SUNDAY COLUMN: LONG-DISTANCE FRIENDSHIP

31. Mai 2015

Es ist der typische Sonntag. Ich sitze mit einem Kaffee im Bett und habe 41 Tabs offen. Ungelogen. Soziale Netzwerke, Onlineshops, ein paar Blogs, das Online-Banking zur Überwachung meiner Spontanhandlungen, diverse Pinterest-Träume, ein paar Ideen für neue Reisedestinationen und dann wäre da noch das Mietwagenportal. Es wäre gar nicht so teuer, wenn ich mir noch heute ein Cabrio leihe und die knapp 250km zu ihr fahre. Ohne Stau und mit guter Musik und Sonne im Nacken schaffe ich das ins gut zwei Stunden. Machbar. Aber verrückt.
Ich schließe den Tab und atme tief aus. Auf solche Gedanken komme ich einmal in der Woche. Mindestens. Immer dann, wenn mich die Sehnsucht packt. Und ein bisschen auch die Eifersucht. Weil ich eben nicht einfach mal so an ihrer Haustür vorbeischlendern und spontan klingeln kann, weil wir nicht einfach so an einem Donnerstag eine Flasche Wein auf dem Balkon aufmachen können oder an einem Nachmittag die Kreditkarten überziehen. Weil ich nun einmal in Hamburg wohne – und meine beste Freundin nicht.

Für unsere Treffen braucht es meistens ein bisschen Planung, ein freies Wochenende und milde Geduld vom Boyfriend. Immerhin teilt der sich dann von Freitag bis Sonntag die Wohnung mit zwei Frauen und hat von seiner eigenen nur dann wirklich etwas, wenn ich in tiefen Schlaf gefallen bin. (Die mitlesenden Männer werden gerade mitleidig nicken, ich weiß.)

friendship

Wenn ich es mir aussuchen könnte – würde ich mich wohl gegen so eine Fernfreundschaft entscheiden. Aber tauschen? Tauschen würde ich trotzdem nicht. Und es auch immer wieder so machen. Denn wenn sie die Richtige ist, dann machen selbst die 250km alle paar Wochen Spaß, die man hinter sich lässt, auf dem Weg nach Hause.
Es ist verdammt schwer Menschen zu finden, denen du vertraust und bei denen dein Herz sich sicher fühlt. Menschen, die dich verstehen, wenn du es nicht tust, die deine Ecken und Fehler sehen – und dich dennoch lieben. Manchmal sogar genau dafür. Und wenn man so jemanden gefunden hat, dann hält man ihn fest, noch wichtiger aber: man passt auf ihn auf!

Jede Freundschaft will gepflegt werden, damit sie wächst und sich fest verwurzelt und wie stark sie wirklich ist, merkt man meist erst in den graueren Momenten.
Und gerade Letztere können auf langer Distanz zum großen Gewitter werden. Wer schon einmal per SMS streiten musste, der weiß welche Hindernisse auf einen zukommen können, wie schnell aus einen Missverständnis ein Spannungsfeld wird und dass es einiges an Überwindung kostet nach der Entladung noch zum Hörer zu greifen und jene Nummer zu wählen.
Im schönsten Fall ertönt dann übrigens das Besetztzeichen – weil beide es gleichzeitig versuchen.

Das Vermissen wird nicht leichter. In diesem Moment würde ich sogar behaupten: im Gegenteil.
Aber damit umzugehen wird es. Es schleichen sich liebgewonnene Rituale wie das tägliche Telefonat beim Spaziergang ein, die SMS am Morgen, gemeinsame Auszeiten oder endlich verwirklichte Träume. Das kann ein Nachmittag am See sein – oder eine gemeinsame Reise. Nur noch 57 Tage bis zu unserem nächsten Abenteuer, hoffentlich weniger bis ich dich wiedersehe.

Und bis dahin: vermisse ich dich, habe das iPhone auf „laut“, um dich nicht zu verpassen und miete vielleicht doch ein Auto. Auch wenn das verrückt ist.

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8 Comments

  • Laura 31. Mai 2015 at 13:10

    Liebe Lina,
    was für ein schöner Post 🙂 ich kann das so gut nachvollziehen und bei mir sind es sogar 800 km. Dass macht das Ganze noch etwas schwieriger. Aber zum Glück bin ich nicht die einzige, die auf so verrückte Ideen kommt und überlegt einen Wagen zu mieten. Halte durch, die Vorfreude ist die schönste Freude 🙂
    Hab einen tollen Sonntag!

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  • Katharina 31. Mai 2015 at 13:31

    Freundschaft kennt einfach keine Entfernung. Auch wenn es manchmal schöner wäre, die beste Freundin an seiner Seite zu haben, ist es doch egal, wie weit sie weg ist. Denn im Herzen ist sie immer bei dir!

    Reply
  • Alex 31. Mai 2015 at 14:12

    Mal wieder so ein schöner Post, Lina! Meine beste Freundin wohnt auch 300 km von mir weg 🙁 Dafür ist es jedes mal wenn wir uns sehen um so schöner und als wären wir nie getrennt gewesen.

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  • Yuna 31. Mai 2015 at 17:29

    Wahre Freundschaft (und Liebe) scheitert meiner Meinung nach nicht an der Distanz! Schöner Post über wahre Freundschaft.

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  • Sophia 31. Mai 2015 at 18:09

    So ein schöner Post und es scheint so, als würdest du meine Gedanken aussprechen.
    Meine beste Freundin und ich leben knapp 700 km voneinander entfernt. Vor ein paar Stunden hat sie mich nach ein paar gemeinsamen Tagen wieder verlassen müssen.
    Die Entfernung ist schwer und lässt einen manchmal verzweifeln, aber wenn man sich Rituale schafft, kann man auch für kurze Zeit diese Distanz überbrücken. Nie im Leben würde ich tauschen wollen! Mit ihr fühle ich mich wohl, angekommen. Mit ihr bin ich mehr ich selbst. Es ist schwer und macht einen traurig, wenn man nicht einfach spontan eine Straße weitergehen und dann an ihre Tür klopfen kann. Aber dafür freut man sich umso mehr, den Anderen wiederzusehen und in seine Arme zu schließen.
    Ich hoffe, dir bleibt diese Freundschaft lange erhalten! 🙂

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  • Julia 31. Mai 2015 at 18:57

    Wunderschöner Post! Meine beste Freundin wohnt 1100 km weit weg. Da geht das mit dem Auto mieten leider nicht einfach so. Wenn wir gut sind, sehen wir uns dreimal im Jahr – einmal bei mir, einmal bei ihr und einmal beim gemeinsamen Urlaub. Ich wünschte, es wäre einfacher aber ich will sie auf keinen Fall hergeben!

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  • Judith 31. Mai 2015 at 19:17

    Ohh, das kenne ich! Ich ziehe bald fast 800 km weg von meiner besten Freundin & das wird echt komisch.. Grade sind es „Nur“ 200.
    Oh mann.. Aber ich finde es ist wirklich wahr, dass echte Freundschaften sich wirklich zeigen, wenn man sich nicht jeden Tag sieht, aber wenn man es tut es so ist, als hätte man sich gerade erst verabschiedet.

    Liebe Grüße 🙂

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  • Jana 31. Mai 2015 at 20:16

    Ich beneide dich ein bisschen, dass ihr „nur“ 250 km voneinander entfernt wohnt. Meine zwei besten Freundinnen sind über 2.000 km von mir entfernt und ich erhöhe in vier Wochen auch noch auf 6.000 km. Aber es funktioniert tatsächlich, weil wir es alle wollen.

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