TWENTY SOMETHING COLUMN: ICH HABE ANGST. UND SAGE ES ZUM ERSTEN MAL LAUT.

4. September 2016

Zuerst falle ich nur in den Halbschlaf, bemerke was los ist, bin aber sicher, dass ich es mit Entspannung wieder loswerde. 
Dass es nicht funktioniert merke ich, als der Husten einsetzt, einmal, noch einmal, dann bin ich wach.
Der Wecker zeigt 02:23 Uhr. Und das ist nichts Neues. Entspannte Schlaf ist mir selten gegönnt, wenn es so ist, wie jetzt.
Seit gut einem halben Jahr hatte ich keinen mehr – keinen schlimmeren Asthmaanfall. 
Weder beim Sport, noch dem Wetter oder irgendeiner äußerlicher Belastung geschuldet. Es ging mir gut. Bis jetzt.
Und als ich den Inhalation ansetze, weiß ich eigentlich auch schon, dass er nicht viel nutzen wird. Wenn man 10 Jahre mit dieser Krankheit lebt, dann lernt man die Unterschiede daran zu erkennen. Das hier ist kein Anfall, der mit ein bisschen Kortison zu beheben ist, er wurde nicht allergisch ausgelöst, sondern geht tiefer. Es ist die Form von Asthma, die mich immer dann lähmt und aufsucht, sich meistens unbemerkt anschleicht, wenn mich etwas beschäftigt, wenn ich im Ungleichgewicht bin, die selbst dann auftritt, wenn eigentlich alles stimmt, alles gut ist, fast alles so ist, wie es sein soll – aber da doch etwas in mir sitzt, mich belastet und damit nachts nicht schlafen lässt… 

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Während ich im Dunkeln sitze, Hamburger Regen und Wind auf meinen Balkon schlagen und der Tee neben mir langsam abkühlt ist es 03:00 Uhr geworden. Ich weiß genau, was es ist, das sich gerade bleischwer auf meine Lunge legt, ich weiß genau, was ich dagegen tun könnte, was ich tun müsste, was so ziemlich jeder tun würde.

Aber ich kann nicht. Ich hab Angst. Ich, die sonst so sehr für ihre persönliche Freiheit lebt und kämpft, die ihre eigenen Entscheidungen schätzt, die gern springt, die es immer wieder genießt sich getraut zu haben, der es wichtig ist sich immer wieder weiterzuentwickeln und die in den letzten Jahren so viel gelernt hat, bin wie versteinert.
Weil es Dinge gibt, die dich prägen.
Weil es nicht einfach Zeit braucht, um manche wirklich tiefen Wunden hinter sich zu lassen. Sondern Aufarbeitung, Reflexion, neue Erfahrungen, wachsende, innere Stärke und positive Erlebnisse, die die neue Perspektive stützen, mit der man seinen Persönlichkeit erweitert und wachsen lassen will.
Aber dieser eine Cut in mein Innerstes, der sitzt zu tief, der fühlt sich immer mal wieder bestätigt an, reißt immer mal wieder auf, über den komme ich einfach nicht weg. Und so hat er sich in den letzten 3 Jahren zu meiner größten Schwäche entwickelt. Der, die mich jetzt gerade wieder einholt.

Zu beschreiben, was ich fühle, dafür braucht es mehr als 2 Worte oder den richtigen Begriff, mehr als ein Gespräch mit einer guten Freundin, mehr als einen Hashtag und wahrscheinlich auch viel mehr als diesen einen Artikel, in dem ich maximal anreißen kann, was in mir vorgeht, womit ich mich blockiere, wovor ich mich so fürchte. Tatsächlich weiß ich nicht einmal, ob es ein besonders guter Artikel wird, denn während ich ihn schreibe, stecke ich noch mittendrin und habe damit eine ganz andere Position als sonst. Aber ich glaube daran, dass Ängste kleiner werden können, wenn du sie anerkennst, sie eingesteht und dich nicht hinter ihnen versteckst.

 

Ich habe emotionale Verlustängste. Aber nicht im eindimensional klassischen Sinne, ich fürchte mich nicht nur vor dem Verlieren an sich, ich fürchte mich wohlmöglich noch viel mehr vor dem, was danach kommt.

 

Sprechen wir über Beziehungen oder Freundschaften, einfach von den Menschen, die du nicht nur auf einen Kaffee treffen willst, der nie kommt, sondern die du an dich, an dein Innerstes herangelassen hast, über die eigene Haltung, mit der du an diese Menschen herantrittst, bin ich das, was man einen Keeper nennt.
Textbook-Style. Ich fasse unheimlich schnell Kontakt, ich lerne gern neue Menschen kennen, aber es dauert, es braucht seine Zeit und einige Momente, bevor ich aus einem bekannten einen Freund mache.
Aber habe ich das B gegen ein F getauscht, verankere ich, manchmal vielleicht zu schnell zu tief, aber immer von Herzen, immer mit dem Gefühl und Gewissen, dass das hier echt ist und dauern soll.
Freunde, echte Freunde, sind für mich nicht austauschbare Episoden, die Bindungen, die ich zu den Menschen aufbauen, die mir nah kommen, sind mir beinahe heilig, ich beschütze sie, ich halte an ihnen fest und entwickle mich zusammen mit ihnen. Und in so einem Gefüge habe ich mich früher nie vor Streitigkeiten, vor Stürmen oder Herausforderungen gescheut. Meine längsten, innigsten Freundschaften haben die heftigsten Unwetter überstanden, sie sind an ihren Tiefen gewachsen und dieses Ur-Vertrauen, dass sie bleiben, dass sie einander immer wieder finden, dass sie dem anderen genau so wichtig sind, wie mir, war vielleicht das, was sie ehrlich und vor allem stark gemacht hat. Und mich.

Aber dann passierte etwas, das mich bis heute prägte. Ich geriet mit meiner Einstellung zur Freundschaft an jemanden, der mich erst betrog und verriet und dann –  ghostete. Was für mich die vielleicht schlimmste Form eines Bruchs war, die man mir hätte antun können.
Ein Ghoster ist jemand, der einfach feige abhaut, den Kopf in den Sand steckt und sich nie wieder bei dir meldet, wenn du ihm auf die Füße getreten bist, selbst wenn du es nicht einmal weißt, weil so ein Ghoster in den meisten Fällen nicht einmal den Schneid hätte dir zu sagen, was ihn denn davonlaufen lässt. Eigentlich wirft er dir insgeheim sogar vor, dass du alles das, was er dir nie gesagt hätte, was du nicht wissen konntest, nicht einfach erraten hast.

Es war ein Sonntagnachmittag. Es hatte schon länger Spannungen gegeben, immer mal wieder Diskussionen, die nah an einem Streit vorbeischrammten. Und dann, als ich ihr irgendwann vorschlug essen zu gehen, persönlich zu reden und zwischen uns aufzuräumen  – erreichte ich sie nicht mehr.
Sie war nicht nur offline, sondern vollkommen von der Bildfläche verschwunden.
Erst hielt ich es für eine Momentaufnahme, aber irgendwann, nach 8 Wochen Stille, wurde auch mir klar, dass es ihr nicht nur egal war, wie es mir damit ging, an einer so engen Freundin abzuperlen wie Teflon, sondern dass auch ich – meine ganze Person es war. Sie war weg. Und die letzten Jahre, Momente, all das, was uns verbunden hatte, als das, was ich ihr anvertraut, all das, was wir erlebt hatten, all die Nähe und das Vertrauen – mit ihr.
Bis sie wieder auftauchte. Nicht bei mir.
Erst auf Partys mit meinen Ex-Freunden, zu denen sie neuerdings Kontakt pflegte. Dann zum Kaffee mit Menschen, die mir nicht wohl gesonnen waren und schließlich online, in Artikeln, in denen sie anderen die Werte von Freundschaften näher bringen wollte und meine Person immer anonym, aber doch konkret genug nutzte, um jede Schwäche oder jeden Fehler an mir, die ich ihr je anvertraut hatte, auszuschlachten und zu ihrer Stärke zu machen.
Bis zum heutigen Tag hat sie nicht ein einziges mal mit mir, aber trotzdem ständig und unaufhörlich über mich gesprochen.
Vorrangig mit denen, die es hören wollten, die ihre Genugtuung daraus zogen, auf einen anderen zu treten. Überhaupt scheint seit jeher und noch immer eines der größten Symphatiemerkmale für sie zu sein, dass jene Personen keine geringste für mich, am besten sogar eine große Abneigung gegen mich empfinden. Das reicht für einen Kaffee und eine Online-Freundschaft.
Und all jene, die keine Meinung über mich haben? Die vielleicht nicht hören wollen, wer ich bin und für wen sie mich hält?
Denen erzählt sie es trotzdem, nur für den Fall und präventiv. Und offenbar so wirkungsvoll, dass selbst bekannte, denen ich Grips und Urteilsvermögen zugetraut hatte, auf einmal auf Abstand gingen. Weil ja „selbst wenn sie übertreibt, irgendwas dran sein muss.“ What Susie says bout Sally .. kam bei vielen nicht an.

Ich habe 3 Jahre lang zugesehen, wie diese Person jede meiner guten Eigenschaften in eine negative drehte.
Aus meiner Stärke wurde Egomanie, aus meinem Biss wurde Überheblichkeit, aus meinen Emotionen wurde Drama, aus Fürsorge wurde Klammern und als dieses Feld abgegrast war, gab es ja noch all die Fehler oder Unsicherheiten, von denen man hätte erzählen können. Ich habe dagestanden und vollkommen unbekannte Menschen, über mich und meine intimsten Details reden sehen. Und ja, ich bin daran fast zerbrochen.
Ich war unfähig mich zu wehren. So geschockt und gedemütigt, dass ich beschloss mich schlicht davon zu distanzieren, das alles so klein werden zu lassen, dass ich darüber stehen konnte, statt ein Teil davon und vielleicht komplett geschluckt zu werden. Für mich war das der Ausweg, für viele andere der Grund nur noch mehr zu feuern.

„Irgendwann erinnert sich keiner mehr daran“, „Irgendwann wird es den Leuten zu doof sich mit einer Person zu befassen, die davon besessen ist, gegen dich zu schießen“, „Irgendwann wird es langweilig für sie.“ „Irgendwann wird sie auch erwachsen.„, waren die Phrasen, mit denen Freunde damals versuchten mich irgendwie zu unterstützen.
Aber selbst, wenn es für sie irgendwann langweilig wird, selbst wenn sich der erst irgendwann nicht mehr daran erinnert – ich tue es. Bei mir sitzt es. Ich kämpfe noch heute damit, wie es sich nicht nur anfühlt eine Freundin, jemanden, dem du dein Innerstes in die Hände legt hast, zu verlieren, sondern auch wie es ist, danach noch verraten und verkauft zu werden.
Es hat mich geprägt, dieses Gefühl hat sich eingebrannt – und mein Handeln geformt.

Seit dem habe ich Angst vor Konfrontationen mit Freunden.
Ich habe Angst zu streiten.
Ich habe Angst mich groß zu machen.
Ich habe Angst zu meiner Meinung zu stehen.
Ich habe Angst zu fordern.
Ich habe Angst für mich einzustehen.
Nicht im Alltag, nicht im Job, nicht bei Bekannten und nicht einmal bei Männern.
Nein.
Immer dann, wenn es um Freundschaften geht.
Nicht nur, weil ich Angst davor habe, dass noch einmal jemand einfach so ghostet. Einfach so abhaut. Mir einfach so vor die Füße wirft, wie wenig ich ihm eigentlich bedeutet habe, wie einfach er mich zurücklassen kann, während er ein Teil meiner Welt für mich war. Sondern auch weil ich Angst davor habe, was so ein Geist bewirken kann, bei mir, mit mir, mit meinen Schwächen oder meiner Geschichte– wenn er wütend oder verletzt ist, wenn er seine Wut mit den richtigen Leuten multipliziert, wenn er schließlich außer Kontrolle gerät. Ich habe so viel Angst davor, was ein wütender Mensch mit mir tun könnte, dass ich lieber schweige, ertrage, mitmache, hinhalte, verdrehen lasse und keine Luft bekomme ..

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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33 Comments

  • Anna 4. September 2016 at 11:32

    Liebe Lina,
    du lässt mich gerade sehr ergriffen und nachdenklich zurück. Dein Text ging mir durch Mark und Bein. Ratschläge zu geben, ist in diesem Fall wahrscheinlich genauso wenig angebracht wie der omatypische Spruch „Es gibt auch noch andere Mütter mit hübschen Söhnen“, wenn man den Liebeskummer seines Lebens hat.
    Ich habe damals nicht nur eine gute Freundschaft verloren, sondern auch eine Liebe. Ich wurde ausgenutzt, war unwissend, aber er war der Betrüger. Schuld hin- und herzuschieben bringt nichts – aber die Verantwortung lag bei ihm. Dann kam die ganze verwirrende Situation heraus und er entschied sich für seine Scheinbeziehung. Und plötzlich wurde ich von Leuten blockiert und angefeindet, die absolut nichts mit der Situation an sich zu tun hatten. Irgendwann bemerkte ich, dass die beiden „Glücklichen“ ihre ganz eigene Version der Geschichte nach Außen trugen. Plötzlich war ich diejenige, über die gespottet wurde, über die sich völlig Fremde ein Urteil erlaubten und das obwohl ich ihm mein Leben anvertraut habe. Sowas sitzt so unglaublich tief.
    Ich spüre den Cut in deinem Inneren und fühle mit dir. Irgendwann rettete ich mich mit dem Gedanken, dass ich zwar verletzt wurde, aber immerhin ein gutes Herz besitze. Zu so etwas wäre ich nie fähig. Einen Freund so sträflich zu behandeln, das könnte ich nicht. Und vielleicht ist genau das der Punkt, der einen von solchen Menschen abhebt.

    Liebe Grüße,
    Anna

    Reply
  • Julia 4. September 2016 at 11:46

    Liebe Lina,

    Ich glaube bisher hat mich noch keiner deiner Artikel so wahrhaftig angesprochen und mitgenommen. Auch wenn ich hier jetzt nicht ins Detail gehen möchte, will ich dir sagen, dass ich ganz genau weiß wie du dich fühlst und wie es wehtut und wiesehr einen dieses Gefühl lähmt. Meine gesamte Teeniezeit war von so einer Person geprägt und selbst heute Ü20 kann ich die Erinnerungen und die Habacht-Haltung nicht abschütteln. Aber weißt du? Es wird besser, versprochen. Bleib du selbst und widme dich den Menschen, die es wert sind. Lass dich auf sie ein, für mich hat es sich allemal gelohnt. Heute habe ich Freundinnen, die man nicht mit Gold aufwiegen kann und die ich niemals missen möchte.

    Reply
  • Bliblablubb 4. September 2016 at 12:04

    Mega Post😍
    Mit vielem triffst du für mich den Nagel auf den Kopf.

    Reply
  • Katie 4. September 2016 at 12:16

    Liebe Lina, ich danke dir für diese tiefpersönliche Kolumne und den damit verbundenen Mut.
    Ich verstehe gut, was du beschreibst und hasse was das Ghosting unweigerlich mit einem macht, gepaart mit der Gewissheit letztenendes nichts an der Situation ändern zu können, abschließen zu können. Dir wünsche ich weiterhin die Kraft und den Mut deine innersten Gefühle in so schöne treffende Worte zu fassen.

    Reply
  • Christin 4. September 2016 at 12:33

    Hey Lina,
    jetzt lasse ich dir auch mal ein Kommentar da, denn sonst bin ich eher die stille Leserin. Ich finde diesen Post sehr ehrlich und du lässt uns (die Leser) wirklich tief in deine Gefühlswelt blicken. Nach diesen Zeilen verspüre ich echt das Bedürfnis dir einen heißen Kaffee zu reichen und dich in eine Decke zu wickeln. Ich weiß, oder eher, gehe davon aus, dass du das gar nicht beabsichtigt hast. Du möchtest bestimmt kein Mitleid, denn du bist stark, was deine Worte und auch die anderen Posts zeigen. Ich denke nur, dass es wirklich heftig ist, was dir passiert ist. Verliere bitte nicht den Glauben in wahre Freundschaften. Es gibt sie. Selten, aber es gibt sie. Und ich muss sagen, dass diese eine Person es nicht verdient hat, irgendeine Aufmerksamkeit zu bekommen. Wer sowas abzieht, der gehört echt in die unterste Schublade. Ich wünsche dir trotzdem weiterhin viel Glück bei deinen anderen Freundschaften. Die, die es verdient haben, mit dir befreundet zu sein.

    Liebe Grüße aus dem Norden.
    Christin

    Reply
  • Friedi 4. September 2016 at 12:39

    Hallo Lina,
    ich habe noch nie so eine Situation erlebt und kann daher nicht sagen, dass ich dies nachempfinden kann.
    Aber ich kann verstehen, dass du dich so fühlst und das Vertrauen verloren hast.
    Ich finde es sehr mutig von dir, hier darüber zu schreiben!
    Ich wünsche dir, dass du in Zukunft dein Vertrauen in Freundschaften wiederfindest!
    Liebe Grüße

    Reply
  • Nina 4. September 2016 at 12:42

    Tut mir mir Leid. Ging mir ähnlich. Es ist immer schön von Dir zu lesen. Danke.

    Reply
  • Julia Knight 4. September 2016 at 13:02

    Ein unglaublich starkes Posting liebe Lina. Ich habe sowas nie erlebt, bei mir zerbrochen Freundschaften eher am „Erwachsenwerden“, aber dennoch hat wohl jeder, der sich einen anderen Menschen anvertraut, zumindest eine leise Ahnung, was es bedeuten könnte, wenn dieser so handelt.
    Ich hoffe du kannst deine Angst bekämpfen, denn ich glaube mittlerweile hast du nur noch tolle Menschen an deiner Seite, die es wert sind das Vertrauen zu haben. Zumindest lässt dein snapchat das vermuten (ich freue mich einfach immer dich mit deinen Freunden zu sehen, denn irgendwie scheint da der Vibe immer zu stimmen :))

    Liebe Grüße
    Julia

    Reply
  • Marie 4. September 2016 at 13:20

    Danke Lina. Ich kommentiere sonst nicht, nicke aber dafür regelmäßig, wenn ich deine Posts lese. Heute heule ich. Ich wusste bislang nicht, dass es ein Wort für das gibt, was mir eine „beste“ Freundin vor 10 Jahren angetan hat. Zwischen der besten Freundschaft und völliger Ignoranz lagen die Sommerferien, es hat wahnsinnig weh getan. Ich hatte das wohl verdrängt. Das hier von dir zu lesen hilft grade sehr. Danke.

    Reply
  • Natascha 4. September 2016 at 13:27

    Liebe Lina,
    Ich gehöre sonst eher zu den stillen Lesern deines Blogs. Aber hierzu möchte und muss ich dir etwas sagen.
    Ich möchte dir danken, dafür dass du den Mut hast so einen ergreifenden Beitrag zu schreiben und das große Thema der Angst anzusprechen, welches wir doch alle am liebsten still und heimlich in den tiefen unseres Selbst vergraben.
    Danke, dass du so inspirierst und den Mut hast zu dir zu stehen.
    Liebste Grüße 😙

    Reply
  • Silke 4. September 2016 at 13:41

    Liebe Lina
    Ein großartiger Artikel. Toll und aus tiefstem Herzen geschrieben und ich kann es so gut nachvollziehen, denn auch mir ist das mal passiert. Und es zieht einem am Anfang wirklich den Boden unter den Füßen weg. Ich hoffe du findest einen Weg wieder Angstfrei durchs Leben zu gehen was diesen Bereich angeht. LG Silke

    Reply
  • Kathi 4. September 2016 at 13:51

    Deine Worte – und auch die der anderen, die vor mir einen Kommentar hinterlassen haben – wühlen mich sehr auf. Denn sie sprechen mir aus dem Herzen. Und ich habe mich damit immer alleine gefühlt.
    Nicht nur mit dem Gefühl des plötzlich Verlassenwerdens, des scheinbar grundlos nicht mehr Genügens, der überraschenden Kehrwende von Freundschaft zu Ablehnung, sondern auch immer mit dem Eindruck, dass ich die Einzige bin, der so etwas passiert, dass es irgendwie meine Schuld ist, dass mit mir etwas nicht stimmt, dass eine Freundschaft mit mir sich nicht aufrecht zu erhalten lohnt.
    Es ist jetzt schon so lange her – 10 Jahre – ich habe wirkliche Freundschaften gefunden, geheiratet, mir fallen spontan mehr als fünf Leute an, die ich – aus welchem Grund auch immer – zu jeder Zeit anrufen und um Hilfe bitten könnte und sie wären sofort für mich da – kompromisslos, ohne Zögern, ohne Nachfrage, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. …Und doch bleibt dieses Gefühl der Fehlerhaftigkeit, des Nicht-Genügens, so tief in mir verwurzelt, dass ich mich immer wieder dabei erwische: wie ich Anderen bösen Absichten unterstelle, wie mich beiläufige, daher gesagte Kommentare tief verletzen, wie ich fürchte doch irgendwann etwas Falsches zu tun oder zu sagen und damit jemandem vor den Kopf zu stoßen und in der Konsequenz zu verlieren, dessen Freundschaft mir so wichtig und wertvoll ist.
    Ich habe mit der Zeit gelernt, wieder zu vertrauen, den bösen Zweifel, der die Absichten anderer permanent hinterfragt leiser werden zu lassen. Aber ich glaube, ich werde mich nie vollständig davon lösen können, von diesen Selbstzweifeln, dieser diffusen Verlustangst, die sich nie vollends fassen oder begreifen lässt. Aber ich arbeite daran. Jeden Tag. Und zu lesen, dass es mir damit nicht allein so geht, tut unendlich gut.
    Danke, für diesen Artikel, Lina.
    Und danke für die anderen Kommentare.

    Reply
    • Lina Mallon 4. September 2016 at 14:22

      Dein Kommentar hat mich unheimlich berührt! Genau so habe ich auch gefühlt ❤️

      Reply
    • Anne 4. September 2016 at 22:16

      „Nicht nur mit dem Gefühl des plötzlich Verlassenwerdens, des scheinbar grundlos nicht mehr Genügens, der überraschenden Kehrwende von Freundschaft zu Ablehnung, sondern auch immer mit dem Eindruck, dass ich die Einzige bin, der so etwas passiert, dass es irgendwie meine Schuld ist, dass mit mir etwas nicht stimmt, dass eine Freundschaft mit mir sich nicht aufrecht zu erhalten lohnt.
      …Und doch bleibt dieses Gefühl der Fehlerhaftigkeit, des Nicht-Genügens, so tief in mir verwurzelt, dass ich mich immer wieder dabei erwische: wie ich Anderen bösen Absichten unterstelle, wie mich beiläufige, daher gesagte Kommentare tief verletzen, wie ich fürchte doch irgendwann etwas Falsches zu tun oder zu sagen und damit jemandem vor den Kopf zu stoßen und in der Konsequenz zu verlieren, dessen Freundschaft mir so wichtig und wertvoll ist.“

      Dito. Ich könnte es nicht so treffend ausdrücken, aber genau dasselbe ist mir auch passiert (ohne zwischendurch zu heiraten). Zweimal. Und jedesmal dieser zermürbende Zweifel an sich selbst. Konsequenz: Bekanntschaften ja – aber keine engen Freundschaften. Zurückhaltung, wo andere sich einbringen. Ehrenamtliches Engagement, berufsbegleitendes Studium und Vollzeitjob gleichzeitig – alles, um die Leere auszufüllen, die unweigerlich in den dunkelsten Stunden kommt.
      Manchmal ist es echt schwer, die Hoffnung nicht zu verlieren, dass sich durch das stacheldrahtgesicherte Feld der Freundschaft irgendwann doch noch einmal Leute trauen und bis zu mir vordringen.

      Reply
  • Jasmin 4. September 2016 at 14:38

    Lina! Als du geschrieben hast, dass du an Verlustängste leidest sind mir die Tränen gekommen. Ich musste weinen. Ich fühle so mit dir! Ich bin jetzt 21 Jahre alt und kämpfe seit meinem 4. Lebensjahr mit Verlustängsten. Ich habe seit 5 Jahren eine Beziehung und setze diese regelmäßig mit dieser Angst aufs Spiel. Manchmal zerbricht sie daran. Aber wir finden wieder zu uns. Es ist anstrengend und tut weh! Auch ich gehe regelmäßig kaputt daran und finde keinen Ausweg diese Angst loszuwerden.. halte bitte durch! Hier sind viele Menschen die dich verstehen. Ich weiß, dass das schwer ist gegenan zu kämpfen und positiv zu denken. Ich würde gerne einen motivierenden Satz sagen aber ich weiß dass solche Dinge in diesen Situationen nichts bewirken.

    Alles liebe!

    Reply
  • Alexandra 4. September 2016 at 15:24

    Hi Lina,

    dein Post ist wirklich toll geschrieben und ich erkenne mich bei vielen deiner Worte wieder… bzw. deine Gefühle und die Art, wie Menschen mit dir umgegangen sind. Das passiert sicher vielen Menschen einmal im Leben und man kann das vermutlich nicht vorhersehen oder vermeiden – es hat meistens nämlich rein gar nichts mit der eigenen Person zu tun, sondern mit der Konstellation, die sich verändert und nicht mehr passt. Mir ist genau das gleiche vor etwa einem halben Jahr passiert… und mir fällt eine gute Aussage eines sehr guten Psychologie-Dozenten von mir wieder ein:
    „Das Päckchen, das du mit dir rumträgst, ist sehr schwer. Und ich weiß, dass du gelernt hast, damit umzugehen und es mit dir rumzutragen, denn du bist sehr stark dadurch geworden. Aber mit einer Therapie und Selbsterfahrung könnte man das Päckchen einfach leichter machen, sodass du deine Stärke für andere Dinge einsetzen kannst!“
    Ich bin selbst Psychologin mittlerweile, aber keine Therapeutin – und ich bin auch der Meinung, dass man viele Dinge mit sich selbst in Reflexion und mit Freunden gut bearbeiten und verarbeiten kann. Ich denke aber auch, dass manche Probleme oder Päckchen nicht an Freunde weitergegeben werden müssen, weil sie zu schwer sind. Und deshalb eine unparteiische, nicht eng befreundete Person vielleicht besser dafür geeignet ist, das mit einem zu besprechen. Man kann sich z.B. 1x pro Woche alles von der Seele reden, was einen grade beschäftigt oder sogar fertig macht, und wenn man das Zimmer verlässt, lässt man das alles zurück und fühlt sich leichter 🙂
    Fühl dich gedrückt & alles Liebe, Alexandra

    Reply
  • Maggie 4. September 2016 at 16:32

    Reply
  • Nelly 4. September 2016 at 20:17

    Hallo Lina!
    Ich versteh dich soooo gut. Genau das hat meine damalige Freundin gemacht. Von jetzt auf gleich:weg. Ich habe ein Jahr gelitten wie ein Hund. Immer wenn ich versucht habe aufzubauen kam eiskalte Ignoranz zurück. Nach 14 Monalten rief sie auf einmal an und tat so als ob nichts geschehen wäre. Als ich sie darauf ansprach gab sie zu,dass sie eifersüchtig und neidisch war. Mittlerweile ist sie wieder sehr gute FreundErfahrungen. Aber hin und wieder reisst die Wunden auf und mein Herz weint, will ihr bewusst wehtun und Dinge vorwerfen, ich platze fast vor Wut und führe Diskussionen mit mir über sie.
    Ja es ist echt furchtbar. Ich danke dir mal wieder für deinen Post. Und ich hätte Lust,deine Freundin zu sein. So richtig tief und fest und allem was dazugehört:)

    Reply
  • Nelly 4. September 2016 at 20:19

    Sorry die Worterkennungs-Fehler .

    Reply
  • mimimi 4. September 2016 at 23:51

    Mimimimiiiiii…. bei deinem Charakter wundert mich das nicht

    Reply
    • Franka 5. September 2016 at 08:48

      Wow da hat mal jemand Lebensfrust…
      Zuviel auf der Zitrone rumgekaut oder woher kommt der Dünnpfiff? 😀 😀 xD

      Reply
  • Sophie 5. September 2016 at 00:44

    Huhu Lina!

    Ich hab noch nie einen Blog-Kommentar verfasst, also bear with me! (;
    Das Gefühl, das du in diesem Beitrag beschreibst, kenne ich ziemlich gut. Es kommt auch dem Verhalten/Gefühl, das Kathi weiter oben so wundervoll beschrieben hat, relativ nahe. Bis zu meinem 15. Lebensjahr hatte ich keine Freunde, also nicht wirklich. Da gab es hin und wieder eine oder zwei, die dann häufiger ihre Meinung darüber änderten, ob ich denn auch gut genug sei, um mit ihnen befreundet zu sein, und teilweise auch buchstäblich auf dem Pausenhof vor mir davonrannten. Schlecht über mich geredet haben sie meines Wissens nicht, dafür hatte ich seit dem Kindergarten eine „Feindin“ (was an sich auch ziemlich einseitig war), die, anscheinend sogar als wir schon volljährig waren, sehr gerne anderen Leuten davon erzählt hat, wie seltsam/komisch/asozial ich doch sei, und nicht wenige Leute haben das dann auch geglaubt. Es gibt immer noch Momente, in denen ich richtig, richtig wütend darauf werde, dass ich nicht von Anfang an den Tarif durchgegeben habe und mich aus Angst vor noch mehr Zurückweisung oft vor der Konfrontation gescheut habe.
    Als ich dann mit 15 aufs Gymnasium wechselte, hatte ich mit einem Schlag Freunde, und wenn ich ehrlich bin, weiss ich manchmal auch heute, mit 26, nicht so genau, wie ich mit ihnen umgehen soll. Irgendwie bin ich so misstrauisch geworden, dass es zum einen sehr lange dauert, bis ich jemandem wirklich vertraue, andererseits plagen mich auch heute noch Sorgen, sie könnten es sich doch noch anders überlegen und sich zurückziehen.
    Was mich beruhigt, ist das Wissen, dass es vielen Leuten so geht, egal, wie selbstbewusst oder erfolgreich sie sonst auch sein mögen. Freundschaft ist (zumindest für mich) manchmal verdammt harte Arbeit. Und wenn man eine richtige, tiefe Freundschaft aufbauen will, dann gibt es auch keine Mogelpackung, dann muss man sich auch auf die Gefahr hin öffnen, dass sich das Gegenüber irgendwann und unerklärlicherweise als absolutes Arsch entpuppt. Ziemlich offensichtlich, ja, aber eigentlich kann man das ja nicht genug sagen. (:
    Wir kennen uns nicht, aber zumindest durch deine Texte vermittelst du mir das Gefühl, dass du auch nach dieser Enttäuschung trotz Zweifeln und trotz Angst erhobenen Hauptes deinen Weg gehen wirst (Soooo viel Pathos in diesem Satz, aber du verstehst hoffentlich, wie ich das meine).
    Und ganz ehrlich, auch wenns totales Klischee ist und überhaupt: Her fucking loss.

    — Monolog Ende

    Sophie

    Reply
  • Franka 5. September 2016 at 08:46

    Hallo Lina,

    mir ist sowas ähnliches ebenfalls bereits zweimal passiert. Aus einer Freundschaft wurde übernacht plötzlich eine Feindschaft mit einer Ablehnung die so unsagbar war. Bis heute verfolgt mich das noch mit der Frage: Was hat Sie dazu bewegt ?!
    Man ist als erstes gelähmt und fühlt sich nicht im Stande zu fühlen, zu denken, zu handeln.
    Man denkt man wäre gerade in einem Traum oder einer Parallelwelt wo alles taub ist – das kommt zumindest dem Gefühl welches ich damals empfunden habe sehr nahe.
    Viele denken das gebrochene Herz nach einer zerbrochenen Liebe wäre der schlimmste Schmerz den es gibt – allerdings empfinde ich diesen, wie du Ihn beschreibst am schlimmsten.
    Diese Taubheit und Verwirrung, das zerstörte Vertrauen und die Angst wieder einen Menschen zu verlieren – der einem erneut das Herz so aus der Brust reist – kann man nicht vergessen. Besonders wenn die Freundschaft mit vielen Erlebnissen so mit seinem Leben verknüpft ist, dass es schier unmöglich ist den Menschen kurzerhand (oder auch Jahre später) aus dem Gedächtnis, aus seiner Geschichte zu löschen.
    Wie schnell aus Liebe tatsächlicher Hass wird der fast zelebrierend in aller Öffentlichkeit ausgetragen wird kann man einfach nicht verstehen – und daran nagt man – bis zum Schluss.
    Seitdem leide ich auch unter dieser „Bindungsangst“ was Freunde betrifft. Ich hinterfrage jede Mimik, jede Geste und interpretiere teilweise zuviel hinein, dass ich mir selbst gerne einmal den Kopf waschen oder schütteln möchte.
    Ich will niemandem auf den Schlips treten aber gleichzeitig niemanden an mich ran lassen – weil ich eben die Befürchtung habe, dass das ganze wieder passieren kann, bzw. denke dass das alles wieder so kommen wird.
    Die Selbstzweifel gegenüber mir selbst versuche ich so gut es geht zu verstecken aber neue Freundschaften zu schließen. die vielleicht doch nur partiell von Dauer sind – das ist immernoch eine Herausforderung für mich. Den Schritt von Bekannten zu Freund habe ich seither erst nach einer sehr langen Bewährungsfrist gewagt, teilweise hat das über ein Jahr dazu gebraucht.
    Ich würde viele dafür tun diese Gefühl und diese Angst einfach abzuschütteln, die Selbstzweifel hinter mir zu lassen.
    Es erleichtert mich sehr, dass hier soviele dasselbe Problem hatten/haben, welches Sie wie mich im tiefsten Inneren jeden Tag begleitet.

    Vielen Dank, dass du das ausgesprochen und uns zusammen gebracht hast !

    Reply
  • Nicola 5. September 2016 at 10:32

    Hallo Lina,

    dein Text hat mich wirklich sehr berührt. Ich bin sonst eine stille Leserin deines Blogs aber zu diesem Thema muss ich nun auch einfach einmal kommentieren. Diese Situation kommt mir so bekannt vor, da ich genau das selbe auch erst durchlebt habe. Mit einer Freundin, die von einer Nachbarin für mich zu einem sehr wichtigen Bestandteil meines Lebens wurde. Es fing an mit kurzen Gesprächen auf dem Hausflur und entwickelte sich zu mehrmaligen Treffen in der Woche, gemeinsam durchfeierten Partynächten, Urlauben und sehr tiefen Gesprächen. Leider ist mir dann genau das selbe wie dir passiert, ein paar Kleinigkeiten sammelten sich an, wurden angepsrochen, jedoch nicht ernst genommen. Irgendwann wurden aus diesen Kleinigkeiten immer mehr und immer größere Probleme, bis es zu einem Knall kam und seitdem besteht kein Kontakt mehr. Besonders schlimm ist, dass sich gemeinsame Freunde jetzt in der Mitte gefangen sehen und nicht mit der Situation umgehen können, genauso wenig wie ich. Ich weiß leider nicht, wie sich das ganze weiter entwickeln wird aaber dein Text hat mir irgendwie Mut gemacht, trotz allem so weiter zu leben und zu versuchen das Beste daraus zu machen. Ich werde mich nicht verstellen und auch meine ehrliche, offene Art aufgeben, denn das ist, was meine „wirklichen“ Freunde an mir schätzen.
    Vielen Dank für diesen tollen, ehrlichen Post, der mich wirklich sehr berührt hat.

    Reply
  • Sina 5. September 2016 at 14:36

    Liebe Lina,

    Du haust mich immer wieder um… Mit deinen Worten, die mich so oft an mich selbst erinnern! Auch ich wurde plötzlich und völlig unerwartet von einer meiner liebsten Freundinnen verlassen. „Wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen…“, könnte man auch sagen. Ich war gelähmt und geschockt, musste verschiedene Phasen des Verarbeitens durchleben und bin mittlerweile bei Gleichgültigkeit angekommen. Und trotzdem… Manchmal, ganz selten, wenn ich mal alleine bin, denke ich wieder dran und springe zurück in eine andere Phase. Das Unverständnis, die Trauer, die Selbstzweifel… Glücklicherweise ist dieses Gefühl am nächsten morgen wieder vorbei. Bis zum nächsten kleinen oder größeren Rückfall.
    Danke, Lina, für deinen tollen Text. Er hat mir sehr weiter geholfen! <3

    Reply
  • Janina 6. September 2016 at 13:02

    Ein – wie immer – wunderbar berührender Artikel.
    Ich kenne das nur zu gut, Angst haben. Dieses lähmende Gefühl, dass sich in der Brust frei macht, bis man kaum noch atmen kann und den Kopf so sehr benebelt, dass jeder klare Gedanke unmöglich scheint. Und das schlimme: Angst geht nie vorbei, sie kommt immer wieder und wieder im Leben, weil man immer wieder Menschen verliert und vor neuen Herausforderungen steht.
    Menschen/Freundschaften/Partner zu verlieren ist besonders schmerzhaft. Etwas vertrautes ist plötzlich nicht mehr da, und in einem drin ist nur noch ein Loch, das bei jedem Atemzug sticht. Das schmerzt beim Aufwachen und bei jedem Schritt. Und irgendwie hat man das Gefühl, es geht nie vorbei. Aber aus jeder Verletzung wird irgendwann eine Narbe. Nur die Narbe, die bleibt.

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  • Ava 7. September 2016 at 12:25

    Hallo Lina,

    dass, was mir mittlerweile auch schon 3x passiert ist, hast du fantastisch in Worte gefasst.
    Ich kann dir nur sagen – es wird irgendwann besser.
    Nicht jeder Mensch ist zu dem fähig, was dir durch deine ehemalige Freundin widerfahren ist.
    Und wahrscheinlich würde auch dein Umgang damit bei einem zweiten Mal besser/anders werden.

    Ich verlor eine ehemals beste Freundin, einen langjährigen Lebenspartner, mit dem ich nach meiner Trennung von ihm noch Jahre später befreundet war (so dachte ich zumindest – 18 Jahre kannten wir uns da) und einen sogenannten Beziehungspartner.

    Wortlos. Einfach untergetaucht. Ohne Erklärung.

    Bei der Freundin „weiss“ ich, dass sie mit meiner Ehrlichkeit gegenüber alles und jedem nicht klarkam. Sie wollte ihr Leben rosarot lassen und brauchte niemanden, der sie hin und wieder auf den Boden holen wollte (weil Selbstbetrug sich wohl doch besser anfühlt).

    Der langjährige Freund, nun ja, hier kann ich nur erahnen, was es hätte sein können. Aber vielleicht ist er auch gestorben. Naja.

    Und der dritte im Bunde, der sogenannte Beziehungspartner, war ein Feigling.

    Deine Freundin war vielleicht neidisch auf dich?
    Und sei es nur darauf, wie du Dinge anpackst, dein Leben lebst oder mit etwas umgehst?
    Manchmal sind es auch nur banale Äußerlichkeiten, die Menschen von uns wegtreiben. (Sie ist viel schöner als ich, blabla)

    Umgekehrt kenne ich auch.
    Ich hatte auch mal eine Freundin, die habe ich irgendwann, als ich nicht mehr konnte, sowas wie geghostet…

    Meine Begründung für mich war, dass ich durch sie immer depressiv wurde. Ihre Gesellschaft hat mich jedes Mal runtergezogen; sie liess selten ein gutes Haar an mir, mal zu dünn, mal scheiss Klamotten (nach ihrem Geschmack), mal die falsche Herkunft/Wohnort/Umgang/suchs-dir-aus.
    Sie konnte sich über alles lustig machen, was ihre sogenannten Freunde betraf, sagte aber, das täte sie nur, weil sie uns ja so mag.
    Aha.
    Ihre Sticheleien und ihr andauernder Sarkasmus haben mich auf jeden Fall von ihr weggetrieben. Sie hatte an allem und jeden etwas auszusetzen.
    Ich habe ihr das oft gesagt, aber gebracht hat es nichts. Irgendwann habe ich einfach aufgegeben. Ohne weitere Worte.
    Insofern kenne ich beide Seiten der Medaille.

    Für mich selbst heisst das aber, dass jeder Mensch dunkle Punkte / Bereiche in sich trägt, die -wenn sie zu oft tangiert werden- einfach einen Fluchtreflex auslösen können.
    Diese Bereiche dem anderen, vor dem man flüchtet, zu erklären, schafft man meist nicht.
    Man gesteht damit eine Schwäche ein und vielleicht belächelt der andere das dann oder versucht dir das auszureden.
    Oder es ist dir gar nicht so bewusst.
    Du allein weisst aber, dass man es dir nicht ausreden kann, weil es sich in dir schon so festgefressen hat, dass niemand von aussen noch eine Chance hat.

    Vielleicht besass deine Freundin einen solchen Punkt, der einfach nicht verschwinden wollte.
    Manchmal bringen uns andere Menschen, und meinen sie es auch noch so gut mit uns, an unsere Grenzen. Ohne es zu wollen.

    Doch wenn wir nicht bereit sind, diese zu überschreiten, müssen wir aufgeben.

    Ich hoffe, du findest für dich eines Tages eine Erklärung.
    Wenn nicht – mir hat damals sehr geholfen, meine Fragen an diese Person aufzuschreiben und sie selbst für mich nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten. Oft liegt man damit gar nicht weit von deren Wahrheit entfernt.

    Vielleicht hilft es dir.

    Lieber Gruss
    Ava

    Reply
  • Simone 8. September 2016 at 19:41

    Liebe Lina, liebe Menschen, die vor mit kommentiert und von ihren Erlebnissen berichtet haben –

    Danke und wow. Ich hab es immer als persönliches Versagen empfunden, dass mir das – nicht nur einmal – passiert ist. Es tut mir so leid, dass ihr alle da durch musstet, aber ich finde es auch irgendwie tröstlich, dass wir damit nicht allein sind.
    Danke, Lina, dass du mit diesem mutigen Post eine Plattform geschaffen hast, auf der wir sehen können, dass wir nicht irgendwie komisch sind, sondern dass solche Dinge manchmal passieren. Egal wie gut, schön, erfolgreich wir sind. Menschen sind unberechenbar und manchmal sind sie grausam.
    Aber das sagt über diejenigen, denen das passiert, nichts aus.

    Reply
  • Linklove #3: Was ihr dieses Wochenende lesen solltet | Glowbus 9. September 2016 at 12:12

    […] Erst neulich habe ich auf Edition F einen Artikel zu Ghosting gelesen. Das ist ein psychologisches Phänomen, bei dem eine Person ganz plötzlich aus dem Leben einer anderen verschwindet, ohne Erklärung und ohne jegliche Reaktion auf Kontaktaufnahmen. Zuvor hatte ich ehrlich gesagt noch nie davon gehört und es stimmte mich sehr nachdenklich. Wie oft passiert sowas? Anscheinend gar nicht so selten, denn erst vor wenigen Tagen schilderte Lina ihre Erfahrungen mit Ghosting. Eine Freundin hatte sie vom einen auf den anderen Tag verlassen. Was das mit ihr gemacht und wovor sie seitdem Angst hat, erzählt sie in diesem sehr ehrlichen und persönlichen Text. […]

    Reply
  • Lisa 10. September 2016 at 14:01

    Ein richtig guter Artikel, danke dir dafür! Ich hab gerade nicht nur eine Passage an Freundinnen geschickt, weil wir Ghosting vor einem Jahr auch am eigenen Leib Kennenlernen durften. Was bewegt die Menschen nur zu sowas….

    Viele Grüße!

    Reply
  • Sandy 11. September 2016 at 15:25

    Erstmal danke, dass du deine Gedanken und Ängste so offen und ehrlich mit uns teilst. Dieser Beitrag inspiriert mich unheimlich und bringt mich ernsthaft zum Nachdenken. Zwar kann ich meine Situation nicht mit Ghosting definieren, aber ich wurde ebenfalls von meiner engsten Freundin, sehr abrupt und unerwartet im Stich gelassen. Und auch wenn das nun 2 Jahre her ist, nagt es doch noch sehr an mir, zumal wir 10 Jahre lang eine sehr intensive Freundschaft geführt haben und wir quasi wie Familie füreinander waren.

    Mir tuts in jedem Fall sehr leid für dich, ich bewundere deinen Mut darüber zu schreiben.

    Cheerio!
    Sandy

    Reply
  • Jana 28. September 2016 at 21:43

    Ich kannte den Begriff ghosting bis eben nicht aber auch mir ist das passiert. Ich verlor eine Freundin, die mir jahrelang nahe stand, mich kannte.. Um meine Schwächen, begangenen Fehler und so viel „Inneres“, das man nicht mit jedem teilt, wusste..
    Bevor sie ganz weg war, wurde der Kontakt bereits weniger.. Ich wurde seltener eingeladen aber beim konkreten Ansprechen, hatte sie Erklärungen parat.. Es würde mir nur so vorkommen, es habe diesen und jenen Grund..
    Somit gab es keib Erklären, kein „arbeiten“ an den aufgenommenen Unstimmigkeiten in dieser Freundschaft, keine Begründungen für ihr Zurückziehen.. Und dann!? Auch sie hat dritten von mir erzählt, was mich am allermeisten getroffen hat.
    Durch sie fällt es mir schwer, andere an mich heran zu lassen.. Was wenn das, was ich offenlege irgendwann wieder als Waffe eingesetzt wird, da es achtlos (ohne Kontext) Fremden erzählt wird? Fehler die gemacht wurden, falsche Entscheidungen, die ohnehin schon bereut werden!? Es tut weh, verraten und verkauft zu werden und bei mir ist es verbunden mit dem immerwieder aufkommenden Bereuen.. Bereuen sich in diesem Menschen getäuscht zu haben aber vor allem das Bereuen sich üverhaupt geöffnet zu haben und sich damit verwundbar gemacht zu haben.

    Reply
  • Isabelle 28. Juni 2017 at 20:05

    Liebe Lina,
    vielen vielen Dank für diesen Post. Ich weiß, was es heißt, mit Ängsten zu kämpfen, die einen übermannen und völlig ohne Kontrolle über den eigenen Körper flachlegen. Ich weiß genau, was du fühlst, da ich fast die gleiche Situation mit einer ehemaligen Freundin durchgemacht habe. Ich wurde sogar ersetzt, auch wenn sie das bis heute leugnet. Well. Ich verbringe schon den ganzen Tag damit, deinen Blog zu lesen – und das, was ich lese, überzeugt mich stark davon, was für ein guter Mensch du sein musst. Deine offene und ehrliche Art ist erstrebenswert und dein Umgang mit Worten zeigt mir, wie ich schreiben möchte. Ich habe auf einem Blog, den ich gemeinsam mit Freunden betreibe, einen Artikel über solche Freundschaftsbreakups geschrieben. Vielleicht möchtest du mal vorbeischauen – mag sein, dass du etwas daraus ziehen kannst.
    Du scheinst wirklich fabelhaft zu sein – gerade weil du auch deine Macken nicht versteckst. Ich mag das. Und du bist ein ziemliches Vorbild was Autorinnen angeht. <3

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