgendwie ein Dreher passiert

    Worum es in der Diskussion eigentlich Fuckboi ist kein wertvoller Begriff für einen Mann, er würdigt den Mann herab. Logisch. Fuckboi ist eine Beleidigung. Ja klar. Und natürlich sollten wir uns nicht gegenseitig inflationär beleidigen, als ginge es um einen übergeordneten Rufnamen. Ist weder besonders freundlich noch aufgeklärt oder eloquent. Sehenwir doch alle erst einmal so oder?

    Alles Gute,
    Melli

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